Geheimdienste, Verschwörungen und Wahrheit – 24C3 – Tag 3

Der erste Vortrag “What can we do to counter the spies?” war ein Leckerbissen. Annie Machon arbeitete in den 1990er-Jahren für 6 Jahre als Nachrichtenoffizier bei der MI5. Mit dem Ende des Kalten Krieges veränderte sich auch die Aufgaben des MI5 und ihr Umfeld beim MI5 wurde vermehrt in ungesetzliche Machenschaften verwickelt, wie beispielsweise die Befragung von Verdächtigen unter Nichteinhaltung der Menschenrechte. Gefoltert hätten die MI5-Agenten zwar nicht, aber sie waren bei Folterungen anwesend. In England “inszenierte” der MI5 mindestens einen Terroranschlag gegen eine ausländische Botschaft, und 1995 war der MI5 für einen Anschlag auf Muammar Abu Minyar al-Gaddafi durch fundamentalistische Islamisten in Libyen mitverantwortlich. Diese Machenschaften waren verantwortlich, dass Annie Machon und ihr Ex-Partner aus dem Spionage-Business austraten und ihr Wissen veröffentlichten – mit allen negativen Konsequenzen: sie mussten aus Grossbritannien in die Niederlanden und anschliessend nach Frankreich fliehen. Dort wurden sie vom französischen Geheimdienst aufgegriffen, befragt aber nicht an Grossbritannien ausgewiesen. Ihr Wissen und ihre Erfahrungen kann man in ihrem Buch “Spies, Lies and Whistleblowers: MI5, MI6 And the Shayler Affair” nachlesen.

Frank Rieger und Ron hinterfragen in ihrem Vortrag “Die Wahrheit und was wirklich passierte” das gesellschaftliche Wahrheitsverständnis. Sie postulieren, dass jede Geschichte vier Seiten hat: Deine Seite, ihre Seite, die Wahrheit und was wirklich passiert ist (es handelt sich dabei um ein Zitat, dessen Ursprung umstritten ist). Unter Wahrheit verstehen sie das gesellschaftlich mehrheitlich akzeptierte Verständnis über ein Geschehnis, das jedoch nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmen muss. Dass dieses Verständnis nicht zwangsläufig mit Verschwörungstheorien zu tun haben muss, zeigen beispielsweise die Forschungen von Dr. Daniele Ganser über Geheimarmeen und den “inzeniertem Terrorismus”. Frank und Ron haben als “Schuldigen” insbesondere die Medien im Fadenkreuz. Da die Medien interessante Stories kurz und einfach an den Mann bringen müssen, fallen relevante Details unter den Tisch – damit ist die Story zwar richtig, aber nicht vollständig. Bedenklich ist, dass das Fernsehen immer noch als ein Hauptinformationskanal angesehen werden kann. Gemäss Frank und Ron schaute im Jahre 2006 jeder Deutsche Bundesbürger täglich 3h 40 Min fern. Gemäss dem Bundesamt für Statistik nahm die Fernsehnutzung auch in der Schweitz zu: zwischen 1985 und 2005 stieg sie von ca. 2h auf ca. 2,5h (die Werte variieren je nach Sprachgruppe, genauere Zahlen und Details findet man beim Bundesamt für Statistik). Der Trend gehe dahin, dass das Fernsehen zur Unterhaltung und das Internet für die Fakten benutzt werde. Zum Schluss ziehen sie folgendes Fazit:

  • Man baut sich seine Realität selber.
  • Die Auswahl von Quellen und Einflüssen findet in Eigenverantwortung statt.
  • Jeder ist für die daraus resultierenden Handlungen selber verantwortlich.
  • Nichts ist heilsamer als gelegentlich auszubrechen.

 
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