Frühjahrstagung der MILAK: Transformation der Streitkräfte

Vor einer Woche fand die Frühjahrstagung der Militärakademie an der ETH Zürich statt. Der Anlass thematisierte die Transformation der Streitkräfte am Übergang zum 21. Jahrhundert. Grund genug für die “Stahlhelmfraktion” über den Anlass zu schwadronieren. Dieser Artikel versucht eine möglichst objektive Zusammenfassung des Anlasses und ein persönliches Fazit zu geben, denn im Gegensatz zu Alt-Nationalrat Ulrich Schlüer benötige ich keinen Oberst im Generalstab, der mir von diesem Anlass die Kurznotizen überlässt – ich war nämlich selber anwesend ;-).

Die Geschichte zeigt: auch das Militär ist nicht vor einem stetigen Wandel gefeit. Bereits 5 Militärrevolutionen sind in die Militärgeschichte eingegangen: beginnend mit der Oranischen Heeresreform im 16. Jahrhundert, über die ersten Massenheere Napoleons, der technologischen Revolution zwischen 1860-1918, der darauf folgenden Mechanisierung und Totalisierung zwischen 1919-1945 und schlussendlich der Kalte Krieg mit der nuklearen Abschreckung. Viele Militärexperten vermuten, dass wir uns seit dem Ende des Kalten Krieges in einer 6. Militärrevolution befinden, die durch eine Asymmetrierung des Gefechtsfelds, einer Vielzahl der Akteure (sowohl militärisch wie auch zivil), der Tiefe und Gleichzeitigkeit der Aktionen und einer Erhöhung des Technologisierungsgrades gekennzeichnet ist. Ob diese Theorie auch tatsächlich der Realität entsprechen wird, ist dabei nicht unumstritten und wird wahrscheinlich erst im Nachhinein durch die Geschichtsschreibung beurteilt werden können. Seit dem Kalten Krieg ist jedenfalls eine Transformation der Streitkräfte zu beobachten, die sich nicht mehr auf eine breitflächige Feuerkraft zur vollständigen Vernichtung des Gegners konzentriert, sonder auf einen differenzierten Einsatz massiver Feuerkraft, die lokal begrenzt zur Erreichung klar definierter taktischer Ziele zur Wirkung gelangt. An der Frühjahrstagung waren Dr. Lars Ericson Wolke des National Defence College Stockholm, Dr. Erwin A. Schmidl von der Landesverteidigungsakademie Wien und Prof. Dr. Vladimir Prebilic von der Universität Ljubljana eingeladen, um von ihren Erfahrungen in Bezug auf diesen Transformationsprozess zu berichten.

Schweden und Österreich durchliefen seit Ende des Kalten Kriegs eine Abbauwelle, die charakteristisch für die westeuropäischen Streitkräfte war. Durch die Reduktion des Wehrpflichtbestandes, der zunehmenden Professionalisierung, der Modularisierung und der Internationalisierung der Streitkräfte forderte die politische Führung durch die Reduktion des Armeebudgets die Friedensdividende ein. Dieses Vorgehen kann heute als gescheitert betrachtet werden. In Schweden kostet die Armee nach der Transformierung der Wehrpflichtsarmee mit einem Bestand um die 750.000 Mann (1990) [1] in eine stärker professionalisierte Armee mit rund 47.000 Mann (2007; davon sind ca. 11.000 Berufsoffiziere) wegen dem höheren Technologiebedarf und dem damit verbundenen Unterhalt ungefähr gleichviel. Die notwendigen Wehrpflichtigen werden durch Freiwillige rekrutiert (ca. 8.000 Freiwillige bei 50.000 Wehrpflichtigen) – da diese jedoch das Soll nicht abdecken, werden noch zusätzliche Wehrpflichtige gezwungen. Von einer Wehrgerechtigkeit, wie wir sie hier in der Schweiz kennen, kann man in diesem Fall kaum sprechen. Rund 1.000 Mann der schwedischen Streitkräfte sind in internationalen Einsätzen eingesetzt. Das durchschnittliches Jahresbudget der schwedischen Streitkräfte beträgt zwischen 2004-2009: um die 6 Milliarden Schweizer Franken (35-40 Milliarden Schwedische Kronen). Schwedische Soldaten dürfen nicht im Landesinnern eingesetzt werden. Ericson sieht derzeit eine Problematik darin, dass sich die schwedischen Streitkräfte zu stark auf den Ausbau der Spezialkräfte konzentrieren würden. Faktisch sei die Verteidigung des eigenen Territoriums nicht mehr sichergestellt, was in Bezug auf die Entwicklungen Russlands unter Putin zu denken gebe, insbesondere weil Putin klar kommuniziert habe, dass er die Sicherheit der Ostseepipeline nötigenfalls auch mit Hilfe der russischen Armee durchsetzen wolle.

Over the last decade the Government, with the endorsement of the Parliament, has made successive reductions in the capability required of the Swedish Armed Forces to undertake assignments in the medium term, i.e. in a 5 to 10 year perspective. The reason for this is that the Parliament, the Government and the Military all share the view that the risk of an armed attack on Sweden in a medium term perspective is very remote. Because this aspect of operational capability has been reduced, the operational organisation has been correspondingly slimmed down. While the number of operational units has been reduced, requirements regarding the quality and availability of the remaining units have been intensified. In short this represents a shift of focus, where the operational capabilities of the Swedish Armed Forces are concerned, from defence against armed attack at some time in the future to the prioritisation of a more flexible, rapid reaction capability here and now. — Fakten zu den schwedischen Streitkräften

In Österreich kam das Bundesheer während und nach dem Balkankonflikt zur Grenzsicherung zum Einsatz. Dieser Auftrag ist mit der Implementierung von Schengen 2008 offiziell beendet. Die Reduzierung der Streitkräfte verlief in Österreich ebenfalls über die Reduktion des Milizanteils. Das österreichische Bundesheer besteht derzeit aus ca. 35.000 Mann im Präsenzstand (ca. 25.000 Berufssoldaten und ca. 10.000 Grundwehrdiener) und ca. 30.000 Mann im Milizstand. Muss für einen Einsatz mehr als 5.000 Mann aus dem Milizzstand aufgeboten werden, ist die Ermächtigung des Bundespräsidenten erforderlich. Rund 1.200 Soldaten der österreichischen Bundesheeres sind im Auslandeinsatz. Seit Ende des Kalten Krieges löste eine Bundesheerreform die andere ab – bis jetzt ist noch keine Ruhe ins System zurückgekehrt. Das Jahresbudget beträgt um die 3 Milliarden Schweizer Franken. Einsätze des österreichischen Bundesheeres im Inland sind hoch umstritten, deshalb nur in Ausnahmefällen und ausschliesslich subsidiär unter der Führung der Polizei möglich.

Nach der Loslösung Sloweniens von Jugoslawien war die Bildung einer eigenen Armee umstritten. Meinungsumfragen ergaben, dass bis zu 49% der slowenischen Bevölkerung für ein demilitarisiertes Slowenien waren. Die Bedrohung durch die jugoslawische Volksarmee setzte dieser Diskussion jedoch ein Ende. Seit 2003 setzt sich die slowenische Armee aus einem reinen Berufsheer mit 7.000 Mann zusammen. Der weitere Ausbau des Berufsheeres auf die projektierten 8.500 Mann ist unwahrscheinlich, da die slowenischen Streitkräfte mit einer Abwanderung der Profis in die Wirtschaft zu kämpfen hat. Der Entscheid der Transformation zu einer reinen Berufsarmee war die Konsequenz auf die fehlende direkte Bedrohung, die geringen Popularität der Wehrpflicht in der Bevölkerung, den schlechten Stand der Reserve, die ungünstigen demographischen Verhältnissen und den bevorstehenden Beitritt zur NATO 2004. Die slowenische Regierung sieht die Landesverteidigung im Falle eines Angriffs auf slowenisches Territorium durch die NATO sichergestellt. Interessant im Fall Slowenien ist, dass die Bevölkerung bei Umfragen angibt, dass sie eine Verlagerung von den internationalen Friedensoperationen zu einer autonomen Landesverteidigung wünschen würde. Das Jahresbudget der slowenischen Armee beträgt ca. 476 Millionen Euro (2006). Slowenische Soldaten können aus historischen Gründen nicht im Innern eingesetzt werden.

