Muss sich Israel auf einen Zweifrontenkrieg vorbereiten?

Ein Gastbeitrag von Patrick Truffer

Wie wir bereits im Mai festgestellt haben, besitzt die Hisbollah auch nach dem Libanonkrieg 2006 ein recht grosses Arsenal an Kurzstreckenraketen (tausende Katyusha-Raketen) und andere Waffen. In der aktuellsten Ausgabe der Defense News wird die Meinung vertreten, dass die Hisbollah für einen weiteren Schlagabtausch mit Israel gerüstet sei.

We have subjected our guerrillas to new training and acquired needed weapon systems and developed new tactics to face a more determined Israeli enemy, seeking revenge for its humiliating defeat in last July’s 33-day war. We also have as good tactical missiles as we did last time, with some additional surprises. — ein anonymer Sprecher der Hisbollah.

Zusätzlich scheint für Israel die Gefahr eines Konfliktes auch von syrischer Seite her zu wachsen. Die syrischen Golanhöhen sind seit dem Sechstagekrieg 1967 von Israel besetzt. Syrien hat den Anspruch über dieses Gebiet nie aufgegeben, jedoch ohne Friedensvertrag mit Israel werden die Golanhöhen weiter besetzt bleiben. Die Chancen für einen solchen Friedensvertrag sind derzeit relativ gering. Nun scheint Assad seine Strategie zu ändern: die syrische Regierung hat anfangs Juni alle Checkpoints zu den von Israel besetzten Gebieten entfernt und die Zivilbevölkerung aufgefordert, in die Dörfer der demilitarisierten Zone zurückzukehren. Analysten gehen davon aus, dass dieses Vorgehen von Assad ein Versuch ist, in den Golanhöhen eine Widerstandsbewegung “heranzuzüchten”.

Gemäss Defense News bereitet sich Syrien auf einen möglichen Krieg gegen Ende diesen Jahres vor. Ob es sich dabei um eine eher offensive Strategie handelt, oder ob die syrische Regierung sich gemäss ihrem hohen Bedrohungsempfinden eher defensive vorbereitet, ist derzeit unklar. Jedenfalls würden die syrischen Streitkräfte eine direkte Schlacht gegen die israelische Armee nicht verkraften. Syrien ist mit mehr oder weniger veralteten sowjetischen Panzern, Artillerie und Kampfflugzeugen ausgerüstet, die einen direkten Kampf nicht überstehen könnten. Daran würden wohl auch die 650 000 syrischen Soldaten und die 354 000 Reservisten nichts ändern. Ein anonymer Offizieller in der syrischen Verteidigung äusserte, dass Syrien einen direkten, klassischen Krieg aus dem Weg gehen werde, und ein asymmetrisches Guerilla-Vorgehen an der Frontlinie, unterstützt von Kurz- und Langstreckenraketen auf israelische strategische und zivile Installationen anstreben werde. Syrien verfügt über sowjetische SS-21 und Scud-D – Rakten mit einer Reichweite von 700 km.

The current year will be fateful and the remaining months [of this year] will determine the destiny and future of the region and maybe of the world. — Baschar al-Assad am 17. Juli 2007 beim Antritt seiner zweiten 7-jährigen “Amtszeit”.

Ob die Hisbollah von sich aus einen Krieg gegen Israel anzetteln wird, ist fragwürdig, da sie im Gegensatz zum Libanonkrieg 2006 auf keine grosse Unterstützung auf Seite der libanesischen Bevölkerung zählen kann. Ob Syrien bloss droht oder gar mit der Hisbollah koordiniert einen Zweifrontenkrieg gegen Israel führen will, ist ebenfalls schwer vorherzusagen. Viel wahrscheinlicher wird jedoch ein Angriff, sollte sich die Lage zwischen den USA bzw. Israel und dem Iran weiter zuspitzen. Der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad sagte in einer Ansprache kürzlich, sollte der Iran von den USA attackiert werden, werde Syrien die erste Verteidigungslinie bilden.

Hauptquellen

  • Riad Kahwaji, “Hizbollah girds for round 2 with Israel”, Defense News 22:30 (July 30 2007), 1 und 8.
  • Riad Kahwaji, “Syria preps for possible war by year’s end”, Defense News 22:29 (July 23 2007), 8.

Bildverzeichnis
Oben links: Future Warriors – Young Lebanese supporters of Hizbollah hold models of rocket-propelled grenades during a July 22 parade in Saksakiyeh, Lebanon, marking the anniversary of last summer’s war. (Defense News 22:30, Agence France-Presse Photo.
Oben rechts: On the still-occupied Golan Heights, the Israelis have preserved this Soviet-made Syrian T-62 where it was knocked out by them during the 1973 Yom Kippur War to mark the furthest advance of the Syrians in that conflict. (Flickr).

This entry was posted in International, Libanon, Patrick Truffer, Syrien.

4 Responses to Muss sich Israel auf einen Zweifrontenkrieg vorbereiten?

  1. Hanes says:

    Die Zionisten und israelis , bekommen nie genung.Das sie den Palaestinensern das lang geklaut haben reicht ihnen nicht.

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