Todesschütze vom Zürcher Hönggerberg

Vor einer Woche wurde an einer Bushaltestelle in Zürich-Höngg eine 16-jährige Lehrtochter erschossen. Die junge Frau befand sich zusammen mit ihrem 16-jährigen Freund gegen 22.15 Uhr in der Nähe der ETH Hönggerberg in der bergwärts liegenden, gedeckten Haltestelle der Buslinie 80. Wie die Stadtpolizei, Kantonspolizei und Staatsanwaltschaft mitteilten, gab es einen Knall und die Lehrtochter wurde am Oberkörper durch einen Schuss getroffen. Die Jugendliche verstarb noch vor Eintreffen der Sanität am Tatort. (Quelle: Tagi)

Anfangs dieser Woche wurde ein 21-jähriger bereits vorbestrafter Mann von der Kantonspolizei verhaftet und vermutlich ab diesem Zeitpunkt war auch schon klar, dass der Schuss aus einem Sturmgewehr 90 abgefeuert wurde. Am gleichen Tag, an dem der Täter die Rekrutenschule abgeschlossen hatte, verübte er seine Bluttat. Die Hintergründe dieser Tat sind auch heute noch ungeklärt. Mit dieser erschütternden Vorfall wurde die Diskussion, ob die persönliche Waffe weiterhin mit dem Wehrmann nach Hause genommen oder in Zukunft im Zeughaus eingelagert werden soll, wieder neu aufgerollt. Da der Täter keine Taschenmunition erhielt, sondern die Gewehrpatrone 90 während seines Dienstes in der Armee widerrechtlich gestohlen hatte, wurde auch der generelle Umgang mit Munition in der Armee diese Woche kritisch hinterfragt. (Vgl. PolizeiNews, Tagi)

Im “Talk Täglich” auf Tele Zürich diskutieren die Psychologen Thomas Steiner und Urs Wenger wissenschaftlicher Assistent für Militärsoziologie an der Militärakademie sowie Kommandant der Führungsstaffel Kp 4/2 mit dem Moderator Hugo Bigi über den Fall “Höngg”.

 
Gehört das Sturmgewehr ins Zeughaus oder wird der Armee bloss der “Schwarze Peter” zugeschoben? Sachliche Meinungsäusserung im Kommentarbereich sind erwünscht.

Update vom 02.12.2007
Rundschau-Sendung vom 28. November 2007.

Sehr überzeugend treten die SVP-Vertreter nicht auf. Borer schlägt dem Fass den Boden aus: ein Verbot von Gewaltspiele soll das gesellschaftliche Problem der Gewaltverherrlichung lösen.

 
Der Sonntagsblick schlägt in die selbe Kerbe:

Die Ermittler machen eine weitere Entdeckung: Stapelweise liegen Computerspiele herum – Killer- und Kriegsspiele mit blutigem, menschenverachtendem Inhalt. Damit vertreibt sich Luis W. die Zeit. Freunden erzählt er, wie er stundenlang vor dem Computer sitzt und die Rolle des kaltblütigen Heckenschützen spielt. Immer wieder schiesst er in der virtuellen Welt auf Menschen, metzelt sie nieder.

Angesprochen wird ein Spiel Namens “Battlefield”, das es so jedoch nicht gibt. Gemeint war vermutlich “Battlefield 2” oder “Battlefield 2142“. Das Entertainment Software Rating Board klassifiziert beide Spiele mit “T (Teen)”: “[...] have content that may be suitable for persons ages 13 and older. May contain violent content, mild or strong language, and/or suggestive themes.” Hätte man eine solch labile Persönlichkeit demfalls nicht als militärdienstuntauglich beurteilen müssen?

