Singvogel Chalid Scheich Mohammed

Hätte ich das gewusst! Wir erinnern uns… Ende 2006 wurde mir in Berlin mein Powerbook aus dem Hotelzimmer gestohlen. Auch wenn dieser Vorfall schon beinahe 3 Monate er ist, konnte sich die (Basler) Versicherung noch immer nicht entschliessen, ob sie mir ein paar hundert Franken zahlen oder nicht (weshalb hat man eigentlich eine Versicherung, wenn sie im Schadenfall nicht zahlt?). Chalid Scheich Mohammed hat beim Verhör in Guantanamo so viele Taten zugegeben, da hätte er doch glatt den Diebstahl meines Powerbooks auch noch gestanden.

Zugegeben, Chalid Scheich Mohammed war Nr. 3 der Al-Qaida und ist ein Mörder, doch sein umfassendes Geständniss wird auch in der internationalen Presse eher skeptisch aufgenommen. Gemäss seiner Aussage war er für die Planung von 9/11 verantwortlich und war bereits Drahtzieher beim Bombenanschlag auf das World Trade Center 1993. Diese beiden Punkte waren jedoch keine umwerfende Neuigkeit für die Ermittler (siehe dazu ein Artikel der Washington Post Juli 2004). Weiter steckte er angeblich hinter dem 2001 fehlgeschlagenen Schuhbomben-Attentat auf ein Flugzeug der Fluggesellschaft American Airlines und war verantwortlich für die Planung, Überwachung und Finanzierung, um den Flughafen Heathrow, das Canary Wharf Building und den Big Ben zu zerstören. Er sei ausserdem an einem Attentatsversuch auf Papst Johannes Paul II. während dessen Besuchs auf den Philippinen beteiligt gewesen und auch die Bombenanschläge von Bali 2002 gehen laut Protokoll auf Scheich Mohammeds Konto. In einer dieser geschwärzten Passagen erklärte Mohammed nach Informationen der Nachrichtenagentur AP, er sei auch für die Enthauptung des in Pakistan 2002 entführten US-Reporters Daniel Pearl verantwortlich (was die Times anzweifelt). Insgesamt bekannte sich Mohammed angeblich zur Planung von 28 Anschlägen vor 1993 bis 2003.

Ausserdem bekennt er sich laut Protokoll zu zahlreichen geplanten, jedoch nicht ausgeführten Aktionen. Als Ziele galten Bürogebäude in Chicago, Los Angeles und New York, darunter die Börse an der Wall Street. Experten hatten bereits früher Zweifel geäussert am Ausmass der von Mohammed zugegebenen Taten. Im Bericht der Kommission zur Aufklärung der Hintergründe von 9/11 heisst es dazu, Mohammed sehe sich im Mittelpunkt «eines Spektakels der Zerstörung» und verstehe sich als «Superterrorist». (Quelle: Tagesanzeiger)

Jack Cloonan, ein ehemaliger ranghoher FBI-Mitarbeiter der bei der US-Bundespolizei für die Jagd nach Osama bin Laden zuständig war, zweifelt an den Geständnissen des Guantanamo-Häftlings Chalid Scheich Mohammed:

Der Mann hat ein kolossales Ego und schreibt sich alles Mögliche zu. Ich wundere mich, dass er sich nicht zu dem Mord an John Kennedy bekannt hat. Er weiss, dass ihm die Todesstrafe droht. Deshalb spielt er den heiligen Krieger. (Quelle: RIA Novosti)

Weshalb diese Skepsis? Mohammed erklärte, der US-Geheimdienst CIA habe ihn unmittelbar nach der Festnahme gefoltert. Der Vorsitzende bei der Anhörung fragte Mohammed ausdrücklich, ob er seine Aussage aufgrund von Zwang bzw. Folter gemacht habe. Interessanterweise wurden Teile von Mohammeds Aussage dazu aus dem Transkript der Anhörung gelöscht, so dass seine Antwort in diesem Punkt unklar bleibt. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch forderte vom Pentagon die Offenlegung dieser Passagen. Nun, ein Grund weshalb Folter in Verhören nichts bringt, liegt darin, dass die Betroffenen irgendwann einfach alles zugeben. Gemäss dem Telegraph hat die CIA zwei junge Söhne (7 und 9 Jahre alt) von Mohammed in ihrer Gewalt und haben ihn so zum Reden gezwungen.

We are handling them with kid gloves. After all, they are only little children, but we need to know as much about their father’s recent activities as possible. We have child psychologists on hand at all times and they are given the best of care. — unbekannter CIA Beamter.

Ebenfalls lesenswert: Telepolis.

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