Tiger Teilersatz: Lockheed Martin F-35 Lightening II ?

Peter Forster, Chefredaktor des Schweizer Soldat schrieb in der Weltwoche 04/2010, dass die Verschiebung des Tiger Teilersatzes das Feld für die Evaluierung des Lockheed Martin F-35 Lightening II öffne, da der F-35 “von der amerikanischen Air Force in den
kommenden Jahren in Dienst gestellt” werde. Dieser Artikel geht dieser Hypothese nach: wie wahrscheinlich ist eine Aufnahme der F-35 in das Evaluierungsprogramm des Tiger Teilersatzs? Welche Faktoren sprechen dafür bzw. dagegen?

Eintrittspreis
Die USA ist der primäre Kunde für den Lockheed Martin F-35 Lightening II; der Kampfflieger war – im Gegensatz zum Lockheed Martin F-22 Raptor – jedoch von Anfang an als Exportprodukt konzipiert. Drei sogenannte Partnerlevel definieren den Grad der Beteiligung der Partnerländer bei der Entwicklung des F-35. Je höher in der Rangliste, desto höher ist die Beteiligung an den Entwicklungskosten und im Gegenzug das Ausmass des Technologietransfers sowie der wirtschaftlichen Beteiligung bei Entwicklung und Herstellung. Die Reihenfolge der Auslieferung der bestellten Kampfflugzeuge ist eher lose an den Partnerlevel gebunden. Grossbritanien ist der einzige Level 1 Partner und hat dafür rund 2 Milliarden US-Dollar der Entwicklungskosten übernommen. Die Level 2 Partner Italien und Niederlanden haben 1 Milliarde bzw. 800 Millionen US-Dollar beigesteuert und die Level 3 Partner Kanada, Türkei, Australien, Norwegen und Dänemark zahlten zwischen 125-175 Millionen US-Dollar. (Quelle: Report to the Chairman, Committee on Small Business, House of Representatives, “Joint Strike Fighter Acquisition“, May 2004, p. 13). Noch tiefer in der Hierarchie sind die Security Cooperative Participants (SCP) Israel und Singapur, wobei es nicht klar ist, ob die SCP einen Eintrittspreis bzw. in welcher Höhe sie den Eintrittspreis zu bezahlen hatten. Der Eintrittspreis ist unabhängig vom Abschluss eines Kaufvertrages – angesichts der Sparübungen beim Bund ist es unwahrscheinlich, dass eine solche Investition vom Bundesrat bzw. Parlament abgesegnet würde. Zum Vergleich: für das Beschaffungsprojekt Tiger Teilersatz wurde vom Parlament in der Wintersession 2007 8 Millionen SFr bewilligt.

Technologietransfer und Industriebeteiligung
Ungleich zu einem Autokauf, geht es beim Kauf eines Kampfflugzeugs auch um einen Technologietransfer, denn Wartung und Reparaturen sollten möglichst unabhängig vom Hersteller durchgeführt werden können. Darüber hinaus ist die Armasuisse an einer direkten bzw. indirekten Beteiligung der schweizerischen Industrie interessiert, sei es um den Technologietransfer, für die Schweiz spezifische Anpassungen oder einen positiven volkswirtschaftlichen Nutzen sicherzustellen. Auch wenn die Bezahlung eines Eintrittspreises oder eines höheren Stückzahlpreises einen Technologietransfer und eine Industriebeteiligung ermöglichen könnte, gibt es dafür keine Garantie. So kritisieren einige Partnerländer, dass trotz ihres finanziellen Engagements der Technologietransfer zu restriktive stattfinde (Quelle: Jeremiah Gertler, “F-35 Joint Strike Fighter (JSF) Program: Background and Issues for Congress“, Congressional Research Service, 22.12.2009, p 13ff). Die israelische Forderung ihre F-35 mit eigener Elektronik auszustatten, wurde ausserdem vom Pentagon abgelehnt (Quelle: The Jerusalem Post, “Israel-US JSF deal likely to be delayed“, 08.09.2009).

Kaufpreis
Im letzten Jahr wurde bekannt, dass die projektierten 2,2 Milliarden SFr nur für 22 anstatt 33 Kampfflugzeugen ausreichen. Es ist also davon auszugehen, dass die Offerten der Hersteller bei ca. 100 Millionen SFr pro Kampfflugzeug zu liegen kamen. Peter Forster stellt in seinem Artikel in Aussicht, dass der Stückpreis einer F-35A der US Air Force bei einem Bestellumfang von 1763 Stück unter 100 Millionen US-Dollar veranschlagt werden könnte. Im Februar 2008 ging die US Air Force in der Tat davon aus, dass der kampffähige F-35A einen Produktionspreis von 90 Millionen US-Dollar aufweisen wird (Quelle: Aircraft Procurement, Air Force, Vol. 1, FY 2009 Budget Estimates, Februar 2008, S 43). Wie teuer der F-35 für die Schweiz sein könnte, lässt sich damit jedoch kaum ableiten und wird massgeblich von der Bestellmenge, der Ausstattung, den geforderten Anpassungen, dem Zeitpunkt der Bestellung, vom Einbezug der Entwicklungskosten, des angestrebten Technologietransfers und der Industriebeteiligung abhängen. Japan beispielsweise beabsichtigt 40 F-35 für 101 Millionen US-Dollar pro Stück zu beschaffen (Quelle: “Japan Mulls F-35 Purchase As Next Main Fighter Jet” Agence France-Presse, veröffentlicht bei Defense News, 23.11.09). Israel plante Ende 2009 25 F-35A in Auftrag zu geben und erwartet (inkl. Modifikationen) einen Kaufpreis von rund 140 Millionen US-Dollar pro Stück (Quelle: The Jerusalem Post, “Lockheed Martin reps in Israel amid concerns“, 04.11.2009). Australien unterzeichnete ein Vertrag zum Kauf von 14 F-35A für umgerechnet rund 3,2 Milliarden SFr (inkl. Infrastruktur und Support für Training bzw. Testing) d.h. rund 230 Millionen SFr pro Stück (Quelle: “The Australian Debate: Abandon F-35, Buy F-22s?“, Defense Industry Daily, Update vom 25.11.09). Der hohe Stückpreis liegt vermutlich auch darin begründet, dass Australien mit Auslieferungsdatum 2014 (eher 2015) direkt nach den USA beliefert wird. Das hiesse aber auch, dass sich ein spätes Auslieferungsdatum positiv auf den Kaufpreis auswirken könnte. (Quelle: The Jerusalem Post, “Lockheed Martin reps in Israel amid concerns“, 04.11.2009).

