Konzept “Miliz XXI”

Training Raumsicherung in der PaschgaBrigadier a. D. Hans-Ulrich Ernst, zwischen 1979-1996 Generalsekretär des EMDs, ehemaliger Kommandant der Grenzbrigade 11 und Gründungspräsident des Genfer Zentrum für Sicherheitspolitik, reichte im Februar 2006 beim VBS das Konzept “Miliz XXI” ein, nachdem der Planungsstab der Armee die Machbarkeit offiziell geprüft und grundsätzlich befürwortet hatte. Gemäss Angaben von Ernst habe er am 15. November 2005 von Raimund Kunz, dem Chef der Direktion für Sicherheitspolitik im VBS, einen Auftrag dazu erhalten. (Quelle: NZZ) Das Konzept von Ernst, aber auch andere Konzepte und Ideen – beispielsweise die Ideen von Barbara Häring zu einer 30’000 Mann starken Berufsarmee oder Karl W. Haltiners Konzept einer Freiwilligenmiliz – wurden in den Medien bereits öfters publiziert. Es verblüfft also, dass der Vorstand der Schweizerischen Offiziersgesellschaft die Veröffentlichung eines Artikels von Ernst über das Konzept “Miliz XXI” für die April-Ausgabe der ASMZ in letzter Minute verhinderte. Wäre es nicht auch die Rolle einer fortschrittlichen Offiziersgesellschaft und ihres Fachorgans, solche Konzepte aufzunehmen, die Diskussion darüber zu fördern und auch zu gestalten? Die SOG kann sich noch so sträuben, eines Tages wird die Diskussion über alternative Wehrmodelle wieder ausbrechen und dann wäre man gut beraten, vorbereitet zu sein.

Die Zeiten, in denen man Informationen noch “unter dem Deckel” halten konnte sind definitiv vorbei, und so hat Hans-Ulrich Ernst letzten Dienstag einer interessierten Gruppe von Offizieren das Konzept “Miliz XXI” erläutert. Auf Anfrage stimmte er der Veröffentlichung eines Berichtes über seine Ausführungen und des für die ASMZ vorgesehenen Artikel hier auf offiziere.ch zu. Im vorliegenden Artikel wird das Konzept von Ernst vorgestellt und versucht die revolutionäre Komponente darin zu ergründen. Abschliessend werde ich ein persönliches Fazit ziehen.

Gemäss Hans-Ulrich Ernst war das Konzept der Armee XXI eine Antwort auf das Ende des Kalten Krieges, wurde jedoch noch nicht konsequent auf die neuen Bedrohungen ausgerichtet. Gewisse Korrekturen wurden mit dem Entwicklungsschritt 08/11 eingeleitet, dieser lässt jedoch immer noch Handlungsspielräume offen. Vergleicht man die Schweizer Armee mit den finnischen Streitkräften (neutral, kein NATO-Mitglied, ähnliche Wehrpflichtigengrösse, Gesamtverteidigungsdoktrin), so ist der Bestand Aktiver in der Schweizer Armee zu hoch angesetzt (Quellen: Die finnischen Zahlen stammen aus “Europe”, The Military Balance, 108:1 (2008), 174-175 für Zeitsoldaten / Berufskader und Durchdiener; Zahlen zur Reserve (Planung 2008) stammen von der finnischen Armee).

   
Schweiz
Finnland
Miliz XXI
Aktive WK-Miliz
120.000
-
18.000
Zeitsoldaten / Berufskader
-
10.100
-
Durchdiener
(in den Rekruten)
19.200
12.000
Total Aktive
120.000
29.300
30.000
Rekruten
20.000
(bei den Aktiven)
(bei den Aktiven)
Reserve (CH: bis 34; FIN: bis 50)
80.000
400.700
80.000
Gesamtbestand
220.000
430.000
110.000

