Deutscher Einsatz im Kongo

Anfangs letzter Woche wurde durch die EU entschieden, dass ein Einsatz von militärischen Formationen zur Sicherstellung der Wahlen im Kongo durchgeführt werden soll (siehe Netzzeitung). Eine wichtige Rolle dabei spielt die Deutsche Bundeswehr, die diesen Einsatz führen und ca. ein Drittel des Personal stellen wird (500 auf 1500 Gesamtbestand). Damit sind deutsche Soldaten nicht nur in Ex-Jugoslawien und in Afghanistan in grösserem Umfang im Einsatz und es drängt sich langsam die Frage auf, ob dieser zusätzliche Einsatz nicht die Kräfte der Bundeswehr überstrapaziert – auch bei der Deutschen Bundeswehr wird fleissig gesparrt.
Wenigstens wäre die europäische Friedenstruppen nicht alleine im Kongo: Seit 1999 ist eine UN-Truppe von 16.000 Mann (MONUC; inkl. 2 Schweizer UNO Militärbeobachter und 2 Schweizer Polizisten CIVPOL) bemüht, dem Land den Frieden zu bringen, nachdem zuvor eine Schutztruppe der Afrikanischen Union kläglich versagt hatte. Die neue, integrierte kongolesische Armee ist weder voll aufgestellt noch verlässlich genug, um die öffentliche Ordnung zu bewahren. Was kann da die europäische Friedenstruppe mit 1.500 Mann erreichen, insbesondere bei Unruhen nach der Wahl (zum Vergleich: die Hauptstadt Kinshasa aleine zählt rund 7.7 Millionen Einwohner)?
Die Wahl im Kongo eine grosse Chance, dass endlich Frieden in diesem Land einkehrt. Diesen Friedensprozess wurde bereits bei der Ausarbeitung einer Verfassung durch die EU aktiv unterstützt, die Entsendung der Friedenstruppen ist also eine logische Weiterentwicklung in den Bemühungen und letztlich auch ein Zeichen, dass man glaubt, dass der Kongo mit europäischer Unterstützung den Weg in den Frieden weiter beschreiten wird. Es geht deshalb auch nicht um eine militärische Eingreifmission, sonder darum mit einigen hundert Soldaten in der Hauptstadt Kinshasa Präsenz zu zeigen (show of force), so Ausschreitungen schon im Keim zu verunmöglichen und mit dem Gros der Truppe im Fall der Fälle Europäer aus dem Gebiet evakuieren – ein Auftrag also, der durchführbar ist.

Als Quelle diente mir die “Zeit”. In ihr wurden zwei interessante Artikel über den bevorstehenden Einsatz veröffentlicht. Zwei freie Journalisten nehmen unterschiedliche Stellungen zu dem möglichen Einsatz ein, einer pro, der andere contra.

Weitere Links zum Thema:
Armeeverband hält Kongo-Einsatz für “Show”

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One Response to Deutscher Einsatz im Kongo

  1. Hurra, Deutschland ist wieder da.
    War es nicht besser als die Deutschen nur Europäer sein wollten.
    Der Patridiotismus führt uns in eine Sackgasse.http://www.vaterlandslose-gesellen.de

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