Nahost-Update

Robert Fisk, ein im Libanon lebender britischer Journalist, stellt die These auf, die Terroranschläge auf friedliche oder betende Schiiten im Irak würden durch die amerikanische Besatzer ausgeführt werden:

Sie werden in den Medien meist als Selbstmordanschläge bezeichnet, haben aber oft die typischen Anzeichen ferngezündeter Bomben, wie sie der CIA verwendet. Unklar blieb aber weiterhin, wer dann die wirklichen Selbstmordanschläge durchführt, bei denen irakische Zivilisten das Ziel sind. (Quelle: journalismus)

Woher will er das wissen?
- zwei Mitglieder eines britischen Militärgeheimdienstes in Basra wurden von irakischen Polizisten erwischt, als sie mit einem Auto bis unters Dach voll Sprengstoff auf dem Weg zu einem belebten Markt waren.
- Informationen von einem syrischen Geheimdienstmann.

Nach Fisk wollen die Amerikaner damit den Druck auf sich reduzieren (“[The Americans are] desperately trying to provoke a civil war around Baghdad in order to reduce its own military casualties”). Mir persönlich offenbart sich kein Sinn hinter dieser Idee. Ich bin sogar der Meinung, dass ein Bürgerkrieg ein Nachteil für die Amerikaner darstellt und dass dies den Amerikanern klar bewusst ist. Es ist auch fragwürdig ob Fisk aus einem neutralen Journalisten Standpunkt argumentiert, es fehlen jedenfalls stichhaltigen Quellen und Argumente. Trotzdem, ich werde in Zukunft die Augen vermehrt offen halten, ob es andere Hinweise für diese These gibt.

Eine andere interessante Schlagzeile betrifft das angebliche Vorhaben der USA die Europäer unter ihr Raketenabwehrschutzschild zu nehmen:

Wie die “New York Times” [..] berichtet, sieht ein Regierungsvorschlag die Aufstellung von zehn Abwehrsystemen gegen iranische Interkontinentalraketen bis zum Jahr 2011 vor. Im Gespräch seien Polen und Tschechien als Standorte. [..] (Quelle: Spiegel)

Mit einem Abwehrschild auf europäischem Boden wollten die USA ihre Abfangsysteme nahe potentieller Flugrouten iranischer Raketen positionieren, die auf Europa zielen. Im Zusammenhang mit einer möglichen Bedrohung ist bereits die Radaranlage auf der britischen Militärbasis Flyingdales ausgebaut worden. Gleiches sei für die US-Überwachungsanlage auf der Thule Air Base auf Grönland geplant und auch mit Japan ist im Bereich des seegestützten Aegis-System (siehe Bild rechts) eine Zusammenarbeit vorgesehen. Natürlich denken die USA bei diesem Angebot in erster Linie nicht an “Nächstenliebe”, sondern suchen bei den befreundeten Staaten zusätzliche Finanzquellen und bindet sie zusätzlich technisch bzw. militärisch an sich. In Bezug auf Polen und Tschechien ist Russland nicht sehr erfreut.
Bisher haben die USA Abfangsysteme in Alaska und auf der Luftwaffenbasis Vandenberg in Kalifornien stationiert. Über deren Qualität wird heftig diskutiert. Kritiker meinen, die ganze Thematik sei nur ein Versuch, die Diskussion abzulenken und die Bedrohung durch den Iran weiter hochzuspielen.

Siehe auch Telepolis.

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