Radikalismus ist unschweizerisch!

Ein Gastbeitrag von H. Ebert zur Wahl 08 in der Schweiz.

In diesem Kommentar geht es nicht darum, meine Parteipräferenzen in Vordergrund zu stellen; ich habe meine Wahl bereits getätigt. Was Sie, werter Leser, für eine Partei wählen ist mir eigentlich egal – Hauptsache Sie gehen wählen! Nach den Ausschreitungen am letzten Samstag spürte ich in mir einen Drang, meinem Unmut über das Geschehene in einem Kommentar Luft zu machen. Die Macher von offiziere.ch haben sich dankeshalber bereit erklärt, diesen Kommentar in ihrem Blog zu veröffentlichen – auch wenn der Inhalt des Kommentar nicht unbedingt mit ihrer Meinung übereinstimmen sollte.
Ist es überhaupt notwendig das Geschehene von letztem Samstag zu kommentieren? Ja, es ist! Was sich am Samstag entladen hat, ist die Spitze eines Prozesses, der schon seit längerer Zeit in der Schweiz im Gange ist, und der von vielen Mitbürgern einfach ignoriert wird: die Radikalisierung. An dieser Radikalisierung sind sowohl rechte wie linke Parteien mitschuldig.

Abkapselung, Alleingang, Verallgemeinerung von Problemen, Präsentation von Sündenböcke, Hetzkampagnen, Intoleranz – dies sind die Markenzeichen einiger hohen SVP-Köpfe. Auch wenn dies nicht unbedingt die Einstellung des durchschnittlichen SVP-Wählers darstellt, muss sich dieser trotzdem fragen, inwieweit er seine Verantwortung als wahlberechtigter Bürger wahrnimmt, wenn er diese SVP-Köpfe unterstützt – schliesslich gibt es auch gemässigtere SVP-Politiker. Erinnern die Bilder vom “Marsch durch (auf?) Bern” mit den vielen Fahnenträger nicht stark an eine faschistische Kundgebung? Sogar dem Bundesrat Samuel Schmid war es unklar, weshalb ein solcher Marsch überhaupt bewilligt wurde. Der faschistische Vorwurf würde natürlich insbesondere dann gelten, wenn die Organisatoren dieser Kundgebung geahnt hätten, dass es zu Ausschreitungen kommen würde und dies als wahlpolitisches Kalkül in Kauf genommen hätten. Würde eine Partei, die wahrhaftig für das Wohl der Schweiz eintreten will, tatsächlich derart Provokation und Hass in der Schweiz unterstützen? Für mich persönlich ist das, was die SVP in Bern gemacht hat, mit einem Brandstifter vergleichbar. Mit dem fehlenden politischen Fingerspitzengefühl zeigen die verantwortlichen SVP-Köpfe, dass sie nicht reif genug sind, um in diesen Land Verantwortung zu übernehmen.

Der ganze Parteiprunk mitsamt Fahnen, Defilee, Reden ihrer Führer und Singen der Landeshymne kam jeweils an den Landsgemeinden und Gautagen, die zwischen 1934 und 1938 regelmässig stattfanden, zum Ausdruck. Die grösste derartige Unternehmung war der so genannte Marsch auf Bern vom 23. Mai 1937. [..] Am Morgen des 23. Mai 1937 traf bei der Polizei die Meldung ein, dass sich Dutzende von Autocars und etwa 200 Autos von Zürich, Aargau, Basel, Schaffhausen und Genf nach Bern bewegen würden. Gleichzeitig fuhren Berner Frontisten aus der Stadt hinaus, um – wie es schien – die Polizei hinters Licht zu führen. Ziel der heranreisenden Frontisten war der Bundesplatz. In kleinen Kolonnen marschierten sie gegen 10 Uhr vor das Bundeshaus, wo sie Fahnen enthüllten. Uniformierte aus Zürich und Genf spielten Musik. Gegen 11 Uhr hielten Georges Oltramare und Rolf Henne Ansprachen vor den rund 1000 Versammelten; ein Auto diente den Rednern als Tribüne. «Wir haben uns entschlossen, nicht nach Murten und nicht nach Freiburg zu ziehen, sondern nach Bern, an die Quelle des Verfassungsbruches und der Willkür», rief Henne seinen applaudierenden Anhängern zu. Der Landesführer kritisierte «das System», von dem er verlangte, dass es sich fortan wieder vermehrt für «Recht und Gerechtigkeit» einsetze und Juden und Freimaurer aus dem öffentlichen Leben verbanne. «So geloben wir uns denn auf diesem Platze, mit kühlem Kopf und heissen Herzen weiterzukämpfen zur Ehre unseres Volkes und Vaterlandes und nicht zu ruhen, bis auf diesem Hause hier das Banner der nationalen Erneuerungsbewegung flattert!», lauteten die Schlussworte Rolf Hennes.

