Ein Blick auf den Iran 03

In den letzten Tagen habe ich die einschlägigen sicherheitspolitischen Journals auf die Situation USA-Iran abgeklappert. Eines ist klar, die USA ist in einer verzwickten Lage. Iran auf der anderen Seite hatte vermutlich noch nie einen solch grossen Handlungsspielraum wie derzeit. Im Foreign Affairs vom März/April 2007 werden Problempunkte aufgezeigt, die eine US Strategie, das iranische Atomprogramm aus der Luft wegzubomben, mit grosser Wahrscheinlichkeit scheitern lassen. Um alle Schlüsselanlagen zu treffen, muss der US Nachrichtendienst genau wissen, wo sich diese befinden und wie man sie am besten vernichtet. In diesem Bereich sind also detaillierte Informationen notwendig, die jedoch schwer zu beschaffen sind, denn auch die Internationale Atomenergieorganisation hat keinen freien Zutritt zu den Anlagen. Sogar eine erfolgreiche Zerstörung der Anlagen bedeutet noch lange keinen strategischen Erfolg, im Gegenteil könnte dies die iranische Führung noch zusätzlich motivieren ihren Kurs beizuhalten. Will die USA also ein iranisches Nuklearprogramm langfristig verhindern, müsste sie einen Regimewechsel in Teheran erwirken, was mit blossen Luftschlägen kaum zu erreichen ist.

Interessanter Aspekt an der Krise ist, dass die USA an der derzeitigen Sackgasse nicht ganz unschuldig sind. David Husting Dunn “Real men want to go to Theran: Bush, pre-emption and the Iranian nucleare challenge” (International Affairs 83:1 (2007) 19-38) vertritt folgende Aussage: “The invasion of Iraq was partly motivated by concern about the growing influence of Iran as a reginal power in the Middle East.” Mit dieser Invasion sieht sich Iran jedoch mehr oder weniger umzingelt: im Nord-Westen die Türkei (NATO), im Osten Afghanistan und Pakistan, sowie im Westen der Irak. Die Aussagen Bushs, dass Iran zur Achse des Bösen gehört, ein Aussenposten der Tyrannei sei und die Funktion einer zentralen Bank für Terroristen erfülle, waren bis jetzt nicht sehr hilfreich. Die Versuche Washington mit 75 Millionen Dollar einen Regimwechsel in Iran durch Exil-Iraner auszulösen (Parallelen zu Lateinamerika drängen sich hier auf), stärken nicht unbedingt das Vertrauen eines Regimes, das sich eher der Paranoia hingezogen fühlt. Auch wenn die USA im Irak feststecken, hat die Invasion dem Iran die Zerstörungspotential der USA vor Augen geführt. Die Frage ist nun, ob es aus iranischer Sicht sehr klug wäre, das Nuklearprogramm aufzugeben und somit auch auf die Möglichkeit die ultimative Gegenwaffe, eine Kernwaffe hervorzubringen? Eher unwahrscheinlich! Im Gegenteil, der Druck der USA motiviert die iranische Regierung noch stärker an ihrem Nuklearprogramm festzuhalten. So sind derzeit die Befürworter dieser unversöhnlichen Haltung nicht nur bei den radikalen sondern auch bei den gemässigten iranischen Politiker zu finden. Die USA hat durch ihr Disaster im Irak nicht nur ihren Handlungsspielraum stark eingeschränkt, sondern den Einfluss Irans in der Region gestärkt. Unter diesem Gesichtspunkt ist es auch sehr unwahrscheinlich, dass Iran sich an der Stabilisierung des Iraks beteiligt (Iran nimmt beispielsweise nicht an der Konferenz zur Stabilisierung des Iraks im Mai teil). Je stärker die US-Truppen im Irak gebunden sind, um so grösser bleibt der Handlungsspielraum Irans.

The nuclear program is an opportunity for us to make endevaors to acquire a strategic position and consolidate our national identity. — Ali Hosseinitash, stellvertretenden Sekretär des Nationalen Sicherheitsrates Irans.

Die unberechenbare Komponente in diesem Konflikt ist derzeit nicht der Iran, sondern die USA. Wird Bush als “Abschiedsgeschenk” 2008 eine Intervention veranlassen (siehe dazu “Gunning for Iran“)? Da Bush 2009 abtritt, muss er sich um eine Wiederwahl keine Gedanken machen. Auch der republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain macht kein Geheimnis über seine Meinung, dass eine Bombardierung Irans in Frage kommen könnte.

Prepare to Bomb Iran. Make no mistake, President Bush will need to bomb Iran’s nuclear facilities before leaving office. It is all but inconceivable that Iran will accept any peaceful inducements to abandon its drive for the bomb. Its rulers are religio-ideological fanatics who will not trade what they believe is their birthright to great power status for a mess of pottage. Even if things in Iraq get better, a nuclear-armed Iran will negate any progress there. Nothing will embolden terrorists and jihadists more than a nuclear-armed Iran. The global thunder against Bush when he pulls the trigger will be deafening, and it will have many echoes at home. It will be an injection of steroids for organizations such as MoveOn.org. We need to pave the way intellectually now and be prepared to defend the action when it comes. In particular, we need to help people envision what the world would look like with a nuclear-armed Iran. Apart from the dangers of a direct attack on Israel or a suitcase bomb in Washington, it would mean the end of the global nonproliferation regime and the beginning of Iranian dominance in the Middle East. — Joshua Muravchik, Operation Comeback, Foreign Policy 157, Nov. – Dec. 2006

Zusammenfassend:

  • ohne direkte Gespräche zwischen der US Regierung und der iranischen Führung wird keine Lösung des Konflikts zu erwarten sein;
  • je länger der Konflikt dauert, um so stärker wird die iranische Position;
  • eine US-Intervention in den Iran ist zwar nicht gänzlich auszuschliessen, jedoch sehr unwahrscheinlich;
  • sollten die USA trotzdem intervenieren, dann mit Luftschlägen, in aller letzter Konsequenz vielleicht auch mit taktischen Atombomben, jedoch nicht mit Bodentruppen;
  • es ist sehr wahrscheinlich, dass Iran sein Ziel, sein ziviles und/oder militärische Nuklearprogramm abzuschliessen, erreichen wird;
  • sollten sich die Beziehungen zwischen der USA und Iran nicht normalisieren, wird der Iran das nukleare Know-How mit grosser Wahrscheinlichkeit militärisch nutzen.
This entry was posted in Iran, Politik allgemein.

7 Responses to Ein Blick auf den Iran 03

  1. Pingback: Offiziere.ch » Ein Blick auf den Iran 04

  2. Administrator says:

    Zwei Kommentare von “iran” wurden wegen unverständlichem Inhalt (Spam?) entfernt.

  3. Anonymous says:

    lol was von wegen unverständlicher inhalt…! iran ist das beste land auf dieser welt was ist den bitte daran unverständlicher inhalt

    grüss
    name:?
    alter: 12

  4. Anonymous says:

    Iran ist v wiklich ein schönes land die übertreiben nur mit den Kopftücher zuviel naja aber das land ist das beste land der welt ich bin 13 xD

  5. tara says:

    ich liebe iran ich kommen selbst aus iran und usa ist scheisse sag ich iraner sind besser iran khubtare

  6. Moe says:

    Iran ist das beste land und usa hat keine chance gegen uns;)

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