Technologierisiko
Natürlich würde die Schweizer Luftwaffe mit dem F-35 ein Kampfflugzeug der 5. Generation erhalten – die derzeit evaluierten Kampfflugzeuge gehören der 4. Generation an. Kampfjets der 5. Generation zeichnen sich durch fortschrittliche Stealthfähigkeit, einer hochmoderne Avionik und insbesondere durch eine vollständige Integration in eine netzwerkzentrierte Kriegsführung aus. Einerseits sollte die Schweiz den technologischen Anschluss nicht verpassen, andererseits ist in Hinblick auf das schmale Budget zu hinterfragen, ob die Schweiz für den wahrscheinlichsten luftpolizeilichen Einsatz wirklich ein Kampfflugzeug der 5. Generation benötigt. Die Aufwuchskerne operatives Feuer und Luftaufklärung sind massgeblich von der Anzahl der neu beschafften Kampfflugzeuge abhängig und weniger von deren technologischen Generationszugehörigkeit (vgl.: Michael Grünenfelder, “Weiterentwicklung der Luftwaffe bis 2015 – eine Strategie“, Air Power Revue der Luftwaffe Nr. 1, Beilage zur ASMZ 10, 2003). Ausserdem birgt eine neu eingeführte Technologiegeneration auch immer ein höheres Risiko. Ein Beispiel: der F-35 wird das erste Kampfflugzeug mit dem neuen Multifunction Advanced Data Link (MADL) sein. MADL wird den heute gängigen Link 16 ablösen, um durch den höheren Datendurchsatz eine vollkommene Integration des Kampfflugzeugs in die netzwerkzentrierte Kriegsführung zu ermöglichen. Welche Konsequenzen hat dies auf die Ausrüstung der Bodenkontrolle, auf den Daten-Link des F/A-18C/D, auf die Einsatzführung generell usw. ? Kinderkrankheiten können bei einem so neuen Kampfflugzeug nicht ausgeschlossen werden. Beispielsweise erfüllte der Eurofighter EF 2000 Typhon die vollständige Luft-Luft-Fähigkeit (Block 2B) Ende 2006, besitzt aber immer noch Kinderkrankheiten (vgl.: “Blindflug im Eurofighter“, Spiegel, 06.06.2009 und Alexander Szandar, “Mängel an der Heckflosse“, Spiegel, 03.08.2009). Im Gegensatz dazu ist die Dassault Rafale M seit dem 25. Juni 2004 operationell im Einsatz, der Saab JAS-39 Gripen sogar schon seit 1996.

 
Lieferfristen
Das US Militär wird verteilt auf die nächsten 20 Jahre rund 2723 F-35 beschaffen (US Air Force 1763 F-35A; US Marines und US Navy je 480 F-35B bzw. F-35C). Die Zahl der Bestellungen der Partnerländer ist starken Schwankungen unterlegen, wird aber grob geschätzt 600-675 F-35 über die nächsten 10 Jahre betragen. Ein so weit verbreitetes Kampfflugzeug bringt Vorteile was Verfügbarkeit von Ersatzteile und Weiterentwicklung, Nachteile was Lieferfristen angeht. Ohne Beteiligung an den Entwicklungskosten, könnte die Schweiz keine privilegierte Behandlung erwarten und würde dementsprechend spät mit F-35 beliefert werden. Ursprünglich war 2013 die Auslieferung der ersten F-35A an die US Air Force geplant. Dieses Datum ist jedoch mit Vorsicht zu geniessen, denn anfangs Februar 2010 wurde bekannt, dass sich das F-35 Programm mindestens um ein Jahr verzögern wird. Auch wenn Australien mit Auslieferungsdatum 2014 (eher 2015) zu den ersten belieferten Staaten ausserhalb der USA gehört, wird das erste Geschwader frühestens 2018 (eher 2019) operationell sein (Quelle: “The Australian Debate: Abandon F-35, Buy F-22s?“, Defense Industry Daily, Update vom 25.11.09). Nach dem die Verhandlungen mit Israel wegen den von Israel geforderten Bedingungen im November 2009 etwas ins Stocken geraten sind, wird die Auslieferung des F-35 frühestens auf 2015/2016 erwartet (Quelle: The Jerusalem Post, “Lockheed Martin reps in Israel amid concerns“, 04.11.2009). Bei einer Verschiebung der Beschaffung bis nach 2015 und der zusätzlich benötigte Zeit für eine neue Gesamt- oder Teilevaluierung fallen mögliche Lieferfristen für die Schweiz nicht so stark ins Gewicht d.h. die Vorteile eines weit verbreiteten Kampfflugzeuges würden gegenüber den derzeitig evaluierten Kampflugzeuge überwiegen.

Ist die Schweiz ein verlässlicher Geschäftspartner?
Ein Entscheid, die F-35 mittelfristig in die Evaluierung eines neuen Kampfflugzeuges aufzunehmen, ist nicht nur von der Schweiz abhängig, sondern massgeblich vom Willen des Herstellers eine Offerte einzureichen. EADS, Dassault und Saab hatten beim Zeitpunkt der Einreichung ihrer Offerten noch keinen durchschlagenden Exporterfolg. Sie würden die Schweiz als Käufer schätzen, weil sich ein erfolgreiches Bestehen des schweizerischen Evaluierungsprozesses gut vermarkten lässt. Ganz anders sieht dies bei den US-amerikanischen Herstellern aus: ihre Produktionen sind ausgelastet, sie sind nicht auf die Schweiz als Käufer angewiesen. So entschied McDonnell Douglas / Boeing Ende April 2008 der Schweiz keine Offerte für die F/A-18E/F Super Hornet zu unterbreiten. Gründe für diesen Entscheid könnten schweizerische Sonderwünsche und die projektierte hohe Auslastung der Boeing-Werke gewesen sein. Für Boeing ist die Konzentration auf den Markt viel wichtiger als eine komplizierte Zusammenarbeit mit der Schweiz. Das Hin und Her bei der Beschaffung des Tiger-Teilersatzes fördert die Attraktivität der Schweiz als Geschäftspartner sicherlich nicht. Zuerst forderte die Schweiz Offerten für 33 Kampfjets an, mit der Aussicht mit dem Rüstungsprogramm 2010 ein Typenentscheid zu fällen. Dann wurde die Anzahl der zu beschaffenden Kampfflugzeuge auf 22 reduziert, anschliessend sogar eine Verschiebung des gesamten Geschäfts bis nach 2015 in Aussicht gestellt. Die neuste Idee wäre eine tranchenweise Beschaffung von 10-12 Kampfjets, vermutlich nach der Fertigstellung des neuen Sicherheitspolitischen Berichts im Laufe des Jahres 2011 (vgl.: Heidi Gmür und Andreas Schmid, “Rettungsversuch für den Kauf neuer Kampfjets“, NZZ, 21.02.2010).

