Wird die Bush – Administration vernünftig? 03

Dass sich etwas an der amerikanischen Politik geändert hat, ist nicht nur uns aufgefallen [1,2] sondern sogar der liberalen New York Times, der Washington Post und das Time Magazine widmet sich mit der Cover-Story der aktuellen Ausgabe diesem Wandel.

Gemäss der New York Times habe die Bush-Administration festgestellt, dass sie ihre Kräfte in Afghanistan und im Irak gebunden hätten und nun die viel wichtigeren Probleme mit Nord Korea (wobei ob dieses Problem wirklich so gravierend ist, darüber lässt sich bekanntlich streiten) und mit dem Iran nicht mehr im Alleingang lösen könnten.
Das Time Magazine zu der aussenpolitischen Wende des US-Präsidenten:

The shift under way in Bush’s foreign policy is bigger and more seismic than a change of wardrobe or a modulation of tone. [..] After Sept. 11, however, the Bush team embarked on a different path, outlining a muscular, idealistic and unilateralist vision of American power and how to use it. He aimed to lay the foundation for a grand strategy to fight Islamic terrorists and rogue states by spreading democracy around the world and pre-empting gathering threats before they materialize. And the U.S. wasn’t willing to wait for others to help. [Now] the Administration is paying the bill every day as it tries to cope with other crises. Pursuing the forward-leaning foreign policy envisioned in the Bush Doctrine is nearly impossible at a time when the U.S. is trying to figure out how to extricate itself from Iraq. [..] There is a danger that Bush’s belated embrace of conventional diplomacy will turn out to be a cover for disengagement, at a time when U.S. leadership is still required to fend off civil war in Iraq and deter the ambitions of Iran and North Korea–to say nothing of al-Qaeda.

Der amerikanische Investigationsjournalist und Pulizerpreisgewinner Seymour Hersh, weltbekannt durch die Aufdeckung des Massakers von My Lai im Vietnamkrieg 1969 und massgeblich verantwortlich für die Aufdeckung des Folter-Skandal im irakischen Abu-Ghuraib-Gefängnis, versucht den derzeitigen Wandel folgendermassen zu erklären: In der US-Administration hat sich das klassische Rollenverhältnis zwischen politischer und militärischer Führung gewandelt. Insbesondere das Militär hat die warnende Rolle übernommen und berät die zivile Führung nicht mehr nur in ihrem eigenen Gebiet, sondern auch in politischen Fragen. (!!) Mehrere Gründe scheinen dabei grundlegend für die Zurückhaltung der ranghohen Militärs zu sein; zum einen die Sorge, letztlich nicht in der Lage zu sein, die iranische Infrastruktur vollkommen ausschalten zu können, so daß der Iran auch danach noch die Fähigkeit zum Gegenschlag haben könnte, zum zweiten aber auch die Sorge, am Ende wie schon in Sachen Irak wieder mit leeren Händen da zu stehen, zum dritten aber auch die offenkundige Angst einiger nahöstlichen Verbündeten (namentlich genannt: Katar) vor den Folgen der amerikanischen Kriegspläne, die leicht zur Destabilisierung der Region führen könnten.

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