Guantanamo & Abu Ghraib – moralische Schandflecken der Amerikaner

Das Online-Magazin Salon.com hat 279 Bilder und 19 Videos über die Folterung und Demütigung von Gefangenen durch amerikanische Soldaten in Abu Ghraib veröffentlicht (siehe dazu auch news.ch). Es handelt sich um die bislang umfangreichste, öffentlich zugängliche Dokumentation über den Misshandlungsskandal um Abu Ghraib zwischen Ende 2003 und Anfang 2004 aber nach eigenen Angaben hat Salon.com eine DVD mit 2.000 Fotografien und 90 Videos, die zwischen dem 18.10. und dem 30.12.2004 gemacht wurden, erhalten. Vermutlich handelt es sich bei den Bildern auf der DVD um den kompletten Set an Bildern, den das Pentagon erhalten hat und unter Verschluss halten wollte.

Natürlich ist die Veröffentlichung von solchem Material immer problematisch, wenn es zur Erhöhung der Einschaltquoten (oder bei Websites zur Erhöhung der “Popularität”) verwendet wird. In diesem Fall bin ich jedoch der Meinung, dass die Veröffentlichung notwendig ist, um nachhaltig aufzuzeigen, dass die amerikanischen Streitkräfte in Abu Ghraib moralisch versagt haben und nicht eine Spur besser waren, als das irakische Regime, das sie bekämpften. Ähnlich wie der deutschen Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg, wird man zukünftig der amerikanischen Bevölkerung vorhalten, dass sie eine Regierung unterstützen, die den Verstoss gegen fundamentale Menschenrechte im Minimum tolerieren. Dazu gehören nicht nur die Gefangenen in Abu Ghraib, sondern auch Gefangene in afghanischen Gefängnissen und die Gefangenen in Guantanamo dazu. Kein Amerikaner wird sich zukünftig entschuldigen können, er hätte nichts von den Machenschaften seiner Regierung gewusst.

“The United States is committed to the worldwide elimination of torture, and we are leading this fight by example.” – George W. Bush, June 26, 2003

Auf Anordnung des New Yorker Bezirksrichters Jed Rakoff und auf Antrag der Nachrichtenagentur Associated Press musste das US-Verteidigungsministerium die Verhörprotokolle der Guantanamo-Häftlinge bis zum 3.März 06 unzensiert veröffentlichen (Spiegel: 04.März 06, 05.März 06). Das US-Verteidigungsministerium befolgte die von der Nachrichtenagentur AP erklagte Freigabe-Anordnung nur widerwillig und erschwerte sie, indem sie die Akten mit einem massiven “document dump” veröffentlichten. Immerhin tauchten damit manche Muslime, die seit Jahren als verschollen galten, wieder auf. Was in diesen Protokollen zum Teil zu Tage tritt ist mehr als kafkaesk und bei manchen Insassen gibt es keine oder nur sehr zweifelhafte Beweise für terroristische Aktivitäten. Natürlich hat es unter den Insasen auch Terroristen (Mohammad al-Katani), es kann jedoch nicht sein, dass man deshalb unschuldige Menschen jahrelang von der Bildfläche verschwinden lässt. Ein Beispiel aus den Vernehmungsakten, die Spiegel-Online herausgefiltert hat:

Feroz Ali Abassi: ein Brite, der sich schriftlich darüber beschwert, dass Beamte der Militärpolizei vor seinen Augen Sex miteinander hatten. Andere Bewacher hätten versucht, ihn dazu zu zwingen, Schweinefleisch zu essen – was ihm als Muslim verboten ist. Außerdem habe man ihn in die Irre führen wollen, damit er – statt seinem Glauben folgend gegen Osten, Richtung Mekka – nach Norden, in Richtung der USA, betet. Den Unterlagen zufolge machte Abassi wiederholt darauf aufmerksam, dass er Kriegsgefangener sei und Rechte habe. Ein US-Offizier soll daraufhin geantwortet haben: “Ich mache mir nichts aus Internationalem Recht. Ich möchte die Wörter Internationales Recht nie wieder hören.”

Ob die Befragten tatsächlich die Wahrheit sagen, ist natürlich schwer zu beurteilen. Weiter scheinen die Akten Vorwürfe zu bestätigen, dass in Guantanamo Minderjährige interniert sind. Einer der Gefangenen, der nach drei Jahren in Guantanamo vor das Administrative Review Board trat, war nach Militärangaben zur Zeit seiner Einlieferung erst 16 Jahre alt.
Und im Übrigen: Abu Ghraib und Guantanamo sind nur zwei von einigen solchen Gefangenenlagern. (Telepolis)

Eines ist klar: Guantanamo und ähnliche Einrichtungen müssen geschlossen werden und die Gefangenen müssen einen fairen, rechtstaatlichen Prozess erhalten.

Weitere Links zu diesem Thema: Zeit.de – Artikel 1, Artikel 2, news.ch – Selbstmord Brief aus Guantánamo und ein Spiegel-Artikel über die Zwangsernährung von Häftlingen in Guantanamo.

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One Response to Guantanamo & Abu Ghraib – moralische Schandflecken der Amerikaner

  1. chartaland says:

    Die US Regierung verhält sich so absolutistisch wie die europäische Könige vor der Revolution.

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