Was ihr seid, das waren wir – was wir sind, das werdet ihr.

Beinhaus in Naters

Erinnern Sie sich noch, als die Bush-Administration die geheimen CIA-Flüge, die geheimen Foltergefängnisse bzw. Folter durch die CIA allgemein als unwahr kommentierte? Nein? Dann ist die Taktik der aufgegangen, diese Information über einen längeren Zeitraum in kleinen Dosen zu verabreichen. Anders kann ich es mir nicht vorstellen, dass die Bush-Regierung mit diesen fundamentalen Menschenrechtsverletzungen einfach so davon kommt.
Auf der anderen Seite insziniert die deutsche Regierung wegen den geschmacklosen Fotos deutscher Soldaten mit Totenschädeln einen Riesenskandal. Ob es dabei wirklich um ein moralisch geleitetes Handeln der Bundesregierung oder mehr um Schadensbegrenzung und Verhinderung von Ausschreitungen in Afghanistan handelt, ist meines Erachtens zweifelhaft (siehe dazu FAZ) – jedenfalls ist ein Vergleich mit Abu Ghraib sehr aus der Luft gegriffen. Nach Angaben der Financial Times Deutschland, lässt die “Totenschändung” die Afghanen jedoch ziemlich kalt.

Nico Fried schreibt in einem Kommentar in der Süddeutschen Zeitung:

Den Aufbauleistungen in Afghanistan ist in vier Jahren weniger Aufmerksamkeit zuteil geworden wie den Umtrieben unreifer Soldaten in vier Tagen. Plötzlich sorgen sich Politiker um die Sicherheit der Bundeswehr in Afghanistan – und offenbaren damit nur ihre Ignoranz für tödliche Attacken, denen die Soldaten schon lange ausgesetzt sind.
Billige Punkte macht manch einer auch mit der Warnung vor Terroranschlägen im Inland. Eine Aufregungseskalation ist zu beobachten, die Auftrag und Leistung der Soldaten einerseits und Verfehlungen andererseits in ein krasses Missverhältnis setzen. Das ist der Preis der Gleichgültigkeit, und zahlen muss ihn die Bundeswehr. Zu Unrecht.

Sehr empfehlenswert ist auch der Artikel auf Telepolis. Christian Gapp analysiert in seinem Artikel nicht nur die Vorkomnisse der deutschen Soldaten in Afghanistan, sondern auch, wie die BILD-Zeitung über diesen “Skandal” berichtete.

Übrigens das Bild am Anfang dieses Eintrags zeigt das Beinhaus in Naters. In der Schweiz und in Süddeutschland gibt es noch einige solcher Beinhäuser.

Aber wechseln wir wieder zu den Lebenden und damit zum Thema eingangs dieses Blog-Eintrags. Im unten verlinkten Mittschnitt von Democracy Now hört man im ersten Teil über die Erlebnisse des Kanadiers Maher Arar, der von der CIA nach Syrien zum Foltern verschleppt wurde:

Arar is the Canadian citizen who was abducted by U.S. officials at Kennedy airport in New York in 2002. He was then transported to a prison in Syria where he was held for 10 months and 10 days in a cell that resembled a grave. He was beaten, tortured and forced to make a false confession about having ties to Al Qaeda. (Quelle)

Im zweiten Teil des Mittschnitt präsentiert Stephen Gray sein Buch “Ghost Plane” über das “CIA Folter Programm”.

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One Response to Was ihr seid, das waren wir – was wir sind, das werdet ihr.

  1. Vielen lieben Dank für den konstruktiven Beitrag über die Bundeswehr. Ich lese Ihren Blog nun schon seit längerem und finde ihre Beiträge sehr hilfreich.

    Ich arbeite eine Menge mit Soldaten, vor allem mit amerikanischen und kanadischen.
    Interessant ist das sich die Meinung von Soldaten vollkommen von der, der breiten Masse unterscheidet und so gar nicht politisch ist.

    Viele Zivilisten wissen und verstehen das jedoch nicht. Die Soldaten, ob deutsch, amerikanisch, Briten oder Kanadier müssen immer den Mist ausbaden den die Politiker verzapft haben.
    Es sollte viel mehr Counselling geben, und vielleicht wacht Deutschland jetzt ENDLICH mal auf und macht die Augen auf für die Belange ihrer Soldaten.

    Es ist grausig zu sehen wie man sie hierzulande behandelt. Ich hab es mehr als einmal mit eigenen Augen gesehen wie ein Soldat bespuckt wurde… wie ein Soldat als Mörder beschimpft wurde, obwohl er noch niemals im Auslandseinsatz gewesen ist, geschweige denn jemals eine scharfe Waffe gegen einen Menschen abgefeuert hat. Dafür hat er humanitäre Hilfe geleistet…

    Naja.. was solls… man kann die Menschen nicht von heute auf morgen ändern, es ist wohl ein Prozess der noch Jahre dauert, hoffen wir nur das er irgendwann mal einsetzt.

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