 
Lehren für die Schweizer Armee (persönliches Fazit)

  • Die Reduzierung der Truppenstärke oder die Professionalisierung führt zu keiner bedeutenden Reduktion der Kosten. Die modernen technologischen Systeme sind teuer und benötigen einen aufwendigeren Unterhalt. Eine starke, kompetente Logistik stellt dabei das Rückgrad der Kampftruppen dar. Die Konsequenzen eines rücksichtslosen Abbauprogramm bei den Bundesbetrieben sind in der Schweiz bereits seit ca. 2 Jahren zu spüren.
  • Einsparungen werden durch konsequenten Aufgabenverzicht erzielt. Welche Aufgaben die Armee erfüllen muss, ist dabei ein politischer Entscheid. Im Vergleich mit anderen Ländern macht die Schweizer Armee derzeit alles: Landesverteidigung, Katastrophenhilfe, subsidiäre Sicherungseinsätze im Landesinnern, Raumsicherung und internationale Friedensoperationen. Ein umfangreiches Leistungsprofil (siehe Graphik, zum Vergrössern klicken), das jedoch seinen Preis hat.
  • Derzeit besitzt die Schweizer Armee im Vergleich zu Schweden, Österreich und Slowenien weiterhin ein Schwergewicht im Bereich Landesverteidigung. Dem schweizerischen Konzept der Raumsicherung haben die anderen Staaten nichts vergleichbares entgenzusetzen – es handelt sich dabei um einen modernen, innovativen und realistischen Ansatz. Mit den subsidiären Sicherungseinsätzen hat die Schweizer Armee einen Auftrag, der in den anderen Staaten durch die Polizei wahrgenommen wird. Im Bereich der internationalen Einsätzen macht die Schweizer Armee im Vergleich sehr wenig.
  • Nicht nur das Beispiel Slowenien zeigt, dass der Aufwand zur Erhaltung eines hochqualifizierten Berufsheeres nicht zu unterschätzen ist. Eine Berufsarmee ist für die Schweiz langfristig kaum eine realistische Alternative zur Milizarmee. Das schwedische Beispiel zeigt, das auch Prof. Karl Haltiners propagierte Freiwilligenmiliz für die Schweiz derzeit kaum eine sinnvolle Alternative darstellt.

 
Update vom 14.04.2008
Hans-Ulrich Ernst, Brigadier a. D erstellte nach Angaben der NZZ für das VBS ein Konzept für eine Milizarmee mit nur 30.000 Mann. Eine solche Armee soll besser und erst noch billiger sein. Ernst wollte zu diesem Konzept einen Artikel für die ASMZ schreiben, was jedoch von der Schweizerischen Offiziersgesellschaft (SOG) als Herausgeberin untersagte. Anscheinend hat der SOG-Vorstand noch nicht mitbekommen, dass sie so mittelfristig nicht um eine Diskussion der Wehrmodelle kommen (sorry, aber ihr seit schon Saftsäcke!). Besser wäre die Diskussion aufzunehmen und zum Beispiel zu argumentieren, dass mit 9.000 einsatzbereiten Soldaten der Bedarf einer Euro 08 nicht gedeckt werden könnte (15.000 eingesetzte Soldaten). Dass die Armee durch Reduzierung des Bestandes günstiger wird, das dachten zu Unrecht auch schon ausländische Streitkräfte – die vorausgesagten 400 Millionen Schweizer Franken machen grad mal rund 9% aus. Ausserdem werden die derzeitigen brennenden Probleme, die von Ernst in diesem Artikel benannt werden, mit dem Durchdienerkonzept nicht gelöst. Weitere Argumente für und gegen eine Änderung des Wehrpflichtmodells findet man in der Diskussion zu diesem Blogartikel.

Quelle
[1]: Schüngel, Daniele. “Schwedens Sicherheitspolitik im Wandel.” HSFK-Report 14/2005, 7 (Fussnote 25) – Dank geht an Marc P. für den Quellenhinweis!

 
Weitere Leseempfehlungen

This entry was posted in International, Politics in General, Switzerland.

27 Responses to Frühjahrstagung der MILAK: Transformation der Streitkräfte

  1. Kischi says:

    Der Kommentar von Ulrich Schlüer zur Frühjahrstagung der MILAK ist meiner Meinung nach bedenklich, denn er zeigt auf, dass in den Kreisen der SVP anscheinend die neue Bedrohungslage seit dem Ende des Kalten Krieges nicht realistisch erfasst werden kann. Entscheide sind immer mit Risiken verbunden und die SVP macht im Bezug auf die Streitkräfte klar, dass nicht bereit ist, einen zukunftsgerichteten Entscheid zu fällen und lieber am alt Bewährten festhält.
    Leider ist das alt Bewährte (Miliz) heute nicht in der Lage, die Aufträge der Armee zu erfüllen. Folgenden Fakten sollen dies verdeutlichen:

    • Die Bereitschaft, eine Waffe zu Hause einzulagern, hat massiv angenommen. Die Miliz will zum grössten Teil keine Waffen mehr zu Hause. Der Wehrwillen hat massiv abgenommen. (Ich bin gespannt auf Ergebnis dieser Initiative)
    • Milizsoldaten sind nicht in der Lage, Aufträge wie Botschaftsbewachungen, WEF-Einsätze und dergleichen zu bewältigen. Dies liegt allerdings nur am jetzigen System der Armee. Die Miliz wäre dazu in der Lage, aber dafür müsste die Dienstzeit verlängert werden. Eine drei-wöchige WK-Dienstzeit ist ein unverhältnismässiger Aufwand und liefert nicht die gewünschten Resultate. Es ist eine Illusion zu glauben, Milizsoldaten würden je einen höheren Stand der Ausbildung erreichen, wenn wir weiterhin an diesem Dienstleistungsmodell festhalten. Sätze wie „wir haben den Auftrag hervorragend erfüllt“ zeugen lediglich davon, dass man bereit ist, sich gegenseitig hemmungslos anzulügen und die Realität ausblendet.

    Wenn etwas besser werden soll, muss etwas geändert werden. Damit ist aber nicht gesagt, dass eine Veränderung auch eine Besserung bringt. Hier ist eine Entscheidung notwendig. Die SVP ist Weltmeister, wenn es darum geht, sich vor solchen Entscheiden zu drücken.
    Ich persönlich bin der Meinung, dass der „normale“ Schweizer Bürger sein Leben ohne Militär leben soll, und die Sicherheitsaufgaben von Leuten gemacht werden, die dafür auch ausreichend ausgebildet sind und auch das nötige Training haben.
    Landesverteidigung beginnt nicht erst ab der Landesgrenze. Wer der Meinung ist, dass uns Probleme des Auslandes nichts angehen und wir uns nur um unsere Angelegenheiten kümmern sollen und dies ständig mit der Neutralität rechtfertigt, lebt schlichtweg in einer Traumwelt. Die neuen Bedrohungsformen (Terrorismus, Proliferation von Massenvernichtungswaffen, Organisierte Kriminalität, Regionale Konflikte und Staatszerfall) erlauben so ein luxuriöses Denken nicht mehr.

    Ob ein Soldat (egal welchen Rang) einen Aufrag im heutigen Einsatzumfeld erfüllen kann, hängt stark mit seiner Ausbildung zusammen. Aus diesem Grund ist für mich die Miliz dazu nicht geeignet, es sei denn, man ändert das Ausbildungsmodell. Eine mögliche Variante wäre das Durchdienermodell. Und hier kommt das alte Lied des stehenden Heeres, wobei eigentlich niemand weiss, ab welchem Zeitpunkt man von einem stehenden Heer spricht. Ein Durchdienermodell für die Miliz würde sämtlichen Anforderung von Militär und Wirtschaft gerecht werden. Natürlich will sich eine SVP mit so was nicht die Finger verbrennen (wäre ja wieder ein wichtiger Entscheid).

    Ich bin der Meinung, dass früher oder später auch eine Vereinigung von Polizei und Armee als gemeinsames Sicherheitsinstrument für einen Staat zur Debatte stehen wird. Aber das sprengt dann wohl vollends den Kragen der SVP.