 
Wie kommt dieser Unterschied zustande? Im Prinzip bläst das Milizprinzip der Schweizer Armee, bei dem die Wehrpflichtigen ihre Dienstpflicht auf mehrere Jahre verteilen, den aktiven Bestand auf, ohne jedoch die entsprechende Leistung zu erbringen. In Finnland dienen wenige, mit einer hohen Bereitschaft und Effizienz – in der Schweiz viele, mit einer tiefen Bereitschaft, über Jahre verzettelt, rund 3 Wochen im Jahr. Das derzeitige Wehrpflichtmodell der Schweizer Armee ist ausgerichtet auf die Landesverteidigung: im Einsatzfall ist ein hoher personeller Bedarf notwendig – in Friedenszeiten konzentriert sie sich jedoch schwergewichtig auf die Ausbildung. Es ist deshalb durchaus legitim, sich zu fragen, ob dieses Wehrpflichtmodell dem Wandel der Bedrohung, der seit dem Ende des Kalten Kriegs neu gewichteten Aufträgen und dem höheren Anteil der tatsächlichen Einsätze noch gerecht wird. Ernst sieht insbesondere in der Effizienz und in der Bereitschaft der Schweizer Armee Handlungsbedarf, dem man mit dem Konzept “Miliz XXI” entgegentreten könnte. Er sieht einen Aktivbestand von 30.000 Mann als zweckmässig, davon 12.000 (40%) Durchdiener und 18.000 (60%) WK-Miliz. Die bisherige Reserve von 80.000 Mann bliebe bestehen, was einem Bestand von 110.000 entsprechen und eine gewisse “Aufwuchsfähigkeit” sicherstellen würde. Gemäss Ernst wäre das Konzept “Miliz XXI” besser an die wahrscheinlichen Bedrohungen von heute ausgerichtet, der Einsatz des Wehrmanns würde effizienter erfolgen, die Bereitschaft wäre gleichzeitig höher und das Einsparungspotential würde nach Ernst (seine Schätzungen variieren in diesem Punkt je nach Artikel deutlich) jährlich zwischen 400 Millionen und 900 Millionen Franken betragen.

Schweizer GrenadiereWas ist nun das Revolutionäre an diesem Konzept? Insbesondere zwei Punkte sind für dieses Konzept charakteristisch: die Erhöhung des Durchdieneranteils auf 40% und die Verringerung des Aktivbestandes auf 30.000 Mann. Auf der anderen Seite könnte man jedoch einwenden, dass es sich bei diesem Modell wieder um eine typisch schweizerische Mischmasch-Lösung handelt. Wenn die derzeitigen Aufträge der Schweizer Armee eine höhere Effizienz und Bereitschaft verlangen, weshalb nicht wie Finnland ganz auf Durchdiener-, Zeit- und Berufssoldaten wechseln? Wer jetzt meint, dass man auf eine Kompromisslösung gesetzt hat, um die politische Umsetzungswahrscheinlichkeit zu erhöhen, verdrängt, dass die Erhöhung des Durchdieneranteils von 15% auf 30% bereits vor gut einem Jahr durch den Ständerat abgelehnt wurde. Einige offene Fragen zum Konzept “Miliz XXI” wurden von Ernst nicht beantwortet, beispielsweise wie man genügend Kader finden will. Die lange Verweildauer eines Offiziers im Durchdienermodell ist kaum sehr attraktiv: als Unteroffizier sind 430 Tage, als höherer Unteroffizier 500 Tage und als Offizier 600 Tage Dienst zu unattraktive Konditionen zu leisten. Man kann natürlich zusätzliche “Anreize” schaffen, damit wären die vorausgesagten Finanzeinsparungen jedoch schnell wieder in Frage gestellt. Im Gegensatz zu heute könnte eine fehlende Altersdurchmischung für gewisse Einsätze ein Problem darstellen. Ausserdem wird die Verankerung der Schweizer Armee in der Bevölkerung durch den kleineren Bestand und durch die geringere Sichtbarkeit (Kasernierung, weniger Ausstellungen usw.) weiter abnehmen. Ich will hier nicht auf alle Schwachpunkte des Konzeptes eingehen, wer weitere Argumente sucht, wird sie in der Diskussion hier finden. Zu erwähnen ist auch, dass gewisse Schlussfolgerung von Ernst höchst spekulativ sind:

Durchdiener brauchen Zeitkader. Dafür haben sie weder Zeughäuser noch Motorfahrzeugparks nötig, weil Material und Geräte ständig bei der Truppe sind. Es braucht auch kein Instruktionspersonal mehr, für das sich stattdessen attraktivere Verwendung und Karrieren in der Einsatzarmee anbieten würden. (Hans-Ulrich Ernst, “Die Armee ist zu gross und ihre Bereitschaft reicht nicht.“)