Nach der Demonstration auf dem Bundesplatz folgte ein Umzug mit Musik und Fahnen durch die Stadt. Da die Frontisten für den Protestmarsch keine Bewilligung eingeholt hatten, erliess der städtische Polizeihauptmann Müller den Befehl, den Umzug zu stoppen. [..] Es kam zu einem Zusammenstoss zwischen Frontisten und Berner Polizisten. Ein Polizist wurde dabei leicht verletzt, ein Frontist in Haft genommen, der Verkehr angehalten und die Scheiben eines Tramwagens eingeschlagen. [..] Der «Bund» war der Ansicht, dass die Berner Bevölkerung gegenüber dem «Frontistenspuk» vorbildliche Disziplin bewahrt habe. — Quelle: Catherine Arber. “Frontismus und Nationalsozialismus in der Stadt Bern” (2002) Lizentiatsarbeit am Historischen Institut der Universität Bern.

Aber sind die SP und die Grünen besser? Nein, vergessen wir nicht, dass der unbewilligte Anlass durch den Grünen Politiker Stadtrats Daniele Jenni organisiert wurde, der sich ausdrücklich NICHT von den Gewalttaten distanziert hat (mittlerweilen läuft ein Parteiausschlussverfahren gegen ihn). Die linke Kundgebung war von Anfang an auf Konfrontation angelegt. In der Aktionsgruppe “Das Schwarzes Schaf” reiht sich die Juso und die Grünen neben Gruppen wie “Anarchistische Aktion Bern” ein. Die SP wird zwar nicht als unterzeichnende Organisation des “Schwarzen Schafs” aufgelistet, einige SP-Politiker haben jedoch die der Kundgebung mindestens ideell mitgetragen. Auch Bilder sprechen eine Sprache: aggressiv schnaubende schwarze Schafe, eine Faust, die kämpferisch in die Höhe zeigt, in Anlehnung an das SVP-Logo steckt eine Schweizer Fahne im blutenden “Sonnenkopf” – ist das die Aufforderung zu einer gewaltlosen Kundgebung? Sogar jetzt noch steht auf der Webiste des Aktionsbündnisses:

Am „ganz FEST GEGEN RASSISMUS“ auf dem Münsterplatz haben über 5000 Personen teilgenommen. Das Fest ist friedlich verlaufen. Über die ganze Stadt verteilt waren es noch viele mehr, die ihre Ablehnung gegenüber der rassistischen SVP-Politik kundtaten. Alles in allem kann davon ausgegangen werden, dass sich an der Gegenmobilisierung mehr Leute beteiligt haben, als an dem abgebrochenen SVP-Anlass.
Hier zeigt sich ein breiter und entschlossener Widerstand. Die SVP mit ihren fremdenfeindlichen Plakatkampagnen, ihrem Blocher-Personenkult und den regelmässigen Angriffen auf demokratische Grundprinzipien muss auch in Zukunft mit massivem Widerstand rechnen.

Kein Wort von den Ausschreitungen, kein Wort der Gewaltdistanzierung – ist Sicherheit ausserhalb des Münsterplatz nicht auch die Aufgabe der Organisatoren diesen Anlasses? Steht es für die demokratischen Grundprinzipien, wenn man es in Kauf nimmt, dass Radikale aus den eigenen Einflusssphäre den Kundgebungsplatz der Gegenpartei verwüsten (inkl. Gefährdung von Unbeteiligten)? Genau diejenigen Prinzipien, die der linke Flügel immer plakativ hochhält – gegen Gewalt, gegen Militarisierung, für Toleranz, freie Meinungsäusserung, Grundrechte – haben sie in Bern nicht geschützt und somit der SVP voll in die Hände gespielt. Die Botschaft aus Bern kam bei vielen Wählern deutlich an: wer Ruhe und Ordnung will, wählt SVP – wer Anarchie und Gewalt will, wählt links. Das Aktionskomitee “Schwarzes Schaf” hat es am letzten Samstag leider praktisch im kleinen Rahmen vorgeführt.

