Eine Frage der Moral?

Was homosexuelle Soldaten angeht, hat sich die Einstellung der meisten Armeen ziemlich entspannt. Homosexualität ist beispielsweise in der Schweizer Armee, der Deutschen Bundeswehr, der israelischen und britischen Armee kein Ausschlussgrund mehr. Gemäss einem Artikel der New York Times akzeptieren 24 Nationen homosexuelle Soldaten und behindern auch ihre Rekrutierung nicht. Zu diesem Thema in Verbindung mit den amerikanischen Streitkräften gibt es eine interessante Studie (nicht mehr online): 23% der US Soldaten meinen sicher zu wissen, dass jemand in ihrem Verband schwul sei, wobei 59% angaben, dass sie die Information direkt von der betroffenen Person erhalten hätten. 73% der US Soldaten haben nichts dagegen, wenn Homosexuelle mit ihnen Dienst leisten. Es wird geschätzt, dass ca. 65’000 Schwule und Lesben in den amerikanischen Streitkräften Dienst leisten.

Doch bekanntlich ist die USA noch lange nicht bereit Homosexualität zu akzeptieren. In der US Armee herrscht eine “Don’t ask, don’t tell” Regel – was ich nicht weiss, macht mich nicht heiss. Erfährt der Vorgesetzte trotzdem etwas, so ist die unehrenhafte Entlassung sicher – seit 1993 wurden rund 11’000 Soldaten wegen ihrer sexuellen Präferenz aus dem Militärdienst entlassen (davon 9488 Soldaten seit 2005). Anhand der notwendigen Truppenaufstockung wird nun debatiert, ob man die bestehende Regel bei der US Armee lockern soll.

Diese Woche hat US-General Peter Pace (siehe Bild oben) klar zum Ausdruck gegeben, was er von einer Änderung der Regeln hält:

I believe homosexual acts between two individuals are immoral and that we should not condone immoral acts. I do not believe the United States is well served by a policy that says it is OK to be immoral in any way. As an individual, I would not want [acceptance of gay behavior] to be our policy, just like I would not want it to be our policy that if we were to find out that so-and-so was sleeping with somebody else’s wife, that we would just look the other way, which we do not. We prosecute that kind of immoral behavior. (Quelle: Chicago Tribune)

Was das eine mit dem anderen zu tun hat, ist zwar unklar, aber anscheinend haben die US Streitkräfte ein Auge auf den Ehepartner, wenn einer ihrer Angehörigen im Dienst ist (?)

Zum Schluss noch der Hinweis auf einen Helden des 2. Weltkrieges (und der Informatik): Alan Turing (siehe Bild recht, Quelle: Computer History Museum). Er war ein britischer Logiker, Mathematiker und Kryptoanalytiker und legte die theoretischen Grundlagen für die moderne Informations- und Computertechnologie. Turing gilt heute als einer der einflussreichsten Theoretiker der frühen Computerentwicklung und Informatik. Das von ihm entwickelte Berechenbarkeitsmodell der Turingmaschine bildet eines der Fundamente der theoretischen Informatik. Während des Zweiten Weltkrieges war er massgeblich an der Entzifferung der mit der Enigma verschlüsselten deutschen Funksprüche beteiligt. Der Großteil seiner Arbeiten blieb nach Kriegsende jedoch unter Verschluss. Turing entwickelte 1953 eines der ersten Schachprogramme, dessen Berechnungen er mangels Hardware selbst durchführte. Nach ihm benannt ist der Turing-Preis, die bedeutendste Auszeichnung in der Informatik, sowie der Turing-Test zum Nachweis künstlicher Intelligenz.

Die Strafverfolgung aufgrund Turings Homosexualität vernichtete seine Karriere. 1952 half sein Freund einem Komplizen, in Turings Haus einzubrechen. Turing meldete daraufhin einen Diebstahl bei der Polizei, die ihm infolge der Ermittlungen eine sexuelle Beziehung zu einem 19-Jährigen vorwarf. Er wurde wegen “grober Unzucht und sexueller Perversion” angeklagt. Turing verzichtete darauf, sich vor Gericht zu verteidigen. Nach der öffentlichen Verurteilung wurde er vor die Wahl gestellt, ins Gefängnis zu gehen oder sich psychiatrisch behandeln zu lassen (u. a. durch Verabreichung von Hormonen, denen eine triebhemmende Wirkung zugeschrieben wurde). Er entschied sich für letzteres. Die Östrogen-Behandlung dauerte ein Jahr an und führte zu Nebenwirkungen wie der Entwicklung einer Depression. 1954 starb Turing an einer Cyanid-Vergiftung, dem Anschein nach von einem vergifteten Apfel, den man halb aufgegessen neben ihm auffand (von da hat Apple also sein Logo !). Es wird angenommen, dass es sich um einen Selbstmord handelte. Unter seinen Biographen ist die Annahme verbreitet, die psychiatrische Behandlung und deren Nebenwirkungen seien ursächlich für den Suizid gewesen.

Und hier noch eine aussergewöhnliche, wie auch interessante Dokumentation über Alan Turing:

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