Offiziere.ch – Sicherheitspolitik ja, Medien ja, aber Militarismus?

Von Marc P.

Ich will mit diesem Beitrag eine Diskussion um die seit einigen Wochen veränderte Titelleiste dieser Seite anreissen. Grundsätzlich schätze ich die kompetenten Beiträge in diesem Blog sehr, aber ich behaupte, dass das Wort ‘Militarismus’ für diese Seite einfach nicht passt.

In der Definition nach der deutschen Wikipedia Ausgabe bedeutet Militarismus die Ideologie, welche die Meinung vertritt, dass nur durch militärische Stärke Sicherheit oder gar Frieden gewährleistet werden kann. Sie dient in ihrer schwächsten Form dazu, die prophylaktische militärische Rüstung zu rechtfertigen. Militarismus wird auch als Gegenpart zu den zeitgenössischen Friedensbewegungen definiert und ist in seiner extremen Form das Gegenteil des Pazifismus.
Auf der englischen Wikipedia Seite ist der Begriff noch eindeutiger definiert (Von dort stammt auch das Bild der preussischen Generäle rechts):”Militarism: militarist ideology is the doctrinal view that society should be governed by the concepts embodied in military culture and its heritage.” Militaristen sehen gemäss dieser Definition in der Disziplin das höchste Gut und fordern eine konsequente Ausrichtung der Politik und der Streitkräfte auf Kriegsvorbereitungen. Der Brockhaus, Duden und andere Lexika liefern ähnliche Definitionen:
- Militarismus als Zustand des Übergewichts militärischer Grundsätze, Ziele und Wertvorstellungen in der Politik eines Staates und die Übertragung militärischer Prinzipien auf alle Lebensbereiche.
- Militarismus als Überbewertung militärischen Denkens auch im zivilen Lebensbereich.
- Militarismus als Vorherrschaft des Militärischen. Gesinnung, die militärische Formen und Denkweisen überbetont.

Als Milizoffizier der Schweizer Armee bezeichne ich mich nicht als Militarist und bin entschieden allergisch auf diese Bezeichnung. Ich weise entsprechende Bemerkungen von Gesprächspartnern auch dementsprechend umgehend zurück. Die Schweiz ist alles andere als militaristisch organisiert und der Stellenwert der Armee hat sich in den letzten 15 Jahren stark gewandelt (Pauschal zu behaupten, er ginge nur zurück ist zu wenig weit gegriffen, aber das ist wieder eine andere Diskussion). Als Offizier der Schweizer Armee schüre und fordere ich auch keinen Militarismus, weil das total fehl am Platz wäre.

Die Frage ist also, in welchem Zusammenhang wird dieses Wort auf dieser Webseite verwendet?

Absicht? Zufall? Fehlgriff?

Meiner Meinung nach sicher das Letzte, denn der Inhalt von diesem Blog ist keineswegs militaristisch, sondern betont kritisch in allen Bereichen, wofür ich schlussendlich dankbar bin. Es ist nicht an mir, von den Betreibern dieses Blogs zu fordern, ihre Titelleiste zu ändern, oder dazu wenigstens Stellung zu nehmen, aber ich würde gerne die Diskussion um diese Terminologie eröffnen und freue mich auf anregende Kommentare zum Thema.

This entry was posted in In eigener Sache, Kritisch betrachtet.

8 Responses to Offiziere.ch – Sicherheitspolitik ja, Medien ja, aber Militarismus?

  1. Aktium says:

    Volle Zustimmung! Ich finde diesen Blog absolut lesenswert und überhaupt nicht militaristisch. Leider ist es so, dass Friedensbewegte die Tendenz zu haben scheinen, bei Sichten von feldgrün gleich rot zu sehen. Sie scheinen dann zu einer differenzierten Betrachtung entweder nicht mehr willens oder grundsätzlich unfähig zu sein. Wie man bei Joschka Fischer und Konsorten sieht, sind sie dann tendenzielle wieder unter den ersten, die im Falle eines Falles ein “Peace Enforcement” mit dem Vorschlaghammer befürworten (vgl. Kosovo-Intervention der NATO und die Rolle der deutschen Grünen bei deren Bewilligung im Bundestag).

