Neulich beim AAD 10: Übung 1 – Piraten-Jagen

Navy Looks to Zap Swimming Foes

Der Bundesrat hat das Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) in Zusammenarbeit mit dem Eidgenössischen Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) damit beauftragt, mit der Europäischen Union das Abkommen über die Beteiligung am maritimen Anti-Piraterie-Einsatz Atalanta auszuhandeln.

Eine Beteiligung der Schweiz an der EU-Mission NAVFOR Atalanta begrenzt sich auf einen militärischen Einsatz für den Schutz von Schiffen des Welternährungsprogramms (WFP) und kann gegebenenfalls auf den Schutz von schweizerischen Frachtschiffen ausgedehnt werden, die im Gebiet der Mission Atalanta verkehren. Der Auftrag der Schweizer Armee umfasst lediglich den Schutz von Schiffen und die Abwehr von Angriffen durch die Piraten. Eine militärische Offensive gegen die Piraten an Land oder im Wasser, die über das Schutzmandat der Militärpolizei hinausginge, ist ausgeschlossen.

Der militärische Einsatz der Schweiz ist auf 30 Personen begrenzt. Folgende Personen werden der Mission NAVFOR Atalanta zur Verfügung gestellt: Ein medizinisches Team, dem ein Arzt und Pflegepersonal angehört, höchstens vier Stabsoffiziere, zwei Teams der Aufklärungs- und Grenadierformationen der Armee (AAD 10) und drei Spezialisten für juristische Fragen.

Über das AAD 10
Das AAD 10 basiert auf der Verordnung über den Truppeneinsatz zum Schutz von Personen und Sachen im Ausland (VSPA). Diese Verordnung wurde anfangs Mai 2006 vom Bundesrat – ohne grosses Echo von den Parlamentariern – verabschiedet und damit mögliche Einsätze der Sonderoperationskräfte der Schweiz politisch abgesegnet. Nicht einmal der Tagesanzeiger begriff, dass es bei diesen Einsätzen nicht um Friedensförderung geht:

Gegenüber den konsultierten Kommissionen versichert das VBS, dass für all diese Einsätze «derzeit» keine Milizsoldaten vorgesehen werden. Grundsätzlich sollen alle nur mit dem Einverständnis des betroffenen Staates oder mit einem Uno- oder OSZE-Mandat erfolgen. Darauf hat die Aussenpolitische Kommission des Ständerates gepocht, als sie sich Anfang Monat hinter das Vorhaben stellte. Insbesondere bei Einsätzen in Krieg führenden Staaten sei «grosse Vorsicht» geboten, damit das Völkerrecht und das Neutralitätsrecht nicht verletzt werden. — Bruno Vanoni, “Neue Truppe für Auslandeinsätze akzeptiert”, Tagesanzeiger, 15.02.2006.

 
Bei den Sonderoperationen des AAD 10 geht es gemäss Taktischer Führung Zif 143f unter anderem um…

[...] militärische Aktionen kleineren Ausmasses, welche in allen Lagen geführt werden können, um Ziele politischer oder militärischer Natur zu erreichen. Sie können unabhängig oder im Rahmen von grösseren militärischen Operationen in einem nationalen oder multinationalen Rahmen erfolgen [...]
Sonderoperationskräfte können im gesamten Einsatzspektrum der Armee eingesetzt werden. Ihre Aufgaben sind:

  • Nachrichtenbeschaffung: z.B. Erkundung bzw. Aufklärung im Rahmen von friedenserhaltenden Operationen oder zugunsten von Kampfeinsätzen,
  • Schutz eigener Kräfte und Personen: z.B. Schutz des Vorausdetachementes bei friedenserhaltenden Operationen oder Rettung und Rückführung von Schweizer Bürgern,
  • Kampfeinsätze: z.B. Angriffe zur Lähmung oder Zerstörung von Zielen strategisch-operativer Bedeutung oder Gegenangriff auf Objekte nationaler Bedeutung.

 
Über den geplanten Einsatz der Schweizer Armee im Rahmen der Operation Atalanta
In folgenden Artikeln wurde der geplante Einsatz der Schweizer Armee im Rahmen der Operation Atalanta diskutiert:

Quellen

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5 Responses to Neulich beim AAD 10: Übung 1 – Piraten-Jagen

  1. SL says:

    S AAD 10 söll de Max os Lybien hole. deför sends jo do. Stot sogar so im Uftragsbuech vom AAD 10: “Rückführung von Schweizer Bürgern aus dem Ausland.” Gruss en Fläbler

  2. Mark says:

    Zum Glück ist die Lybien-Affäre mittlerweile ohne AAD 10 beendet worden.

    Wenn man sieht, wie sich momentan Sondereinsatzkräfte und Heerscharen von Polizisten mit Robotern, Helis und Suchhunden schwer tun, einen (!) Rentner ohne Geiseln im Inland dingfest zu machen.

    PS: Ich kenne den Unterschied zwischen AAD10 als Teil der Armee und den erwähnten Polizeieinheiten. Gerade darum: Punkto Ernstfall-Einsätze hat die Schweizer Armee und das AAD10 (zum Glück) noch weniger Erfahrung als die Polizei. In den meisten Fällen stinkt der Fisch am Kopf, also bei der Einsatzleitung und der Ausbildung. Mit ausländischen Einheiten trainieren und bei Uebungen gut abschneiden ist das eine, der Ernstfall das andere.

  3. Schori says:

    @Mark
    Was wir in den Medien verfolgen können ist richtige Polizeiarbeit. Polizeiarbeit ist zeitaufwendig, mühselig. Wir sprechen hier von einem Menschen der sich offensichtlich minutiös auf diese Konfrontation vorbereitet hat. Die Polizei ging vorerst, zu Recht, von einem senilen, alten Menschen aus, und musste ihr Bild laufend anpassen. Ich hoffe, dass sie diesen Menschen alsbald ohne Blutvergiessen festnehmen kann.
    Wie man von Polizeiarbeit, die man nur vom Hörensagen her kennt, auf den Ausbildungsstand des AAD10 schliessen kann ist mir schleierhaft.

  4. Mark says:

    @schori. Das hoffe ich auch.

    Nur gibt es in den beiden Fällen offenbar grosse Probleme bei der Einsatzleitung und generell der Selbstüberschätzung – bei der “besten Armee der Welt” wären im Gegensatz zur Polizeieinsatz in Biel nicht einmal die nötigen (Transport-)Mittel von/nach Lybien zur Verfügung gestanden.

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