    Und zu guter letzt… ich war nicht an der Frühjahrstagung der MILAK, weil nur geredet wird und anschliessend keine Entscheide getroffen werden. Das Resultat dieser Tagung ist gleich Null, wie man am Schreiben von Ulrich Schlüer sehen kann. Mann muss sich einfach bewusst sein, dass so ein Herr grossen Einfluss auf viele Wähler hat.

  2. Kischi says:

    Leider haben sich im oben stehenden Beitrag einige Rechtschreibefehler eingeschlichen. Ich entschuldige mich dafür und mache meine Laptop dafür verantwortlich :-)

  3. Tinu says:

    Zuerst einmal besten Dank für die objektive Berichtserstattung von der Frühjahrestagung der MILAK an der ETH Zürich. Das freut mich doch sehr, nachdem ich gestern ein von Herrn Schlüer verfasstes, schlechtes Papier zu lesen bekam.

    Nun zum Beitrag von Kischi: Ich sehe, dass das Thema der Miliz momentan in vielen Diskussionen wie eine Querschnittsfunktion durch alle Themen anzutreffen ist. Dabei bin ich mit dem folgenden Ausschnitt von Kischi nicht einverstanden:[Milizsoldaten sind nicht in der Lage, Aufträge wie Botschaftsbewachungen, WEF-Einsätze und dergleichen zu bewältigen. Dies liegt allerdings nur am jetzigen System der Armee. Die Miliz wäre dazu in der Lage, aber dafür müsste die Dienstzeit verlängert werden.]

    Die Armee hatte früher auch schon anspruchsvolle Waffensysteme oder einzelne Komponente (Artillerievermessung, um ein Beispiel zu nennen). Die Miliz war jederzeit in der Lage, mit 3-wöchigen WK’s und einem 2-Jahresrhythmus in der A95 (!) das System erfolgreich zum Schuss zu bringen. Da muss man mir doch nicht erzählen, dass es nicht möglich ist, mit Milizsoldaten den Schutz von Objekten und Gebäuden, also Wachtdienstaufgaben mit einigen Zusatzelementen, sicherzustellen.

    Mit einer Verlängerung der Dienstzeit wird der Wehrwille nicht steigen und die Auftragserfüllung würde noch mehr in Frage gestellt. Vielmehr sollten sich Kommandanten und Kader Gedanken machen, was es heisst, in einer Milizarmee Verantwortung zu übernehmen, unangenehme Entscheide zu fällen, Soldaten zu motivieren, Führen durch Vorbild, usw. Es könnte durchaus auch sein, dass hie und da der Fisch auch am Kopf zu stinken beginnt. Und wenn die Kommandanten nicht vorausgehen, und versuchen, auch in schwierigen Situationen mit schlechten Rahmenbedingungen das Beste daraus zu machen, dann, ja dann wird es schwierig, auch einfache Aufträge zu erfüllen.

    Ich glaube nicht, dass der heutige Soldat weniger kann als früher. Und eventuell müsste man in der zur Verfügung stehenden Ausbidlungszeit die Schwergewichte etwas anders setzten. Zeitverlust durch sinnloses Warten, weil ein Soldat seine Morgenrasur nicht erledigt hatte oder keine – ohnehin überflüssigen – Beingümeli montierte, sind zu vermeiden. Mit gesundem Menschenverstand, dem Glauben an die Miliz und mit etwas Enthusiasmus kann man viel herausholen.

    In diesem Sinne wünsche ich allen Kadern viel Gelingen!

  4. Tinu says:

    Ach ja, und noch etwas zu diesem Satz von Kischi: [... Man muss sich einfach bewusst sein, dass so ein Herr (Schlüer) grossen Einfluss auf viele Wähler hat.] …Ja das stimmt, deshalb wurde er ja auch nicht mehr in den Nationalrat gewählt ;-)

  5. Kischi says:

    Hallo Tinu

    Dein Vergleich mit der Artillerievermessung hinkt etwas. Wachtdienst, WEF-Einsätze und Botschaftsbewachungen etc. sind Echteinsätze. Du kannst doch nicht im ernsthaft solche Aufgaben mit Schiessübungen auf Waffenplätzen vergleichen, bei denen zahlreiche Sicherheitschecks erfüllt werden müssen und möglicherweise noch ein Berufsmilitär daneben sitzt.

    Es geht auch nicht darum, den Wehrwillen zu steigern, sondern mit einer längeren Ausbildung die Auftragserfüllung zu erreichen. Ich glaube dies dürfte im Zentrum jeglicher Führung stehen. Ich verstehe auch nicht, weshalb die Auftragserfüllung noch mehr in Frage gestellt sein sollte. Und was meinst du mit „mehr“ – ist sie etwa doch in Frage gestellt?

    Heroische Parolen wie „mit Vorbild vorangehen“, „unangenehme Entscheide fällen“ sind für mich Ausreden um zu vertuschen, dass man schlichtweg Mist gebaut hat. Du sagst es ja selber: „versuchen auch in schwierigen Situationen mit schlechten Rahmenbedingungen das Beste daraus zu machen. Ich frage mich einfach, wann jemand diese Rahmenbedingungen versucht zu ändern.
    „Sinnvermittlung“ und „einverstanden“ statt „Befehl ist Befehl“ und „hier verstanden“ sind die Leitlinien für einen modernen Einsatz. Ich bin mir sehr wohl bewusst, dass der Befehl im Militär seine Berechtigung hat. Befehl und Kadavergehorsam liegen aber nahe beisammen. Könnte es auch sein, dass der „selbständig denkende Soldat“ für gewisse Kader der blanke Horror ist, weil sie plötzlich rechtfertigen müssen, was sie für einen Mist befohlen haben? Hier liegt die wirkliche Verantwortung der Kader und Kommandanten, dass sie sich vorgängig mehr Gedanken machen, was sie befehlen und bei einem schlechten Entscheid versuchen diesen so zu korrigieren, dass der Auftrag auch wirklich erfüllt wird. Leider habe ich zu oft gesehen, dass dem nicht so ist. Der alte, schlechte Entscheid wird mit Befehlsgewalt durchgesetzt, das Ergebnis wird ungenügend und man schmiert sich am Ende einer Übungs- / Einsatzbesprechung gegenseitig Honig ums Maul, wie toll man die V-Lage doch gemeistert hat. Du warst auch mal Soldat und weisst, was ich damit meine. Mehr als die Hälfte der Truppe hat während der Übung nichts mitgekriegt, sind irgendwo hingefahren um zu merken, dass sie hier nicht hingehören, haben drei Tage nicht geschlafen und wurden mehrmals vom Zfhr angebrüllt, der keine Ahnung hat, was der Kp Kdt eigentlich wollte, weil er (der Zfhr) den Punkt 2 der Befehlsgebung (Absicht) verschlafen hat in der Annahme „mich interessiert eh nur mein Auftrag – also erst bei Punkt 3 aufpassen“. Sag mir jetzt nicht, dass du es anders erlebt hast – ich würde es nicht glauben.

    Nebenbei: Wachtdienst und Assistenzdienst sind alles andere als einfache Aufträge. Wenn solche Aufträge als einfach erscheinen, sollte man sich besser überlegen, ob man vielleicht etwas falsch gemacht hat. Oder doch nicht? – ich setze doch einfach meinen Befehl durch!

    An einem Punkt gebe ich dir recht: der heutige Soldat kann nicht weniger als früher. Aber: die Bedrohungssituation ist anders und das weisst du so gut wie ich. Aus diesem Grund ist der Milizsoldat mit dem jetzigen Ausbildungsmodell gar nicht in der Lage, adäquat zu handeln, wenn es heikel wird. Ihm fehlt das nötige Training für so einen Einsatz. Polizisten trainieren ständig, um den Anforderungen ihres Einsatzes gerecht zu werden. Ich verstehe einfach nicht, wie man hier sagen kann, dass die Miliz diesen Anforderungen gewachsen ist. Das ist schlichtweg unverantwortlich.
    Bitte korrigiere mich, wenn ich falsch liege, aber ich kenne kein Beispiel, auf dem auf der Wache geschossen wurde und damit ein Munitions- oder Waffendiebstahl verhindert wurde. Liegt es daran, weil der Wachtdienst so gut war, oder weil niemand abgedrückt hat? Die Beantwortung dieser Frage überlass ich dir.