  2. Administrator says:

    Hallo Marc,
    danke für Deinen kritischen Beitrag. Wir wir es aus unserer Dienstzeit kennen, ist nun aber nicht “unkonstruktive Kritik”, sondern ein Lösungsvorschlag gefragt!

    Deshalb mein Aufruf an alle Leser: welche Titelzeile würde gemäss eurer Meinung am besten zu diesem Blog passen?

    P.S.: wie wärs mit “Sicherheitspolitik – Militarisierung – Medien” ?

  3. Marc P. says:

    Hallo Administrator! ;-)
    Ich empfand meinen Beitrag zur Titelleiste nicht unbedingt als offene Kritik und schon gar nicht als destruktiv. Es ging mir wirklich nur um die Terminologie, da ich das besagte Wort nicht für geeignet halte, wenn es im Zusammenhang mit der Schweizer Armee und ihren Angehörigen verwendet wird, da es in seiner Bedeutung einfach nicht darauf passt.
    Der Blog Offiziere.ch beschäftigt sich – neben meinen bescheidenen Beiträgen über Südamerika – in erster Linie mit Sicherheitspolitk, der Medienlandschaft und der Armee. Logische Konsequenz für die Titelleiste:
    Sicherheitspolitik – Armee – Medien

    Begründung:
    - Ausrichten auf das Ziel
    - Einfachheit
    - Sicherheit (keine Missverständnisse mehr! ;-))

    So geht das…

  4. Tinu says:

    Als ich die neue Titelleiste mit dem Wort “Militarismus” gesehen habe, bin auch ich erschrocken. Dieses Wort hinterlässt einen negative Eindruck – ohne dass ich mit enger damit auseinandergesetzt hätte (dies tat ja Marc in seinen Ausführungen).
    Ich schliesse mich dem Vorschlag Marcs an und erachte das Wort Armee als angebracht. Und dass es sich hierbei nicht um eine offizielle Seite der Armee handelt, wird ja in den Erklärungen dargestellt.

    (PS an Marc: einen Entschluss mit Einfachheit zu begründen, könnte schon fast den Eindruck von Minimalismus erwecken, und Minimalismus endet auch auf …-mus und ist ebenfalls negativ behaftet…)

  5. Marc P. says:

    An Tinu:
    Du konntest wohl einen Seitenhieb einfach nicht lassen! ;-)
    Gemäss Ziffer 353 der TF XXI ist Einfachheit: Einfache Aktionen verkleinern den Aufwand für Vorbereitung und Koordination und verbessern
    damit die Chancen für zeitgerechtes Handeln.
    Ich habe Einfachheit hier im Zusammenhang gebraucht, dass das Wort Armee alles einschliesst und daher die Sache vereinfacht.
    Armee kann In- und Ausland sein, es ist nicht spezifisch und nicht qualifizierend in seinem Gebrauch.
    Im Übrigen bin ich mir auch bewusst, dass Entschlüsse normalerweise an den Möglichkeiten der Gegenseite und nicht mit Gefechtsgrundsätzen begründet werden… Nur um allfälligen weiteren Seitenhieben Vorschub zu leisten.
    Und noch was: Auf Minimalismus bin ich fast so allergisch wie auf Militarismus. Die Begründung kennst Du!

  6. Administrator says:

    Ich habe die Titelleiste gemäss dem Vorschlag von Marc umbenannt. Für weitere Vorschläge bin ich aber immer noch offen.

    (Damit hätten wir auch Ziffer 376 TF XXI Rechnung getragen ;-))

  7. Tinu says:

    [... Wir müssen unsere Kinder gegen Militarismus impfen, indem wir sie im Geiste des Pazifismus erziehen...] Albert Einstein

    Die Entscheidung, die Titelleiste zu ändern, finde ich gut. Einstein betrachtete Militarismus und Pazifismus als die beiden extremen Pole. Und sei es nun in der Politik oder im Militär, man muss versuchen, diese Entwicklung der Polarisierung zu vermeiden. Besten Dank für die Änderung.

  8. kopazu says:

    Ich finde Militarismus klar OK.

    Selbstzerfleischung war gestern, denn:

    “I must study politics and war that my sons may have liberty to study mathematics and philosophy.”

    John Adams

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