Peak Oil is now!

Vor zwei Jahren war der Begriff “Peak Oil” (auf deutsch: “Ölfördermaximum”) in aller Munde. Er bezeichnet den Zeitpunkt, ab dem das globale Ölfördermaximum bzw. die weltweite Förderrate und damit die Verfügbarkeit von Erdöl stetig abnimmt. Wenn man die heutige Berichterstattung in den Medien anschaut, ist die drohende Klimakatastrophe thematisch gut vertreten. Vom “Peak Oil” ist jedoch nicht mehr viel zu hören – der Verkehr rollt wie gewohnt und in Westeuropa muss niemand mit Ölheizung vor einem kalten Winter Angst haben. War also das “Peak Oil”-Szenarium bloss Angstmache?

F. William Engdahl resigniert unter dem Titel “Confessions of an ex Peak Oil Believer” (deutsch/englisch) über dieses Thema und kommt zum Schluss, dass das Panik-Szenario “Peak Oil” falsch sei. Er stützt sich dabei jedoch nicht auf aktuelle wissenschaftliche Recherchen, sondern auf die sowjetische abiogenetische Theorie aus den 50er/60er Jahren. Die abiogenetische These besagt, dass das Erdöl nicht biologischem sondern geologischem Ursprungs sei. Demnach soll das Erdöl ein ursprünglicher Stoff sein, der tief im Erdinneren entstehe und unter hohem Druck mittels “kalter” Eruptionsprozesse in die Erdkruste transportiert werde. Wenn es also gelänge tiefer zu bohren, dann könnte man weitere Erdölfelder anzapfen. Ausserdem würden durch das aufsteigende Erdöl alte Felder “wiederbelebt”.
Sein Artikel ist nicht nur in Bezug auf die abiogenetische Theorie ziemlich “haarstreubend”, sondern auch sicherheitspolitisch in Bezug auf die Beziehungen zwischen den USA und Russland gleichen seine Thesen einer schlechten Verschwörungstheorie und ist nicht wirklich ernst zu nehmen. Sehen wir mal davon ab, dass diese geologische Theorie in der Wissenschaft keine Anerkennung fand, es bedeutende wissenschaftliche Einwände dagegen gibt und die grossen Erdölfelder auf der Erde nicht – wie der Artikel andeutet – anhand dieser Theorie gefunden wurden (vgl. Energy Watch Group. “Crude Oil the Supply Outlook.” EWG-Series, no. 3 (Oktober 2007): 3), so ändert diese Theorie grundsätzlich nichts an der Tatsache, dass die Förderung kostengünstigen Öls irgendwann ein Ende haben wird. Sogar im optimistischsten Fall wären tiefe Bohrungen teuer und alten Feldern müsste man Zeit zur Regeneration geben.

Doch wenden wir uns seriöseren Studien zu, beispielsweise der am 22.10.2007 veröffentlichten Studie der Energie-Watch-Group. Gemäss dieser Studie wurde der Zeitpunkt des “Peak Oil” bereits 2006 überschritten:

For quite some time, a hot debate is going on regarding peak oil. Institutions close to the energy industry, like CERA [(Cambridge Energy Research Associates)], are engaging in a campaign trying to “debunk” the “peak oil theory”. This paper is one of many by authors inside and outside ASPO (the Organisation for the Study of Peak Oil) showing that peak oil is anything but a “theory”, it is real and we are witnessing it already. According to the scenario projections in this study, the peak of world oil production was in 2006.
The timing of the peak in this study is by a few years earlier than seen by other authors (like e.g. Campbell, ASPO, and Skrebowski) [ASPO assume the peak around 2011] who are also well aware of the imminent oil peak. One reason for the difference is a more pessimistic assessment of the potential of future additions to oil production, especially from offshore oil and from deep sea oil due to the observed delays in announced field developments. Another reason are earlier and greater declines projected for key producing regions, especially in the Middle East.
[...] The major result [...] is that world oil production has peaked in 2006. Production will start to decline at a rate of several percent per year. By 2020, and even more by 2030, global oil supply will be dramatically lower. This will create a supply gap which can hardly be closed by growing contributions from other fossil, nuclear or alternative energy sources in this time frame. (Energy Watch Group. “Crude Oil the Supply Outlook.” EWG-Series, no. 3 (Oktober 2007): 12)