Fazit
Die Voraussetzung, dass der F-35 auch nur die leiseste Chance zur Aufnahme in den Evaluierungsprozess zum Tiger Teilersatz hätte, wäre die Verschiebung der Beschaffung bis nach 2015. Gleichzeitig würde die Schweiz die drei aktuellen Offertensteller vor den Kopf stossen und sich zwangsläufig als wenig verlässlichen Geschäftspartner outen. Dies kombiniert mit der geringen Bestellmenge, der fehlenden Beteiligung an den Entwicklungskosten, der Forderung nach Technologietransfer, direkte bzw indirekte Industriebeteiligung und einem möglichst tiefen Stückpreis, macht die Schweiz nicht unbedingt zu einem begehrten Käufer. Es ist deshalb nicht sicher, ob Lockheed Martin überhaupt an einem Geschäft mit der Schweiz interessiert wäre. Sollten Technologietransfer, direkten und indirekten Industriebeteiligung nicht bzw. nur zu einem deutlich höheren Preis möglich sein, würde dies den F-35 vermutlich bereits vor einem Evaluierungsprozess ausschliessen, denn für die Sicherstellung eines möglichst umfassenden Aufwuchskerns ist der Anzahl zu beschaffender Kampfflugzeuge der technologischen Generation den Vorrang zu geben. Nicht zu vergessen: je höher die Kosten, um so wahrscheinlicher ist eine Blockierung der Beschaffung durch Parlament oder Volk.

Zusammenfassend erachte ich Peter Forsters Meinung, dass die F-35 mittelfristig ins Evaluierungsprogramm des Tiger Teilersatz aufgenommen werden könnte, als sehr optimistischen Blick in die Kristallkugel.

Update vom 12.03.2010
Die Rüstungsindustrie ist schnelllebig und kaum voraussehbar. Gestern Donnerstag, am 11.03.2010 wurde vom US Senate Armed Services Committee eine Anhörung über den Stand des F-35 Programms durchgeführt. Es wurde festgestellt, dass sich die Entwicklung des F-35 wegen Umstrukturierungsmassnahmen durch das US Verteidigungsministerium rund 2 Jahre hinter dem Zeitplan befindet. Von den 13 bestellten Test-Kampfflugzeugen konnte Lockheed Martin nur 4 ausliefern. Die industrielle Produktion des F-35 wird frühestens im April 2016 beginnen. Damit steigen auch die Stückzahlkosten, welche nun bei mindestens 112 Millionen US-Dollar liegen sollen. (vgl.: Michael Sullivan, “Joint Strike Fighter – Significant Challenges Remain as DOD Restructures Program“, United States Government Accountability Office, 11.03.2010 und Bill Sweetman, “JSF In The Dock“, Ares on Aviation Week, 11.03.2010).

Update vom 02.05.2010
Gemäss einer Schätzung des US Naval Air Systems Command wird eine Flugstunde des F-35B oder F-35C im Jahre 2029 rund 31’000 US-Dollar kosten, verglichen mit rund 19’000 US-Dollar beim F/A-18 Hornet oder AV-8B Harrier. Kritiker der Schätzung führen ins Feld, dass damit die Grundlage zur Reduktion der Anzahl zu bestellende F-35 geschaffen werde hätte werden sollen:

The NavAir position – not in the formal sense, but as a corporate beliefe – is that they need and want out of the [F-35] program.” — Winslow T. Wehler, Direktor des Straus Military Reform Projekt am Center for Defense Information zitiert in John Reed und Andrew Tilghman, “USN’s F-35 Cost Forecast Stirs Debate Over Program”, Defensenews, 25:4, 25.01.2010, p. 4.

Gemäss Angaben des VBS kostet 2003 eine Flugstunde im F/A-18 21’500 Franken, im F-5 Tiger 13’300 Franken (Quelle: Andreas Richner und Daniel Heller, “Ausbildungskooperation – sinnvoller Beitrag zur Aufrechterhaltung einer eigenen Luftwaffe“, Sicherheitspolitische Information, Verein Sicherheitspolitik und Wehrwissenschaft (VSWW), August 2003, p. 6.)

 
Bildverzeichnis
Oben links: F-35 über den Voralpen? Nicht ganz! Die Zeichnung zeigt zwei (zukünftige) tieffliegende F-35A Lightning II der Royal Norwegian Air Force über der nord-norwegischen Küstenlandschaft zwischen Bodo und Tromso (Bild: Mark Postlethwaite).
Mitte rechts: Visitors take a closer look at a Lockheed Martin F-35 fighter jet at the Singapore Airshow 2010 in Singapore on Feb. 2. (Photo by Roslan Rahman, AFP, Getty Images)
Mitte zentriert: With a U.S. Marine Corps F/A-18 chase plane close behind, U.S. Air Force Lt. Col. James "Flipper" Kromberg streaks across north Texas in the F-35 Lightning II on Wednesday, Jan. 30 2008. Kromberg became the first military pilot to fly the F -35, praising the aircraft's power and describing its handling as "phenomenal." (Photo by David Drais, Lockheed Martin).

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21 Responses to Tiger Teilersatz: Lockheed Martin F-35 Lightening II ?

  1. Judas says:

    Danke für den interessanten Artikel. Der Schlusssatz bringt es auf den Punkt. Peter Forster wagt nicht nur in der Weltwoche zu optimistische Blicke in die Kristallkugel, sondern auch in seinem eigenen Blatt, dem Schweizer Soldat, welches sich immer mehr zum Sprachrohr der Stahlhelm und Reduit Fraktion und sonstigen Rückwärtsgewandten outet.
    Entweder die Schweiz kauft einen der evaluierten Flieger in kritischer Menge und nützlicher Frist, oder sie hat sich als Geschäftspartner auf lange Sicht als unzuverlässig kritisieren zu lassen. Das F-35 Geschäft ist für eine Armee, welche wie kaum eine andere den Zwängen der Finanzpolitik unterliegt (Bspw. jährliche Genehmigung aller Rüstungsgüter!), eine Nummer zu gross.

  2. Gefreiter says:

    Bevor die Schweiz neue Flugzeuge kauft, sollte die Frage erlaubt sein, ob die aktuellen Kandidaten überhaupt noch Sinn machen. Ob Rafale, Grippen oder Eurofighter, alle werden sie für 30-40 Jahre im Dienst bleiben, aber bereits nach Einführung der F-35 veraltet sein (also in spätestens zehn Jahren). Auch die Russen und Chinesen basteln an Stealth-Flugzeugen und es wäre nicht verwunderlich wenn 2020 entsprechende Modelle in Produktion gehen würden. Damit wären Stealth-Flugzeuge zumindest für viele Staaten in Griffweite.

    Weiter scheinen Drohnen eine gewisse Reife erreicht zu haben und werden in Zukunft sicher nicht an Bedeutung verlieren. Die ersten bewaffneten Drohnen sind ja bereits zum Einsatz gekommen.

    Macht es folglich Sinn, hochgezüchtete Kampfmaschinen zu kaufen, die bei der Indienststellung bereits veraltet sein werden (die F-35 wird dann schon fliegen) und während 30 Jahren die weitere Entwicklung blockieren werden?