Die von Ernst angesprochenen Zeitmilitär sind jedoch in seinem Konzept nicht berücksichtigt. Abgesehen davon, dass man die notwendige Anzahl Zeitmilitär in gewünschter Qualität erst noch finden muss, verursachen mehr Zeitmilitär auch mehr Kosten (Anreize, Lohn, usw.). Das Schliessen der Zeughäuser gefährdet nicht nur den Arbeitsplatz von etlichen Bundesangestellten, sondern zieht die Aufwuchsfähigkeit, die Materialverwaltung und die Instandhaltung in Frage. Sicherlich, man kann die Auslagerung logistischer Dienstleistungen sehr weit treiben, ob das ganze dann jedoch auch billiger zu haben ist, muss zuerst noch bewiesen werden. Auch was das “Instruktionspersonal” (heute heissen diese Leute neutral Berufsmilitär), so zeigt die Erfahrung – auch mit dem Einsatz von Zeitmilitär – dass die Vermischung von Führungs- und Ausbildungsaufgaben für den Berufsmilitär längst Wirklichkeit geworden ist.

Mich persönlich überzeugt weder das Konzept “Miliz XXI”, noch eines der anderen Konzepte, die eine drastische Reduzierung des aktiven Bestandes zum Ziel haben. Eine weitere Verringerung des Armeebestandes bzw. des Anteils an WK-Pflichtigen ist, wenn einmal eingeleitet, kaum noch oder nur unter sehr hohem Aufwand rückgängig zu machen. Trotzdem bin ich gegen ein Abwürgen einer Diskussionen, wie sie die SOG versucht. Irgendwann wird die Diskussion über die weitere Gestaltung der Schweizer Armee und des zu Grunde liegenden Wehrmodells auch in der Öffentlichkeit geführt werden – dann wäre es wichtig, dass man sich mit diesem Thema bereits auseinandergesetzt hat. Ein zukünftiges Wehrmodell muss meiner Meinung auf die Aufträge der Armee ausgerichtet, bis ins Detail durchgeplant, politisch und gesellschaftlich möglichst breit abgestützt sein. Eine Reform bloss um des Reformers Willen könnte der Armee nicht nur finanziell teuer zu stehen kommen.

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11 Responses to Konzept “Miliz XXI”

  1. Manuel says:

    Die Ausführungen von Hans-Ulrich Ernst sind interessant, wenn auch nur in Details neu. Dass WK-Truppen weder effizient, noch kostengünstig und schon gar nicht einsatzbereit sind, wissen alle, die mit offenen Augen Dienst geleistet haben.

    Warum du (ich bleibe beim Du, ist schliesslich im WK auch so) aber eine drastische Reduktion der Truppen als Fehler ansiehst, kann ich nicht nachvollziehen.
    Wenn 200’000 den Auftrag nicht erfüllen können, weil a) adäquate Ausbildung und b) gute und genügend Ausrüstung fehlt, sollte mit einer kürzeren Verweildauer in der aktiven Armee in beiden Punkten Verbesserungen erreicht werden.

    Dass das jetztige Modell ein obsoletes Flickwerk ist und dringend eine richtige Reform nötig hat, ist doch unbestritten.

    Die Armee könnte eine effiziente Organisation sein, die ihren Auftrag erfüllt. Momentan ist sie aber nur eine riesige Geld- und Zeitvernichtungsmaschine. Ich habe in meiner bisherigen Dienstzeit auch Gutes gesehen, die Lehrläufe und Idiotien jenseits der Auftragserfüllung haben mich jedoch so frustriert, dass ich von einer Kaderlaufbahn absah und nun nächstes Jahr ganz in den Zivildienst wechseln werde.