Das Diagramm aus der Studie stellt die weltweite Ölproduktion zwischen 1935-2030 dar (2006: 81 Mb/d; 2020: 58 Mb/d; 2030: 39 Mb/d):

Die im Diagramm rot gestrichelte Kurve stellt die Erdölproduktion gemäss des World Energy Outlook (WEO) der International Energy Agency (IEA) dar. Der optimistische Kurvenverlauf ist erstaunlich. Im Gegensatz zur Energie-Watch-Group geht die IEA davon aus, dass Nordamerika und insbesondere der Nahe Osten mittelfristig ihre Erdölförderung wieder erhöhen könnten und kommt daher zu einer steigenden Kurve. Gemäss dieser Kurve wäre die Erdölnachfrage bis über das Jahr 2030 hinweg gedeckt. Wie die IEA ihre optimistischen Annahmen begründet, ist unklar. Wahrscheinlich stammen die grundlegenden Daten der IEA von den Erdöl-Konzernen. Vielleicht handelt es sich dabei aber auch nur um eine auf ältere bzw. ungenauere Daten basierende Annahme, denn anfangs Juli 2007 überraschte die IEA mit einem mittelfristigen Quartalsausblick den weltweiten Ölmarkt. In diesem Quartalsausblick geht die IEA davon aus, dass der globale Verbrauch bis 2012 um jährlich 2,2 Prozent steigen werde, anstatt wie bisher angenommen 2,0%. 2012 würden dann voraussichtlich weltweit 95,8 Millionen Barrel Öl pro Tag verbraucht werden. Vor diesem Hintergrund, so die IEA, werde die Abhängigkeit vom Öl aus den OPEC-Staaten zunehmen, weil die Förderung ausserhalb der OPEC-Länder sich nicht so robust wie erwartet entwickeln würde. Es dürfe künftig nicht mehr davon ausgegangen werden, dass die OPEC ihren Kapazitäts-Puffer von 2 Millionen Barrel pro Tag aufrecht erhalten könne. Gemäss IEA bestehe ab 2010 die reelle Gefahr einer Öl-Knappheit. Eine Krise könne zwar möglicherweise noch vermieden werden – die Wahrscheinlichkeit, dass dies gelinge, sei aber nicht sehr hoch und nehme an jedem Tag ab, an dem keine Gegenmassnahmen ergriffen würden. Die Ölmärkte reagierten auf diesen Ausblick mit einem Preisanstieg auf 76,34 US-$/Barrel (mittlerweile liegt der Preis bereits bei um die 80 US-$/Barrel – zur Erinnerung: vor zwei Jahren haben wir noch spekuliert, ob der Preis wieder unter die 40$-Marke fallen würde ;-))

Wie sieht es nun mit den langfristigen Förderkapazitäten im Nahen Osten aus? Vermutlich am besten über die für die weltweite Erdölversorgung wichtigen saudischen Ölfelder sollte der saudische König Abdullah Bescheid wissen. Seine Aussage kann jedoch kein Grund für eine optimistische Perspektive sein:

“The oil boom is over and will not return. All of us must get used to a different lifestyle.” (Moss, Dana, and Zvika Krieger. “A Tipping Point in Saudi Arabia.” The Christians Science Monitor.)

