In Nordkorea ist ein Reissack umgefallen

Über die geplanten nordkoreanischen Raketentest wurde auf offiziere.ch schon in mehreren Artikel berichtet und anfangs dieser Woche hat Nordkorea diese Tests durchgeführt. Mit den Berichten versuchte ich darzulegen, dass nicht nur gemäss meiner Ansicht, die USA und Japan mit Hilfe der Medien eine Propaganda-Operation gegen Nordkorea führen. Mal ehrlich, in Bezug auf die Relevanz dieser Raketentests, hätte genau so gut ein Sack Reis in Nordkorea umfallen können.

Seit Dienstag hat Nordkorea 7 Rakten in Richtung Japan gestartet und gemäss Tony Snow, Pressesprecher von US-Präsident Bush sind weitere Tests zu erwarten. Unter den Geschossen sind laut koreanischen Angaben Kurzstreckenraketen vom Typ Scud, Rodong-Mittelstreckenraketen und mindestens eine Langstreckenrakete vom Typ Taepodong. Die Langstreckenrakete sei jedoch nach ca. 40 Sekunden ins Meer gestürzt – hunderte Meter Meilen vor der japanische Küste. Von einer Verletzung des japanischen Terretoriums kann dabei nicht gesprochen werden, denn gemäss Seerecht fängt die Zone, in der ein Staat Rechte gelten machen kann, die sich aus seiner Souverenität ergeben, erst ab 24 Seemeilen (ca. 45 km) vor der Küste an. Die USA und Japan verlangen in der Folge Sanktionen – da Nordkorea jedoch bereits vom Rest der Welt isoliert ist, werden Wirtschaftssanktionen kaum nachhaltig Wirkung erzielen. Ausserdem ist der Sicherheitrat nicht so einheitlich positiv zu Sanktionen eingestellt, wie die USA dies glauben machen wollte: Russland und China sind gegen eine Resolution gegen Nordkorea, dabei ist China immerhin der wichtigste Nahrungsmittellieferant Nordkoreas.In der Zeit findet man eine interessante Analyse zu dem Raketentest. Gemäss Zeit wirft das Scheitern des Taepodong-Versuchs ein Licht auf den Stand der Rüstung des stalinistischen Landes aber auch gleichzeitig auf die Aussagen der Mitarbeiter und Berater um Rumsfeld. Vor acht Jahren prophezeite die „Rumsfeld-Kommission“, dass mehrere Länder und namentlich Nordkorea binnen fünf Jahren über nuklear bestückte Langstreckenraketen verfügen würden. Dieser Umstand ist nicht eingetreten; es fragt sich, ob Nordkorea überhaupt fähig wäre, einen geeigneten Atomsprengkopf zu konstruieren. Nach Schätzungen des amerikanischen Nuklearwaffen-Experten David Albright verfügt das Land derzeit über 20 bis 53 Kilogramm waffentauglichem Plutonium – eine bedenkliche Menge. Aber bis heute konnte niemand Anzeichen dafür ausmachen, dass die Nordkoreaner imstande wären, daraus einen Sprengkopf zu bauen, geschweige denn, ihn so zu miniaturisieren, dass er auf eine Langstreckenrakete passt.


Bildverzeichnis
Bild 01: South Korean protesters shout slogans with a mock missile representing a nuclear weapon during a rally denouncing North Korea’s possession of nuclear weapons in Seoul, February 11, 2005. South Korea reacted with shock and suspicion on Friday to the first declaration from the reclusive North that it had nuclear weapons and had pulled out indefinitely from six-party disarmament talks. © KIM KYUNG-HOON/Reuters/Corbis

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3 Responses to In Nordkorea ist ein Reissack umgefallen

  1. Finja says:

    1 km = 1000 m
    Habe ich jedenfalls mal gelernt.
    Das bedeutet dann aber doch, dass eine Rakete, die einige hundert Meter vor der japanischen Küste ins Meer stürzt, innerhalb des 45-Kilometer-Radius der Hoheitsgewässer Japans gelandet ist.
    Oder?

  2. Administrator says:

    Hallo Finja,
    Du hast vollkommen recht 1km = 1000m. Natürlich waren es nicht einige 100 Meter sondern einige 100 Meilen (glücklicherweise ;-)). Habe es im Text korrigiert, danke für den Hinweis.

  3. Pingback: Offiziere.ch » In Nordkorea ist ein zweiter Reissack umgefallen

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