Amerikas Mann in Libyen

General_Haftar

General Khalifa Haftar. Quelle: Magharebia

von Peter Dörrie

General Khalifa Haftar führt ein ereignisreiches Leben. Geboren um 1943, war er an zwei Revolutionen in seinem Heimatland Libyen beteiligt. Er hat für und gegen den ehemaligen Machthaber Muammar al Gaddafi gekämpft und ist heute einer der einflussreichsten politischen und militärischen Akteure im libyschem Bürgerkrieg. Und vielleicht steht er auf der Gehaltsliste der CIA.

Haftar war 1969 Teil der Junta, die gegen den libyschen König Idris rebellierte und Gaddafi zur Macht verhalf. Dieser machte Haftar erst zum Generalstabschef und dann zum Kommandierenden der libyschen Einheiten im Tschad-Libyen-Konflikt, einer Reihe von Auseinandersetzungen zwischen den beiden Nachbarländern im Kontext des Kalten Krieges.

Dank U.S.-amerikanischer und französischer Unterstützung ging der Tschad aus dieser Auseinandersetzung siegreich hervor und Haftar gelangte zusammen mit hunderten libyschen Soldaten in Kriegsgefangenschaft. Gaddafi war so wütend, dass er es ablehnte, über eine Freilassung seiner Soldaten zu verhandeln. Vielleicht hatte er aber auch Angst vor einer Rückkehr Haftars als Kriegsheld.

Wechsel zur Opposition – und zur CIA
Zurückgelassen im Tschad wechselte Haftar zur Opposition im Exil und wurde Kommandeur des militärischen Arms der National Front for the Salvation of Libya (NFSL). Die NFSL wiederum bekam massive Unterstützung durch die Reagan-Administration, die sich das erklärte Ziel gesetzt hatte, Gaddafi zu stürzen.

Haftar siedelte in den frühen 1990ern in die USA um und lebte bis 2011 im “ländlichen Virginia“. Es ist sicher kein Zufall, dass sich hier auch die Zentrale der CIA befindet. Laut einem Bekannten ging Haftar in den USA keiner offensichtlichen Tätigkeit nach, konnte aber trotzdem seine große Verwandtschaft finanziell unterstützen. 1996 versuchte die NFSL Gaddafi militärisch zu stürzen. Über die kurze und erfolglose Rebellion gibt es wenige öffentlich verfügbare Erkenntnisse, aber Haftar war an ihr wohl maßgeblich beteiligt.

Der nächste große Auftritt von General Haftar erfolgt 2011. Er kehrt aus dem Exil nach Libyen zurück, um sich an der Revolution gegen Gaddafi zu beteiligen. Schnell steigt er in den Rängen der Rebellen auf und wird nach dem Sturz Gaddafis zum Oberkommandierenden der libyschen Bodentruppen ernannt.

Rebellenkämpfer wärend der libyschen Revolution 2011. Quelle: Magharebia

Rebellenkämpfer wärend der libyschen Revolution 2011. Quelle: Magharebia

 
Ein ambitionierter Mann
Doch das ist scheinbar nicht genug für die Ambitionen des alternden Generals. Heute ist Haftar einer der entschiedensten Gegner des politischen Transformationsprozesses in Libyen. Er hat eine Allianz zwischen verschiedenen Milizen im Osten und Westen des Landes geknüpft. Eine dieser Milizen, die Zintan-Brigaden stürmten im Mai das libysche Parlament. Dieser Angriff auf die noch jungen demokratische Institutionen Libyens war Teil der groß angelegten “Operation Dignity“, die Haftar auch zur Entfachung von Kämpfen im ostlibyschen Benghazi nutzte.

Öffentlich präsentiert sich Haftar gerne als Kämpfer für ein säkulares Libyen und gegen islamistische Milizen und Terroristen. Tatsächlich hat er wohl erhebliche persönliche Ambitionen, die schlecht zum demokratischen Transformationsprozess des Landes passen. Ein zentrales Projekt der aktuellen Regierung ist ein Gesetz, dass ehemalige Funktionäre des Gaddafi-Regimes aus öffentlichen Ämtern verbannt. Haftar wäre von diesem Gesetz betroffen – ebenso wie viele Anführer der mit ihm verbündeten Milizen.

Haftars Widerstand gegen den demokratischen Prozess in Lybien ist mitverantwortlich für die aktuelle Eskalation der Kämpfe. Um so wichtiger wäre es, wenn die amerikanische Regierung jetzt ihre Beziehung zu Haftar umfassend aufdeckt.

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