Keine Angst, es wird zu keinem abrupten Ende der Erdölförderung kommen – dies war nie eine Aussage der “Peak Oil”-Theorie. Die steigende Nachfrage nach dem “schwarzen Gold” wird jedoch zukünftig nicht auf demjenigen Preisniveau gesättigt werden können, auf dem wir uns derzeit befinden – weitere Preissteigerung werden unvermeidlich sein. Auch wenn es dem Einzelnen womöglich schwer fallen wird, effizienter mit Energie umzugehen, liegt der positive Punkt darin, dass die Ressource “Öl” vorallem dort eingesetzt werden wird, wo es am effizientesten im Sinne der Marktwirtschaft sein wird. Was dabei jedoch nicht berücksichtigt wird, ist die Tatsache, dass wir in den “reicheren” Staaten einen höheren Erdölpreis verkraften können, als dies bei den Entwicklungsländern der Fall ist. Demnach müssten Entwicklungsländer zwangsläufig auf andere, günstigere Energieträger ausweichen, was aber langfristig gesehen nicht unbedingt nachteilig ausfallen muss. Hier wird es stark darauf ankommen, ob man die Herausforderung ernst nimmt und beispielsweise in unkonventionelle Energielösungen investieren wird.

Weiterführende Informationen
The Guardian (22.10.2007): Steep decline in oil production brings risk of war and unrest, says new study.

Update vom 01.11.2007

Es war die Crème de la Crème der internationalen Ölindustrie, die sich in dieser Woche in London traf. Minister aus Arabien, Konzernchefs aus Europa und Amerika, Fachleute aus der ganzen Welt: Sie alle kamen zusammen, um über die Zukunft der Ölversorgung zu debattieren. Doch was wie ein normales Jahrstreffen begann, endete mit einer dramatischen Botschaft. Das Horrorszenario der exquisiten Runde: Die weltweiten Ölreserven sind weitaus knapper als gedacht. Schlimmer noch: Der Ölpreis, der seit Tagen auf neue Höhen steigt und steigt, wird bei 100 Dollar nicht halt machen. Die Rekord-Rallye geht den Experten zufolge auch danach weiter. Und es war nicht irgendwer, der diese Schreckensvision für die Weltwirtschaft entwarf. Sadad I. Al Husseini, Energieberater und früher Vorstand bei Aramco, dem staatlichen Ölkonzern Saudi-Arabiens, wagte sich als erster vor und verkündete: Die Ölproduzenten hätten ihre Reserven in der Vergangenheit um 300 Milliarden Barrel aufgebläht. Tatsächlich sei diese Menge jedoch “weder belegt noch förderbar”. [...] Fachleute sehen die Londoner Konferenz skeptisch. “Für mich ist das Panikmache”, sagt Peter Kehrer, Geologe an der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe. “Die Reserven, die bisher [von der Ölindustrie] angegeben wurden, sind glaubwürdig.” Noch weiter geht Manuel Frondel, Energieexperte am Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI). “Es gibt genug Öl auf der Welt. In letzten 50 Jahren sind die Reserven sogar leicht angestiegen.” Was paradox klingt, lässt sich leicht erklären: Denn der Begriff “Reserve” ist als jene Menge definiert, die sich zum aktuellen Preis mit der aktuellen Technologie wirtschaftlich fördern lässt. Mit anderen Worten: Je höher der Preis, desto mehr Reserven gibt es – schließlich lohnt es sich bei einem hohen Ölpreis, auch solche Felder anzuzapfen, deren Förderung früher zu teuer war. (Quelle: Spiegel)

Wie heisst es? Die Hoffnung stirbt zuletzt!

This entry was posted in Gut zu wissen.

10 Responses to Peak Oil is now!

  1. Reto says:

    Eigentlich – wenn ich mir das so überlege – müsste die Armee der grösste Förderer von alternativen Antriebs- und Energieerzeugungs-Techniken sein. Alternativ im Sinne von möglichst hoher Autarkie und Unabhängigkeit von ausserstaatlichen Ressourcen.

  2. Administrator says:

    Hallo Reto,
    ich bin ganz Deiner Meinung. Insbesondere bei der Anschaffung neuer Systeme, die für 30 Jahre im Einsatz stehen sollten, könnte der Energiepreis ein wichtiger Faktor werden.

    As oil prices have steadily climbed over the past few years, the Pentagon has calculated that every $10 hike in a barrel of oil translates to a $1.8 billion increase in costs for the military. (Quelle: Danger Room)

    Das Pentagon scheint jedenfalls eine zukünftige Energieproblematik nicht auf die leichte Schulter zu nehmen: Pentagon’s Novel Idea: Stop Guzzling Gas und Military Going Green… But Chugging Oil. Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass ein Projekt um Solarenergie via Satelliten auf die Erde zu beamen gemäss Spiegel vom Pentagon gepuscht wird.