    Eine anständige Rasur und Beingümeli gehören zum Auftritt eines Soldaten und signalisieren Bereitschaft. Ein schlechtes Auftreten zeigt Schwäche und genau an diesem Punkt wird auch zugeschlagen. Was ist dein Gedanke, wenn du in einer Verkehrskontrolle von einem Polizist angehalten wirst, dessen Hemd aus der Hose schaut? – „Pfifesack“ oder etwas in dieser Richtung.
    Ich glaube, die 5 Minuten für die Rasur und die 30 Sekunden für die Beingümelimontur kann man einem Soldaten zumuten.

    Was ich mit dem Einfluss von Ulrich Schlüer gemeint habe, weisst du. Ich entschuldige mich für meine schwammige Formulierung.

    Mich würde aber viel mehr interessieren, was du zu folgendem Punkt zu sagen hast:
    Vereinigung von Polizei und Militär zu einem einzigen Sicherheitsinstrument?

  6. Tinu says:

    Hi Kischi

    Deine Argumente mögen ja teilweise stimmen. Es geht einfach nicht an, dass ständig und bei jeder Gelegenheit das Milizsystem in Frage gestellt wird. Die Politik und das Volk will es so, da heisst es für uns: Verstanden, wir machen das Beste daraus, mit allen Rahmenbedingungen, die zugegebenermassen nicht immer optimal sind. Aber wir können immer und immer und immer wieder dieselben Entscheide in Frage stellen und uns an Ort drehen, statt die Energie andersweitig zu nutzen. Zudem glaube ich nicht, dass mein Vergleich hinkt, denn was machen wir in der Ausbildung? Wir bereiten uns auf den Einsatz vor. Und was machen wir im Einsatz? Wir tun das, was wir in der Ausbildung gelernt haben?

    Nun zu Deiner Frage bezüglich Vereinigung und Polizei. Da bin ich ganz klar dagegen. Die Polizei soll das schnelle Einsatzmittel sein, um Ruhe und Ordnung sofort herstellen zu können. Die Polizei soll zudem weiterhin eine Gemeinde- und Kantonskompetenz, die Armee eine Bundeskompetenz sein. Denn ich gehe davon aus, dass die Armee nach wie vor, auch in Zukunft, den Auftrag der Verteidigung haben wird, auch wenn die andern Aufträge wie Raumsicherung und subsidiäre Einsätze noch vielmehr an Bedeutung gewinnen. Was ich mir hingegen vorstellen kann, ist, dass in Zukunft auch das Prinzip der umgekehrten Subsidiarität vermehrt geübt und angewendet wird, und so Armee, Polizei und weitere Sicherheitskräfte näher zusammenrücken und enger miteinander zusammenarbeiten. Fazit: Vermehrte Kooperation: ja, vollständige Verschmelzung: nein.

  7. Kischi says:

    Ciao Tinu

    als Offizier gebe ich dir recht, was das ständige in Frage stellen von Entscheidungen angeht. Aber um Klartext zu reden: die Rahmenbedingungen sind scheisse und unzumutbar und das schon länger. Mit dem Credo der Konsolidierung verhindert zum Beispiel der CdA LVb-Wechsel, was wieder für viele Berufsmilitär eine V-Lage bedeutet. Klar man hat den Vertrag unterschrieben usw. aber wenn es bessere Lösungen gibt, sollten diese auch genutzt werden. Es wird einfach nicht mit den Leuten geredet sondern es wird einfach die bequeme Variante befohlen.
    Als Schweizer Bürger habe ich jedoch das Recht, solche Entscheide in Frage zu stellen so lange ich will (direkte Demokratie um auch einmal Schlüer die Stange zu halten).

    Und der Vergleich hinkt eben doch. Im modernen Einsatz / Wachtdiensteinsatz entscheidet der Soldat über schiessen oder nicht schiessen. Im Beispiel, das du gemacht hast, entscheidet ein Offizier nach der Sicherheitsmeldung (SECURA). Und wie schon gesagt – daneben sitzt in dem meisten Fällen ein Berufsmilitär, der den Zielhang in und auswendig kennt. Hier kann wirklich fast nichts in die Hose gehen. Wenn die Sicherheit nicht vorhanden ist wird nicht geschossen. Diese Einsatzausbildung hat wenig mit dem Einsatz auf der Wache gemeinsam, weil sie nicht echt ist sondern gespielt und Sicherheitsbarrieren vorhanden sind.
    Wenn ein Soldat im Wachtdiensteinsatz seine Waffe abfeuert und jemanden verletzt oder tötet, was glaubst du, was dann los ist. Sämtliche Befehle des Kp Kdt werden auseinander genommen, Ruhezeiten, Ablösungen, Ausbildung, Organisation, Absperrung, Sicherheitszonen etc. wird vom UR kontrolliert. Hier ist 08/15 Arbeit so kurz im KVK erledigt absolut fehl am Platz. Ich bin der Meinung, dass den Milizkommandanten trotz den intensiven Bemühungen des VBS mit dem Extranet die nötige Routine dafür fehlt – geschweige denn das notwendige Training und die mentale Bereitschaft der Mannschaft. Die Zeit ist einfach zu kurz im WK, um den erforderlichen Stand zu erreichen.
    Ein Rekrut in der VBA ist problemlos dazu in der Lage. Aber es entspricht einfach der Tatsache, dass im WK niemals der Stand der RS erreicht wird – von einer höheren Levelerreichung will ich schon gar nicht reden. Der Stand Ende RS ist meiner Ansicht nach der höchste Level für Mannschaftsgrade, den sie je in ihrer militärischen Laufbahn erreichen werden, solange das Ausbildungssystem nicht geändert wird.

    Politik und Volk wollen das Milizsystem. Ich stelle mir ernsthaft die Frage, ob sich die Leute auch Gedanken gemacht haben, was sie da entschieden haben und ob sie überhaupt über die notwendigen Informationen verfügt haben.
    Die Politik will die Verantwortung für das Militär nicht tragen und der grösste Teil der Miliz (die Mannschaftsgrade) will möglichst wenige Tage im Jahr im Militär verbringen. Ich will hier nicht mehr lange darum herum diskutieren und komme gleich zu meiner Ansicht: so funktioniert es nicht! So können Aufträge nicht adäquat erfüllt werden.
    Entweder haben wir eine Miliz, die auch bereit ist, den Aufwand und die Kosten dafür zu tragen oder wir lassen die Miliz bleiben.
    Bei der Politik sehe ich nur schwarz-weiss. Die Politik soll endlich ihre Verantwortung für das Militär übernehmen. Sie wollen ein Milizsystem – dann sollen sie auch eine anständige Lagebeurteilung vornehmen und realistisch beurteilen, zu was der Milizsoldat mit dem jetzigen Ausbildungsmodell in der Lage ist. Reine Kreuze in der Ausbildungskontrolle reichen dafür einfach nicht aus. Die Politik führt das Militär und nicht umgekehrt. Ansonsten müssten wir das Staatssystem wechseln und ich glaube das liegt nicht im Interesse der Schweizer Bürger

    Ein kleines Beispiel um dich in die Situation eines WK-Soldaten zu versetzen: Du selbst hast die Nahkampfstufe 3 abgeschlossen – bist also Nahkampfausbilder. Bist du in der Lage, nach 2 Tagen EBA, wovon gerade mal 2 Stunden für Nahkampf aufgewendet werden, dich im Wachtdienst adäquat selbst zu verteidigen. Halte dir einfach vor Augen, dass du andere Voraussetzungen hast als ein Milizsoldat. Trotzdem behaupte ich, dass du nicht in der Lage wärst, deine Nahkampfausbildung richtig einzusetzen – dir fehlt das Training.

