Smoking Gun?

The USA lässt derzeit keine Gelegenheit aus, Iran in einem schlechten Licht zu erscheinen. Trotz der (anscheinenden) Versicherung von US Präsident Bush, dass keine militärische Aktionen gegen Iran vorgesehen sind, gleichen die derzeitigen Vorgänge denen, die schlussendlich zur Rechtfertigung des Irak-Krieges führten.

I guess my reaction to all the noise about, you know, ‘He wants to go to war’ is, first of all, I don’t understand the tactics, and I guess I would say it’s political. — US Präsident George W. Bush in a interview on C-Span.

Eine verdeckte Konfrontation zwischen den USA und Iran hat jedenfalls schon begonnen. Im Irak nehmen Sondereinheiten der Sicherheitskräfte, geführt von Amerikanern, iranische “Agenten” fest:

Jalal Sharafi was carrying a videogame, a gift for his daughter, when he found himself surrounded. On that chilly Sunday morning, the second secretary at the Iranian Embassy in Baghdad had driven himself to the commercial district of Arasat Hindi to checkout the site for a new Iranian bank. He had ducked into a nearby electronics store with his bodyguards, and as they emerged four armored cars roared up and disgorged at least 20 gunmen wearing bulletproof vests and Iraqi National Guard uniforms. They flashed official IDs, and manhandled Sharafi into one car. Iraqi police gave chase, guns blazing. They shot up one of the other vehicles, capturing four assailants who by late last week had yet to be publicly identified. Sharafi and the others disappeared. At the embassy, the diplomat’s colleagues were furious. “This was a group directly under American supervision,” said one distraught Iranian official, who was not authorized to speak on the record. (Quelle: Newsweek (nicht mehr online))

Ausserdem wollen die Vereinigten Staaten einen dritten Flugzeugträger in den persischen Golf entsenden.

Diese Woche hat die US Regierung in Baghdad Beweise präsentiert (hier findet man die Vortragsslides), die aufzeigen wollen, dass unter anderem Explosively Formed Penetrator (EFP, siehe Bild rechts) bzw. Improvised Explosive Devices (IEDs), die im Irak viele Opfer fordern, darunter auch 170 amerikanische Soldaten (sowie 620 verwundete Soldaten; bis Ende Januar 2007 wurden im Irak insgesamt 3297 US Soldaten getötet) sowie andere Waffen im Iran hergestellt wurden. Amerikanische Nachrichtendienste behaupten, dass iranische Unterstützung von irakischen militanten Shiiten-Gruppen den Krieg im Irak intensivieren. Was die USA hier produziert, könnte zur Smoking Gun werden. Nehmen wir mal an, es gibt eine blutige Aktion von militanten Shiiiten-Gruppen (was jedoch nicht mal zwingend notwendig wäre) und eine bedeutende Anzahl amerikanische Soldaten verlieren dabei das Leben – was werden dann die amerikanischen Reaktionen sein, wenn man eine Verbindung zu Iran konstruieren kann? Was wird die iranische Regierung unternehmen, sollten sich in Iran weitere Bombenatacken ereignen und die iranische Regierung würde dies als verdeckte Kriegsführung der USA interpretieren?

“I can give you my word that we don’t give IEDs to the Mahdi Army. But if you asked me if we could control our borders better if we wanted to, I would say: ‘Yes, if we knew that the Americans would not use Iraq as a base to attack Iran’.” — Iranischer Geheimdienstmitarbeiter (Quelle: Newsweek (nicht mehr online))

Wenigstens meldete sich darauffolgend US-General Peter Pace aus Australien zu Wort und relativierte die Storie: “We know that the explosively formed projectiles are manufactured in Iran. What I would not say is that the Iranian government, per se [specifically], knows about this. It is clear that Iranians are involved, and it’s clear that materials from Iran are involved, but I would not say by what I know that the Iranian government clearly knows or is complicit.”. Könnte sein, dass es dem amerikanischen Militär bei diesem zunehmenden Druck auf den Iran langsam ungemütlich wird.

Die Bush-Regierung hat in der Vergangenheit nachrichtendienstliche Erkenntnisse aus politischen Gründen verzerrt, es wurde übertrieben, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Vor diesem Hintergrund sollten wir alle sehr vorsichtig sein. Das Statement von General Pace scheint darauf hinzudeuten, dass es auch bei den Militärs Sorge gibt, dass das Weiße Haus wieder übertreibt. Ich glaube, dass die militärische Führung die Vorstellung, sich demnächst in noch einem Krieg wiederzufinden, nicht sonderlich mag. — Nahost-Experte und Ex-Bush-Berater Bruce Riedel im Spiegel-Interview

Und hier noch ein Punkt, der gegen diese “Beweisführung” der US Regierung spricht: In den letzten Wochen wurde häufiger davon berichtet, dass sich sunnitische Widerstandsgruppen im Irak auf dem Schwarzmarkt mühelos amerikanische Waffen besorgen können. Was beweist das? Etwa dass die Amerikaner im Irak sunnitische Widerstandsgruppen unterstützen? Wohl kaum!

Weiterführende Informationen
Toni Snow über die Aussage von General Peter Pace
USA wollen zweite Iran-Resolution

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