Weiterführende Informationen

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10 Responses to Todesschütze vom Zürcher Hönggerberg

  1. M.R. says:

    Ich nehme hier Bezug auf die Berichte verschiedenster Angehöriger oder ehemaliger Angehöriger der Armee, welche angeblich Munition entwendet haben. Nach einem Blick auf die gängigen Foren (so z.B. http://www.20min.ch/news/dossier/hoengg/story/25887782) schreckt es schon auf, wieviele Armeeangehörige sich eines Strafbestandes schuldig gemacht haben, egal ob es jetzt Prahlerei, “Wettkampfklauerei” oder den Tatsachen entspricht. Worin besteht der Unterschied, ob man im Wiederholungskurs/ in der RekrutenschuleMunition mitgehen lässt oder man in einem Geschäft Waren entwendet? Beides sind kriminelle Handlungen. Es stimmt mich schon nachdenklich, dass in sovielen Wohnungen in der Schweiz gestohlene Muntion rumliegt. Und das kleinste Problem ist wahrscheinlich diejenige für das Sturmgewehr. Wenn in gewissen Wohnzimmern – nach Selbstaussagen – ganze Panzerfäuste mit Abschussgeräten an der Wand hängen oder Handgranaten in der Schublade liegen (auch wenn es nur Übungspatronen sind), dann haben kann man schon von einem erhöhten Sicherheitsproblem sprechen. Und warum? Nicht weil zuwenige Kontrollen betreffend Munition stattfinden, sondern weil viele sich kriminellen Handlungen hingeben. Das Problem ist nicht die Armee als kollektiv, so wie sie von vielen nun hingestellt wird, sondern jeder einzelne der Diebstähle von Gefahrengütern begeht und bei sich zu Hause die Waren lagert. Zuletzt noch eine allgemeine Frage: man überlege sich wer überhaupt die Armee ist. Durch das Milizprinzip besteht die Armee nach wie vor aus Schweizer Bürgern mit Doppelfunktion. Sie enstpricht also dem Gros der Gesellschaft. Ich will hier nicht verallgemeinern, aber ein Teil unserer heutigen Gesellschaft prahlt öffentlich damit, sich kriminellen Handlungen hinzugeben, die öffentliche Sicherheit zu gefährden (für Handgranaten braucht es kein Gewehr zu Zündung) und fühlt sich auch noch stark dabei. Ganz nach dem Motto :”Höret, höret: Ich habe geklaut. Aber es gibt ja kein Kontrollen, also bin ich unschuldig…!”

  2. Administrator says:

    Danke für den Kommentar!
    Die haarsträubenden Geschichten von geklauten Handgranaten, Panzerfäuste usw in den Foren kann ich nicht recht glauben. Zugegeben, wenn jemand Gewehrpatronen 90 oder Pistolenpatronen 41 klauen will, dann ist das im Umfang von einigen 100 Schuss machbar, ohne dass dies gross auffallen würde. Bei Handgranaten, Panzerfäuste usw. wo man die Verwendung genau kontrollieren kann (beispielsweise mittels Detonationskontrolle) oder wo rein schon von der Grösse bzw. von der Anzahl ein Diebstahl auffällt, kann ich mir solche widerrechtliche Entwendungen schlecht vorstellen.

  3. Manuel says:

    Ich denke, dass es in dieser Frage nicht um Schuldzuweisungen gehen kann, sondern darum, was der aktuelle Fall illustriert.
    Die Waffe nach Hause abzugeben ergibt offensichtlich ein Sicherheitsrisiko. Dadurch, dass man so leicht an Munition kommt – auch legal – ist es gefährlich eine vollautomatische Präzisionswaffe so breit zu streuen.

    Dass die Armee in ersten Stellungsnahmen abstreitet, dass es möglich ist, aus dem Dienst Munition zu entwenden zeugt von Augenwischerei. Es wird schlicht zu wenig kontrolliert. Auch wenn 90% der AdA keine Munition entwenden und sich während der ganzen Dienstzeit korrekt verhalten, so ist das noch kein Freibrief für “Vertrauen” und fehlende Kontrollen.

    Von der Armeeführung werden Probleme, wie so oft, einfach weggeredet, anstatt sich mit ihrer Lösung zu beschäftigen!