    Noch ein paar Zahlen zum Vergleich: pro 100km verbraucht…
    …ein Leopard 2 im Gelände rund 530 Liter.
    …ein Leopard 2 auf der Strasse rund 340 Liter.
    …ein Abrams Panzer (US-Army) auf der Strasse rund 395 Liter.
    …ein Humvee (US-Army) rund 60 Liter.
    …ein Puch (CH Armee) rund 20 Liter.
    …ein Hummer H3 (ziviler Humvee) rund 18-19 Liter.
    …ein Niedrigenergiefahrzeug weniger als 5 Liter.

  3. Jürg says:

    1. Der Peak of Oil sollte mal allen klar sein. Wer mehr infos will sollte mal einen Vortrag von Daniel Ganser Prof. Uni Basel anhören.
    2. Wehalb hat Russland alle seine Energieförderbetriebe verstaatlicht?
    3. Weshalb hat Bush den Irak angegriffen obwohl er Nachweislich wusste, dass keine Kernwaffen da sind.(dafür etwas Oel)
    4. Wenn die Schweiz meint Sie könne bei internationalen Energieplayern mitspielen hat sie sich getäuscht. (Allenfalls die EU vielleicht und nur vielleicht. Bei der EU wird dann Schweiz sowieso kein Thema sein, vorausgesetzt wir realisieren Punkt 6.e)
    5. Wenn wir glauben wir können einfach einen Sateliten in den Weltall schiessen oder irgend eine Maschine erfinden und schon sei das Problem gelöst haben wir uns nochmals geirrt und zwar gewaltig.
    6. Wenn wir meinen energiesparende Massnahmen müssen Wirtschaftsverträglich sein, so ist die Antwort nur massive Massnahmen sind Wirtschaftsverträglch.
    6. Was sind die Lösungen wie wird die Zukunft aussehen:
    Den zweiten kalten Krieg wird der Krieg um die Ressourcen (Oel, Gas, Kupfer, Stahl usw.) sein. Diesen Krieg gewinnt wer:
    a. Unabhängig von anderen Staaten ist. (Weshalb die Amerikaner im Irak und auch bald im Iran sind. Die Chinesen in Afrika…..)
    b. Die einen tiefen Energieverbrauch haben. (Damit man eben nicht im Irak sein muss :-) )
    c. Der die technologlie Besitzt um Energien nachhaltig einsetzen kann. (Jungs geht zur Schule)
    d. Zunächst einmal hat die Schweiz schon von Anfang an wegen der hohen Bevölkerungsdichte schlechte Karten. (Tja das muss man halt mit mehr b. und c. wettmachen)
    e. Ein Wehrwille behalten, denn wer seine “Energie” im Griff hat wird für seine Umgebung als Opfer intressant. (Wobei dafür müssen wir zuerst einmal “intressant” werden, was wir zur Zeit wenigstens im Energieverbrauch überhaupt nicht sind).
    Was wäre sonst noch:
    a. Wasserkraft ausbauen (egal was die Grünen sagen)
    b. Windkraft ausbauen (nochmals egal was die Grünen sagen)
    c. Gebäude energetisch Sanieren. (Schönes Geschäft für diverse Branchen)
    d. Sonnenkraft ausbauen. (Für jedes Haus Wärme und Elektrizität)
    Kernernergie nicht zurückfahren (obwohl das Uran auch in 30 Jahren zu ende ist) Antwort für die Grünen siehe oben. Kein neues AKW bauen (eben max. noch 30 Jahre je nach Wiederaufbereitung)
    e. Energetische Standarts gegenüber der EU verdoppelen. (Doppelt so strenge Standarts etwa wie Schweden Dänemark (oh schaut mal wie gut deren Wirtschaft läuft, trotz strengen Energievorschriften))
    f. Maximale Energieverbräuche von Fahrzeugen im öffentlichen Beschaffungswesen (inkl. Armee) reduzieren. (Der Oberst kann auch mit einem 3 Liter Auto seine Truppen prüfen und wird erst noch seiner Vorbildfunktion gerecht)
    f. Biomasse neu schaffen. (Gasgewinnung aus Kompostierung)
    7. Die Schweiz ist von Ihrer Führungsposition in der Energietechnik ins Mittelfeld gerutscht, profitiert noch von dem ehemaligen Standart ist aber von der Tendenz am Ende der Liste !!!! Die Länder mit den schärften Energievorschriften haben die beste Konjuntur)
    Zukunft:
    8. In 50 Jahren wird das teuerste an einem Fahrzeug dessen Verbrauch sein. Das teuerste an der Wohnung die Heizkosten. Das zweit teuerste im Betrieb die Enegiepreise (ausser den Löhnen) Wobei wir wieder beim internationalen Wettbewerb stehen.
    9. Die Weltweite Oelproduktion wird nie 90 Millionen Barrel pro Tag erreichen (zurzeit 80 Mio)
    10. Energiekrisen werden an der Tagesortnung stehen. Stillstehende Betriebe wegen Energiemangel (Oel, Gas Elektrizität) können nicht ausgeschlossen werden. Oel-Rationierungs-Marken (die sind in den USA schon gedruckt worden) sind nicht auszuschliessen. Wie die Lebensmittelmarken im 2. Weltkrieg.
    11. Hungersnöte wegen fehlender Düngerproduktion sind nicht auszuschliessen. Dadurch können weitere Wirtschaftsflüchtlinge einreisen. (siehe 6.e.)
    12. Erkannte Gefahr gebannte Gefahr.

