Einblicke in die Fuerzas Armadas Paraguayas

Von Marc P.

Es ist schon bald ein Jahr her, als ich Euch nach meinem letzten Paraguay Aufenhalt einen Bericht über die Truppenbesuche bei der paraguayanischen Armee versprochen habe. Leider komme ich erst heute dazu, dies auch wirklich zu tun. Die Fuerzas Armandas (F.F. A.A.) von Paraguay haben seit der Unabhängigkeit des Staates von Spanien und Argentinien 1811 immer eine zentrale Rolle in der Geschichte Paragays gespielt. War doch das Land bis zum Ende der Ära Stroessner 1989 restlos durch Militärdiktaturen geprägt. Ich habe durch meine Verwandten in Asunción, die entweder lange in den Streitkräften gedient haben oder dies immer noch aktiv tun, die Möglichkeit zur Besichtigung einiger Kasernen und Ausbildungen bekommen. Hier also einige Impressionen:
En el AvionEs ist ein heisser, letzter Tag im Jahr 2005. Die mittägliche Sommersonne des 31. Dezember kennt keine Gnade mit den Kadetten (Rekruten) auf dem gut bewachten Gelände der Luftwaffe nahe der Hauptstadt. Die ‘paracaidista’ gelten wie in allen anderen Armeen, auch in Paraguay als Eliteeinheit (Es ist üblich, dass Fallschirmspringen als Zusatzausbildung zur Karriere der Berufsoffiziere dazugehört, im Gegensatz zur Schweizer Armee). Die Temperaturanzeige in unserem Geländewagen zeigt 38° Celsius im Schatten. Seit dem Antreten morgens um 0600 sind die Jungen Männer, aber auch Offiziere der Feuerwehr und der Bundespolizei (Policia Nacional), welche die Fallschirmspringerausbildung der paraguayanischen Luftwaffe absolvieren wollen, auf dem Ausbildungsplatz. Die Übungen sind einfach, hart und anstrengend. Der Helm ist grundsätzlich auf. Wer dem Drill oder der Hitze nicht standhält, gibt seinen Helm ab, kriegt Wasser und kann seine Sachen packen und wird umgeteilt. Ich sehe einige Unteroffiziere mit mehreren Helmen unter den Armen von Dannen ziehen. Die Ankunft von mir und meinen Begleitern, alle in zivil, lässt die Ausbilder kurz inne halten. Ich werde vorgestellt und herzlich begrüsst. Sofort wird eine Gruppe zu den alten Flugzeugfracks befohlen, um mir die bereits erlernten Handgriffe und Standarts des Verhaltens vor dem Absprung zu zeigen. Angeregt diskutiere ich mit den verantwortlichen Ausbildnern. Einige davon waren bereits in UN Missionen in Afrika eingesetzt und erzählen mir von ihren Erfahrungen in internationalen Einsätzen. Ruhig wird mir der Ablauf der Ausbildung erklärt. Bewaffnet ist keiner. Im Flugzeug wird die Absprunghaltung der Hände an der Waffe (M-16) bloss supponiert. Drei Wochen dauert das Training an der prallen Sonne und in den Flugzeugwracks. Als letzte Übung vor dem ersten Sprung aus einem Flugzeug, wird die Überwindung der Kadetten mit einem Ausstieg von einem Betonturm simuliert. Er ist circa 10 Meter hoch und die Absolventen gleiten an einem Metallseil zu boden.Porton
Disziplin und Gehorsam sind oberstes Gebot. Es wird nicht diskutiert, aber es kann schon Mal knallen. Ich erlebe das selber mit, als die Kadetten beim Abmelden in den Wochenendurlaub keine Viererkolonne auf Anhieb hinkriegen. Menschenrechts- organisationen werfen den paraguayanischen Armeeführung immer wieder vor, die fundamentalen Menschenrechte zuwenig zu respektieren und auch Minderjährige in ihren Reihen zu beschäftigen. Nicht etwa um sie zu Soldaten auszubilden, sondern um sie als einfache Hilfskräfte (Reinigung etc) zu missbrauchen. Es kommt leider auch vor, dass Rekruten ihren Aufenthalt in der Armee nicht überleben. Eine lückenlose Aufklärung findet aber kaum statt und die Umstände bleiben meistens mysteriös. Ausserdem wurde ein ungerechtes Zweiklassensystem für den Grundausbildungsdienst installiert, welches den Studenten (sprich: sozial besser gestellten) einen dreimal 1 monatigen Dienst während den sommerlichen Semesterferien erlaubt. Die jungen Paraguayaner, welche weder die Mittel noch Möglichkeiten für ein Studium besitzen, werden für 10 Monate ununterbrochen eingezogen. Früher schickte die Armee ihre ‘Aushebungsoffiziere’ in die Busse der öffentlichen Linien in den grösseren Städten und jeder der keinen Studentenausweis vorweisen konnte, wurde automatisch in die Kaserne verfrachtet und für einige Wochen nicht mehr zu Hause gesehen…
avionesMein Verwandter war 15 Jahre Flugplatzchef in Pedro Juan Caballero, im Nordosten des Landes (Der Flugplatz war damals noch namenlos, denn er sollte nach dem ersten abgestürzten Helden benannt werden, der von dort aus sprang, und dabei umkam, was dann auch geschah…). Er gehörte zu den ersten Fallschirmspringern Paraguays und leistete Pionierarbeit in der Luftwaffe. Im Zuge der Streitkräfteorganisation nach der Militärdiktatur Stroessners, ging (musste) er in Pension. Doch sein Name öffnet heute noch Türen in Paraguay und die Offiziere, welche ich an diesen Tagen kennen lerne, begegnen ihm mit grösstem Respekt. Kein Wunder, ist er doch ein direkter Nachfahre eines der grössten Helden des Landes: Teniente Fariña! Im Tripleallianzkrieg zwischen 1865 und 1870 in dem Paraguay gegen Brasilien, Argentinien und Uruguay kämpfte, schlug Teniente (Oberleutnant) Fariña mit einer Handvoll Männern und praktisch unbewaffnet eine Kompanie Angreifer in die Flucht. Die Unteroffiziersschule der Marine trägt heute seinen Namen.
Auch die Marine hat einen besonderen Stellenwert in Paraguay, da der Grösste Teil der Grenze aus Wasser besteht. Der Rio Paraguay und der Rio Parana sind Schifffahrtsfähig und werden mit Flusstauglichen Booten überwacht. Die grösseren Kriegsschiffe, Geschenke Taiwans, legen aber nie ab, da schlicht und einfach das Geld dazu fehlt… Die Berufmilitärs in Paraguay geniessen nach wie vor einen hohen Stellenwert in der Staatsstruktur – schon rein aus historischen Gründen. Für die Bevölkerung bleibt die Armee aber ein zweischneidiges Schwert und suspektes Gebilde. Teilweise geht das bis in offene Ablehnung über, was bei der Betrachtung der Geschichte des Landes auch nachvollziehbar ist. Informationen über die Organisation, Struktur und Führung der paraguayanischen Armee zu bekommen, ist nicht ganz einfach.Guardia Offiziell gibt es praktisch nichts. Hier findet man eine mögliche Ordre de Bataille und Mitteltabelle der Streitkräfte Paraguays ohne Garantie auf Aktualität und hier ist der Link zum Verteidigungsministerium, welcher aber nicht sehr viel hergibt, was konkrete Informationen zu den Fuerzas Armadas angeht. Eine kleine Übersicht über die Luftwaffe von Paraguay gibt es hier. Mehr Informationen über Paraguay können jederzeit über den Autoren bezogen werden.