Die Verlierer der Radikalisierung in der Politik sind nicht in erster Linie die Parteien, sondern die Schweiz und ihre Bewohner. Wollen wir es tatsächlich dulden, dass in der Schweiz politisch motivierte Gewalt Einzug hält? Wollen wir es wirklich dulden, wie hier auf unterstem Niveau und auf Kosten von gewissen Randgruppen Wahlkampf betrieben wird? Vertrauen wir Parteien, die gegen Gewalt sind – solange sie nicht gegen ihre Gegner gerichtet ist? Wollen wir der ganzen Welt vorführen, wie unsere hochgehaltenen Prinzipien (freie Meinungsäusserung, Toleranz usw.) wegen eines Wahlkampfes vor die Hunde geht? Wenn ihre Antwort zu diesen Fragen “Nein” ist, so haben sie am 21. Oktober 2007 mit ihrer Stimme die Gelegenheit etwas daran zu ändern! Alle jene, die krampfhaft versuchen, die Radikalisierungstendenzen in unserem Land tatenlos zu ignorieren, sollen sich fragen, was wir in vier Jahren erleben wollen. Werden dann nicht nur Stände sondern auch unliebsame Politiker zusammengeschlagen? Wird es dann Wahlplakate geben, die nicht nur schwarze Schafe sondern auch Menschen zeigen? Muss dann bei Wahlveranstaltungen die Armee die überforderten Polizeikräfte unterstützen? Werden dann ausländische Touristen ihre Ferien in der Schweiz absagen, um dieses Trauerspiel nicht miterleben zu müssen?

P.S.: Sie sind unschlüssig, wen Sie wählen sollten? Smartvote kann Ihnen dabei helfen.

Schweizer Wahlkampf in den ausländischen Medien: New York Times, BBC, The Independent, Spiegel, Telepolis, Zeit, TAZ

Ein besonderer Dank geht an Infamy, bei denen ich einige Grundlagen für diesen Kommentar übernommen habe.

This entry was posted in H. Ebert, Kritisch betrachtet, Politik allgemein.

13 Responses to Radikalismus ist unschweizerisch!

  1. Tinu says:

    [... Erinnern die Bilder vom “Marsch durch (auf?) Bern” mit den vielen Fahnenträger nicht stark an eine faschistische Kundgebung?...]

    Ob es eine bewusste Provokation der SVP war und zur Strategie des Wahlkampfes gehörte, sei hier dahingestellt. Den Marsch durch Bern in Zusammenhang mit dem Marsch auf Rom oder den Hitlerputsch in Berlin zu bringen, geht meiner Ansicht nach zu weit. Hier wurden die Grundrechte Meinungs- und Versammlungsfreiheit getreten. Auch andere Parteien laden zu Wahlveranstaltungen bei. Auf der Homepage der CVP ist zu lesen: “Wir laden Sie herzlich dazu ein, am 13. Oktober in Bern mit uns das grosse Finale des Wahlkampfs 2007 einzuläuten!” Das Motto lautet: “Das Finale – besser für die Schweiz”. Und es wird sicherlich nicht in Zusammenhang mit andern Veranstaltungen (wie beispielsweise die Fussball EM ;-)) gebracht.

  2. theddy says:

    Ob es eine bewusste Provokation der SVP war und zur Strategie des Wahlkampfes gehörte, sei hier dahingestellt.

    Das darf eben gerade nicht dahingestellt werden. Ein Marsch nach oder durch Bern war 2 Wochen vor den Wahlen reine Provokation und reihte sich ein in die aggressive, menschenverachtende und verhöhnende Propaganda der SVP. Ich würde vielmehr sagen: Wehret den Anfängen (wenn es nicht schon zu spät ist).