    Desweiteren beschleicht mich langsam der Verdacht, dass die Armeeführung gegen eine Einlagerung der Waffen ist, weil sie entweder keine Ahnung hat, wo sie diese einlagern soll oder die entsprechenden Kapazitäten ganz fehlen.
    Ich hoffe aber schwer, dass nicht bald noch so argumentiert wird. Die sicherheitspolitische Argumentation steht schon auf genug wackligen Beinen.

  4. Alessandro says:

    Als Berufsoffizier müssen wir unsere Verantwortung wahrnehmen. Das heisst die Soldaten richtig ausbilden; die Verwendung der Munition strikt kontrollieren und die Massnahmen noch konsequenter durchsetzen.

    http://www.alessandro-rappazzo.ch/index.php?/categories/1-News

    Kader und Soldaten sind zu erziehen. Jedem trägt eine Verantwortung. Die Verantwortung kann man nicht delegieren.

  5. Tinu says:

    [… Desweiteren beschleicht mich langsam der Verdacht, dass die Armeeführung gegen eine Einlagerung der Waffen ist, weil sie entweder keine Ahnung hat, wo sie diese einlagern soll oder die entsprechenden Kapazitäten ganz fehlen. …](Kommentar Nr.3

    Dass die Taschenmunition ein Relikt aus der zeit der Mobilmachung ist, bleibt unbestritten; deshalb ist es korrekt, dass diese eingesammelt bzw. nicht mehr abgegeben wird. Bei der persönlichen Waffe sieht dies schon noch etwas anders aus: Wenn man an der persönlichen Waffe festhalten will, diese aber am Ende einer Dienstleistung abgibt und zu Beginn der nächsten Dienstleistung wieder fasst, ist dies mit einem logistisch enormen Aufwand verbunden. Denn die Paletten können ja nicht einfach eingelagert und ein Jahr später wieder ausgefasst werden. Über 30% der AdA verschieben ihre WK oder leisten diese bei einer andern Einheit. Eine weitere Frage bleibt, wie die obligatorischen Schiessübungen durchgeführt werden.

    Wenn man nicht an der persönlichen Waffe festhält, können die Zeughäuser gemäss dem Einrückungsbestand die Waffen abliefern. Diese müssen gefasst und eingeschossen werden. Der zusätzliche Zeitaufwand wird für die Durchführung pro Bataillon auf drei Tage geschätzt. Zudem müssten Schiesslehrer aufgeboten werden und Schiessplätze und –stände organisiert werden. Gleichzeitig sollten immer mehr Ausbildungsinhalte während der Wiederholungskursen vermittelt werden – ganz zu schweigen von den immer komplexeren Übungen. Es gibt also nach wie vor Gründe, die persönliche Waffe mit nach Hause zu nehmen, die nicht auf der Argumentation der Tradition beruhen.

    Dass ein Mensch sein Leben lassen muss, wie dies auf dem Hönggerberg geschah, ist tragisch. Einem Punkt wurde in der Diskussion bis jetzt zu wenig Beachtung geschenkt: Das mediale Echo ging erst dann richtig los, als bekannt wurde, dass der mutmassliche Täter das Opfer mit einer Armeewaffe erschoss. Man ist also weniger schockiert, dass es Menschen gibt, die überhaupt eine solche Tat begehen können und ereifert sich mehr über Armeewaffe. Das Problem liegt doch aber ganz klar beim Menschen, bei der Person.

    Nun folgt der Vorwurf, dass die Armee nicht erkannt hatte, dass es sich beim mutmasslichen Täter um einen Vorbestraften handelt. Hier muss zuerst abgeklärt werden, ob aus Datenschutzgründen die Armee überhaupt zu diesen Daten kommt (meiner Meinung nach erfolgt die Überprüfung erst bei Kaderanwärtern). Zum zweiten wurden die Fragebögen bei der Rekrutierung verunglimpflicht und mussten angepasst werden. Dabei wurden Fragen gestrichen, die von den Psychologen gebraucht wurden, um Rückschlüsse auf Gewaltpotential zu machen.