    Nun zur Vereinigung von Polizei und Armee: Was ich hier vergessen habe zu erwähnen – ich gehe hier hauptsächlich von professionellen Sicherheitskräften aus. Die Miliz wäre hier sehr schwierig zu integrieren, da ich davon ausgehe, dass der normale Bürger mit solchen Einsätzen nichts zu tun haben will. Die Tendenz der Aufträge der Armee XXI geht aber nebenbei genau in diese Richtung. Hier stellt sich für mich die Frage, ob das die Miliz (oder der normale Bürger) will oder gewollt hat. Diese Entwicklung lässt sich auch nicht aufhalten, denn es ist schlicht und einfach die Realität in der wir leben.
    Ich sehe nicht ein, warum die Sicherheitskräfte nicht schnell eingesetzt werden können wenn Armee und Polizei zusammen als Sicherheitsinstrument funktionieren. Aber mit einem 3-wöchigen Ausbildungssystem funktioniert das wirklich nicht, obwohl jeder Soldat zur Ausübung unspezifischer polizeilicher Aufgaben in der Lage sein sollte.
    Ich sehe in der Armee und der Polizei ein Instrument der Gewaltanwendung. Wieviel Gewalt angewendet werden kann, lässt sich mit ROE’s festlegen. Aus diesem Grund würde hier die Auftragsart keine Rolle mehr spielen. Wenn man ein Durchdienermodell hätte, könnten Milizsoldaten für solche Aufgaben auch eingesetzt werden. Aber: will der Schweizer Bürger das? – können müsste er es, wenn wir die Bedrohungslage anschauen und der Schweizer Bürger eine Milizarmee will.
    Ich bin der Meinung, dass längerfristig keine Verschmelzung stattfinden wird (ich sage nur Föderalismus) aber vermehrte Zusammenarbeit muss und wird stattfinden.

  8. Administrator says:

    Danke für die angeregte Diskussion!

    Eine Erkenntnis aus der Tagung, die ich unterschlagen habe, war: im Vergleich zu den anderen drei Armeen machen wir unsere Arbeit recht gut. Die derzeitigen Diskussionen und Probleme, welche wir in der Schweizer Armee haben (und noch haben werden), hatten die anderen Armeen auch.

    Ich bin ein überzeugter Befürworter der Milizarmee und bezweifle, dass das hohe Know-How der Schweizer Armee ohne Miliz aufrecht erhalten werden könnte, ohne dass damit die Kosten explodieren würden. Hinter der Leistung steckt auch viel unbezahlte Fronarbeit (vgl. “Wer bezahlt den Aufwand der Einheitskommandanten?” von Marc P.). Die Schweizer Armee tut gut daran die volkswirtschaftlichen Kosten nicht zu internalisieren, wie es beispielsweise beim Modell der Freiwilligenmiliz der Fall wäre – einigen Politikern könnte dabei nämlich das Lachen gründlich vergehen! Das Beispiel Slowenien zeigt ausserdem, wie wichtig die Volksverbundenheit einer Armee ist. Ohne Miliz wird die Volksverankerung der Schweizer Armee langfristig in Frage gestellt.

    Ich teile Kischis Ansicht, dass eine längere Einsatzdauer wünschbar wäre. Der Aufwand, um 3 Wochen reale Leistung zu erbringen, ist überproportional hoch. Vielleicht liegt in der intensiveren Vorbereitungszeit der Echteinsätze gegenüber den Ausbildungs-WKs von früher auch ein Grund, das sich der Milizanteil in den mittleren und höheren Führungsrängen verringert hat. Natürlich ist auch auf der Stufe der Soldaten zu hinterfragen, wie es mit dem Verhältnis zwischen Einsatzvorbereitung und tatsächlicher Einsatzleistung steht. Dass jedoch die Milizsoldaten bzw. Milizkader grundsätzlich von den derzeitigen Aufträgen in der Schweizer Armee überfordert wären, entspricht – meiner Meinung nach – nicht den Tatsachen.

    Die Erhöhung des Durchdieneranteils wäre eine Möglichkeit, eine längere Einsatzzeit zu erreichen und so möglichst viel vom Know How der Soldaten nach ihrer Ausbildung in den Einsätzen zu nutzen. Die Ansicht, dass mit dem Durchdienermodell alle in den obigen Kommentaren aufgezeigten Problemen gelöst wären, halte ich jedoch als sehr blauäugig. Erstens wird es mit der Erhöhung des Durchdieneranteils fragwürdig, ob langfristig parallel dazu noch das derzeitige WK-Modell gefahren werden kann. Das heisst, man müsste sich für eines dieser Modelle schlussendlich entscheiden. Das würde einer totalen Neuorganisation der Schweizer Armee gleichkommen –> verkraftet das unsere Armee? Zweitens hat das Durchdienermodell derzeit Mühe Kader zu rekrutieren – entweder wird diesem Punkt Rechnung getragen (zum Beispiel durch Anreize) oder man erzeugt damit ab einer gewissen Stufe zwangsläufig ein professionalisiertes Kader –> findet man genügend Berufskader? –> Einfluss auf die Kosten? Drittens muss für eine Durchdienerarmee genügend Arbeit vorhanden sein, auf der anderen Seite jedoch auch die Auftragsspitzen abgedeckt werden. Die Flexibilität des WK-Modells, bei welchem man bei vorhersehbaren Auftragsspitzen (WEF, EURO usw.) die benötigten Kräfte den Bedürfnissen angepasst aufbieten kann, wird dann nicht mehr vorhanden sein.

    Aus diesen Gründen bin ich gegen die Änderung des derzeitigen Wehrmodells. Zuerst sollen die sicherheitspolitischen Instrumente in einem Sicherheitsdepartement gebündelt werden und 2009 der Sicherheitspolitische Bericht klare, für die Schweiz spezifische Sicherheitsbedürfnisse herausarbeiten. Den Sicherheitsbedürfnissen muss mit einer klaren sicherheitspolitischen Strategie in einer pragmatischen Art und Weise Rechnung getragen werden. Anschliessend soll die politische Stufe klare Aufträge formulieren – der “eierlegende Wollmilchsau”, die nichts kosten darf, muss dabei eine klare Absage erteilt werden. Anhand der sicherheitspolitischen Strategie und der Aufträge ist das dazu passende bzw. notwendige Wehrmodell ausgiebig zu evaluieren.

  9. Kischi says:

    Hallo Administrator

    Ich glaube du verwechselst hohes Know-How mit Organisationsfähigkeit. Nach meinem Gusto geht einfach viel zu viel schief in diesen Kursen. Nicht bestellte Telefonanschlüsse, vergessen gegangene Erkundungen, nicht geliefertes Material, zu wenig Munition und Fz für die einrückenden Leute. Wir verbringen mehr Zeit, um solchen Dingen hinterher zu rennen, anstatt Ausbildung zu betreiben. (Ich will jetzt nicht hören, dass der Kp Kdt eben mehr Kontrollen ansetzen muss, denn dieses Argument verlagert nur das Problem auf eine andere Stufe und wird nicht an der Stelle gelöst, wo es entstanden ist.)
    Ich habe bisher noch keine WK erlebt, bei dem ich auf einen vorangegangenen WK hätte aufbauen können. Nicht mal als wir den UK I im Oktober 2004 durchführten, und im Januar 2005 der UK II stattfand. Grund: es kamen nicht mehr die gleichen Leute, weil die beiden UK-Dienstleistungen zu kurz aufeinander folgten und im WK 2006, als wir über eine vollumfänglich umgeschulte Kp verfügen sollten, war das Gelernte bereits wieder auf einem so tiefen Niveau, dass wir kaum in der Lage waren, in die Festigungsstufe zu schalten. Wohlgemerkt: im WK sollte nach „kurzem Repetitorium“ grundsätzlich primär Anwendungsstufe zum Zuge kommen.
    Ich gebe dir absolut recht, was die „Frondienste“ angeht. Ein kleiner Teil der Leute investiert gewaltig viel Ressourcen für die Armee und nur deshalb können solche Dienstleistungen wie wir sie kennen, überhaupt durchgeführt werden. Ich behaupte aber, dass es genau diesem Leuten langsam aber sicher zu viel wird. Die sinkende Zahl an Leuten, die sich zu höheren Kadern ausbilden und weiterausbilden lassen sprechen meiner Ansicht nach eindeutig für diese Behauptung.

