I robot: Metal Storm

Durch einen Unfall bei der South African National Defence Force (SANDF) am Freitag, 12. Oktober wurde mir schlagartig klar, dass wir das Thema “Roboter unter Waffen” in der letzten Zeit total vernachlässigt haben. Was ist also aus unserem “schnuggeligen” vierläufigen Weggefährten geworden und was ist genau in Süd-Afrika passiert?

Der US-Firma iRobot hat es nicht genügt, bloss kleine, autonome Staubsauger und Bodenreinigungsroboter für den Heimbereich herzustellen. Nein, die neuen Roboter von iRobot können auch ein ganzes Haus säubern – und zwar mit Feuerkraft. Dabei macht iRobot jedoch nur die Trägerroboter, der Ausbau zum Kampfroboter übernimmt die australische Firma Metal Storm.

“[The iRobot Warrior X700] is the largest vehicle that can still go into a building. We’re looking at urban warfare and going into lots of different types of buildings with it,” said Helen Greiner, iRobot chairman and co-founder. “We really think of it as a multimission platform. It can be deploying weapons systems. It can be doing re-supply operations, taking ammo or water to troops who are pinned down, perimeter security and building clearing.” [...] In addition to being ruggedized for carrying supplies, the Warrior and PackBot are being engineered with advanced software, giving them the ability to perform some battlefield functions autonomously. [...] a key dimension to the Warrior X700 is its ability to protect soldiers by firing weapons such as a machine gun or 40mm explosive round. (Quelle: Defense News, Army Times – nicht mehr online)

Wer nun denkt, dass solche “Kampfroboter” reine Zukunftsmusik ist, sollte berücksichtigen, dass seit diesem Sommer drei mit M249 (ein leichtes Maschinengewehr) bewaffneten Roboter (sog. Special Weapons Observation remote Reconnaissance Direct action System – SWORDS) im Irak zum Einsatz kommen. Die Abbildung rechts zeigt einen solchen Kampfroboter. Weitere 80 Roboter hätten folgen sollen, doch wegen Budgetrestriktionen wurde dieses Projekt vorerst auf Eis gelegt (Quelle: Stew Magnuson, “Gun Toting Robots See Action in Iraq“, National Defense, September 2007). Der Programmverantwortliche musste zugeben, dass die Roboter bis jetzt die Waffen noch nicht abgefeuert hätten – was sich aber sicher kurzfristig ändern werde. Eigentlich wollte man diesen Roboter schon Mitte 2004 in Kampfzonen zum Einsatz bringen, Probleme mit der Kontrolle (anscheinend hatten die Roboter die Tendenz sich unkontrolliert zu drehen !!) machten jedoch eine Überarbeitung notwendig. Das wichtigste dabei: man kann nun Feuer- und Nicht-Feuer-Zonen definieren. Sollte trotzdem einer dieser Roboter verrückt spielen, kann man ihn ausschalten. (Quelle: DangerRoom, August 2007; DangerRoom, Oktober 2007) Soviel zur “advanced software”!

Ebenfalls “advanced software” schien nach ersten Berichten 10 Soldaten in Südafrika zum Verhängnis geworden zu sein. Bei einer Schiessübung im Norden des Landes geriet eine computergesteuerte Doppellauf-Flugabwehr-Kanone (35mm) des Typs Oerlikon GDF-005 ausser Kontrolle, drehte sich plötzlich und hat dabei das gesamte Magazin (250 Schuss, jeder Schuss wiegt 0.5kg) verschossen. In den Medien wurde zuerst verbreitet, dass ein Softwarefehler die “vollautomatische” Kanone Amok laufen liess. Dies kann jedoch bei näherer Betrachtung nicht möglich sein, denn auch wenn die Zielerfassung und die Ausrichtung automatisch verläuft, wird das Feuer durch den Operator freigegeben. Jim O’Halloran des Jane’s Land-Based Air Defence Magazins ist überzeugt, dass es bei dem tragischen Unfall um einen mechanischen Fehler handelte:

“Like many weapons these days you can fire this gun from a remote position, but it’s not a robotic weapon. While the gun is typically used with automated target-tracking systems, the decision to fire is left to the operator. If a shell was jammed in the breech and the cordite then fired, it could set off the ammunition in the canisters. The force of that explosion could easily spin the turret around. It’s a very tragic accident, but it is not a robot gone out of control. I think it is bad luck more than anything else, the shells move through the gun so fast you only have to be a fraction out for something to go wrong. [The Mark 5 model used by the South African army, as well as forces around the world was first produced in 1985 and is well known in the industry.] I’ve never heard of this kind of incident before, and I think it is unlikely to happen again.” (Quelle: NewScientist)

Also mit anderen Worten: ein mechanischer Defekt hat eine Explosion im Munitionstank zur Folge, welche die Kanone unkontrolliert drehen liess – also doch kein “verrückter Kanonenroboter”.

Wie wir im unteren Youtube-Video sehen, wird die 35mm Oerlikon GDF-005 Flab-Kanone auch in der Schweizer Armee eingesetzt. Daniel Ebneter schreibt dazu auf “Neuerdings“:

Bei Schiessübungen hier in der Schweiz werden elektronische Sicherheitssektoren programmiert, sowohl für den Schwenkbereich der Rohre wie auch für die Feuerauslösung. Zudem steht hinter der Kanone ein Soldat mit der “Feuerbirne”. Lässt er den Knopf los, hört die Kanone sofort auf zu schiessen. Richtig ist allerdings, dass gegenüber der alten Kanone der Schwenkbereich der Rohre jetzt nicht mehr mechanisch begrenzt wird. Darüber gab es vor gut 10 Jahren auch bei uns heftige Diskussionen. Ich habe auch mal erlebt, dass eine Kanone ihr ganzes Magazin verfeuert hat, zum Glück im zugelassenen Sektor. Damals war aber noch kein Stück Software drauf, sondern ein übereifriger Soldat hatte den Verschluss so zugefettet, dass er nach der ersten Serie nicht mehr eingehängt hat…

Die Zukunft wird uns sicher noch einige Story zum Thema “Roboter unter Waffen” liefern. Während etwa in Grossbritannien derzeit autonome Robotersysteme für den Stadtkampf entwickelt werden, fahren an der Grenze zwischen Nord- und Südkorea bereits kleine Kampfroboter herum, die mit modifizierten M16-Sturmgewehren und Infrarot-Zieleinheiten ausgerüstet sind.

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3 Responses to I robot: Metal Storm

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