    Was will ich sagen? Es ist nicht immer ganz so einfach, mit Pauschalargumenten ins Feld zu ziehen. Es ist durchaus legitim, gegen die persönliche Waffe zu sein; es ist weiter auch legitim, strengere Vorschriften und Überprüfungen zu fordern. Aber man muss bereit sein, die Konsequenzen zu tragen. In diesem Falle würde dies heissen, dass in den Wiederholungskursen drei Tage aufgewendet werden müsste, wenn Sturmgewehr und Pistole nicht mehr persönliche Waffen wären. Weiter würde es heissen, dass die Armee an persönliche Daten gelangt und diese auch verarbeiten muss. Und ich hoffe, dass all diejenigen, welche all diese Massnahmen fordern, diese auch mittragen.

  6. Philipp Sury says:

    Mene persönliche Meinung zu diesem Thema kann man ausführlich unter

    http://www.parcival.org/2007/11/28/6-argumente/

    nachlesen. Executive Summary: ich finde es nötig, dass das Volk darüber abstimmt, ob es weiterhin Armeewaffen im Zivilleben dulden will oder nicht.

  7. Administrator says:

    Hallo Philipp,
    danke für den Link zu Deinen 6 Argumenten für die Verwahrung der Waffe in einem Zeughaus. Trotzdem noch eine Anmerkung zu Punkt 1:

    Wenn es gelingt, dank geeigneten organisatorischen Massnahmen auch nur ein Menschenleben zu retten, ist es den Aufwand allemal wert. Dieses Argument ist nicht diskutabel.

    Diese Argumentation stellt prinzipielle die Begründung eines totalitären Überwachungsstaats dar. 100%ige Sicherheit gibt es nun einmal nicht.

    Ich muss jedoch zugeben, dass ich meine Meinung zur persönlichen Abgabe der Waffe durch etliche Diskussionen etwas relativieren musste. Ursprünglich war ich ein Befürworter der persönlichen Abgabe der Waffe, weil es meines Erachtens von einem Vertrauen des Staates zeugt, oder wie es Professor Jaun ausdrückte:

    Der erste Grund ist die Idee, dass die Waffengewalt des Staates beim Volk liegt. Die Staatsbürger sollen sich gegen ein despotisches Regime wehren können und eine persönliche Verantwortung gegenüber der eigenen Waffe entwickeln.

    Dies ist aber gleichzeitig auch der einzige Grund. Die Behauptung, die Waffenabgabe sei notwendig für eine schnelle Mobilisation der Armee stimmt so nicht mehr. Mit der Armee XXI wurde die “klassische Mobilmachung” durch das System der abgestuften Bereitschaft ersetzt. Die Taktische Führung (TF Ziff 73ff) zeigt auf, bei welchen Einsätzen welche Armeeteile in welcher Zeit einsatzbereit sind. Aus dem Stand verfügbar sind:

    1. Teile Berufs- und Zeitmilitär,
    2. Teile des zivilen Personals,
    3. Durchdiener,
    4. Berufsformationen,
    5. Bereitschaftstruppen.

    Diese Kräfte sind oder müssen bewaffnet bleiben, denn der Einsatz erfolgt aus dem Stand.

    Innerhalb von Tagen (!!) kommen FDT-leistende Verbände (WK-Formationen), speziell bezeichnete aktive, nicht im Dienst stehende Verbände sowie Truppen in der letzten Phase der Grundausbildung (Verbandsausbildung 1) zum Einsatz. Diese Kräfte sind grösstenteils bereits bewaffnet, weil sie im Dienst sind. Aktive, nicht im Dienst stehende Verbände kommen erst nach Monaten (!!) zum Einsatz.

    Wenn ich nun als persönliches Fazit die eher ideologische Begründung einer persönlichen Abgabe der Waffe an den Wehrmann mit den rationalen Punkte, die für ein Einlagern ins Zeughaus sprechen, abwäge, muss ich zugeben, dass die Einlagerung derzeit mehr Sinn macht. Ich denke deshalb, dass die Eidgenössische Volksinitiative “Für den Schutz vor Waffengewalt” der SP Schweiz durchaus Sinn macht, weil damit der Bürger zu dieser Problematik einen Entscheid fällen kann. Wie ich dabei Abstimmen würde, kann ich hier noch nicht voraussagen, ich warte aber zur Zeit immer noch auf ein gewichtiges rationales Argument der “Waffen-Lobby”.