    Zur Überforderung der Miliz:
    Befiehl einem Kader, er soll seine Formation einsatzbereit machen und von A nach B verschieben und die Verbindung aufrecht erhalten.
    Folgendes passiert:
    Das Kadermitglied hat keine Ahnung, welche Ausrüstung in den Einsatz mitkommt und ist somit auch nicht in der Lage, seine Formation zeitgerecht einsatzbereit zu machen.
    Die Verbindung funktioniert nicht, weil die Bedienung der Kommunikationsmittel nicht beherrscht werden (es liegt nicht wie immer behauptet am Terrain).
    Wenn es ganz blöd läuft, findet das Kader den Einsatzort nicht ohne Navigationsgerät.

    Checklisten dafür sind ein gutes Mittel für die Ausbildung aber denkbar schlecht, wenn es darum geht, einen Einsatz vorzubereiten (klar funktionieren im Einsatz gewisse Abläufe nach Checklisten, aber die habe mit diesem Beispiel wenig gemeinsam). Es besteht die Gefahr, dass nicht mehr mitgedacht wird und das darf in der Vorbereitung schon gar nicht passieren.
    Bestes Beispiel dafür: Eine Kp kann erst Nachmittags um 3 beginnen zu schiessen, weil die Funkgeräte falsch geladen wurden. Bis mal jemand herausgefunden hat, wo der Fehler ist, vergeht Zeit, die wir während eines Einsatzes nicht haben.
    Die Frage ist, warum ist das so? – weil die Leute zu wenig Training haben!

    Durchdienermodell:
    Ich sehe längerfristig nur ein Dienstleistungsmodell, dass eine lange Ausbildung / Einsatzzeit vorsieht. Damit meine ich eine längere, zusammenhängende Dienstleistung und nicht ein zerstückeltes Modell mit 6 x 3 Wochen WK.

    Was deine Aussagen zur Sicherheitspolitik angeht, bin der gleichen Meinung. Die Streitkräfte müssen der Bedrohunglage und nicht der Wirtschaft angepasst werden. Mit der Konzeption der Armee XXI hat man meiner Ansicht nach einen guten Ansatz nicht vollendet.

  10. Kischi says:

    Etwas habe ich noch vergessen zu erwähnen. Es ist nicht primär die Miliz, welche diese Armee am Leben gehalten hat nach 2004 sondern das Berufskorps. Hier sind Unmengen von Überstunden investiert worden. Ich behaupte, dass du so einen Einsatz in der Privatwirtschaft lange suchen musst. Ich finde es ehrlich gesagt eine geistige Ohrfeige für das Berufskorps, wenn die Miliz für diese Leistungen gelobt wird.
    So – und jetzt können mir alle Milizler für dies Aussage den digitalen Krieg erklären.

  11. Administrator says:

    Hallo Kischi,

    ich will Dir nicht widersprechen, dass im Einsatz einiges schief gehen kann und dass es teilweise auch am Training der Leute liegt. Das meinte ich unter anderem mit dem Verhältnis Einsatzvorbereitung -> Einsatzleistung. Nur, meinst Du tatsächlich, dass andere Armeen nicht mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben? Es gehört nun einmal auch zum Job der militärischen Kader aus widrigen Voraussetzungen das optimalste herauszuholen – jammern hat noch nie viel geholfen. Interessant finde ich, dass einige Deiner Beispiele – nicht bestellte Telefonanschlüsse, vergessen gegangene Erkundungen, nicht geliefertes Material, zu wenig Munition und Fz für die einrückenden Leute – primär weder etwas mit dem Wehrmodell noch mit der Armee an und für sich zu tun hat, sondern wohl eher auf Fehlern der Stufe Kompanie oder Bataillon zurückzuführen sein könnten.

    Was die Überforderung der Miliz angeht, habe ich bis jetzt entweder überwiegend positive Beispiele erleben dürfen und deshalb “zu viel” Vertrauen in unsere Milizkader oder Du hast vorallem schlechte Erfahrungen machen müssen. Objektiv betrachtet, können wir beide unsere Aussagen wohl kaum auf die gesamte Armee ausdehnen. Ich möchte Dich aber an das Menschenbild nach McGregor erinnern (X-Y-Theorie; X steht für “negative Einstellung und Verhalten”; Y steht für “positive Einstellung und Verhalten”):


    Noch etwas zu Deiner abschliessenden Behauptung (Kommentar Nummer 10): wenn Du Deine Argumente mit Fakten und Quellen unterlegen könntest, würdest Du damit die Glaubwürdigkeit Deiner Aussage steigern. (vgl. “Wie verfasse ich einen Kommentar“) Das Berufkorps und die Miliz sollte man meiner Meinung nicht gegeneinander ausspielen – das nützt niemandem etwas, es braucht nämlich beide.

    • Lukas says:

      Hallo zusammen

      Speziell in der Menschenführung ist auch heute noch die These von Douglas McGregor verbreitet, welche 1960 im Buch “The Human Side of Enterprise“ veröffentlich wurde. Bei dieser muss sich das Management zwischen den zwei Methoden Menschen zu führen, der Theorie X und Theorie Y zu entscheiden, wobei nur die Theorie Y vernünftig sei.

      Einige Jahre später wies Abraham H. Maslow beide Theorien, welche auf seinen Forschungen basierten, als Irrtum zurück:
      “I should make clear that the evidence upon which Theory X management is based practically nil; that there is even less evidence for Theory X than there is for Theory Y. It rests entirely on habit and tradition.“ (Maslow, 1998, S. 73)

      Maslow sagt zudem, dass bei seinen Studien der Maslow Pyramide über die Selbstverwirklichung, (worauf sich nahezu alle Motivationstheorien zur Führung von Menschen stützen), einige Dinge mit den Stichproben schief gingen, was bedeutet, dass es im klassischen Sinne ein mangelhaftes Experiment war.

      Maslow sagt: “I am willing to concede this – as a matter of fact, I am eager to concede it – because I’m little worried about this stuff which I consider to be tentative being swallowed by all sorts of enthusiastic people, who really should be a little more tentative, in the way I am.“ (Maslow, 1998, S. 71).

      Peter Drucker schreibt über die Argumente in Maslows Buch “Eupsychian Management”:
      Drucker: “Ich wurde augenblicklich bekehrt – Maslows Beweise liessen keinerlei Widerspruch zu. Dennoch hat ihm bis heute kaum jemand Gehör geschenkt.“ (Drucker, 2002, S.103)

      Neben Maslow gibt es die Zwei-Faktoren-Theorie von Herzberg
      Die Zwei-Faktoren-Theorie von Herzberg untersucht spezifisch die Motivation bei der Arbeit. Herzberg geht von zwei verschiedenen Gruppen von Faktoren aus: Motivatoren und Hygienefaktoren. Die Motivatoren werden in einer Skala von Zufriedenheit bis keine Zufriedenheit bewertet. Die Hygienefaktoren werden in einer Skala von Unzufriedenheit bis keine Unzufriedenheit bewertet.
      Die Motivatoren sind vergleichbar mit der intrinsischen Motivation. Hier zählt Herzberg verschiedene Faktoren auf wie Leistung aus Herausforderung, Verantwortung, Eigenentwicklung und Engagement (Herzberg, 1987, S. 5).
      Herzberg spricht nur dann von Motivation, wenn es sich um intrinsische Motivation handelt “…it is only when one has a generator of one’ s own that we can talk about motivation. One then needs no outside stimulation. One wants to do it.“ (Herzberg, 1987, S. 6)
      Die Hygienefaktoren erklärt Herzberg mit dem KITA-Modell. KITA bedeutet soviel wie “Kick in the Ass“. KITA produziert jedoch keine Motivation, sondern nur Bewegung. “The surest way to get someone to do something is with a kick in the ass, or KITA. In the workplace, KITAs can be positive or negative. But even the positive ones— raises, bonuses, recognition, extra time off—produce only movement, not motivation.“ (Herzberg, 1987, S. 6)
      Herzberg spricht erst dann von Motivation, wenn der Mitarbeiter seinen eigenen Generator besitzt, mit dem er seine Motivation jederzeit selbst wieder aufladen kann. Dann wird keine externe Beeinflussung von aussen benötigt. Die Motivation kommt aus dem Innern des Menschen selbst. Die intrinsische Motivation wirkt wie ein Perpetuum Mobile, das keine Energie von aussen benötigt (Herzberg, 1987, S. 6).