  4. Administrator says:

    Hallo Jürg,
    danke für Deine Punkte. Natürlich unterstütze ich Deine Meinung, dass sich bei der Energiegewinnung und -nutzung in den nächsten Jahren grundlegend etwas ändern muss – je schneller desto besser. Ich bin jedoch auch der Meinung, dass die steigenden Preise diese Veränderung unterstützen werden, und dass wir deshalb kaum einen Ausblick 50 Jahre in die Zukunft machen können. Da ich nicht annehme, dass Du so etwas wie eine “Kristallkugel” besitzt, sind Deine “Prophezeiungen”, wie die Preisverhältnisse in 50 Jahren aussehen werden, höchst spekulativ. In 50 Jahren könnte genau so gut die Kernfusion unsere Energieprobleme lösen – ebenfalls höchst spekulativ!

    Schön wäre gewesen, wenn Du einige Behauptungen mit Fakten und Quellen untermauert hättest; mal abgesehen von so kleinen “Ungenauigkeiten”, dass Bush nach offizieller Darstellung nicht wegen “Kernwaffen”, sondern wegen “Massenvernichtungswaffen” in den Irak einmarschieren liess. Neben der These, dass es sich bei der Irakinvasion in Wirklichkeit um die Sicherung von Erdölreserven handelte, ist die These, dass es sich dabei ursprünglich um den Anfang einer politischen Umgestaltung des Nahen Osten handelte, genau so, wenn nicht sogar stichhaltiger. In diesem Zusammenhang lohnt es sich unter anderem die Unterlagen vom Project for the New American Century genauer zu studieren. Ich persönlich denke, dass das irakische Öl nur ein Kriegsgrund von vielen war (und vermutlich nicht einmal der ausschlaggebende).

    Punkt 6 (beide): auf welche Zahlen und Grundlagen basieren Deine Annahmen?
    Punkt 7: bitte konkreter – auf welche Zahlen oder auf welche “Liste” stützt Du Dich genau ab?

    Was Du nicht berücksichtigt hast: es gibt noch für ca. 64 Jahre gesicherte Erdgas-Reserven und für min. 150 Jahre gesicherte Kohle-Reserven. (Quelle: Jeronim Perović. “Energiesicherheit: Konzepte, Bedrohungen, Strategien.” Swiss Federal Institute of Technology (ETH Zurich). Zürich: Center for security studies, 12.04.2007.)

