Ist da Propaganda am Werk?

Spiegel-Online schrieb gestern: “Japanischen Medien zufolge steht Nordkorea kurz vor dem Abschuss einer Taepodong-2-Rakete mit einer Reichweite von bis zu 6000 Kilometern, die das Festland der USA erreichen könnte.” Angesichts eines möglichen Test einer Langstreckenrakete in Nordkorea sind die USA und Japan am “Säbel rasseln”. Diese Langstreckenrakete soll anscheinend chemisch, biologische und (womöglich) nukleare Gefechtsköpfe tragen können. Pentagon-Sprecher Bryan Whitman: “Die amerikanische Regierung konsultiert ihre Partner in der Region und hat klargemacht, dass ein Raketentest ein provokanter Akt wäre.”

Heute hat die Washington Times gemeldet, dass das Pentagon ihr Raketenabwehrsystem in Alaska in Betrieb genommen hat. Panik ist jedoch nicht angebracht, denn als Legitimation für die in den USA stationierten Abfangraketen wurde der Schutz insbesondere vor nordkoreanische Langstreckenraketen angeführt. Also eine gute Gelegenheit der Sinn dieses Raketenabwehrsystems zu demonstrieren und so den Kritikern die Wind aus den Segeln zu nehemen, die die Wirksamkeit des Raketenschutzschild stark bezweifeln (siehe dazu auch Netzzeitung.de, Defenstech und Telepolis). Da scheint mir die Frage begründet, ob hier nicht Propaganda von Seiten USA und Japan am Werk ist.

Victoria Samson vom Center for Defense Information meint, dass Nordkorea mit dem Raktentest die USA zu direkten Gesprächen zwingen (als wie zur Zeit im Sechs-Parteien-Gespräch), den Druck auf die USA zum Erreichen von Zugeständnissen aufrecht erhalten und natürlich um einen neuen Antrieb für seine derzeitigen Rakten (Taepodong 1) testen will. Viel zu befürchten hat Nordkorea bei diesem Raketentest nicht – Russland und China mit ihrem Vetorecht im UN Sicherheitsrat stehen zur Zeit auf Seite Nordkoreas. Aber auch die USA und Japan haben wenig zu befürchten – Victoria Samson dazu:

I think that the whole hullabaloo about this now showing that North Korea can strike all of the United States is just that – a hullabaloo. (Quelle: Defense Tech)

Dr. Jeffrey Lewis, Direktor des “Managing the Atom Project” am Belfer Zenter für Naturwissenschaft und Internationale Beziehungen an der Harvard Universität, von Arms Control Wonk kritisiert die Berichterstattung um das nordkoreanische Raketenprogramm bereits im Mai 2006 stark:

I don’t think the US IC or anyone else has any idea of what a Taepo Dong 2 looks like … because it doesn’t exist, other than as the presumed goal of an alleged North Korean program to develop a larger, follow-on to the Taepo Dong 1. The name is a placeholder to describe the eventual result of ongoing North Korea’s missile work.

Dazu ist noch die Aussage von General Burwell Bell, Commander U.S. Forces Korea vom März 2006 hinzuzufügen:

I’ve looked at this in some detail. The Taepo Dong II and III missiles, as we call them, are of the kind that, at least in theory, could produce intercontinental capability. Up through the late ‘90s, there was a fairly active program in North Korea to develop that missile technology and potentially to test it. In the years since the late ‘90s, the last six, seven years, we have seen very little activity by the North Koreans to actively continue to develop and test long-range missile systems. There’s no doubt in my mind that they have the capability to begin more technological investigation and to begin a regiment to lead to testing and potentially to lead to fielding. But there’s no evidence of it right now.

Die Aufregung um einen bevorstehenden nordkoreanischen Raketentest, und die Suggerierung damit wäre die “westliche Welt” direkt bedroht, ist wohl als Propaganda der USA und Japans zu bewerten. Interssant was weiter passiert, denn nach Angaben amerikanischer Geheimdienste seien die Nordkoreaner bereits mit dem Befüllen des Treibstoffs beschäftigt, was heissen würde, dass die Rakete spätestens in den nächsten 5 – 10 Tage gestartet werden müssten:

U.S. intelligence officials said there are signs that the North Koreans recently began fueling the Taepodong with highly corrosive rocket fuel. Normally, when liquid fuel is loaded into missiles the missile must be fired within five to 10 days, or it must be de-fueled and the motors cleaned, a difficult and hazardous process. (Quelle: Washington Times)

Bildverzeichnis

  • Bild 1: Defense Tech – vermutlich ein Propagandaplakat.
  • Bild 2: General Secretary of the Korean Workers’ Party (WPK) and Chief General of the army Kim Jong Il on a poster at the Pyongyang embroidery institute. © Alain Nogues/Corbis
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3 Responses to Ist da Propaganda am Werk?

  1. Coimbra says:

    Ich halte die Aktivierung des “Rakentenschildes” nicht für propaganda oder allenfalls eine riesen Dummheit. Denn genauso wie ein Abschuss einer Nordkoreanischen Rakete als Legitimation für den Raketenschild verwendet werden kann, kann ein Fehlschlag den Tod für dieses Projekt bedeuten. Immerhin hat dieser super Schild irgendwie von 10 Raketen 8 nicht getroffen (bin mir nicht sicher)

  2. Pingback: Offiziere.ch » “Volle Energie auf die Schilde!”

  3. Pingback: Offiziere.ch » Nordkorea - Update 01

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