      Zum Abschluss die wohl eine der aktuellesten Theorien: die Selbstbestimmungstheorie
      Die Selbstbestimmungstheorie geht davon aus, dass die zwei Grundbedürfnisse Selbstbestimmung und Kompetenzerleben, das Wahrnehmen der eigenen Wirksamkeit, für die intrinsische Motivation eine essentielle Rolle spielen (Deci, Ryan, 1993 S. 229). Intrinsisch motiviert ist eine Handlung nur dann, wenn sie selbst gewählt wurde und ein Kompetenzerleben damit verbunden ist.
      Eine zusätzliche Neuerung war, dass die soziale Eingebundenheit, die zuvor nur der extrinsischen Motivation zugeschrieben wurde, neu ebenfalls die intrinsische Motivation beeinflussen konnte. Es ist jedoch nicht zwingen notwendig, dass die soziale Eingebundenheit zum gleichen Zeitpunkt erlebt wird (Deci, Ryan, 2000 S. 235).

      Die Forscher würden gerne alle 6’735’655’152 Menschen (DSW, 2008) in einer einzigen Theorie erfassen. Die empirischen Studien sind jedoch meist nur in demokratischen Ländern mit Wohlstandsgesellschaften durchgeführt worden und berufen sich teilweise in der Basis auf Experimente und Forschungen die auf neurotischen Personen basieren, wie zum Beispiel die Selbstverwirklichungstheorie von Maslow (Maslow, 1998, S. 71).
      Es bestehen in der Forschung, speziell was die intrinsische Motivation anbelangt, viele Unklarheiten. In einem grossen Teil der Literatur wird sogar bewusst oder unbewusst darauf verzichtet die intrinsische Motivation eindeutig zu definieren.

      Was motiviert Menschen? – dazu passt wohl auch die Antwort von Fredmund Malik: “Trotz der […] zahlreichen Untersuchungen scheint mir die einzig praktisch brauchbare Antwort zu sein: Wir wissen es nicht!“ (Malik, 2002, S. 205)

      Einen schönen Samstag

      Gruss Lukas

  12. Kischi says:

    Hallo Administrator

    du sagst es: Interessant findest du, dass solche Fehler auf Stufe Kp/Bat passieren. Was denkst du, weshalb ich diese Beispiele gebracht habe. Auch hier (beim höheren Kader) fehlt die nötige Routine, um einen guten Kurs durchzuführen. Die widrigen Vorausseztungen dürfen einfach nicht schon in der Vorbereitung vorhanden sein. Du kannst doch nicht von Leuten erwarten, Dilemas im Einsatz zu lösen, wenn die Grundausbildung nicht gefestigt ist.

    Das McGregor Modell beruht auf Annahmen und nicht auf Tatsachen. Es nützt absolut nichts, wenn man von falschen Tatsachen ausgeht. Du kannst diese Modell nicht auf meine Argumentation der meine Denkweise übertragen.

    Jemand hat mal gesagt: Wenn du willst, dass etwas funktioniert, mache es selber. So viel zum “zu viel” Vertauen in die Miliz.
    Ich jammere nicht – ich handle und bin nach wie vor der Meinung, dass man der Miliz die Chance geben muss, den Auftrag zu erfüllen. Was jetzt im Moment geschieht, ist das Problem so lange nach unten delegieren, bis zu einer Stufe, die nicht mehr handeln kann – weil DAS TRAINING FEHLT.

    Somit dürfte auch klargestellt sein, dass es mir nicht darum geht, Berufs- und Milizkorps gegeneinander auszuspielen. Soldaten müssen gemäss ihren Kapazitäten eingesetzt werden, welche meiner Ansicht nach völlig falsch beurteilt werden.

  13. Marc P. says:

    Ich will kurz auf folgende Punkte eingehen:

    1. Bedrohung
    Die Grenzen zwischen innerer und äusserer Sicherheit verwischen sich unbestrittener Weise zunehmend. Es ist daher ein absolutes muss, dass Polizei, Grenzwacht und Armee intensiv zusammenarbeiten. Es ist aber unmöglich, diese zu einer einheitlichen Organisation zu verschmelzen. Die Polizei ist eine Bottom up Organisation, die einer Armee gegenübersteht, welche Top Down organisiert und vor allem auch so geprägt ist. Auch wenn eine Konstabulisierung der Armee stattfindet, kann nichts die Hierarchie dieser Organisation ersetzen. Polizei und Armee müssen ihre Aufgaben im Verbund, aber in getrennten Organisationen mit grundsätzlich verschiedenen Aufträgen erfüllen. Persönlich glaube ich, dass dies in Einsätzen wie dem WEF auch gar nicht so schlecht gemacht wird.

    2. Gesellschaft
    Nach dem Kalten Krieg lebt ein Grossteil nach wie vor in der Meinung, der ewige Frieden stehe kurz bevor. Es gibt für sie in einem kleinen Land mitten in Europa einfach nichts böses, was diese Idylle trüben könnte. Die heutige Jugend ist von einem grossen Individualismus geprägt und erlebt nirgens eine Integration in ein Kollektiv bis sie in die RS müssen. Kommt dazu, dass die Rekruten von heute noch nicht laufen konnten, als der Eiserne Vorhang fiel. Auch darum hat die Wehrbereitschaft abgenommen und wird vermehrt die Sinnfrage gestellt.

    3. Miliz
    Ich behaupte, führen kann nicht alle Probleme lösen, aber wer führt, kann seine Mitstreiter für die Sache zu begeistern wissen. Das geht nur über integrative Führung. Ich glaube an das Potential der Miliz, auf jeden Fall mehr als an das Potential des Bodensatzes der Gesellschaft, welches als Soldaten in die Armee kommen würde sollte sie mal rein professionell werden. Ich glaube auch, dass es unsere Pflicht ist, mit diesem Potential umzugehen, auch wenn es das ein oder andere mal nicht den Anforderungen entspricht. Die Zivilgesellschaft muss sich aber auch wieder bewusst werden, was es bedeutet, Militärdienst zu leisten und die Wirtschaft muss es wieder mittragen (ganze 2 Arbeitgeber kamen an den Arbeitgebertag während dem FLG 2 an der ZS!).

    4. Faktor Zeit
    Wir leisten unsere Dienste momentan in einer langen Transformationsperiode. Sie wird über ES 08/11 und darüber hinaus noch weitergehen. Dass dies nicht reibungslos verläuft, scheint mir normal. Es gibt momentan kaum eine Einheit, die einen echten, vollnormalen WK leisten kann aus diesen Transformationsgründen. Es braucht Zeit, bis die neuen Strukturen greifen. Das Problem beginnt erst dort, wo man Pflästerlipolitik beginnt zu machen und sich wie eine Fahne mit dem Wind dreht, um sich in kurzfristigem Erfolg zu sonnen. Ich appeliere an Geduld und an die Einsicht, dass wir keine Einsatzarmee sind, sondern eine Ausbildungsarmee mit Einsätzen zu Gunsten ziviler Behörden. Ich wünsche mir, dass Herr Schlüer und seine Stahlhem und Reduitfraktion zur Vernunft kommen und aufhören, die richtige und wichtige Veränderung weg von der klassischen Landesverteidigung zu einer modernen Raumsicherung über das ganze Einsatzspektrum, zu torpedieren. Das Parlament muss zur Einsicht gelangen, dass 3.7 Milliarden Franken für die postbipolare Zeit nicht für die Sicherheit eines modernen Kleinstaates reichen.

    Bis dahin arbeiten wir mit bestem Wissen und Gewissen mit dem Material und den Leuten die wir haben. So ist das…

  14. Kischi says:

    Hallo Marc P.

    Dein Argument mit der „bottom up“ und „top down“ Organisation beisst sich in den Schwanz. Konstabulisierung bedeutet „Verpolizeilichung der Armee“. Somit bestätigst du die Entwicklung der Armee in Richtung einer „bottom up – Organisation“, was bei der zunehmenden Vermischung von inneren und äusseren Sicherheitsaufgaben die logische Folge ist. Das Gleiche passiert zurzeit mit der Polizei – einfach in die andere Richtung.
    Die Trennung von militärischen und polizeilichen Aufgaben wird zunehmend schwieriger.
    Aus diesem Grund macht es Sinn, sich einmal zu überlegen, ob der Sicherheitsfachmann von morgen in beiden Bereichen ausgebildet werden kann oder sogar ausgebildet werden muss.