    Zum Uran: gemäss der Energie Watch Group, die ich auch in meinem obigen Bericht zitiert habe, ist Deine Aussage, dass das Uran für Kernkraftwerke in 30 Jahren “ausgeht” nicht ganz präzise:

    The proved reserves (=reasonably assured below 40 $/kgU extraction cost) and stocks will be exhausted within the next 30 years at current annual demand. Likewise, possible resources – which contain all estimated discovered resources with extraction costs of up to 130 $/kg – will be exhausted within 70 years. (Quelle: Energy Watch, Group. “Uranium Resources and Nuclear Energy.” Energy Watch Group)

  5. Administrator says:

    Noch ein Nachtrag:
    Im neusten Climate Change Performance Index von der “Germanwatch” ist die Schweiz im Bereich “Which Country does how much to Protect the Climate?” auf Platz 9 (von 56 Staaten). Platz 1: Schweden; Platz 2: Deutschland und Platz 3:Island. Auf dem zweitletzten Platz befindet sich die USA und auf dem letzten Platz Saudi Arabien.

    Es gibt sicher noch viel Verbesserungspotential, aber so schlecht stehen wir nun auch nicht da ;-)

  6. Jürg says:

    Guten Tag Admin.
    Nun es braucht keine Kristallkugel um die Tendenzen aufzuzeigen. Der erste Erdölcrash 1974 führte fast zu einer Wirtschaftskrise die Nachfolgenden immer weniger. Weshalb? Weil die Instrieländer es geschafft haben die Produktionskosten teilweise von der Wirtschaftsabhängikeit zu entkoppeln.

    Nun mehr wird das Öl nicht. Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Wobei es nicht darauf ankommt wann das Erdöl zuende geht sondern WANN der globale Peak erreicht ist, das heisst wenn trotz grosser Nachfrage nicht mehr gefördert werden kann. Ab diesem Zeitpunkt ist es ganz klar ein Verkäufermarkt. Der Verkäufer bestimmt die Modalitäten. Die Verkäufer sind die Staaten im nahen Osten, Afrika usw. Da ja links gefragt sind: http://www.peakoil.ch/erdoel/index.htm
    und der ist zwischen 2005 und 2025.

    Natürlich werden wir auch 2025 noch Oel an den Tankstellen kaufen. Aber zu den Bedingungen die der Verkäufer bestimmt. Da setzt der Verlust der unabhängikeit an. Nebenbei wird dann mit dem Geld Schweizer Banken gekauft oder Automarken mit einem Stern usw. Oelkrisen wie letzten Sommer als ein Ex UDSSR Staat den Gashahn zugedreht hat werden weiter zunehmen. Alles ist aus Oel, Medikamente, Kunststoffe, Dünger, wenn das fehlt(oder mindstens teuer wird) brauche ich für die Konseqenzen keine Links anzuklicken.

    Nun zu meiner Behauptung dass Bush wegen dem Oel im Irak ist, der braucht nur die Tageszeitungen zu lesen und wiederum 1+1 zu addieren:

    Präsident Bush erklärte in seiner Rede zur Nation im Januar 2003, Saddam Hussein strebe die Atombombe an und habe sich dazu im Niger Uran beschafft. US-Botschafter Joseph Wilson ging dieser Geschichte nach, reiste nach Afrika und fand, dass sie eine Lüge war. Das das stimmt kann aus der Reaktion der Bush abgeleitet werden: seine Frau Valerie Plame wird als CIA-Agentin durch die Presse enttarnt. Brisant war, dass eine Person im Weissen Haus im Umfeld von Vizepräsident
    Dick Cheney die Presse informiert und dadurch das Recht gebrochen hatte. (Die Enttarnung von Agenten ist in den USA verboten. Bush und Cheny haben gelogen! (Gut Clinton tat das mit Monika Lewinski auch…) Also weshab doch sind die USA im Irak?