  2. ArgonNova says:

    Grundsätzlich finde ich es positiv, dass auf dieser Homepage offen über neue Milizarmeekonzepte diskutiert wird – auch solche die man persönlich vielleicht nicht befürwortet. Sich mit “Scheuklappen gegen die Realität” der Diskussion hingegen komplett zu verweigern, wie die SOG, halte ich hingegen für kontraproduktiv. Selbst das halboffizielle Schönwetterpublikationsorgan der Armee für Milizkader widment sich in einem immerhin halbseitigen Artikel dem Vorschlag von Hans Ulrich Ernst.
    Ab 2011/12 zwingt uns das Ende der Babyboomergeneration in den Rekrutenjahrgängen sowieso zum handeln. Langfristig kann der aktuelle Armeebestand von 220k Mann nicht aufrecht erhalten werden weil zuwenig “Grünholz” von unten nachwächst. Da bleiben zur Kompensation nur unbeliebte Massnahmen wie die Anhebung des maximalen Dienstalters und der Mindest-Anzahl Diensttage. Somit steht für mich bereits heute fest, dass nach dem Entwicklungsschritt 08/11 ein notwendiger “demographiepolitischer Korrekturschritt” den maximalen Armeebestand noch einmal deutlich reduzieren wird. Warum also diese unfreiwillig akzeptierte Chance auf Erneuerung nicht gleich zu einer sinnvollen Armeereform nutzen?
    Bei den Konzepten zu einer zukünftigen Armee scheiden sich die Geister aber schnell. Freiwilligenmiliz, Berufsarmee und 30k Aktive kombiniert mit grosser Reserve sind keine Konzepte die mich persönlich überzeugen. Bei so einer einschneidenden Reduzierung der Kampfkraft müsste man objektiv betrachtet sowieso die Territorialverteidigung als Armeeauftrag aufgeben. Sie wäre nicht mehr glaubhaft durchführbar. Die Politik ist also einmal mehr gefordert und müsste als erstes für die nächsten 20 Jahre die Armeeaufträge klipp und klar definieren – Zurzeit machen wir ja auf dem Papier noch alles, können wegen Mittelknappheit aber in Wirklichkeit nicht allzuviel…
    Mir persönlich schwebt eine von der Mannzahl her reduzierte moderne Milizarmee vor, die schwergewichtig auf umfassende Raumsicherungsoperationen im Inland, asymmetrische Bedrohungen und Auslandeinsätze in moderatem Umfang ausgerichtet ist. Dafür würde ein Bestand von 80k Aktiven inkl. Rekruten und Durchdiener ausreichen. Der Durchdiener-Anteil wäre zu erhöhen um die Bereitschaft und Mobilisierungsfähigkeit der Armee zu verbessern. Ergänzt werden sollten die 80k Aktiven durch noch einmal 80k Reservisten, was einen Gesamtbestand von maximal 160k Armeeangehörigen ergäbe. Der Vorteil dieser Idee hängt am vom Parlament bewilligten Armeebudget. Könnte dieses Budget nämlich für die nächsten Jahre beim aktuellen Stand plafoniert werden, (bei gleichzeitiger Reduktion der Anzahl Aktiven um 40k auf 80k) bliebe unterm Strich endlich mehr Geld übrig um die verbliebenen Aktiven und Reservisten besser auszubilden und vor allem auszurüsten und die Armee somit glaubhaft auf die neuen Bedrohungsformen auszurichten. Der Leitspruch würde also lauten: Tausche Quantität gegen Qualität.

  3. Danke für die Kommentare.

    Ich bin auch der Meinung, dass man Bereitschaft und Effizienz bei einer Professionalisierung der Armee erhöhen kann. Es liegt nun mal im Charakter einer Milizarmee, dass Bereitschaft und Effizienz tiefer sind. Dass man jedoch mit einer Professionalisierung der Armee Kosten einsparen kann, dem widersprechen die Erfahrungen ausländischer Armeen, die ihre Streitkräfte nach dem Kalten Krieg professionalisierten (vgl. Transformation der Streitkräfte).

    Doch verlangten die Aufträge, welche die Schweizer Armee seit 2004 effektiv zu erfüllen hatte, eine höhere Professionalisierung oder Bereitschaft? Werden wir konkret: welcher der realen Aufträge (WEF, AMBA CENTRO, subsidiäre Sicherungseinsätze, Katastrophenhilfe, Auslandeinsätze, Unterstützungseinsätzen für Zivile (VEMZ), Übung ZEUS) wurde aufgrund von tieferer Bereitschaft oder Effizienz nicht bzw. nur teilweise erfüllt? Die Probleme im logistischen Bereich sind übrigens weniger auf das Wehrmodell zurückzuführen, sondern mehr auf die Tatsache, dass die Armee XXI als Planugsvorgabe ein Budget von 4,2 Milliarden Franken zur Verfügung hatte, wegen Einsparungen auf Stufe Bund (Schuldenbremsen) jedoch nur rund 3.8 Milliarden zugesprochen bekam. Ausserdem besitzt die Armee immer noch einen “Überhang”, der den effektiven Bestand auf 293.155 Angehörige aufbläht. Es handelt sich dabei um Wehrmänner, die ihre Dienstpflicht in der Armee 95 noch nicht geleistet hatten und diese auf Grund der Wehrgerechtigkeit in der Armee XXI absolvieren (vgl. Geleistete Diensttage 2007) Wie wäre es, wenn man zuerst einmal den Bestand von 220.000 Angehörigen erreichen würde, bevor man in drastischer Art und Weise weiterreduzieren will?