  3. Tinu says:

    Ich bin damit einverstanden, dass ein gewisses Provokationspotential der SVP bei diesem Marsch vorhanden war. Ich persönlich bin kein Freund solcher Provokationen, würde diese aber niemals gleichsetzten mit dem Faschismus. Und immerhin wählen über einen Viertel der Bevölkerung die SVP, und diese als Folgschaft von Anfängern zu bezeichnen, würde ich mir nicht anmassen.

    Vielmehr sollte man sich überlegen, was für Gegenmassnahmen zur Eindämmung der Radikalisierung und Polarisierung der Politik und Wahlpropaganda unternehmen werden können. Meiner Meinung nach muss die politische Mitte wieder gestärkt werden. Die Mitte-Parteien müssen ihre Verantwortung wahrnehmen und sich gegen rechts und links klar abgrenzen. Parteiprogramme und Zielsetzungen sollten sich auf die ursprünglichen Werte abstützen und weniger Populismus betreiben.

  4. theddy says:

    Ich setze mit meiner Rückfrage die Provokationen nicht mit dem Faschismus gleich. Aber die von der SVP aufgeführte Propaganda enthält Elemente, die für mich Dinge enthält, die in eine solche Richtung zu laufen drohen: Ständige Verhöhnung des Gegner, Schaffung von Feindbildern und Sündenböcken, Vorgaukeln einer “heilen Welt” nur mit der Unterstützung dieser Partei, personenzentrierter Wahlkampf um Blocher, immer wieder neue Provokationen knapp an oder über der Grenzen – auch legalen. Das sind Elemente, die wir aus der Geschichte kennen.

  5. Tinu says:

    Da kommen wir uns näher. Die SVP versteht es sehr gut, Werbung zu machen, die provoziert und über die man spricht. Die Schafe sind in aller Munde. Ich bin auch der Meinung, dass man diese Entwicklung kritisch beobachten muss, und wenn es zu weit geht, müssen die Konsequenzen gezogen werden, wie dies im Kanton Aargau passiert ist: Gegen die SVP Plakate mit dem Text “Aarau oder Ankara” und “Baden oder Bagdad” wurde von einer Privatperson Anzeige wegen Verstoss gegen die Antirassismus-Strafnorm erstattet. Meiner Meinung nach (und ich darf dazu Stellung nehmen, denn ich bin Aargauer) sind diese Plakate geschmacklos und billig.

    Dass wir die Geschichte kennen und daraus auch lernen müssen, ist wichtig und richtig. Vergleiche mit der Vergangenheit (und dabei beziehe ich mich wieder auf den Hauptartikel) sind heikel und müssen wohlüberlegt und fundiert sein. Ansonsten kommt es der Hetze gleich oder man bläst in das selbe Horn wie diejenigen, welche Pauschalverurteilungen ausüben.

    In diesem Sinne hoffe ich auf konstruktivere Beiträge als diejeigen, welche wir letztes Wochenende erlebten.

  6. theddy says:

    Ich denke, man muss die Dinge sehr kritisch ansehen und nicht etwa auf die Argumentation verfallen, dass sich die Provokationen “Tod laufen” würden – also zur Gewöhnung werden. Sowas dünkt mich zu gefährlich.

    Als Beispiel: Dieser Artikel

    http://www.svp-stadt-luzern.ch/

    ist für mich mehr als nur provokativ.

  7. H. Ebert says:

    Derzeit sehr problematisch finde ich, wie hohe SVP-Politiker mit rechtsextremen Kreisen liebäugeln. Natürlich kann man dagegen anführen, dass dies nur dumme Zufälle waren. Die Frage ist nur, wann werden die Grenzen überschritten:

    Hans Fehr und Ulrich Schlüer in rechtsextremen, österreichischen Blatt.

    Andrew Katumba, SP Nationalratskandidat: “Ich weiss, dass er [Ulrich Schlüer] SVP-Nationalrat ist und kürzlich eine Rede bei der deutschen Burschenschaft Danubia gehalten hat. Das ist eine Bewegung, die vom Bayerischen Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft und beobachtet wird. Und er war Sekretär von James Schwarzenbach, der 1970 die Überfremdungsinititative lancierte.” (Quelle: Nina Hermann, Sandro Brotz, “Rechtsextremismus – Der Schweizer und sein Neger“, Streitgespräch zwischen Andrew Katumba und Ulrich Schlüer in der Sontagsblick-Belage Sie+Er, 21. Januar 2007).

