Personalprobleme bei der Schweizer Armee

Eigentlich ist es kein Geheimniss: seit dem Start der Armee XXI fühlen sich nicht alle Berufsoffiziere in der Schweizer Armee wohl. Insgesamt 95 Berufsoffiziere und Unteroffiziere sind seit 2003 aus dem Dienst ausgeschieden, 24 allein in den ersten vier Monaten dieses Jahres. Dies steht jedoch nicht alleine in Verbindung mit der zugenommenen Arbeitsbelastung in der Armee XXI (3 RS-Starts, weniger Personal muss mehr Arbeit erledigen usw.), sondern auch mit der systematischen Streichung von Privilegien und den deutlich beschränkteren Karrierechancen, da mit der Armee XXI die Anzahl hohe Kaderpositionen verringert wurden.

Auch andere Effekte der Armee XXI wurden von den Personalverantwortlichen zu wenig in Betracht gezogen. Durch die Reduzierung der Truppenstärke und der Verringerung der Kommandantenstellen, gibt es weniger Offiziere, die überhaupt die militärischen Bedingungen zum Berufsoffizier erfüllen. Ein weiter Problem stellen die ständig ändernden Bedingungen dar – seit Herbst 1999, als die ersten Zeitmilitär probeweise angestellt wurden, haben sich die Bedingungen, wie man vom Zeitmilitär zum Berufsoffizier gelangen kann, beinahe jährlich geändert. Eine zeitlang war eine Berufslehre und der Vorschlag zum Kp Kdt ausreichend, die Berufsmatura bzw. der Vorbereitungskurs für die ETH wurde vollumfänglich bezahlt (inkl. Verdienst). Eingeführtes Assesement, Sporttest, die Reduktion der Löhne bzw. kompletter Wegfall der bezahlten Berufsmatura setzte die Schmerzgrenze für interessiert Zeitmilitär je länger desto höher und dementsprechend nahm auch das Interesse an einer Laufbahn als Berufsoffizier ab. Von den anfangs 2003 an der AKAD zur Ausbildung gestarteten Zeitmilitär sind nun rund 1/4 an der MILAK – vorallem die Reduktion des Lohns um rund 40% während der Ausbildung hatte viele abgeschreckt. Also, wir stellen fest: die Anforderungen sind gestiegen – Löhne, Privilegien usw bleiben gleich oder werden sogar gestrichen.

Es war also bereits vor der Armee XXI offensichtlich, dass in Zukunft die Anzahl der Berufsoffiziers-Einsteiger abnhemen wird. Wie hat nun das VBS auf diese Entwicklung reagiert? Es versucht an Hochschulen neue potenziele Berufsmilitär anzuwerben. Dabei stellen sich insbesondere zwei Probleme: wer will nach einem erfolgreichem Hochschulstudium (zum Beispiel als Architekt, Chemiker usw) in der Armee als Berufsoffizier arbeiten und zweitens, welcher Hochschulstudent besitzt bereits die notwendige Ausbildung in der Schweizer Armee?

Nun will das VBS das Prämiensystem wiederbeleben: Ab Juni bekommen Mitarbeitende des Militärdepartements pro Rekrutierung eine Prämie von 500 Franken. (Quelle: news.ch, NZZ). Dieses Prämiensystem gibt es bereits länger und verursachte auch schon diverse Reibereien, wer diese Prämie schlussendlich unter welchen Kriterien bekommt. Es würde mich ja brennend interessieren wieviele Prämien bis anhin überhaupt ausbezahlt wurden.

Vermutlich ab Herbst 2006 soll mit einer Militärischen Fürungsschule wieder vermehrt den Offizieren mit einer Berufslehre Rechnung getragen werden. Planungen sehen vor, dass dann geeignete Zugführer (Korrektur vom 29.05.06: Kompaniekommandanten) mit einer Militärischen Führungsschule zum Berufsoffiziersanwärter ausgebildet werden und in einem zweiten Schritt zum Berufsoffizier weitergebildet werden könnten – genaueres ist noch nicht klar.

Langfristig wird das VBS feststellen müssen, dass man nur dann genügend qualifizierte Berufsmilitär halten kann, wenn die Entlöhnung auf allen Stufen stimmt, wenn gewisse Privilegien vorgesehen sind, wenn Karrierechancen bestehen und wieder vermehrt auf die Wünsche und Bedürfnisse der Einzelpersonen eingegangen wird.

PS.: Möchte jemand Berufsoffizier werden, dann bitte mit mir Kontakt aufnehmen – Prämie wird geteilt ;-)

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7 Responses to Personalprobleme bei der Schweizer Armee

  1. Marc says:

    Ich kenn 33 Halbschlaue, die an der ETHZ rumdümpeln und BO werden wollen. Das gäbe schon mal einen schönen Batzen…
    Hauptsache sie nehmen uns den Anspruch auf das Geschäftsfahrzeug nicht auch noch…

  2. Parcival says:

    Ich bin Oblt der LW und schliesse gerade mein Studium als Psychologe ab. Auf Grund der Situation auf dem Arbeitsmarkt wäre für mich der BO eine akzeptable Laufbahn gewesen, weil ich aber seit einem Monat bereits eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Forschung habe, kommt für mich der BO nicht mehr in Frage. Mit anderen Worten, ich kann den Artikel komplett bestätigen.

  3. Tinu says:

    Die Aargauer Zeitung AZ liefert noch weitere interessante Fakten, welche die Zahl 95 (Austritte) etwas relativiert. Hier der Link:
    http://www.aargauerzeitung.ch/pages/index.cfm?dom=2&id=101252110&rub=100004698&arub=100004867&nrub=0&sda=1

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