    Eines ist klar, wie Tinu bereits erwähnt hat, die Konsequenzen müssen einem klar bewusst sein:

    • wegen dem Aufwand wird das Sturmgewehr und die Pistole mit Ausnahmen zur Korpswaffe;
    • anfangs WK muss mehr Zeit für Fassung, Einstellen des Sturmgewehrs und Ausbildung der Angehörigen aufgewendet werden;
    • das Obligatorische Schiessen wird abgeschafft;
    • die Anzahl der Schiessvereine, Schiessstände usw wird abnehmen.

     
    Zum Schluss noch ein Zitat von Philipps Seite:

    Ich bin für eine starke Armee. Ich bin für ein Ende der damit im Zusammenhang stehenden Sparübungen. Ich bin für die Milizarmee und gegen eine Profi-Armee. Aber ich bin auch dafür, dass die Armee das zivile Leben des einzelnen Soldaten nur berührt, wo es wirklich nötig ist. So oder so hat der einzelne Soldat den Befehlen der Armeespitze und des politischen Souveräns zu gehorchen, auch wenn er sich Major der Panzerbrigaden rühmt (1, 2). Die verweigerte Abgabe der Taschenmunition ist ein Fall für die Militärjustiz und die Armee kein Jekami-Verein, sonst werden wir möglicherweise bald einmal Soldaten haben, die ihre Taschenmunition nicht abgeben und solche, welche sich nach der Waffeninspektion weigern, die Waffe wieder nachhause zunehmen.

  8. Philipp Sury says:

    Hallo Admin,

    Merci für die Antwort, es hat viele interessante Überlegungen drin. Dazu ein nochmals ein paar Gedanken von mir:

    1) Natürlich bin ich auch gegen den Überwachungsstaat, meine Aussage beschränkt sich auf den Umgang mit Armeewaffen. Oder wie mein Geschichtsprofessor sagte: “Absolute Sicherheit hat man nur, wenn man mind. 1m Beton rund um sich herum hat, aber die Lebensqualität leidet dann beträchtlich”.

    2) Das Zitat Des Professors Jaun finde ich sehr gut und dem stimme ich auch 100% zu. Aber eben, die Schweiz hat kein despotisches Regime, solange ich meine demokratischen Rechte leben darf, brauche ich die Waffe nicht. Der einzige Knackpunkt der Aufbewahrungsinitiative ist, wie man die Waffen wieder an die Bürger abgibt, wenn die Demokratie gefährdet wäre.

    3) Merci für das Update bezüglich Mobilisierung diverser Verbände. Obwohl ich regelmässig die ASMZ, den Schweizer Soldat und die Organe der LW lese, ist mein Kenntnisstand grosso modo immer noch jener der OS, als uns all die Sachen eingepaukt wurden. Da sah ich u.a. ein Lehrvideo über das Flughafenregiment von Zürich Kloten, seine Ausrüstung und wie es alarmiert wird. Ich fand die Idee bestechend.

    4) Ich bin klar dafür, dass im Militär wieder mehr geschossen wird. Ich sehe speziell in der Luftwaffe, aber auch in anderen Verbänden, die Tendenz, sich hinter seiner technischen Apparaten zu verschanzen und nach dem Motto “Verbindung um jeden Preis” sich im Erfolg zu sonnen, weil man kritische Datenleitungen pünktlich dem taktischen Partner zur Verfügung stellt. “Um jeden Preis” kann aber auch bedeuten, dass man dafür kämpfen muss – oder wie ein Einheitsinstruktor mal sagte “Wir sind in erster Linie Soldaten und erst in zweiter Linie Techniker.”
    Die Zustände beim Obligatorischen in den schweizerischen Schiessständen sind bezüglich Ausbildungsniveau der Soldaten bedenklich. Die wenigsten wissen, wie man richtig Probeschüsse macht und wie man korrigiert. Der nette Herr von der Schützengesellschaft, mit dem man sofort per Du ist, hilft einem während 30min, all diese Schwierigkeiten zu überwinden und das Programm zu erfüllen, aber der Lerneffekt ist nahe bei Null. (on a sidenote: ich finde es auch ganz toll, dass die Schützenstuben jeweils schon bei Schiessbeginn Alkohol ausschenken und nicht erst nach Schiessende) Um den Ausbildungsstand der Truppe zu halten, genügt das obligatorische Programm klar nicht.
    In der Luftwaffe sind wir uns den Jahresrythmus bei den WKs gewohnt, weil wir das System gar nie gewechselt haben. Im Zweijahrestakt haben wir dabei abwechslungsweise immer einen Ausbildungs- und einen Einsatz-WK, während Ausbildungs-WKs ist die erste Woche für AGA reserviert. Unterhalb dieser minimalen AGA-Dauer macht Schiessen gar keinen Sinn.