    Was bringt einer der aktuellen Kandidaten, wenn der böse Feind 2020 ungehindert und ungesehen (auf dem Radar) seine Machwerke mit seinen neuen Stealth-Kampfjets vollbringen kann?

    Was bringen die aktuellen Kandidaten, wenn 2021 der andere böse Feind mit Schwärmen von billigen iranischen Drohnen mit niedriger Radarsignatur unsere zu diesem Zeitpunkt gestarteten Jagdflugzeuge einfach zahlenmässig überrumpeln?

    Was bringen hochgezüchtete Allzweckflugzeuge mit hohen Betriebskosten für den Luftpolizeidienst wenn sie doch nicht für etwas anderes gebraucht werden können?

    Ich bin keinesfalls gegen die Beschaffung von Kriegsmaterial, aber bei diesem Thema verstehe ich immer weniger, wieso die Übung nicht abgebrochen wird. Es wird immer klarer, dass der zurzeit geplante Tiger-Ersatz keine zufriedenstellende Resultate bringen wird.

    Ein neuer Ansatz ist dringend notwendig.

  3. Hallo Gefreiter,

    hochtechnologische Systeme sind wie ein Zug der vorbeibraust – irgendwann muss aufgesprungen werden, wenn der Zug nicht komplett verpasst werden soll. Würde gewartet, bis die F-35 ausgereift wäre, so wären nicht nur einige gewichtige Risiken damit verbunden – das versuchte ich in meinem Artikel aufzuzeigen – sondern die nächste technologisch noch weiter entwickelte Variante vermutlich bereits erkennbar.

    Im Stealth-Bereich gibt es bereits einen operationellen Kampfflieger, welcher die F-35 übertrifft: die F-22. Natürlich wird die F-22 zur Zeit nicht exportiert, natürlich kostet sie noch 1,5-2 Mal so viel wie eine F-35, aber vielleicht sieht das 2020, 2021 ….. usw. anders aus – wer weiss das schon? Dies ist auch der Grund, dass ich generell nicht viel von Zukunftsvorhersagen halte. Wer kann schon voraussehen wer uns in 10 Jahren bedrohen soll? Die USA nehmen bei ihren Planspielen übrigens gerne China als zukünftigen Gegner – siehe dazu auch diese interessante RAND-Präsentation, die auch aufzuzeigen versucht, dass es im Luftkampf eben nicht nur auf die technologische Überlegenheit ankommt (bei der Verwendung als Quelle ist jedoch Vorsicht angebracht).

    Die Verfügbarkeit von Stealth-Kampfflugzeugen sichert noch kein ungesehenes Eindringen in ein Territorium:

    In einer Studie der Air Power Australia (eines australischen, auf den Luftkrieg fokussierten, privaten non-profit Think Tank) wird bemängelt, dass die Stealthfähigkeit des F-35 auf X-Band-Radar und teilweise auf S-Band-Radar optimiert ist, welche jedoch von modernen Flugabwehrsystemen immer seltener benutzt wird. Seit 1991 weichen moderne russische Aufklärungsradar (S-300PMU-1/2, S-400) auf das L-Band, UHF-Band und VHF-Band aus, auf welche die Stealthfähigkeit des F-35 so gut wie gar nicht optimiert wurde. — “Neue Generation von Kampfflugzeugen: F-35 – Update 01“, 15.10.2009.

    Sollte es also für die Schweiz in Zukunft notwendig sein stealthfähige Kampfflugzeuge abzuwehren (von wem??), würde der Lösungsansatz dazu nicht der Kauf von F-35 (oder anderen Stealth-Kampfflugzeugen) bedeuten, sondern die Anschaffung verbesserter Radartechnologie.

    Wenn die F-35 von einer handvoll Staaten erfolgreich eingesetzt wird, bedeutet dies nicht automatisch, dass Kampfflugzeuge der vorhergehenden Generation schrottreif wären. Es kommt darauf an, was mit den Kampfflugzeugen erreicht werden soll. Für den Luftpolizeidienst und die Sicherstellung eines möglichst umfassenden Aufwuchskerns ist der Anzahl zu beschaffender Kampfflugzeuge der technologischen Generation den Vorrang zu geben.

  4. Gefreiter says:

    Es ist aber genau die erwähnte Unsicherheit, die gegen die aktuelle Neubeschaffung sprechen. Ich plädiere übrigens überhaupt nicht für den F-35. Was ich kritisiere ist die scheinbare Konzeptlosigkeit der aktuellen Pläne (es ist mir immer noch nicht klar was man mit den Maschinen tatsächlich machen wird, man spricht hauptsächlich darüber, was man machen könnte). Da die Zukunft so unsicher ist, wieso wird nicht versucht Flugzeuge mit geringerer Lebensdauer (und wenn möglich entsprechend geringerem Preis) zu beschaffen? Das dies auf langer Frist zusätzliche Kosten mit sich bringt ist wahrscheinlich, aber nicht zwingend.

    Die Notwendigkeit Stealth-Flugzeuge abzuwehren ist nur eine Frage der Zeit. Von wem ist eigentlich irrelevant. Da wären schon mal alle Staaten, welche den F-35 bestellt haben, aber Tarnkappenflugzeuge werden ja auch von Russland und China entwickelt. Wegen der langen Lebensdauer der Maschinen muss diese Variable aber mit einbezogen werden. Das kann natürlich auch mit dem Vorhandensein von Schnittstellen zu Radaranlagen erfolgen mit welchen man sich vernetzen kann. Dies erfordert aber fast zwingend zumindest Teile des Quellcodes der Software des Flugzeuges zu kennen und modifizieren zu können!

  5. Pingback: Der Bundesrat im Sinkflug – Sicherheitspolitik der Schweiz führungs- und konzeptlos | Offiziere.ch

  6. Auf eine von mir gestellte Frage hat EADS eine interessante Antwort bezüglich des F-35 gegeben, die ich hier nicht vorenthalten möchte.

    Frage
    Einige wichtige Länder im EADS Konsortium sind gleichzeitig finanziell bei der Entwicklung des F-35 beteiligt. Ist nicht davon auszugehen, dass diese Länder langfristig F-35 Kampfflugzeuge beschaffen und dass dadurch die Wichtigkeit der Weiterentwicklung des Eurofighter-Programms markant abnehmen wird?

    Antwort
    Davon ist nicht auszugehen. Der Joint Strike Fighter – F-35 ist in erster Linie auf den Luft-Boden Einsatz ausgelegt. Grossbritannien und Italien werden den Eurofighter und die F-35 in unterschiedlichen Einsatzrollen betreiben. Der Eurofighter wird primär in der Jagdflugzeug-Rolle eingesetzt. Der JSF wird seine Kernrolle als Jagdbomber übernehmen. Allgemein führen allerdings die Verzögerungen und Kostensteigerungen im F-35 Programm in einigen Ländern zu Verunsicherungen. Beispielsweise die Niederlande und Dänemark überdenken aktuell die Beschaffung der F-35.

