Nahost-Update 02

Mit der Ausweitung der israelischen Militäroperation auf den Libanon hat Israel einen Prozess in Gang gesetzt, dessen Ende ungewiss ist. Zuerst: ja, israelische Soldaten wurden entführt – ja,die Hisbollah hat isrealisches Territorium angegriffen. Es war sogar das erste Mal, dass eine der Katjuscha-Raketen der Hisbollah, eine ursprünglich in der Sowjetunion entwickelte, mittlerweile meist modifizierte Boden-Boden-Rakete, eine Distanz von mehr als 20 Kilometern überwand. Sie zerstörte mindestens ein israelisches Wohnhaus und es gab auch zivile israelische Opfer. Immer wieder kommentierten israelische Medien in den vergangenen Tagen, dass der Abzug aus dem Libanon, aus dem Gazastreifen Fehler gewesen seien, die nun wieder gut gemacht werden müssten. Trotzdem: ist das Grund genug um den Libanon in ein Chaos zu stürzen, Zivilisten zu töten, Infrastruktur zu zerstören und den Libanon vom Rest der Welt abzuschneiden?

Israel will mit der Offensive die Hizbollah aus dem Südlibanon vertreiben und die Regierung in Beirut zwingen, gegen die militante Organisation vorzugehen. Beide müssten “einen hohen Preis zahlen”, wenn die Aggressionen nicht aufhören, sagte Innenminister Ronnie Bar-On. Die Luftangriffe auf Beirut waren am Abend zuvor mit Flugblättern angekündigt worden. In den dicht besiedelten südlichen Stadtteilen liegen das Hauptquartier der Hizbollah, das Büro von Hisbollah-Führer Sheikh Hassan Nasrallah und der Fernsehsender der Organisation, Al-Manar. Am Morgen zeigte sich ein Bild der Verwüstung. Neben Häusern und zwei Brücken wurde auch ein Treibstofftank bei einem Kraftwerk getroffen. Trümmer stürzten auf geparkte Autos und Feuerwehrleute bemühten sich verzweifelt, die zahlreichen Brände zu löschen. Das Hauptquartier der Hisbollah blieb jedoch unversehrt, wie ein AP-Fotograf beobachtete. (Quelle: Tagi)

Frankreich, Russland und die EU kritisierten die israelische Offensive gegen den Libanon als unverhältnismässig. Die USA jedoch hat im UNO Weltsicherheitsrat das Veto gegen eine Resolution eingelegt, die Israel “unverhältnismässiger Einsatz von Gewalt” vorwirft. Interessant an dieser Resolution ist, dass sie von Katar eingebracht wurde, ein amerikanischer Verbündeter in dem sich das regionale Hauptquartier der US-Streitkräfte befindet. Katar wird offensichtlich nervös: als der Emir von Katar im Mai „privat” in den Iran reiste, bekam er statt der erhofften Zusicherungen für die Stabilität ziemlich unverhohlen mitgeteilt, dass sein Land das erste Ziel eines „asymmetrischen” Gegenschlags sein würde. Iran liess verlauten, dass sie einen Angriff auf Syrien nicht hinnehmen und “hart” reagieren würden (Syrien und Iran haben ein gegenseitiges Verteidigungsabkommen). Ob sich der Konflikt schlussendlich auf Syrien ausweiten wird, ist ungewiss. Jedenfals befindet sich in der syrischen Hauptstadt Damaskus sowohl die Hamas-, wie auch die Hisbollah-Zentrale.

Die amerikanische Aussenministerin Condoleezza Rice rief Syrien unterdessen zu “verantwortungsvollem Handeln” auf, um die Lage nicht eskalieren zu lassen. Was nun aber von der Führungsmacht USA erwartet wird, ist Einflussnahme. Doch Washington schwankt zwischen Solidaritätsbekundungen für Israel und vorsichtigen Appellen zur Zurückhaltung (siehe zur US-Aussenpolitik auch vorhergehenden Blog-Artikel). Ist die nun herrschende Situation im Nahen Osten ein Anhaltspunkt für den Iran, wie weit die US-Regierung im Nahen Osten zu gehen bereit ist – oder eben nicht?

Israel ist bereit, jeden Schritt zu machen, der angesichts des über die Grenze kommenden anhaltenden Raketenbeschusses zum Schutz seiner Bürger notwendig ist. — Olmert-Sprecher David Bake (Quelle: Spiegel)

Siehe auch Telepolis für weiterführende Informationen.

Bildverzeichnis
Bild01: An Israeli police officer runs to the site where a Hezbollah-fired rocket directly hit a building in the northern costal town of Nahariya, Thursday July 13, 2006. Rockets fired by Lebanese guerillas hit a group of journalists working in the northern Israeli town of Nahariya on Thursday, injuring at least one person. (AP Photo/Ariel Schalit)

This entry was posted in International, Libanon, Politik allgemein.

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