    03. September 2007: Die SVP-Sektion Unterwallis veröffentlicht ein Wahlplakat, das betende Muslime vor dem Bundeshaus zeigt, überschrieben “Gebraucht Eure Köpfe!”. In einem Begleittext auf der Homepage schreibt die Sektion, dass der Islam eine untypische Religion sei, dass es “naiv” sei, sie auf gleichem Vergleichsniveau zu halten, “wie die anderen Religionen, die vor ihr auf unserem Boden angekommen” seien.

    30. August 2007: In einem Brief an Christoph Blocher, Vorsteher des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartementes, fordert die Junge SVP des Kantons Luzern das “schweizweite Verbot des Korans”, da – so die Partei in ihrer Medienmitteilung – dieser “diverse Aufrufe zu Krieg und Gewalt gegen Andersgläubige und Gewalt” beinhalte. Dies sei mit “unserer Kultur nich kompatibel” und es liege “an uns die abendländischem Werte zu verteidigen”. Im Brief fordert die Jugendpartei “Zensur aller zur Gewalt, Hass und Unterdrückung aufrufenden Stellen im Koran”, und falls dies nicht möglich sei, müsse der Koran “auf den Index verbotener Schriften” kommen. Weiter fordert die Junge SVP, eine “effektive Überwachung aller moslemischer Einrichtungen”. Unterschrieben sind die beiden Texte von Pirmin Müller, der seit Jahren zu den eifrigen islamfeindlichen Hetzern zählt.

    Was historische Vergleiche angeht: auf die von Tinu erwähnten Plakatkampagne in Aarau schreibt der Historiker Urs Bitterli: “Diese Propaganda zielt auf niedrigste rassistische Instinkte und erinnert mich in fataler Weise an die Plakate, mit denen die Nationalsozialisten die Ausgrenzung der Juden aus der «deutschen Volksgemeinschaft» betrieben.”

    Dies sind nur einige Beispiele. Ein bisschen Recherche und man findet noch mehr.

  8. theddy says:

    Typisch sind jetzt auch die zunehmend giftig werdenden Kommentare auf kritische Reaktionen aus dem Ausland: Weitere Einigelung, “wir die Guten – dort die Bösen” bis hin, das die ganze Presse inkl. dem Fernsehen, ja auch das Ausland offenbar “linksgesteuert” sei.

    Die Beiträge einer offenbar sehr rechts stehende Bloggerin (ich mag den Link nicht angeben) werden immer bizarrer – nach den immer wiederholten Aufrufen, ja SVP zu wählen, nun ein Beitrag, dass die “linksfaschistoide Berner Regierung” die Gegendemonstration nicht nur geduldet, sondern habe sogar “die Krawalle in der eigenen Stadt minuziös geplant” hätte.

    Solche Sätze widerspiegelt genau diese gefährliche Tendenzen, dass sich nun unter den Anhängern dieser Partei weiter einnistet – für mich zusätzlich ein sehr kritischer Prozess.

  9. theddy says:

    Noch eine Ergänzung: Nach einschlägigen Blogs, die offenbar der SVP (sehr) nache stehen, sind jetzt auch die Medien linksgesteuert – über NZZ(!), Tagesanzeiger, Blick, 20minuten, Schweizer Fernsehen, ja sogar Der Spiegel usw.

    Wie hat doch Hugo Stamm in seinem Blog beschrieben – die SVP zeigt mehr und mehr Züge einer Sekte. Der “äussere” Feind wird immer grösser und mächtiger dargestellt – man hält sich umzingelt. Auch das sind genau so Elemente, von denen ich schrieb.