  7. Tec Diver says:

    Der wahre Grund für den Aufschub beim Tiger Teilersatz, die Schweiz entwickelt bereits das Kampfflugzeug der sechsten Generation: http://www.jetman.ch :-)

  8. Pazifist says:

    Militärische Planspiele und nebulöse Bedohungsszenarien – die Bevölkerung scheint dies immer mehr als blosse Sandkastenspiele zu empfinden (wie die Reaktionen auf den Gygax-Plan zur Rakentenabwehr deutlich zeigen). Im Konzert der Grossen mit ihren aberwitzigen Rüstungsausgaben (http://www.globalfirepower.com/defense-spending-budget.asp) kann die Schweiz im gegenwärtigen politischen Umfeld nicht mithalten.
    Nur als Beispiel: Saudi Arabien bestellt für 30 Milliarden US-$ insg. 84 F-15 (http://www.n-tv.de/politik/USA-will-F-15-an-Saudis-liefern-article1234556.html), bestellt sind für 6,5 Milliarden € ausserdem 72 Eurofighter (http://de.wikipedia.org/wiki/Eurofighter_EF_2000). Um mittelfristig die eigene Luftüberlegenheit in der Region sicher zu stellen hat Israel jetzt 20 F-35 für 2,75 Milliarden US-$ bestellt (bezahlt wird nota bene mit US-Militärhilfe). Von den riesigen Kosten mal abgesehen, ist der Nahe Osten durch diese Aufrüstung jetzt sicherer?
    Von Militärs mögen sinkende Rüstungsbudgets wie in der Schweiz als “Manko” betrachtet werden, aber es ist auch eine Chance aus der unsinnigen Rüstungsspirale auszubrechen. Und wie der Kalte Krieg schon gezeigt hat, oder der Ölgewinn-finanzierte Rüstungswettlauf im Nahen Osten gerade zeigt, sind solche Spiralen fast beliebig weiter drehbar. Will man das und wem nützt das, ausser der Rüstungsindustrie? Wieso nicht auf Friedensförderung umschwenken, nach Vorbild etwa von Costa Rica. Pazifistische Utopie? Scheint auf jeden Fall günstiger als militärische Paranoia.

    • Gefreiter says:

      Was ist an Planspielen und nebulösen Bedrohungsszenarien neu oder gefährlich? Das wurde immer so gemacht und gehört zu einer Armee einfach dazu wie schwamige Wirtschaftsprognosen zu Finanzmärkten …

      • Pazifist says:

        Schon richtig, neu ist das ganze Bedrohungs-Heckmeck sicher nicht, und gefährlicher als während des Kalten Krieges, wo man auch schon mal die Schweizer Atombombe forderte, hört es sich auch nicht an.
        Nur: gleich unsinnig scheint es mir geblieben, wenn nicht noch unsinniger, jetzt wo wir von befreundeten Staaten umzingelt sind und die bösen Russen auch nicht mehr so böse wie früher sind. Ich bin kein Fan von Psychiatern, aber es wäre sehr kostengünstig für einige zehntausend Franken unseren Armeespitzen einige Sitzungen zur Paranoia-Bekämpfung zu verordnen. Man stelle sich vor, eine Armeeführung mit einer grundsätzlich positiven Weltsicht, wo nicht jeder ein potentieller Feind von morgen ist! Auf unfreiwillige Komik und lustige Powerpoint-Präsentationen müsste allerdings verzichtet werden (http://www.tagesschau.sf.tv/Nachrichten/Archiv/2010/03/14/Schweiz/Kopfschuetteln-ueber-Gefahrenkarte-von-Armeechef-Blattmann).

        Jetzt noch was zum F-35 JSF. Ich würde den nicht mal evaluieren (wird ja zum Glück auch nicht getan, meines Wissens). Wieso? Weil in Entwicklung begriffen und diese Entwicklung ächzt und stockt gewaltig. Stichworte: Kostenexplosion, Verzögerungen, technische Probleme.
        Man braucht nur die Medienmitteilungen anschauen, welches Kopfzerbrechen die Maschine den Entwicklungspartnern und zukünftigen Käufern bereitet…
        HOLLAND zieht sich zurück (26. Juli 2010):
        http://www.star-telegram.com/2010/05/21/2208236/dutch-parliament-wants-out-of.html
        ENGLAND will lieber F/A-18 statt den JSF (1. Aug 2010):
        http://www.militaryphotos.net/forums/showthread.php?183961-RN-to-buy-FA-18F-instead-of-JSF
        KANADA will raus (gestern!):
        http://www.ctv.ca/CTVNews/TopStories/20100901/haper-cf-18-100901/

        • Froschn says:

          Mein lieber Pazifist. Du hast die Grundregel der internationalen Beziehungen vergessen: es gibt keine befreundeten Staaten, es gobt höchstens Staaten mit gleichen Interessen. Diese Regel wird wieder vermehrt zum tragen kommen, wenn sich weltweit verfügbaren Vorräte an fossilen Brennstoffen vermindern werden. Leider ein nicht unvorstellbares Szenario. Dass sich Abnehmerstaaten, dann vermehrt auf einen aussenpolitischen Pragmatismus einlassen werden scheint ebenso plausibel. Steht auch in der neuen und lesenswerten Studie des Dezernats Zukunftsstudien der Bundeswehr.

          -Spiegel Artikel:
          http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,714878,00.html

          -Dokument:
          http://peak-oil.com/download/Peak%20Oil.%20Sicherheitspolitische%20Implikationen%20knapper%20Ressourcen%2011082010.pdf

          Auch wenn das nicht heisst, dass die Konflikte gewaltsam ausgetragen werden, dürften dann die Zeiten des sich gegenseitig gut zuredens und freundlich anlächelns definitiv vorbei sein!

          • Pazifist says:

            Lieber Froschn,

            wer weiss schon was die Zukunft bringt? Ich jedenfalls behaupte nicht das zu wissen. Dagegen warne ich davor, dass man sich bei Zukunftsprognosen (nur) auf die Bedrohungsanalysen von Armee- und Geheimdienstexperten verlassen soll (siehe zitierte Bundeswehr-Studie). Solche Studien sind doch vergleichbar wie die von der Pharmaindustrie in Auftrag gegebenen Studien zu den selber entwickelten Medikamenten, nämlich tendenziell einseitig.
            Für mich haben diese militärischen (Be)drohungs-Schreckgespenster einfach immer etwas von Paranoia. Weltweit kostet diese Paranoia die Steuerzahler aber bereits jedes Jahr hunderte und aberhunderte von Milliarden, die in die Armeebudgets fliessen. Ich weiss es ist ein rotes Tuch, aber warum nicht einen Bruchteil davon in Friedensförderung investieren, etwa in einen „Think Tank for Peace“ (kommt zumindest das militärische Wort „tank“ drin vor).