  9. Mörike says:

    Wenigstens in Deutschland gibt es immer wieder Fälle, in denen Polizisten zu der Überzeugung gelangen, ihr Familiendrama nur noch mit der Dienstwaffe in der Hand lösen zu können, und sich danach meist selbst erschießen. Dies führte m.W. bislang nicht zu der Forderung nach Entwaffnung der Polizei, obwohl damit nicht nur ein einzelnes Menschenleben hätte gerettet werden können.

    Es wird wohl immer dissoziale oder auch psychisch kranke Gewalttäter und damit auch völlig sinnlose bewaffnete Gewalttaten geben. Nur wenn eine solche zufällig mit schweizer Armeewaffen begangen wird, soll daraus ein zwingender Grund für die Abschaffung der bewaffneten Volkssouveränität, und damit natürlich für die Abschaffung der Volkssouveränität überhaupt erwachsen? Nahezu jede Regierung fürchtet den Souverän. Daher ihr Bestreben, den Staat auf- und die Bürger abzurüsten. Auch die schweizer Verfassung ist nur soviel wert wie die Wachsamkeit ihrer Bürger.

  10. Viktor says:

    Waffenmissbrauch statt Waffenbesitz bestrafen

    [Dieser Kommentar wurde vom Administrator gekürzt, weil es sich dabei um eine Kopie von "Das Sturmgewehr kann nichts dafür…", Sicherheit für alle (sifa) handelt. Danke, Viktor für Deinen Beitrag.]

    Die sifa fordert

    Statt den Waffenbesitz zu kriminalisieren, ist der Waffenmissbrauch mit krimineller Absicht weit härter als bisher zu bestrafen. Waffenmissbrauch kann nur mit spürbarer Strafverschärfung wirksam bekämpft werden. Eine deutliche Strafverschärfung muss wirksam werden, sobald eine Waffe bei der Ausübung einer Straftat nur schon mitgeführt wird.
    Das Strafgesetzbuch muss gemäss sifa-Forderung folgendermassen ergänzt werden: Wer zum Zweck der Ausführung einer Straftat eine Schusswaffe oder eine Blankwaffe mit sich führt, wird mit Zuchthaus nicht unter fünf Jahren bestraft.
    Straftäter ausländischer Nationalität werden zusätzlich auf Dauer des Landes verwiesen.

    Die sifa fordert, aus dem Fall Höngg die richtigen Lehren zu ziehen. Diese lauten:

    • Waffenmissbrauch verlangt nach massiver Strafverschärfung. Nicht der Waffenbesitz ist zu kriminalisieren, vielmehr ist der Waffenmissbrauch mit krimineller Absicht weit strenger zu ahnden als in der Vergangenheit.
    • Ein zentrales Waffenregister löst keine Probleme, da die gefährlichste Waffenkategorie, die illegalen Waffen, nicht erfasst wurden. Es bestraft lediglich die Ehrlichen.
    • Wer wegen schwerer Gewaltdelikte vorbestraft ist, hat in der Armee nichts zu suchen. Er muss seine Dienstpflicht anderweitig abgelten.

     
    Quelle: http://www.sifa-schweiz.ch

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