Israels bittere Bilanz

Im aktuellen “Schweizer-Soldat” zieht Oberst Peter Forster eine recht ernüchternde Bilanz für Israels Reservisten im Libanon-Krieg. Anscheinedn klappte die Logistik an der Front überhaupt nicht, es mangelte an Nahrung bzw. Wasser und so kam es auch zu Plünderungen von Geschäften durch israelische Soldaten. Generalmajor Avi Mizrachi, Chef des Grundbereichs Logistik des israelischen Generalstabs kritisierte die Regierung in der Folge, dass sie die Streitkräfte zu Tode spare. Ein anderer Grund für die logistischen Probleme lag aber auch darin, dass Kampftruppen und Logistik die Abläufe zu lange nicht mehr gemeinsam erprobt hätten.

Auch an anderen Stellen wurde gesparrt: so wurde das Trophy-System zum Schutz der Panzerverbände vor Raketen nicht angeschafft. Da die Reservisten schlecht ausgerüstet waren, wurde von ihnen sogar im Ausland Geld gesammelt um sich neue Helme und Schutzwesten zu kaufen. Anscheinend wurden auch die Vorbereitungen auf einen Krieg seit dem Ausbruch der 2. Intifada in den besetzten Gebieten am 28. September 2000 sträflich vernachlässigt. Das Schwergewicht der Einsätze lag bei Bewachungs- und Sicherungsoperationen, die Reservisten waren körperlich zu wenig trainiert und die Vorbereitungszeit von 3-4 Tagen reichten nicht aus um solche Defizite wett zu machen.

Die Möglichkeiten der Hisbollah wurden unterschätzt. Im Krieg besitzte die Hisbollah Stützpunkte in mehr als 100 Dörfern, legte Mienen, Hinterhalte und war zur Kräftekonzentration fähig. Als die Israeli zum Stoss an den Litani ansetzte, wartete mehrere 1000 Mann in gut befestigten Stellungen auf den Angriff. Die Hisbollah führten russische Sagger-, Cornet-, und Fagot-Panzerabwehrraketen, französische Milan-Raketen und amerikanische TOW-Raketen ins Gefecht.

Interessant liesst sich, wie der Mossad versuchte Hisbollah-Stellungen für die israelische Luftwaffe und Artillerie zu markieren. Der Mossad hatte zwei Agentenringe in die Hisbollah eingeschleust: einer in Beirut ins Hisbollah-Hauptquartier, der zweite im Südlibanon (Itrun; rund 20 Agenten). Die Agenten sprühten eine Phosphorlösung vor die Hisbollah-Kommandoposten und bezeichneten so die Ziele für Luftwaffe und Artillerie. Beide Ringe wurden im Verlauf des Krieges von der Hisbollah ausgehoben und neutralisiert.

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4 Responses to Israels bittere Bilanz

  1. Marc P. says:

    Das Logistik Problem

    Da sieht man wieder wo die Probleme im Einsatz wirklich liegen, in der Logistik, die in Friedenszeiten niemanden ernstlich interessiert und schon gar niemand einüben will. Ich rede als Inf Log Kp Kdt aus eigener Erfahrung für unsere bescheidenen Schweizer Verhältnisse: Während ich im letzten WK meine Männer und Mittel fast halbieren musste, da kein Log Bat uns unterstützte (die waren nämlich andernorts am Zeughäuser ausräumen…) wollten die taktischen Vorgesetzten sich nicht wirklich für die Logistik interssieren. Die Konsequenzen waren Fantasiebestellungen und Unverständnis. Wenn man halt Stacheldraht für eine Raumsicherungsübung braucht, muss man ihn halt irgendwo, irgendwie bestellen und Sandsäcke füllen sich halt auch nicht von alleine…

    Im Einsatz kann das Menschenleben kosten und im Entwicklungsschritt 08/11, wo nur noch eine “modulare” Zuteilung der Logistikmittel vorgesehen ist, ist der Beweis der Funktionalität noch zu erbringen.

    Die Logistik ist mit der Armee XXI mobil geworden, aber wo bewegt sie sich hin?

  2. Junes says:

    @Als die Israeli zum Stoss an den Litani ansetzte, wartete mehrere 1000 Mann in gut befestigten Stellungen auf den Angriff.

    So viel ich weis hatte die Hezbollah im Juli Krieg lediglich 700 Mann an der Front.

  3. Danke Junes für Deinen Kommentar.

    Wie ich bereits Eingangs zum Artikel andeute, handelt es sich beim Artikel um eine Zusammenfassung von Peter Forster, “Israels bittere Bilanz”, Schweizer Soldat, Ausgabe 10, 2006, 22-23. Im Artikel ist folgende Angabe zu entnehmen:

    Als die Israeli zum Stoss an den Litani ansetzte, wartete die Nasser-Brigade, der stärkste Verband der Hisbollah, mit mehreren 1000 Mann in gut befestigten Stellungen auf den Angriff.

    Aus welcher Quelle ziehst Du Deine Angaben?

  4. Junes says:

    Aus einer Doku über die Hezbollah von
    Journeyman Pictures.

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