  9. Froschn says:

    @Pazifist
    Wie Du aus der Studie ersehen kannst, beruhen ihre Annanhmen auf Grundlagen, welche von Experten erarbeitet wurden die fast durchweg nicht dem Militär oder den Nachrichtendiensten nahe stehen. Jahrzehntelang haben linke und pazifistische Kreise den Amerikanern immer wieder vorgeworfen, sie würden nur wegen des Öls Kriege im Nahen Osten führen. Und jetzt ein Bericht diesen Vorwurf untermauert, soll das alles wieder nur dazu dienen die Leute zu erschrecken?
    Vielleicht solltest Du mal ein paar Deiner Dogmen überdenken und sogar über Bord werfen. Solange irgendwelche Annahmen oder vorraussagen aus dem linken Spektrum zum Beispiel über die endlichkeit von Ressourcen propagiert werden ist das in Ordnung, sobald aber von militärische Seite darüber nachgedacht wird, ist alles schlecht. Aber vielleicht kann ja der von Dir vorgeschlagene Think Tank 25 Jahre darüber nachdenken wer jetzt mehr recht hatte…

  10. Pingback: Neue Generation von Kampfflugzeugen: PAK FA T-50 | Offiziere.ch

  11. Ich würde mal gerne von den Experten auf dieser Seite wissen welches Flugzeug aus militärischer Sicht am sinnvollsten ist. Insbesondere würde ich gerne wissen wieso unsere Luftwaffe immer auf Mehrzweckkampfflugzeuge (=fliegende Maikäfer) setzt.

    Ich denke, dass wir auf fliegende Mehrzweck-Traktoren verzichten sollten. Die Luftwaffe muss den Luftraum verteidigen. Dazu wäre meiner Ansicht nach der F-22 Rapter am geeignetsten. Es handelt sich dabei um den vermutlich besten Luftüberlegenheitsjäger der Welt, der keinen ernstzunehmenden Gegner hat. Dieses Flugzeug müssten wir kaufen. Es ist zwar teuer und die Amerikaner wollen das Flugzeug nicht hergeben, doch das spricht ja gerade für dieses Flugzeug.

    Vom Eurofighter und anderem europäischen und russischem Schrott rate ich ab. Da können wir unsere Luftwaffe ja gleich mit ein paar alten Venom aus dem Museum fliegen lassen.

    Die Israelis, die Japaner und die Australier sind am F-22 Raptor ebenfalls interessiert, das sollte eigentlich etwas heissen. Die Israelis haben auch eine Milizarmee und müssen ihr Land verteidigen. Die achten im Gegensatz zu unseren Offizieren und unseren Politikern darauf, dass sie sinnvolle und zweckmässige Waffen einkaufen.

    • Nach dem sich der Bundesrat für eine Verschiebung der Beschaffung eines Kampfflugzeugs ausgesprochen hatte, erübrigt sich eigentlich eine Diskussion über die Typenwahl. Mit der Verschiebung des Geschäftes um mindestens 5 Jahre startet der Prozess wegen der anhaltenden technischen Entwicklung mehr oder weniger wieder bei Null. Als Beispiel kann die Saab Gripen genommen werden: Evaluiert wurde zwar noch das alte Modell (Modulsystem 19), schlussendlich wurde jedoch das neuere Modulsystem 21 offeriert. Zwischen den beiden Modulsystemen lagen rund 2,5 Jahre.

      Bei der Evaluation der drei Tiger-Teilersatz-Kandidaten stellte die Armasuisse folgenden Kriterienkatalog auf (Quelle: Jürg Weber, Daniele Tamburini, Fabio Antognini, “Lärmmessungen 2008“, Medienkonferenz, 2.12.2009):

      • Operationelle Wirksamkeit: Gewichtung 60%, darin enthalten Luft-Luft 30%, Aufklärung 12%, Luft-Boden 12% und Wachstumspotential 6%;
      • Operationelle Eignung: Gewichtung 15%, darin enthalten Wartungsprozess 4,5%, Miliztauglichkeit 3,75%, Kompatibilität mit Schweizer Infrastruktur 3,75%, Lärm und Abgasemissionen 3%;
      • Beteiligung und Kooperation: Gewichtung 25%, darin enthalten Industriebeteiligungen 17,5%, militärische Kooperation 7,5%.

      In vergangenen, aber durchaus aktuellen Artikeln wurden die drei Kandidaten auf Vor- und Nachteilen überprüft (vgl.: Saab Gripen, Dassault Rafale, Eurofighter), so dass anhand der oben genannten Kriterien selber überprüft werden kann, welcher Kandidat womöglich in welchen Bereichen am besten abgeschnitten haben könnte. Von der Armasuisse sind ausser bei den Lärmemissionen keine detaillierte Ergebnisse über die Evaluation zu erfahren. Jedenfalls haben alle Kandidaten die Kriterien erfüllt. Ich kann mir vorstellen, dass die Dassault Rafale durch ihre umfassende Einsatzmöglichkeit insbesondere bei der operationellen Wirksamkeit punkten konnte. Der Eurofighter kann mit einem interessanten Beteiligungs- und Kooperationspaket auftrumpfen. Da sich jedoch zeigte, dass – auch wenn nicht auf der gewichteten Kriterienliste der Evaluierung aufgelistet – schliesslich die Anschaffung- und Betriebskosten ein Killerkriterium bilden, könnte womöglich die Saab Gripen mit rund 1,8 Mal geringeren Kosten bei vergleichbarem technologischen Niveau eine mögliche Wahl darstellen. Absolut sicher ist dies nicht, denn es ist nicht bekannt, welche Komponenten in den definitiven Offertenpreisen der Anbieter enthalten sind. Interessant ist, dass nach offizieller Angabe von Saab 22 Gripen C/D (Modulsystem 19) für 1,8 Milliarden SFr bzw. 22 Gripen NG (Modulsystem 21) zu 2,2 Milliarden SFr offeriert wurden. An der Medienmitteilung vom 25.08.2010 teilte Bundesrat Ueli Maurer jedoch mit, dass die “günstigste Offerte für die 22 Flugzeuge [sich] auf 3,5 Milliarden Franken, die teuerste auf 4,8 Milliarden Franken” belief. Woher dieser Unterschied zwischen den Angaben von Saab und von Maurer herrührt, ist ungewiss – entweder wurden die Kosten unterschiedlich berechnet (insbesondere bei den Betriebskosten, Ersatzteilhaltung, Waffenbeschaffung usw.) oder die Rüstungsbeschaffer wollten sich nicht mit einem Minimalpaket begnügen.

