Waterboarding – eine neue Trendsportart? Update 01

Dieser Artikel wurde ursprünglich am 21. November 2006 erstellt. Im Verlauf der letzten Woche verabschiedete sich einerseits ein verlinktes Video über Waterboarding und andererseits haben sich die Zugriffe auf diesen Artikel stark erhöht. Aus diesem Grund wurde dieser Artikel überarbeitet und ausgebaut.

Nein, natürlich ist Waterboarding keine Trendsportart, sondern eine Foltermethode, bei der beim Opfer die Atmung durch beispielsweise ein ständig befeuchtetes Tuch stark erschwert wird und ihm somit den Eindruck unmittelbar drohenden Ertrinkens hervorgerufen wird. Durch eine erhöhte Position, bei der die Füsse höher als der Kopf zu liegen kommen, ist die Gefahr tatsächlich zu ertrinken gering. (Quelle: Wikipedia, der Artikel auf der englischsprachigen Wikipedia ist jedoch besser.)

Waterboarding wurde bereits im 14. Jahrhundert angewendet und hatte den Vorteil, dass es keine körperlichen Spuren hinterlässt. Trotzdem ist Waterboarding keine harmlose Methode, denn aus dem Algerienkrieg sind Todesfälle durch unvorsichtige oder falsche Durchführung bekannt (siehe “French Journalist Henri Alleg Describes His Torture Being Waterboarded by French Forces During Algerian War“, Democracy Now, 05.11.2007). Eigentlich wurde diese Verhörmethode ab 1800 in Europa verboten, doch im Verdeckten wurde Waterboarding in und ausserhalb Europas weiterbetrieben, beispielsweise von den Briten in den 1930er gegen Araber und Juden in den von den Briten besetzten Gebieten im Nahen Osten, im Zweiten Weltkrieg von den Japanern, vom US Militär gegen Philippinos und im Vietnamkrieg gegen Vietnamesen (siehe Bild links), im Algerienkrieg von den Franzosen, in Kambodscha von der Rote Khmer, in den 1970er in viele lateinamerikanischen Staaten usw. (Quelle: National Public Radio).

Bis zum 9/11 war die Anwendung von Waterboarding in den USA ein Verbrechen. Sowohl in Kriegsverbrecherprozessen (z.B.: Yukio Asano, japanischer Offizier, 15 Jahre Arbeitslager) wie auch in Strafprozesse (z.B.: Texas Sheriff James Parker und drei Mitarbeiter, 1983, je 4 Jahre Haft) wurde Waterboarding hart bestraft. Erst mit dem Kampf gegen den internationalen Terrorismus wird diese Methode von den USA wieder stillschweigend akzeptiert. Die CIA autorisierte deren Einsatz in Verhören ab Mitte März 2002, wobei es jedoch nicht die einzige fragwürdige Verhörmethode der CIA darstellt. Um Gefangenen Informationen zu entlocken führt die CIA eine Liste mit 10 Methoden, darunter Schläge, länger als 40 Stunden zwangsweises Stehen, nacktes Einsperren in einer kalten Zelle und periodisches Abspritzen mit kaltem Wasser. (Quelle: ABC News und New York Times). Abgesehen, dass solche Verhörmethoden mit den grundlegenden Menschenrechten nicht vereinbar sind, wird bei Experten deren Zweckmässigkeit stark bezweifelt, weil die betroffenen Gefangenen wegen den psychischen und physischen Belastungen irgendwann einfach alles gestehen, egal ob es sich dabei um die Wahrheit handelt oder nicht (beispielsweise Chalid Scheich Mohammed).

What real CIA field officers know firsthand is that it is better to build a relationship of trust … than to extract quick confessions through tactics such as those used by the Nazis and the Soviets. — Larry Johnson, ehemaliger CIA Mitarbeiter und stellvertretender Direktor für Transportsicherheit, Antiterrorismusunterstützungstraining und Spezialoperationen des Büros für Terrorismusbekämpfung des State Departements (Quelle: ABC News)

Diese zweifelhaften Verhörmethoden wurden nicht nur beim CIA eingesetzt, sondern bis September 2006 auch innerhalb des US Militärs. Mit der Neuauflage des Army Field Manuals 2-22.3 “Human Intelligence Collector Operations” wurde Waterboarding und andere “unmenschliche und erniedrigende Behandlung” von Gefangenen gleichgültig welchen Status untersagt.

In diesem Zusammenhang kann ich den Film “Taxi to the Dark Side” empfehlen. Er handelt vom US-Gefängnis Bagram in Afghanistan und gibt sowohl den US-Folterern, als auch den Opfern das Wort. Der Dokumentationsfilm wurde von der SRG im Rahmen einer Serie von zehn Dokumentarfilmen zum Thema “Demokratie” unterstützt und mitfinanziert. “Taxi to the Dark Side” ist neben vier anderen Produktionen für den Oscar nominiert. Democracy Now interviewte den Macher des Films, Alex Gibney und zeigte einige Ausschnitte aus dem Film:

 
Update vom 12.02.2008
Der Discovery Channel hat sich entschlossen den Film “Taxi to the Dark Side” nicht auszustrahlen. Da Discovery Channel die TV-Rechte des Filmes für die nächsten drei Jahre gekauft hat, könnte dies heissen, dass der Film in den USA über das Fernsehen nicht gezeigt werden kann. Die Vorführung in Kinos ist davon nicht betroffen – schlimmstenfalls gibt es BitTorrent ;-) (Quelle: Democracy Now)

 
Weitere Informationen

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3 Responses to Waterboarding – eine neue Trendsportart? Update 01

  1. Emila says:

    This is a horrible thing.
    My daughter is presentig a presentation about it.
    Its just scary.
    Emila

  2. Pingback: Decision Points – Interview mit George W. Bush (full) | Offiziere.ch

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