  10. Administrator says:

    Hallo theddy,
    danke für Deine Meinungsäusserung. Ich denke, dass ich fairerweise trotzdem etwas Gegensteuer geben muss, denn das Ziel hier ist nicht, dass wir die SVP für die Geschehnisse am Samstag als Alleinverantwortliche darstellen. Bei aller Provokation, die dieser Wahlveranstaltung am Samstag anheim war, muss man zugeben, dass sich die SVP an geltendes Recht gehalten hat. Die Wahlveranstaltung war genehmigt, und die Gewalttaten kamen nicht aus dem rechten Lager. Auf der anderen Seite war die Kundgebung des linken Spektrums geduldet jedoch nicht bewilligt. Auch wenn ich überzeugt bin, dass die Gewalt dieser Chaoten nicht politisch motiviert war, und sie einfach die Gelegenheit zum Randalieren genutzt haben, so muss man den Veranstalter des Events im Minimum den Vorwurf machen, dass sie in naiver Weise ihre Verantwortung für die Sicherheit nicht wahrgenommen haben. Ich denke H. Ebert hat es mit einem Satz gut auf den Punkt gebracht: “Die Botschaft aus Bern kam bei vielen Wählern deutlich an: wer Ruhe und Ordnung will, wählt SVP – wer Anarchie und Gewalt will, wählt links.” Damit war der letzte Samstag für die linken Parteien in Hinsicht auf die Wahlen 2007 sehr kontraproduktiv – ohne dass die SVP viel dazu beitragen musste.

    Ich sehe die SP als grosse Verliererin in der Wahl 2007 – leider nicht zu Gunsten der liberalen Mitte, sondern vor allem zu Gunsten der Grünen (zunehmende Radikalisierung der Schweizer Politik). Der Graben zwischen der bürgerlichen bzw. liberalen Mitte zur SP ist relativ gross, so dass die SP kaum neue Stimmen aus dieser Wählergruppe erhoffen kann. Der Grund liegt unter anderem im Parteiprogramm der SP, das aus dem Jahre 1982 stammt. Es wird den aktuellen Sorgen des Wählers nicht mehr gerecht. Ein Beispiel: “Jugendgewalt” wurde zu einem Wahlkampfthema in diesem Jahr. Fakt ist, dass es in diesem Bereich ein Unsicherheitsempfinden gewisser Wählergruppen gibt. Wenn die SP dieses Thema nicht anspricht, dann kostet sie das Stimmen, was sie sich nicht leisten kann. Im Parteiprogramm von 1982 steht unter Jugendpolitik:

    Jugendliche Rebellion bedeutet für die Gesellschaft eine Chance, ihre gesellschaftlichen Verhältnisse zu überprüfen und Anstoss zu notwendigen Veränderungen zu erhalten: Zum Abbau von Abhängigkeiten und von Fremdbestimmung, zum Aufbau von menschengerechten Lebensräumen. [..] Von einer erfolgreichen Jugendarbeit kann nicht erwartet werden, dass sie Konflikte beseitigt. Konflikte sind unvermeidlich, ja sogar notwendig. Entscheidend ist, dass sie von allen Beteiligten offen, gewaltlos und solidarisch getragen werden.

    Ich denke nicht, dass sich die drei Damen in der umgestürzten Milchkanne auf dem Bundesplatz von einer solchen Jugendpolitik noch stark angesprochen fühlen. So geht es auch vielen Wählern.

    Ein weiteres Beispiel: bei den Kantonsratswahlen in Zürich am 15. April 2007 hatte die SP 7,2% Stimmenverluste, insbesondere an die Grünliberale Partei. Sie hat nahezu in jeder Gemeinde Stimmen verloren. Jede Partei sollte ein solches Ergebnis in einem Wahljahr als Alarmsignal auffassen – nicht die SP Schweiz. Der Präsident der SP Schweiz sah darin keinen Grund, um hinsichtlich des Wahlkampfs 2007 Konsequenzen einzuleiten und dies trotz einer Auswertung, die klare Schwachpunkte aufzeigt. Die SP war nicht im Stande notwendige Korrekturen innerhalb der letzten 4-5 Monate umzusetzen und wird dafür die nächsten 4 Jahre die Suppe auslöffeln müssen.

    PS.: Und wieder ein Artikel im Spiegel: Demokratie am Rande des Nervenzusammenbruchs. (über das Niveau des Artikels muss man sich jedoch nicht verwundern: er stammt von dem Ex-Facts-Mann Christof Moser (Quelle: Infamy)).

  11. Administrator says:

    Und hier noch die Reportage der Rundschau vom 10. Oktober 2007, die meines Erachtens recht gut und ausgewogen gelungen ist (inklusive Interview mit Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey):

    Ein weiterer empfehlenswerter Artikel (insbesondere auch in Hinblick auf die Berichte im Spiegel) ist Ronnie Grob, “Demokratie-Alarm” auf Medienlese.com.

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