    Wer lieber einen Link will:
    http://histsem.unibas.ch/fileadmin/histsem/user_upload/redaktion/Forschung/Peak-Oil/artikel/pdf/stillaboutoilinIraq.pdf

    Gut, es war etwa 1975 da war ich kleiner Bub in einem Beitrag der Tagesschau sagte der Iranische Präsident Scheich…. “Es ist nicht genug Oel da für unnötig grosse Autos in Europa und den USA”. Man setzte auf Freiwilligkeit hiess es. Das heisst es auch heute noch.

    Gut dass die Schweiz auf Platz neun ist, ist zwar gut aber für langanhaltende Märke ist nicht der Momentane Punkt zu betrachten sondern der Trend. Der sagt dass die Schweiz von einer guten Position abrutscht. Solaranlagen vergleich Deutschland Schweiz Österich: Am schlechtesten Schweiz. Neufahrzeuge CO2 Schweiz Ziehl verfehlt: http://www.news-service.admin.ch/NSBSubscriber/message/de/12814

    Wer meint es sehe doch nicht so schlecht aus der soll sich mal den Planungsbericht des Kantons Zürich anschauen, der ist ziemlich neutral:
    http://www.energie.zh.ch/content/internet/bd/awel/energie/de/home.SubContainerList.SubContainer4.ContentContainerList.0026.DownloadFile.pdf

    Zusammenfassend kann man heute sagen: Entweder wir sparen heute oder wir rationieren in 25 Jahren die Energie und das Autofahren und das Heizen.

    Ach ich hab ja Bush vergessen: Wir haben Oel für 2000 Jahre (10 vor 10 etwa mitte letzes Jahr), aber der sucht ja immer noch die eben “Massenvernichtungswaffen” im Irak.

    Schön trotzdem, dass die meisten wissen, dass es Massnahmen braucht. Ich bin der überzeugung im Sinne der Wohlfahrt und der Wirtschaft Es gibt 7 fette Jahre und 7 magere Jahre. Das steht irgendwo in der Bibel, aber diesen link suche ich nicht auch noch heraus. Spare in der Zeit so hast Du in der Not ein anderes. Mein neustes Sprichwort:
    Klimaschutz=Wirtschaftschutz

  7. Administrator says:

    Hallo Jürg,
    vielen Dank für Deine Präzisierungen, insbesondere auch für den Link “Schweizer Vorliebe für schwere Autos hemmt Absenkung des Treibstoffverbrauchs” und den Energieplanungsbericht 2006 des Kanton Zürichs (ich konnte den Bericht zwar aus Zeitgründen noch nicht lesen, werde dies aber in den nächsten Tagen nachholen).

    Wie ich bereits in meinem vorhergegangenen Kommentar und in mehreren Artikeln erläutert habe, glaube ich sehr wohl an einen Oil-Peak. Weiter denke ich anhand der in diesen Artikeln aufgeführten Quellen, dass der Oil-Peak bereits erreicht oder wenigstens kurz- bis mittelfristig erreicht wird. Wie bereits erwähnt, sind wir wohl beide der gleichen Meinung, dass sich bei der Energiegewinnung und -nutzung in den nächsten Jahren etwas grundlegend ändern muss. Bei den Konsequenzen eines Nachfrageüberschuss gehen unsere Ansichten jedoch offensichtlich auseinander. Nach dem Ökonomischen Prinzip, das bei knappen Gütern in einer kapitalistischen Gesellschaft gültig ist, werden die beschränkten Mittel (also beispielsweise Öl) so eingesetzt, dass unbegrenzte Bedürfnisse möglichst maximal befriedigt werden. Was sind nun die Folgen wenn die Ölpreise steigen? Die Ressource “Öl” wird dort eingesetzt, wo es am effizientesten im Sinne der Marktwirtschaft sein wird. Wie Du schon erwähnt hast, ist die Verbrennung von Öl zur Energiegewinnung nur ein (ziemlich dummes) Anwendungsgebiet. Öl ist also bedeutend wichtiger als Ausgangsstoff in der chemischen Industrie. Was die Kosten angeht, so hat eine Preiserhöheung beim Erdöl einen direkten Kosteneinfluss beim Autofahrer. Gemäss der Budgetrestriktionen wird sich mit zunehmenden Kosten jeder Autofahrer überlegen müssen, welche Ausgaben seine Bedürfnisse am ehesten befriedigen. Mit anderen Worten: mit sinkenden Angebot steigen die Preise, was zu einem Rückgang der Nachfrage und zur besseren Nutzung von Ressourcen führt. Natürlich werden die Preise für andere Erdölprodukte ebenfalls steigen, wenn man jedoch berücksichtigt, dass beispielsweise bei den Medikamentenpreisen die Rohstoffkosten eher einen geringen Teil ausmachen, werden Preissteigerungen bei den Medikamente kaum mit denjenigen des Benzins vergleichbar sein.