    Ein Soldat kann mit seinen Handlungen im Einsatz strategische Bedeutung bekommen. Konsequenz: Die Soldaten müssen dementsprechend ausgebildet werden. Die Zeiten sind vorbei, in denen man warten kann, bis ein Entscheidungsträger auf Platz erscheint. Der Soldat entscheidet selber und handelt ohne Befehl. Mit dieser Erkenntnis können einige Leute nur schwer leben.

    Ich bin der Meinung, dass sich die Probleme einer Organisation nach 4 Jahren eingependelt haben sollten. In der Schweizer Armee ist das Gegenteil der Fall. Die Probleme fangen jetzt an. Mit der Armee XXI wurde ein halbfertiges, halbdurchdachtes Modell gestartet. Man kann jetzt behaupten, dass dies die Absicht der Armeeführung und ihren Planungsleuten war, um anschliessend den Schritt zu einer Armee zu vollenden, die sie von Anfang an gewollt haben. Daran glaub ich jedoch nicht, wenn ich sehe, was in dieser Diskussion immer wieder für Argumente fallen. Selbst hohe Militärs verstehen das Modell des selbständig denkenden und handelnden Soldaten nicht. Aber genau diesen Typ Soldat haben sie mit der Armee XXI zum Leben erweckt. Und – diesen Soldat brauchen wir und nicht dadavergehorsame Unterstellte.

    Noch schnell zu Ulrich Schlüer: Es ist unglaublich, dass dieser Mann in Walenstadt die Lehrübung Raumsicherung besuchen konnte und absolut nicht verstanden hat, was er da zu sehen bekam. Er lobte die Miliz und zu was sie im Stande war. Was er anscheinend nicht begriff, ist, dass diese Leute am Ende der RS standen und auf einem sehr hohen Niveau operierten, dass nur mit langem Training möglich ist.

    So – dies ist mein letzter Kommentar zu diesem Thema. Ich hoffe, ich konnte einigen Leuten eine Sichtweise präsentieren, die man von Berufsmilitär eher selten zu hören bekommt, aber meiner Ansicht nach ebenfalls angehört werden sollte.

  15. Tinu says:

    Hallo zusammen

    wir können noch lange über innenpolitische “Kleinigkeiten” diskutieren, dies bringt uns aber nicht weiter. Um die Ausbildung langfristig und nachhaltig, auf die WAHRSCHEINLICHSTEN Bedrohungen ausgerichtet sein soll, dann gibt es nur eines, und das heisst “Kooperation” und zwar politisch und militärisch. Konkret heisst dies:
    - Eine Annäherung an die EU mit dem Ziel Beitritt muss auf der politischen Ebene angestrebt werden, um die Voraussetzungen für die militärische Kooperation zu setzen. Der bilaterale Weg wird früher oder später in der Sackgasse enden.
    - Es ist zwingend, dass unsere Verbände zusammen mit andern Armeen trainieren, und zwar nicht nur die Luftwaffe und Panzerverbände, nur weil der Raum in der Schweiz zu klein ist. Nein, gerade die Infanterie könnte von der Erfahrung anderer Armeen enorm profitieren.
    - Das Engagement in den Bereichen Partnerschaft für den Frieden muss ausgebaut werden.
    - Eine Annäherung an die NATO ist sehr heikel, aber anzustreben. Gegen einen konventionellen Gegner und erst recht gegen die neuen Bedrohungen (damit meine ich auch Armut, Staatenzerfall, usw. in Ländern mit grosser Distanz zur Schweiz) kann nur im Kollektiv wirksam und nachhaltig begegnet werden.

  16. Marc P. says:

    Zitat Kischi: “Konstabulisierung bedeutet „Verpolizeilichung der Armee“. Somit bestätigst du die Entwicklung der Armee in Richtung einer „bottom up – Organisation“.”

    WOHL KAUM!
    …und das ist ja gerade das Problem. Die AUFGABEN nähern sich bis zur Vermischung an, aber nicht die ORGANISATION. Die Armee bleibt hierarchisch und die Polizei bleibt von unten herauf organisiert. Das heisst: Die Armee kann NIE Polizei sein. Ein Polizist wird in einer Polizeischule über 1 Jahr ausgebildet und befähigt, autonom und individuell die Richtige Entscheidung zu treffen. Die Armee ist hierarchisch organisert, um als kollektives massives Gewaltanwendungsmittel zum Einsatz zu kommen. Die Armee macht mit der Militärischen Sicherheit bereits einen grossen Schritt in die Richtung der Kantonspolizeien, aber das ist eine Profiorganisation. Der Milizsoldat ist sicher ein genügend ausgebildeter Wachtmann, aber kein Polizist.
    Also bitte nicht Organisation und Aufgaben vermischen! Auch wenn es unbestritten ist, dass mit AMBA CENTRO die Armee polizeiliche Aufgaben übernehmen muss, aber abgefedert durch das Prinzip der Hilfeanforderung – sprich: Brennt’s, kommen die Bullen!

    An Tinu:
    In einer AAN (Army after next) sehe ich den Kampf der verbundenen Waffen nicht mehr als Kernaufgabe der Armee. Der Staffelwechsel in der Köllikersenke einer feindlichen Taskforce Brigade ist einfach nicht Realität. Das würde das aus für die Artillerie bedeuten. Pech…
    Ich bin auch überzeugt, dass wir es noch erleben werden, dass massiv am Milizsystem und damit am Bestand der 120’000 AdA gerüttelt wird (schon nur aus demographischen Gründen!). Haltiner lässt grüssen.
    Die Annäherung an die NATO ist militärisch nicht heikel, sondern politisch. Eine Annäherung an die ESVP ist der NATO vorzuziehen und entspricht eher dem Sicheheitsbedürfnis der Schweiz im Herzen Europas.

  17. coimbra says:

    So als einer der vom Militär nicht gerade begeistert ist aber seine Notwendigkeit voll akzeptiert ist mir kurz eine Aussage aufgefallen:

    “Eine Annäherung an die EU mit dem Ziel Beitritt muss auf der politischen Ebene angestrebt werden, um die Voraussetzungen für die militärische Kooperation zu setzen. Der bilaterale Weg wird früher oder später in der Sackgasse enden.”

    Also ich weiss nicht, aber derzeit wird wohl nur ein verschwindend kleiner Teil der CH Bürger desswegen einem EU Beitritt zustimmen. Ein EU Beitritt wurde direkt oder indirekt vom Volk einige male zurückgewiesen warum also soll unsere politik sowas anstreben? Ich dachte immer politiker sind Vertreter des Volkes …

    Zudem wär es ja wohl ein sehr armes Zeugnis das wir auf vielen Ebenen sehr gut mit der EU zusammenarbeiten aber beim Militär es nur mit einem Beitritt schaffen. Auch wenn wir der EU beitreten würden, hiesse das noch lange nicht das sich viel in dem Bereich ändern wird!

    Es braucht dazu den Willen des Volkes und die Bereitschaft der Politik und keinen Beitritt der EU!

  18. Pingback: Offiziere.ch » I robot 04: Grosse (Kampf)Drohnen

  19. Pingback: Offiziere.ch » Konzept “Miliz XXI”

  20. Wolfgang says:

    Mit ohne und KFOR: in Österreich gibt es keine Bundeswehr! Sondern ausschliesslich ein Bundesheer! Und damit keinen Bezug zu den 30ern des vergangenen Jahrhunderts

  21. Hallo Wolfgang,
    danke für die Korrektur – Du hast natürlich Recht. Ich habe die Textstellen dementsprechend verbessert.

  22. Pingback: Offiziere.ch » I robot 06: Wired for war

  23. Pingback: Offiziere.ch » Frühjahrstagung der MILAK: Militärökonomie

  24. Pingback: Infanterist der Zukunft – Update 01 | Offiziere.ch

  25. Pingback: Keine sinnvolle Alternative zur Wehrpflicht | Offiziere.ch

  26. Pingback: Wehrpflicht – Grundlage oder Hemmschuh einer leistungsfähigen Armee? | Offiziere.ch

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Comment Spam Protection by WP-SpamFree