      Aus Kostengründen besteht weltweit bei den Luftstreitkräften der Trend, die Anzahl der verschiedenen Typen von Kampfflugzeugen zu verringern. Um dies zu erreichen ist es notwendig, dass neue Kampfflugzeuge verschiedenste Einsatzaufgabe übernehmen können. Dazu kommen Mehrzweckkampfflugzeuge zum Einsatz (der Vergleich zu einem Maikäfer bzw. Traktor verblüfft mich jedoch etwas). Als Beispiel kann die Dassault Rafale genommen werden, welche in Frankreich mindestens sieben Kampfflugzeug-Typen ersetzt hat bzw. ersetzen wird. Wer ein modernes Kampfflugzeug beschaffen will, kommt an einem Merzweckkampfflugzeug kaum vorbei (welche anderen rollenspezifische Kampfflugzeug gibt es denn heute noch, wenn man mal die Bomber weglässt?). Sogar der F-22 Raptor kann anhand der möglichen Einsatzaufgaben als Mehrzweckkampfflugzeug bezeichnet werden. Sie kann sowohl sechs AIM-120 AMRAAM Mittelstreckenlenkwaffen in komprimierter Bauweise (compressed carriage) zwei AIM-9 Sidewinder Kurzstreckenlenkwaffe oder als Ersatz von vier Mittelstreckenlenkwaffen auch zwei JDAM-Bomben mittleren Durchmessers (GBU-32; max. 459kg) oder acht Bomben kleineren Durchmessers mitführen (Quelle: “F-22 Raptor“, Air Combat Command, Public Affairs Office, 25.11.2009). Wird auf hervorragende Stealthfähigkeit verzichtet, kann ausserhalb der Waffenschächte weitere Waffen mitgetragen werden. Der F-22 kommt jedoch für die Schweiz aus mehreren Gründen nicht in Frage. Ein wichtiger Grund liegt alleine schon im Exportverbot durch den US Senat. Vergeblich haben bis jetztJapan, Israel, Südkorea und Australien mehrfachfür den Kauf von F-22 Kampfflugzeugen interessiert. Ob es je eine Exportvariante geben wird, ist zweifelhaft, denn die Produktion des F-22 wird voraussichtlich gegen Ende 2011 nach der Herstellung von 187 Stück zu Gunsten der Produktion des F-35 Lightening II eingestellt (vgl. auch: Brandon Wilson, “F-35 center wing operation will take flight in Marietta“, Marietta Daily Journal, 28.07.2010). Ein weiterer Grund für die Einstellung der Produktion sind die Kosten: eine F-22 wird je nach Auftragsgrösse Fly-Away-Kosten von 142,6 Millionen US-Dollar bis 153,2 Millionen US-Dollar aufweisen (also ohne Waffensystem, Radar, Avionik, Pilotentraining, Ersatzteile, Unterhalt usw. – die tatsächlichen Anschaffungskosten würden vermutlich mindestens doppelt so hoch liegen). Ausserdem spielt der F-22 seine herausragende Fähigkeit – Stealth – bei Interventionsmissionen aus, bei denen durch die gegnerische Luftabwehr unbemerkt in die Lufthoheit eines anderen Staates eingedrungen werden kann, die gegnerische Luftwabwehr ausgeschaltet wird und eventuell unter Miteinbezug weiterer Kampfflugzeuge mit geringerer Stealthfähigkeit die Luftüberlegenheit gesichert werden kann. Die Kosten für die Stealthfähigkeit (nicht nur preislich sondern auch in der daraus resultierenden eingeschränkten Kapazität) kann nicht durch einen entsprechenden Nutzen beim Luftpolizeidienst aufgewogen werden.

  12. Pazifist says:

    @ Froschn,

    die Studie, auf die Du mit link verweist, wurde vom “Dezernat Zukunftsanalyse” erstellt, welches dem “Zentrum für Transformation der Bundeswehr” (ZTransfBw) untersteht. Insofern hast Du recht, dass diese Experten nicht dem Militär “nahe stehen”… sondern die sind vom Militär!
    Kannst Du gern nachschauen (http://www.zentrum-transformation.bundeswehr.de), es tragen dort alle Uniform.
    Du hast sicher damit recht, dass man seine Ansichten (müssen ja nicht gleich Dogmen sein) immer wieder selber in Frage stellen sollte. Das würde ich aber auch von den Militärs erwarten. Deren (dogmatische) Antwort auf “Bedrohungen” (früher der Warschauer Pakt, heute Ressourcenverknappung) lautet aber immer nur: Aufrüstung. Müsste man halt mal ein wenig schlauer werden…

    @Alexander Müller

    Ja, vermutlich ist das gegenwärtig der mit Abstand beste Jäger. Aber schau mal auf den Preis, die Flieger in US-Besitz haben mit Entwicklung 351 Millionen US-$ / Stück gekostet (http://www.isn.ethz.ch/isn/Current-Affairs/Security-Watch/Detail/?lng=en&id=104231). Für die Export-Variante, wofür sich ernsthaft bisher glaube ich nur Japan interessiert hat, wären vermutlich um die 250 Millionen US-$ fällig. So ein Irrsinn! Tiger F-5 (2. Generation-Jäger) mit diesem 5.-Generation-Ding ersetzen? Und wofür genau brauchen wir einen 5. Generation- Jäger? 5. Generation heisst ja primär mal stealth-Fähigkeit. Die braucht man um ungesehen in fremde Lufträume einzudringen. Wir sind aber neutral und wollen unsere Luftwaffe ja zur Landesverteidigung einsetzen, nicht wahr. Sorry, für den dogfight über den Alpen ist die F-22 doch komplett überzüchtet!

  13. Froschn says:

    @Pazifist:
    Es reicht nicht immer einen Link zurückzuverfolgen und auf Grund der Bilder die man auf einer Website findet oder wegen des Urhebers einer Website darauf zu schliessen ob etwas gut oder schlecht ist. Wenn Du den Bericht sorgfältig gelesen hättest und vielleicht auch mal die eine oder andere Fussnote überprüft hättest würdest Du mindstens zu folgenden zwei Erkenntissen gelangt sein:
    1) Der Bericht ist mehr oder weniger eine Synthese dessen, was führende Erdölgeologen schon seit King Hubbert (1955) immer wieder veruschen zu erklären: Erdöl ist endlich und ab einem bestimmten Punkt steht immer weniger des schwarzen Goldes zur Verfügung bzw. es verteuert sich immer mehr. Die Folgen dieses steigenden Mangels in einer Gesellschaft, deren Wirtschaftssystem auf der Verfügbarkeit von billigen fossilen Brennstoffen sind wohl absehbar. Es kann also keine Rede sein von einer “dogmatischen Antwort” oder von Angstmacherei.
    2) Der Bericht fordert in keiner Form eine Aufrüstung. Ebensowenig zeichnet er das Bild einer Zukunft, in der dauernde Kriege um die letzten Rohstoffquellen geführt werden. Die Analyse zeigt einfach die Konsequenzen für Deutschland auf, und wie es seine Position verbessern könnte.
    Dass gerade eine Institution der Bundeswehr jetzt vor den Konsequenzen der Energieverknappung warnt mag insbesondere linken (und grünen) Kreisen in Deutschland nicht passen. Dort redet man viel lieber über einen sofortigen Atomausstieg und dass sämtliche Energieversorgungsprobleme gelöst sind, wenn sich nur jeder ein Solapanel auf dem Balkon montiert. (Leider ist das in der Schweiz ja nicht viel anders!) Derart idealistische vorstellungen zielen allerdings komplett an der Realität vorbei. Gerhard Schröder und Joschka Fischer müssen das erkannt haben, denn sie sitzen heute beide in den Verwaltungsräten von zwei der grössten Pipelineprojekten der Welt, die Deutschland den Zugang zu Erdgas auf lange Sicht sichern sollen.

