Body Modification is cool – 23C3 Tag 2

Wohl ausgeruht stürzte ich mich heute in den TOR-Vortrag. The Onion Router (TOR) ist ein anonymisierendes Netzwerk (zur Funktionsweise siehe Wikipedia) und hat ein paar zehntausend Nutzer in China – weltweit sind es ein paar Hunderttausend. Die ersten Ideen für das Torprojekt stammen aus dem Jahr 2000. Die Arbeit an Tor wurde 2002 durch Matej Pfajfar an der Universität Cambridge begonnen. In der ersten Zeit von 2002 bis 2004 wurde Tor durch das United States Naval Research Laboratory mit Unterstützung des Office of Naval Research (ONR) und der Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA), vertreten durch Paul Syverson, und basierend auf der originalen Idee des Onion Routing entwickelt. Die weitere Entwicklung wurde vom Freehaven-Projekt unterstützt. Die Electronic Frontier Foundation unterstützte die Entwicklung von Tor zwischen dem letzten Quartal 2004 bis ins späte Jahr 2005 hinein. Seitdem finanziert sich das Projekt durch private Spenden. Übrigens mit Torpark gibt es ein aufgepimptes Firefox, das die Daten verschlüsselt und durch das TOR-Netz sendet.

Ein wenig aus den Socken gehauen hat mich der Vortrag “Body Hacking” von Quinn Norton. Norton stammt aus einer Familie, die nach ihren eigenen Aussagen bereits einige Erfahrungen in Piercing gemacht hat. Sie selber hat sich in den vordersten Bereich des Zeigefingers einen kleinen Magneten implantieren lassen. Da in diesem Bereich die Dichte der Nerven besonders hoch ist, konnte sie nach einer gewissen Zeit elektrische Magnetfelder (Handy, das Schreiben der Festplatte, das Fliessen von Strom in Leitungen, Security-Scanner usw.) erfühlen – und zwar in einer intensiven Art und Weise. Leider wurde das Magnet später vom Körper abgestossen. Die Entfernung stellte sich als nicht ganz einfach dar, denn anscheinend hat sich das Ding im Finger verteilt – nun fühlt sie in diesem Finger nichts mehr – also, nicht nachmachen!
Trotzdem Body Modification ist cool und alle von uns sind schon längst nicht mehr 100% natürlich: Impfungen, Operationen, Korrekturen, Zahnersatz ja sogar die blosse Einnahme von Medikamenten kann unser Körper verändern. Beispielsweise Modafinil (bzw Provigil), ein Medikament gegen Narkolepsie verhindert bei gesunden Menschen das Bedürfniss zu Schlafen ohne, dass die Leistung der Betroffenen abnimmt. Norton ist ebenfalls ein Benutzer dieses Medikamentes, wie sie zu gab – und dem entsprechend aufgedreht war auch ihr Vortrag.

The French government indicated that the Foreign Legion used Modafinil during certain covert operations. The UK’s Ministry of Defence has admitted conducting ongoing research into Modafinil, while it has also reportedly been investigated by the United States military for use by soldiers to replace the current Amphetamine derivatives. One study on helicopter pilots suggested that 600 mg of Modafinil given in three doses can be used to keep pilots alert with only 8 hours of sleep in an 88 hour period. Another study of fighter pilots showed that 300 mg modafinil given in three divided 100 mg doses sustained the flight control accuracy of sleep-deprived F-117 pilots to within about 27 percent of baseline levels. It’s unclear what the long-term effects on the brain would be from this sort of sleep deprivation.

Ach noch was über die Langzeiteffekte: gemäss Norton wurde in einem Versuch Mäuse über Wochen mit Modafinil wach gehalten – eines morgens waren alle tot.

Weitere Pressereviews:
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Spiegel über RFID: Hacker Basteln sich Big Brother

Update vom 22.12.2007
Der Vortrag über Body Modification ist nun auch online abrufbar:

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2 Responses to Body Modification is cool – 23C3 Tag 2

  1. Pingback: Offiziere.ch » Volldampf voraus - 24C3 - Tag 0

  2. So sieht die implantierte Kamera ausApropos Body-Hacking: Wafaa Bilal, ein irakisch-amerikanischer Fotografie- und Kunst-Professor an der New York University, sorgte bereits in der Vergangenheit für Aufsehen. Unter dem Namen “Domestic Tension” führte er 2007 in einer Kunstgalerie ein 30 Tage lang andauerndes Projekt durch, bei dem er rund um die Uhr in einem Schlaf- und Arbeitsraum via Internet beobachtet und mit Hilfe eines im Raum installierten Paintballgewehrs (Markierer) mit gelber Farbe beschossen werden konnte. Viel Medienecho produzierte auch sein Projekt “Virtual Jihadi” 2008, bei dem er eine von der al-Qaida gehackte Version des Games “Quest for Saddam” so entfremdete, dass er darin als Selbstmordattentäter versucht George W. Bush zu töten. Beim Projekt “…and Counting” liess er sich im Juni 2010 die Namen irakischer Städte in arabischer Schrift auf den Rücken tätowieren, umgeben von ebenfalls tätowierten Punkten. Jeder rote Punkt repräsentierte dabei ein getöteter US-Bürger – jeder Punkt in einer Farbe, die nur unter Schwarzlicht zu sehen ist, repräsentierte ein toter irakischer Bürger.

    Bei seinem neusten Projekt “3rdI” liess er sich eine etwa münzengrosse, flache Kamera (siehe Bild oben links) in seinen Hinterkopf implantieren, welche voraussichtlich ab 15.12.2010 ein Jahr lang ein Bild pro Minute an das Mathaf-Museum in Qatar schicken soll, wo die Besucher sie live betrachten können. Die Universität selber zeigte wenig Freude über diese Vorhaben, weil die Studenten an Bilals Vorlesungen dadurch unter ständiger Beobachtung gestellt würden. Schliesslich schlug Bilal vor die Linse der Kamera abzudecken, wenn er sich auf dem Universitätsgelände befindet.

    Quellen

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