    Natürlich gibt es Probleme in der Schweizer Armee, die man bereits seit 4 Jahren in Angriff nehmen hätte sollen. Diese Probleme, so scheint es, werden nun unter dem jetzigen CdA, Roland Nef, endlich aufgearbeitet (“Konsolidierung“) – dazu ist jedoch keine Reform des Wehrmodells notwendig.

    Bevor man am Wehrmodell “herumschraubt”, sollte man besser die sicherheitspolitischen Instrumente in einem Sicherheitsdepartement bündeln und im Sicherheitspolitischen Bericht 2009 klare, für die Schweiz spezifische Sicherheitsbedürfnisse herausarbeiten. Den Sicherheitsbedürfnissen muss mit einer klaren sicherheitspolitischen Strategie in einer pragmatischen Art und Weise Rechnung getragen werden. Anschliessend soll die politische Stufe klare Aufträge formulieren – der “eierlegende Wollmilchsau”, die nichts kosten darf, muss dabei eine klare Absage erteilt werden. Vielleicht wäre es dann auch an der Zeit, die Territorialverteidigung als Auftrag zu streichen und dafür die internationale Kooperation stärker auszubauen. Anhand der sicherheitspolitischen Strategie und der Aufträge ist das dazu passende bzw. notwendige Wehrmodell ausgiebig zu evaluieren und dann auch eine gegebenenfalls notwendige Reformen vorzunehmen.

  4. Manuel says:

    Andere Probleme, die die Armee hat, werden aber von euch Beiden nicht thematisiert. Viele Ada sind frustriert, weil:

    1) Die Wehrmänner verlieren nach der Erstausbildung (RS oder Kaderausbildung) massiv an Kompetenz in ihrer Funktion, da sie die erlernten Fähigkeiten nicht mehr anwenden (AGA und FGA). Um diese Fähigkeiten zu erhalten reicht ein WK, wo die AdA von Milizpersonal mit den gleichen Problemen ausgebildet werden, nicht aus (Inkompetente führen Inkompetente)

    2) Die Armee behandelt ihre WK-Soldaten als Soldaten 2. Klasse: Neue und nützliche Ausrüstung wird nichteinmal als Korpsmaterial abgegeben.

    3) Die AdA werden mit fragwürden Einsätzen, für die sie nicht ausgebildet sind drangsaliert (WEF, EURO etc).

    4) Die Mannschaft und Uof werden als Manipuliermasse behandelt. Sie werden weder gefördert, noch gemäss ihrer Funktion eingesetzt.

    5) Die AdA nehmen teils grosse Entbehrungen auf sich, um Dienst zu leisten. Von Dankbarkeit ist aber nicht viel zu spüren.

    Zugegeben, ich vertrete hier eine subjektive Position, ich hoffe dennoch, dass ihr dazu Stellung nehmt.

  5. Hallo Manuel,

    soweit ich das beurteilen kann, sind die von Dir aufgeführten Positionen eher mit der militärischen Führung bzw. der Ausbildung im WK verknüpft und weniger direkt mit einem Wehrmodell. Wie Du bereits erwähnst, handelt es sich um Deine persönliche Meinung – die aber womöglich nicht generell für alle AdA so zutrifft. Du wirst also hoffentlich verstehen, dass ich darauf keine Stellung nehmen kann, weil

