Nach dem Kalten Krieg ist vor dem Kalten Krieg 01

Die Beziehungen zwischen Russland und den USA werden seit längerer Zeit deutlich frostiger. Wie hier bereits im Mai 06 berichtet, führen amerikanische Pläne eines Raketanabwehrschildes in Europa zu installieren (vorgesehene Standorte sind in Polen und Tschechien) bei den Russen zu negativen Reaktionen. Wenige Tage vor Beginn der Münchner Sicherheitskonferenz, die übrigens heute startete, verschlechterte sich die Beziehungen zwischen Russland und den USA erneut. Moskaus Verteidigungsminister Sergej Iwanow warnte die amerikanische Regierung davor, in Osteuropa einen Raketenabwehrschirm zu errichten. Iwanow sprach in der “Süddeutschen Zeitung” von einem “unfreundlichen Signal”, dass Russland zu Gegenmaßnahmen zwinge und dass Russland dann auch sein Verhältnis zur NATO überdenken müsste. Inzwischen hat der Minister die Modernisierung des russischen Raketenarsenals angekündigt. Bis zum Jahr 2015 sollten unter anderem mehr als 50 neue Interkontinental-Raketen vom Typ Topol-M stationiert werden. Die Raketen sind nach Angaben von Experten in der Lage, das von den USA in Osteuropa geplante Raketenabwehrsystem zu überwinden.

Ebenfalls diese Woche haben die USA ihr größtes seegestütztes Radar  (siehe Bild links) von den Hawaii-Inseln zu den Aleuten im Beringmeer in Nähe der russischen Pazifikküste verlagert, um ihr Raketenabwehr-System zu verstärken. Das Radar sei für Erkennung von kleineren Objekten im Weltraum bestimmt und deshalb für die Raketenabwehr sehr wichtig. Das Radar sei in der Lage genaue Daten einem bestimmten Objekt im Weltraum zu liefern, die für die Steuerung von boden- und seegestützten Abfangraketen notwendig seien. Die Radaranlage ist ca 74,4 m breit, 116 m lang und 85 m hoch, wiegt etwa 50 000 Tonnen und kostete ca. 900 Mio $ – die Reichweite des Radars ist klassifiziert, wird aber wohl bei 5000 km zur Erkennung von Interkontinantalraketen liegen. Mit dem Raketenabwehr-System wollen sich die USA gegen einen eventuellen Raketenüberfall der so genannten “Achse des Bösen” schützen, doch der russische Präsident Putin glaubt dieser Formulierung nicht: „Unsere Experten glauben nicht daran, dass die Raketenabwehrsysteme, die in Osteuropa stationiert werden, der Abwehr von Gefahren dienen, die von Iran oder von Terroristen ausgehen. Terroristen haben ja keine ballistischen Raketen“, sagte Putin am Donnerstag am 01. Februar 07 auf einer Pressekonferenz im Kreml. (Quelle: RIA Novosti)

Aber auch von Seiten Russlands wird auf die Befindlichkeiten der Amerikaner kaum Rücksicht genommen – so sind die Waffenlieferungen der Russen an den Iran kein Geheimniss. Anfangs diesem Jahres wurden 29 Raketensysteme vom Typ Tor-M1 für 700 Mio $ von den Russen an die Iraner geliefert. Iran drohte den USA diese Woche, wenn notwendig mit dem Tor-M1 System amerikanische Kriegsschiffe in der Region unter Beschuss zu nehmen. Eigentlich eine verblüffende Drohgebärde, denn das System kann nur zur Verteidigung von Bodenzielen gegen Angriffe von Kampfflugzeugen, Hubschraubern, Marschflugkörpern sowie UAVs in einer Höhe bis zu 6 km mit einer Trefferwahrscheinlichkeit über 90% bei Drohnen und Flugzeugen eingesetzt werden. Demzufolge nahmen es die USA auch gelassen hin und liessen sich nicht provozieren.
Im Januar 07 kündigte Iwanow an, Russland würde weitere Verteidigungswaffen nach Iran verkaufen, wenn Teheran Interesse daran hätte. Übrigens hat auch Venezuela entschlossen 12 Tor-M1 Systeme zu bestellen, was den USA ebenfalls nicht passt.

Hier ein Tor-M1 im Test:

 
Update vom 10.02.07
Heute morgen 10:30 hat Präsident Putin in seiner Rede zu Russlands Rolle in der Weltpolitik ein Machtwort gesprochen und ist mit den USA, der NATO und der OSCE stark ins Gericht gegangen. Die Zeit gibt eine gute Zusammenfassung des Inhalts seiner Rede – die Rede selber ist zur Zeit leider nicht online.

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