Nahost-Update 03

Die Zeit arbeitet gegen die amerikanischen Truppen in Irak. Gemäss Spiegel Online sind die US-Truppen in der westirakischen Provinz al-Anbar nicht mehr in der Lage die Aufständischen zurückzuschlagen. Bereits vergangenen August habe die Marineinfanterie einen Bericht verfasst, dessen Inhalt die Lage viel hoffnungsloser schildere, als öffentlich zugegeben wurde. In einem Bericht des erfahrenen Geheimdienst-Oberst Peter Devlin wird die Lage für die sunnitische Minderheit in der Provinz als äusserst miserabel beschrieben. Die Sunniten dort seien “verwickelt in einen täglichen Kampf ums Überleben”. Sie fürchteten “Pogrome” durch die Schiiten. Daher würden sich immer mehr in die Hände der Terrororganisation al-Qaida begeben. Dort hofften sie Schutz zu finden vor dem immer stärker werdenden Einfluss aus Iran. Man kann daraus folgende Schlüsse ziehen:

  • Im Irak herrscht ein Bürgerkrieg zwischen Sunniten und Schiiten (auch wenn dies die Bush-Administration immer noch ignoriert). Noch nie wurden so viele Zivilisten im Irak getötet, wie im Oktober 2006 (Quelle).
  • Auch wenn sich Syrien und Iran verständigen, sind 75% der Syrer Sunniten (1% sind Shiiten) und die Staatsreligion in Iran ist die Schia (die Schiiten sind Anhänger der Schia). Alle diejenigen, die nun darauf pochen, dass Syrien und Iran im Friedensprozess in Irak einflussnehmen sollen, scheinen dies zu vergessen. Durch den syrischen und iranischen Einfluss – der unbestritten bereits vorhanden ist – wird der Bürgerkrieg eher geschürt als unterbunden.
  • Die amerikanischen Streitkräfte werden in einem Bürgerkrieg-Irak keine Befriedung erreichen. Im derzeitigen Irak können nur die Irakis selber den Frieden erreichen.
  • Die Bush-Administration aber auch das US Militär besitzen keine Lösung für die zunehmende Gewalt in Irak.
  • Die These von Robert Fisk, dass die Amerikaner den Bürgerkrieg in Irak zum ihrer Entlastung anheizen, kann nun als Unsinn abgelegt werden.

Ich denke, die USA hat den Krieg in Irak verloren und jeden Tag, den sie länger in Irak verbleiben, werden sie unnötig weitere ihrer Soldaten opfern. Eine interessante Dokumentation zu diesem Thema ist “The War Tapes“: Infanteristen der National Guard filmen ihren Einsatz (März 2004) im Irak. Freund-Feind-Erkennung ist so gut wie nicht möglich – der Terrorist versteckt sich unauffällig in der Menge. Auf der anderen Seite betrachten die US Soldaten im Irak alle zuerst einmal als potentielle Gegner – wer will ihnen das schon verübeln? Zusätzlich können sie sich jedoch nicht mit den Einheimischen verständigen und benehmen sich wie ein Elefant im Porzellanladen. Wen verwundert den Hass der Irakis auf die US Soldaten, wenn diese mit ihrem Humvee durch die Strassen brettern und alles was ihnen in den Weg kommt einfach wegrammen (im Film zu sehen)? Ein Vergleich mit dem Vietnamkrieg drängt sich langsam aber sicher auf.

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