    • Pazifist says:

      Lieber Froschn,

      zugegeben, ich hatte wenig Lust disen Bericht aufmerksam zu lesen.
      Wenn er aber – Punkt 1 – darauf aufmerksam macht, dass Erdöl endlich vorhanden ist und langsam zur Neige geht, dann brauche ich diesen Bericht nicht. Das sollte wohl mittlerweile allen klar sein, nicht nur “führenden Erdölgeologen”. Und zum Punkt 2: Hier sollten wir uns doch keinen Illusionen hingeben, was den die Absicht eines solchen Berichtes ist. Dieser Bundeswehr-Think-Tank wird wohl kaum die Nachrüstung ihrer Panzer auf Biodiesel im Hinterkopf haben, weil jetzt das Öl knapp wird. Wenn Bundeswehr-Strategen davon reden die “Position Deutschlands zu verbessern” bedeutet das doch nichts anderes als die Durchsetzung von Wirtschaftsinteressen mit militärischen Mitteln. Wenn Du dich erinnerst ist der deutsche Bundespräsident Köhler vor nicht allzu langer Zeit wegen genau so einer umstrittenen Aussage zurückgetreten, nämlich:
      “Meine Einschätzung ist aber, dass wir insgesamt auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege.”
      Frag dich mal ob so die Zukunft aussehen soll, wenn Länder “unserer Grösse” ihre Wirtschaftsinteressen militärisch durchsetzen. Man hatte das in der Vergangenheit schon gehabt und das steht heute in den Geschichtsbüchern unter den Kapiteln “Imperialismus” und “Kolonialzeit”.
      Der Bericht selber fusst wesentlich auf wissenschaftlich verbrämter Angstmacherei, auch wenn Du das bestreitest. Schau dir mal S.47ff. an. Dort wird der “Peak Oil” eingeführt, was vorerst ein rein statistischer Wert ist (die weltweit maximal je erreichte absolute Erdölfördermenge). Der “Peak Oil”, an dem die absolute Erdölfördermenge erreicht ist und von wo die Kurve nach unten geht wird dann mit dem ominösen “tipping point” irgendwie gleich- oder in Beziehung gesetzt und nun bewegen wir uns im Bereich der höheren Mathematik, nämlich der Bifurkations- oder Katastrophentheorie, wo “tipping point” ebenfalls als Terminus existiert. Der Verweis in Fn.82 auf den Wikipedia-Artikel zur “Bifurkation” zeigt auch schön, auf welchem Niveau sich das mathematische Verständnis der Katastrophentheorie wohl bewegen wird. Mit dem Verweis auf die Mathematik, die ja exakte Wissenschaft und Beweisbarkeit suggeriert, wird dann in den folgenden Ausführungen ein sozio-ökonomisches Schreckensszenario an die Wand gemalt, mit was denn in der Zukunft zu rechnen sei (ein worst-case-Szenario, Angstmacherei). Das ist völlig unzulässig, da weder die “Wirtschaft” noch die Menschen sich an mathematische Gesetzmässigkeiten halten (dass die Wirtschaft auch mit den ausgeklügeltsten mathematischen Formeln nicht berechenbar ist, hat ja die Finanzkrise schön offenbart).
      Dieser Teil ist ausserdem im Wesentlichen eine Zusammenfassung des noch übleren Traktats das in Fn.84 zitiert wird. Insgesamt macht der Bericht auf mich den Eindruck als hätte ein Praktikant ihn verfasst. Meiner Ansicht nach ein krudes pseudo-wissenschaftliches Machwerk

    • Pazifist says:

      Kleiner Nachtrag, falls die Peak Oil-Debatte weiterhin interessiert, es findet diesen Samstag eine öffentliche Tagung dazu an der Uni Basel statt:

      http://www.peakoil.ch/naechste-events.html

  14. Rund um den F-35 gibt es einige Neuigkeiten. Norwegen wollte ursprünglich im Zeitraum zwischen 2016-2020 48 F-35 beschaffen. Nicht nur reduzzierte die norwegische Regierung die Beschaffungsmenge auf 20 Jets, sondern verschob die Beschaffung von 16 der 20 Stück auf 2018 (Quelle: “Norway defers some F-35 orders by two years“, Flightglobal, 29.09.2010). Im Gegenzug überlegen sich die Norweger einen Teil der F-16 upzugraden um deren Lebensdauer zu erhöhen. Der Grund für die Verschiebung bestehe in den fehlenden benötigten finanziellen Mitteln, um beispielsweise die Infrastruktur zu warten bzw. zu verbessern und die Ausbildung sicherzustellen. (Quelle: Gerard O’Dwyer, “Norway Delays F-35 Purchase“, DefenseNews, 30.09.2010). Hey, von woher kenne wird das bloss ?

    Andererseits wurde Ende letzte Woche bekannt, dass Israel mit den USA ein Abkommen zum Kauf von 20 F-35 abgeschlossen hat. Dies überrascht nicht weiter, denn als Security Cooperative Participants (SCP) war die Kaufabsicht schon länger bekannt. Die Verzögerung des Kaufentscheid hing mit der israelischen Forderung zusammen, den F-35 mit eigener Elektronik auszustatten. Bis dato wurde dies vom Pentagon abgelehnt – ob nun eine EInigung erziehlt wurde ist nicht bekannt. (Quelle: The Jerusalem Post, “Israel-US JSF deal likely to be delayed“, 08.09.2009). Bereits Ende August wies “Pazifist” in einem Kommentar darauf hin, dass Israel für die 20 F-35 2,75 Milliarden US-Dollar zahlen will (was durch US-amerikanische Militärhilfe abgedeckt ist). Und noch als Hinweis für den Chef der Armee, Korpskommandant Blattmann und Bundesrat Ueli Maurer: das macht dann 137,5 Millionen US-Dollar pro Stück ;-) . Die Lieferung soll zwischen 2015 und 2017 stattfinden. Israel besitzt übrigens eine Option auf 55 weitere F-35. (Quelle: “Israel kauft 20 US-Kampfjets des Typs F-35“, NZZ, 08.10.2010).

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