    Eigentlich sollten wir beide ja zu frieden sein: Verknappung des Erdölangebotes zwingt zu einem sinnvoller Einsatz der Ressource “Erdöl”. Leider, da gebe ich Dir recht, werden nicht alle Schichten in gleichem Masse von den Auswirkungen betroffen sein – wer weniger Budget zur Verfügung hat, der wird sich eher einschränken müssen, und sich (sehr vereinfacht ausgedrückt) zwischen “Auto fahren” und “Medikamente kaufen” entscheiden müssen. Ich selber beispielsweise fahre viel öfters mit öffentlichen Verkehrsmittel als das früher der Fall war. Bei meinem ersten Kauf eines Autos hatte ich mir noch keinen Kopf um den Benzinverbrauch gemacht – bei einem Neukauf werde ich mich bewusst für ein Fahrzeug mit niedrigem Verbrauch entscheiden.

    Nochmals zum Invasionsgrund der USA. Eigentlich spielt es keine grosse Rolle, weshalb die Bush-Regierung schlussendlich die Invasion gestartet hat – unrechtmässig (nur schon aus völkerrechtlicher Sicht) war die Invasion allemal.
    Dass der Irak keine Massenvernichtungswaffen hatte, wurde im Nachhinein bestätigt. Ob die US-Regierung dies jedoch zum Zeitpunkt der Invasion wusste, kann man derzeit kaum wirklich beweisen. Wie unzuverlässig die Informationen der Nachrichtendienste sind, ist grad vor kurzem mit dem NIE über das Atomwaffenprogramm des Irans der Öffentlichkeit vorgeführt worden.
    Wenn man sicherheitspolitische Quellen und Grundlagen studiert, wie beispielsweise die Papiere des Project for the New American Century oder “The National Security Strategy of the United States of America 2002” (die so genannte “Bush-Doktrin”) so wird klar, dass die treibende Kraft (jedoch nicht der einzige Grund) hinter der Irak-Invasion eine politisch-ideologische war. Die (erzwungene) Demokratisierung des Iraks sollte als Spillover-Effekt zu einer politischen Umgestaltung des Nahen Osten führen. Wie bereits aufgeführt, bin ich auf Grund sicherheitspolitischem Grundlagenmaterial und einschlägigen wissenschaftlichen Artikel der Überzeugung, dass das irakische Öl nur ein (nicht entscheidender) Kriegsgrund von vielen war. Sich in dieser Hinsicht auf die Tagespresse zu verlassen, würde ich nicht empfehlen. Was hatte wohl die Los Angeles Times (bzw. der überwiegende Teil der westlichen Presse) berichtet, als die Invasion begann?

  8. Pingback: Offiziere.ch » Das Ende einer Bio-Illusion?

  9. Tom says:

    Hi zusammen! Hier wird der Film ” A Crude Awakening: The Oil Crash” nirgends erwähnt, find ich aber eine ausgezeichnete Informationsquelle (auch wenn nicht auf die abiotische Theorie eingegangen wird.). Hier etwas Werbung in eigener bzw. nachhaltiger Sache (wir unterstützen diese Film im Moment sehr): http://www.filmefuerdieerde.ch/Wissen-weitergeben/Filme-und-Themen/The-Oil-Crash/

  10. Pingback: Offiziere.ch » Filme für die Erde

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Comment Spam Protection by WP-SpamFree