Nachschlag 09 – der Frühling schlägt um sich

Nun ist es definitiv: es ist Frühling, die Temperaturen steigen, die Bäume schlagen aus und wie bereits angekündigt die Taliban in Afghanistan zurück.
Ende März wurden bei zwei Anschlägen im Norden von Afghanistan (Faisabad in der Nähe von Kundus) vier deutsche Bundeswehrsoldaten verletzt, einer so schwer, dass er zurück nach Deutschland verlegt werden musste. Eine Patrouille der Bundeswehr war in einer Stadt 25 Kilometer nördlich von Kundus unterwegs, als eine an einem Fahrrad befestigte Sprengstoffladung ferngezündet wurde. Der andere Angriff wurde mit einer russischen Panzerfaust auf ein Erkundungsteam der Bundeswehr ausgeführt. Weshalb dieser Anschlag erst mit über einer Woche Verspätung den Medien gemeldet wurde, steht in den Quellen (Netzzeitung, Spiegel) nicht.
Am 7. April wurde bei einem Selbstmordanschlag auf einen britischen Militärkonvoi zwei britische Soldaten verletzt. Nach Angaben der afghanischen Polizei in der Provinz Helmand sprengte sich der Attentäter mit seinem Auto in der Nähe eines Militärstützpunkts in der Provinzhauptstadt Lashkar Gah in die Luft.
Am 8. April hat sich ein Selbstmordattentäter in Herat vor einen Stützpunkt der italienischen Schutztruppen der NATO in die Luft gesprengt. Italien hat im Rahmen der ISAF rund 150 Soldaten in Herat stationiert, die dem regionalen Aufbauteam angehören. Die Stadt nahe der iranischen Grenze und die dazugehörige Provinz gelten als eher stabil und ruhig. Beim Anschlag wurden ein afghanischer Wachmann und ein Passanten getötet, sowie weitere sieben Menschen verletzt, darunter ein Zivilbeschäftigter der italienischen Truppen. Ein Anrufer, der sich als Talibansprecher ausgab, sagte Journalisten, die islamistischen Rebellen hätten den Anschlag verübt. (Quelle: Netzzeitung, Tagi)

Spiegel publizierte ein Interview mit dem amerikanischen Ökonom und Nobel-Preis-Gewinner (2001 im Bereich Wirtschaft) Josph Stigliz über die Kriegsökonomie der USA. Er ist der Meinung, dass der Krieg in der jetzigen Art und Weise finanziell unverantwortbar ist, dass die USA die Kosten sich aber trotzdem leisten können. Die Ziele im Nahen Osten Stabilität zu erreichen, Demokratie zu verbreiten oder die Ölversorgung zu sichern wären mit dem für den Krieg aufgewendeten Geld auch mit anderen Massnahmen erreichbar gewesen (zum Vergleich: die reichsten Länder der Welt geben ca. 50 Milliarden Dollar für Entwicklungshilfe aus). Ein paar interessante Aussagen von Stigliz:

  • Niemand nimmt dieses Argument [dass es beim Krieg um die Verhinderung von weiteren Anschlägen in den USA geht] ernst, die meisten glauben doch, dass das Risiko durch den Irak-Krieg nur noch größer geworden ist.
  • Natürlich könnten wir uns eine solche Ausrüstung [besser gepanzerte Fahrzeuge und besserer Körperschutz] leisten. Aber unser Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagt, ihr kämpft mit dem, was ihr habt. Das ist gewissenlos. Das Militär schaut auf die kurzfristigen Kosten. Wenn Sie heute an der Ausrüstung knausern, spart man Geld und lässt die hohen Gesundheitskosten für die nächsten Präsidenten. Ich halte das für finanziell und moralisch unverantwortlich.
  • Beruhigend (?) dass Präsident Bush nun der Meinung ist, dass er den Krieg im Irak nie wollte. Verblüffend, wie es möglich ist, dass Bush ungestraft seine Bürger dermassen Belügen kann. Aber womöglich brechen ihm die Anschuldigungen, dass er geheime Unterlagen gezielt weitergegeben habe, die zur Enttarnung der CIA-Agentin Valerie Plame führte, das Genick – nicht juristisch, denn der Präsident darf geheime Akten deklassifizieren, aber vielleicht politisch. Bush selber hat solche Enthüllungen mehrfach verurteilt und stets gefordert, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Die Hintergründe der Plame-Affäre und was Valerie Plame mit den falschen Gründe, die schlussendlich zum Irakkrieg führten, verbindet, findet man im Wikipedia-Artikel. (Quelle: Netzzeitung, Spiegel )

    Klar, dass unter diesen Umständen im Weissen Haus keine Frühlingsgefühle aufkommen – vorallem zwischen
    Donald “kämpft-mit-dem-was-ihr-habt” Rumsfeld und Condoleezza “Condi” Rice ist Spannung in der Luft. Nach dem Eingeständnis von US-Außenministerin Rice, die USA hätten in der Irak-Politik taktische Fehler begangen, schwingt Verteidigungsminister Rumsfeld die verbale Keule: “Um ganz ehrlich zu sein, ich weiß nicht, wovon sie geredet hat.” (Quelle)


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