Ein Blick auf den Iran 01

Trotz einer gut ausgebauten Rüstungsmaschinerie besitzen die Vereinigten Staaten von Amerika kaum genügend Kapazität (und politischen Spielraum) um bodengestützte Operationen gegen den Iran durchzuführen. Bei den andauernden Drohungen von Seiten des iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad gegenüber Israel, könnte es jedoch zukünftig zu israelische Luftschlägen kommen. Also höchste Zeit für offiziere.ch ein Blick auf den Iran zu werfen. In einem Telepolis-Artikel wird detailliert auf die Lage Irans eingegangen. Ich will hier die wichtigsten Aussagen des Artikel zusammenfassen und abrunden.

Weshalb Israel? Auf einer Tagung “Die Welt ohne Zionismus” drohte Ahmadinejad in einer Rede Israel offen (siehe dazu eine Übersetzung der Rede). Amerikanische Sicherheitsorganisationen vermuten, dass Iran in ca. 3 Jahren die “Bombe” besitzen wird (die Schätzung des International Institute for Strategic Studies (IISS) geht von 2010 aus, berücksichtigt jedoch mögliche technische Probleme; amerikanische Geheimdienstquellen sprechen von 2015 – Quelle: Pierre Heumann, “Der Point of no Return rückt näher”, Spiegel Online vom 20.01.06). Ausserdem gehen diese Sicherheitorganisationen davon aus, dass eine erfolgreiche Intervention ab Ende 2007 schwieriger wird; ab diesem Zeitpunkt soll Iran genügend waffenfähiges Material besitzen, das sehr dezentral (womöglich tief untertag oder auch in stark bewohnten Gegenden) gehalten werden kann.

Wird Israel tatenlos zuschauen, wie im Nahen Osten ein islamischer Staat zu einer nuklearen Bedrohung werden könnte? Wohl kaum. Bereits am 7. Juni 1981 zerstört die israelische Luftwaffe den irakischen Atomreaktor Osirak kurz vor seiner Inbetriebnahme, um die Entwicklung einer arabischen Atombombe zu verhindern. Wo sich der iranische Nuklearreaktor befindet ist bekannt (siehe Satellitenbild: Iranischer Nuklearreaktor in Bushehr am Persischen Golf), um das iranische Atomprogramm jedoch vollständig zu vernichten, müsste Israel rund 30 Anlagen bombardieren. Eine solche Operation könnte Isreal kaum über eine längere Zeitperiode durchführen – hier kommt nun die USA wieder ins Spiel….

Wie sieht ein Luftschlag von Seiten der Vereinigten Staaten aus? Im Dezember 2004 sahen mögliche Plannungsziele (Planning Objectives) des amerikanischen Zentralkommandos (CENTCOM) folgendermassen aus (Quelle: Slideshow des CENTCOM, von “Will Iran Be Next?“, The Antlantic Monthly, Dezember 2004):

Provide the President with a set of military options to deal with Iran:
1.To punish Iran for its involvement in Iraq and support of terrorism. (Ready to Execute)
2.To set back its nuclear program significantly. (Ready to Execute in 90 Days)
3.To change the regime in Tehran. (Ready to Execute in 6 Months)

Gemäss dieser Planung sehen die Amerikaner rund 300 Bombenziele vor. Die Planung sieht auch einen möglichen Einsatz von Bodentruppen vor, doch wenn wir die Probleme im Irak betrachten, so kann ich mir ein solches Engagement weder vom Ressourcenansatz noch von der politischen Lage her vorstellen.

Möglichste militärische Aktionen scheinen also Luftschläge durch Israel (mit amerikanischer Beteiligung oder Unterstützung) zu sein.

Wie sehen die Zeitverhältnissen aus? Je länger zugewartet wird, um so komplexer wird die Operation werden. Ausserdem sieht CENTCOM ab ca. 2007 einen signifikant ansteigenden Aufwand vorher – es spricht also einiges für Luftschläge in einem Zeitraum zwischen 2006 und 2007. Der Zeitplan wird vermutlich durch die Resultate der kommenden Debatten im Sicherheitsrat nachhaltig abhängen. Die bis dann verstreichende Zeit wird zur Kriegsvorbereitung genutzt, wobei Georg Meggle, Professor für Philosophie an der Universität Leipzig im Telepolis Artikel zur Kriegsvorbereitung meint:

Das wichtigste Kriegsziel in dieser ersten Phase ist die Maximierung der Akzeptanz des Kriegs bei der eigenen Bevölkerung bzw. bei den Verbündeten. Und für diese Maximierung muss ohnehin zuerst der Eindruck erzeugt werden, man hätte nichts unversucht gelassen, um den Krieg zu verhindern. Die Akzeptanz-Maximierung verlangt, dass sich beim Volk der Eindruck festsetzt, nun sei der Krieg wirklich die ultima ratio. Der Startschuss lautet wie immer: Es gibt keine Alternative.

Mit anderen Worten: die derzeitigen politischen Bemühungen um eine Einigung mit dem Iran und das Einschalten des UNO Sicherheitsrates könnten einen zukünftigen militärischen Schlag geradezu “legitimieren”. Kennen wir den Ablauf einer solchen Kriegsvorbereitung nicht schon von den vorhergegangenen Auseinandersetzungen:
– drohen, drohen und nochmals drohen
– Anrufung des Sicherheitsrates
– je nach Lage “unerfüllbares Ultimatum” oder “präventiver Angriff”

Weitere Artikel zu diesem Thema:
Spiegel Online vom 20.01.06: Ahmadinedschad wirft Westen Antisemitismus vor
Spiegel Online vom 20.01.06: Iran erhebt Irrsinn zum Staatsprogramm
Spiegel Dossier: Der Tanz um die Bombe
Telepolis: Strategische Aufwertung – USA will Israel 5000 “Bunker Busters” liefern

This entry was posted in International, Iran.

2 Responses to Ein Blick auf den Iran 01

  1. LogKadi61 says:

    Wagen wir doch einen Blick auf alle Seiten. al Jazira hat da etwas eine andere Ansicht als der Westen. Siehe HIER
    In Arabisch wäre es sicher noch viel spannender (und deutlicher!)
    Grundsätzlich ist es sicherer für die ganze Welt, wenn der Iran keine Massenvernichtungwaffen besitzen wird/würde… Aber er ist aus dem Atomwaffensperrvertrag ausgetreten, und ein souveräner Staat. Warum sollte er nicht etwas besitzen wollen, was andere auch haben?

  2. Pingback: Offiziere.ch » Ein Blick auf den Iran 02

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