Ehud Olmert ist schuld!

Ein Gastbeitrag von Patrick Truffer

Da bleibt Ehud Olmert das Wort im Halse stecken: die israelische Untersuchungskommission über den Libanonkrieg 2006 (Winograd-Kommission) stellt fest, dass Olmert’s Feldzug planlos war. Der vorläufige Report konstatierte, dass seine Entscheidung den Krieg zu beginnen falsch und übereilt gewesen sei. Er habe nicht selber die Zielrichtung vorgegeben, sondern sei vielmehr von der Armeeführung dazu verleitet worden, habe nicht nach alternativen Plänen seitens der Armee gefragt und sei nicht in der Lage gewesen, zielgerichtete Kritik an den vorgelegten Plänen zu üben.

Eigentlich konnte man von der Olmert-Regierung nichts anderes erwarten. Bevor er als politischer Freund von Ariel Sharon ins Kabinett eintratt, war er Bürgermeister der israelischen Hauptstadt Jerusalem. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern ist Olmert weder Truppenführer noch Generalstabschef. Auch der Verteidigungsminister Amir Peretz weist keine militärischen Erfahrungen auf. Beide Politiker ohne militärische Erfahrung wollten mit dem Libanonkrieg gegenüber der Hisbollah ihre eiserne Faust zeigen. Zusätzlich gab es zwischen der politischen Führung und General Dan Halutz, früherer Kommandant der Israelischen Luftstreitkräfte und während Konfliktbeginn Generalstabschef der Israelischen Streitkräfte Spannungen (Quelle: Peter Forster, “Bomben auf Beirut – Raketen auf Haifa“, 2006, Frauenfeld:Huber). Bislang wies Olmert Rücktrittsforderungen zurück, da er jedoch mit Korruptionsvorwürfen bereits “Dreck am Stecken” hat, ist anzunehmen, dass er sich einem Rücktritt nicht entziehen können wird.

Aus dem Libanonkrieg kann vorerst folgendes Fazit gezogen werden:

  • Das Operationsziel die Hisbollah im Libanon zu zerschlagen, konnte nicht erreicht werden. Sie besitzt immer noch ein recht grosses Arsenal an Kurzstreckenraketen (tausende Katjuscha-Raketen) und andere Waffen.
  • Generell führte der Libanonkrieg 2006 zu einem Auftrieb der anti-israelischen Kräfte im ganzen Nahen Osten, was auch negative Auswirkungen auf eher “moderate” Staaten wie Saudi Arabien, Jordanien oder Ägypten hat.
  • Der Krieg hat in erster Linie die Schwächen der israelischen Armee und nicht ihre Stärken aufgezeigt.
  • Die beiden entführten Soldaten (Kriegsauslöser) konnten nicht befreit werden.
  • Die UN-Friedensförderung im Libanon wurde verstärkt – die UNIFIL besitzt nun ein robustes Mandat.

 
Erste Lessons Learned aus dem Libanonkrieg:

  • Asymetrische Kriege sind nicht aus der Luft zu gewinnen. Am Boden ist die “klassische” Kriegsführung zum Scheitern verurteilt. Eine massive Bodenintervention zur Entwaffnung der bewaffneten Gruppen ist notwendig, die Bodentruppen haben dabei einen Mix zwischen militärischem und polizeilichem Aufgabenspektrum wahrzunehmen (siehe zum Vergleich “Lehrübung Raumsicherung“).
  • Eine Streitkraft kann Kollateralschäden nicht ignorieren. Abgesehen von der Verletzung humanitären Völkerrechts verliert die Streitkraft in der internationalen Öffentlichkeit die moralische Legitimität.
  • Ein Schlüsselbereich für eine erfolgreiche militärische Aktion ist die Aufklärung – diese stösst bei asymmetrischen Konflikten auf Grenzen, welche nicht mit technischen Mitteln ausgeglichen werden können. In asymmetrischen Konflikten nimmt die Wichtigkeit der Technologie ab und diejenige der Psychologie zu. Deshalb fällt der Human Intelligence (HUMINT) bei der Gewinnung von Informationen einen besonders hohen Stellenwert zu.

Bildverzeichnis
Mitte rechts: Zerstörtes Gebiet innerhalb Beirut, einen Tag nach dem Waffenstillstand (Photo: Jerome Sessini/Corbis).
Unten rechts: Libanesische Rotkreuzmitarbeiter und Rettungskräfte transportieren die Toten ab (Photo: Jerome Sessini/Corbis).

Weitere Informationen
Anthony H. Cordesman identifiziert ausführlich in einer ersten Bilanz die Lessons Learned aus dem Libanonkrieg: Anthony H. Cordesman, “Preliminary Lessons of the Israeli-Hezbollah War“, Center for Strategic and International Studies, Working Draft for Outside Comment, 17. August 2006.

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