Bild 1: Einige Rekruten zeigen die vorbereitenden Übungen vor einem Absprung vor. Die Stellung der Hände supponiert die Haltung mit dem Sturmgewehr. Der vorderste Mann mit dem farbigen Halstuch ist der verantwortliche Unteroffizier der Gruppe.

Bild 2: Vor dem Armeehauptquartier mit Hauptmann Martinez (links) und dem über das Neujahrswochendende diensthabenden Offiziers im Grade eines Majors (rechts).

Bild 3: Der Ausbildungsplatz der Luftwaffe in seiner ganzen Grösse, fotografiert vom 10 Meter Sprungturm aus. Temperatur: 38° im Schatten.

Bild 4: Die Wachtmannschaft vor der Basis der Marine am Rio Paraguay. Der Wachtunteroffizier mit der Verantwortung ist durch eine gelbe Kordel gekennzeichnet. Seine Bewaffnung ist die Pistole. Einige Soldaten sind mit M-16 bewaffnet. Auf meine Frage, wie der Waffeneinsatz geregelt sei, gaben sie mir zu verstehen, dass sie schon wüssten, wann zu schiessen sei…

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7 Responses to Einblicke in die Fuerzas Armadas Paraguayas

  1. radio_24 says:

    Danke für diesen interessanten Artikel!

  2. Carlos Marinbez says:

    Tuve la satisfaccion de acompañar a Marc en su recorrido por diferentes Unidades de las FF.AA de mi pais, para darle a conocer las Unidades de las tres fuerzas. Estoy muy contento por el resumen que hizo sobre su visita y espero proximamente, no muy lejano repetir esta experiencia. Para todos saludos desde el Ejercito Paraguayo.

  3. Sehr gutes Artikel! Bin in Paraguay im Jahre 1964 geboren und mein Schwager hat eine eigene Web-Seite (www.fulgencioyegros.com), da er direkt von seinem Grossvater, dem General Fulgencio Yegros abstammt. Wir laden Sie ein diese Seite zu besuchen. U.a. will mein Schwager (Esteban Yegros,36)wissen, ob Sie noch andere Abbildungen der Fuerzas Armadas Paraguayas besitzen.

    Es wuerde uns sehr freuen, mit Ihnen Kontakt aufzunehmen.

    MfG, Norman Förster
    Asuncion – Paraguay

  4. Sagomafthag says:

    Hi all!

    As a fresh http://www.offiziere.ch user i only wanted to say hello to everyone else who uses this bbs :D

  5. Edgar Bauer says:

    Hallo,

    habe mit Interesse Ihren Bericht zur Armee Paraguays gelesen. Ich fliege in einer Woche nach Paraguay um mich ein wenig im Lande umzusehen, aber erst mal nur in der Südhälfte. Gerne würde ich mal eine Luftwaffenbasis und eine Marineeinheit besichtigen. Vielleicht haben Sie noch Kontakte, die mir da weiterhelfen könnten. Ich persönlich bin da etwas vorbelastet, da ich vor vielen Jahren beim Eintritt in die Dt. Bundeswehr in Eckernförde bei der Minentaucherkompanie angefangen habe. Musste allerdings dann aus gesundheitlichen Gründen zur Marinefliegerei wechseln ( bin aber trotzdem privat Tauchlehrer geworden). Nach meiner Militärzeit ging ich dann zur Zivilfliegerei, wo seit über 30 Jahren als Techniker arbeite.
    Wäre schön, wenn Sie sich mal bei mir melden Könnten.
    Vielen Dank, und viele Grüße

    Edgar Bauer

  6. liana says:

    Quisiera tener alguna informacion sobre el grupo Elite Einheit fallschirmspringer de la segunda guerra mundial y saber si alguien tiene una insignia de ese grupo para comparar con una fotografia antigua.Muchisimas gracias

  7. The style of writing is very familiar . Did you write guest posts for other blogs?

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