    • ich eine ganz andere, grundsätzlich positive Meinung von meinen Dienstleistungen habe und die von dir genannten Punkte nicht teilen kann. Verglichen mit der Armee 61 bzw. 95 bin ich der Ansicht, dass heute viele AdA stärker motiviert, engagiert, besser ausgebildet und ausgerüstet sind.
    • die Analyse Deiner Punkte und die detaillierte Beantwortung den Rahmen des Artikels “Konzept Miliz XXI” deutlich sprengen würde. Ich sehe es ausserdem auch nicht als meine Aufgabe als privater Betreiber dieses Blogs an, auf jegliche Probleme die womöglich in der Armee bestehen, “Stellung zu nehmen”. Wenn Du zu Deinen Punkten wirklich Antworten erhalten möchtest, solltest Du mit den dafür verantwortlichen Stellen Kontakt aufnehmen. Das wäre in Deinem Fall der direkte Vorgesetzte gewesen. Da Du nun aber nächstes Jahr in den Zivildienst wechselst, ist es dafür vermutlich sowieso etwas zu spät.
    • ich grundsätzlich von blosser Kritik nicht viel halte. Zu kritisieren ist einfach, Verbesserungsvorschläge zu formulieren oder gar selber etwas zu ändern – beispielsweise durch die Übernahme von Verantwortung als Gruppen-, Zugführer usw. – ist viel schwieriger.

     

  6. Hans-Ulrich Ernst says:

    Luc Monnier von der Inf Br 2 hat mir ihre, offenbar im Intra “offiziere.ch”
    publizierte Beurteilung meines Konzeptes “Miliz XXI” übermittelt. Dass sie
    Anstoss nehmen an der Unterdrückung meines ASMZ-Textes durch den
    abgetretenen Präsidenten der SOG hat mich natürlich gefreut. Zu drei ihrer
    Kritikpunkte nehme ich gerne Stellung:
    1.Verfassungsmässigkeit der Konzepte Häring (Berufsarmee 30’000), Haltiner
    (Freiwilligenmiliz) und Ernst (“intelligenter Mix aus 40% Durchdienern und
    60% WK-Miliz”): Häring und Haltiner benötigen klar eine Revision von Art. 58
    der Bundesverfassung (=obligatorisches Volks- und Ständemehr), während das
    Konzept Miliz XXI von der Auslegung durch Prof. Schindler gedeckt ist. Es
    muss lediglich Art. 54a des Militärgesetzes revidiert werden, womit auch die
    Auslegung der Bundesverfassung abschliessend erfolgt wäre. Ein Referendum
    wäre wohl nicht sehr attraktiv, da man gegen eine Reduktion der
    Dienstpflicht und Einsparungen beim Erwerbsersatz und im VBS-Budget antreten
    müsste.
    2. Zahlenvergleiche CH-FIN: Ich stütze mich auf die in der Military Balance
    07 publizierten Zahlen. Dass sie höhere Zahlen für die finnischen
    Streitkräfte nennen, hängt damit zusammen, dass dort in den teilaktiven
    Brigaden auch Durchdiener mit der Zusatzverpflichtung von 40 Tagen
    “Wiederholungskurs-Pflicht” Dienst leisten. Die Angaben der finnischen Armee
    beziehen sich somit auf die Mobilmachungsbestände, die sich nach
    unterschiedlichem Status aus Durchdienern, “WK-Miliz” und Reservisten
    zusammensetzen.
    3. Unattraktive Konditionen für Zeitkader im Durchdienermodell: Das ist eine
    relevante Kritik. Ich bin in meinem Modell und Berechnungen davon
    ausgegangen, dass man als Zeitkader nur die Ausbildung zum Grad mit Sold und
    Erwerbsersatz leisten muss, den praktischen Dienst und die Verwendung als
    Zeitkader dagegen im Lohnverhältnis. Für einen Leutnant sind das Fr. 5’000
    im Monat bei Kost und Logis unter der Woche. Wenn es nicht so sein sollte,
    wie ich angenommen habe, liesse sich das leicht ändern. Für das
    Einsparungsvolumen macht es keinen Unterschied, denn ich habe dieses aus der
    (positiven) Stellenbilanz und dem Entlöhnungsmedian der Bundesverwaltung
    berechnet.
    Darf ich davon ausgehen, dass auch dieser Text “gebloggt” wird?
    Hans-Ulrich Ernst.

  7. Sehr geehrter Herr Ernst,

    vielen Dank für Ihren Kommentar und die klärenden Punkte.

  8. Die Zahlen in der Tabelle für die finnischen Zeitsoldaten / Berufskader und Durchdiener wurden gemäss den Angaben aus “Europe”, The Military Balance, 108:1 (2008), 174-175 angepasst.

  9. Philipp A. says:

    Der Vorschlag Ernst ist sicherlich eine Möglichkeit, wie auch die anderen genannten Vorschläge wie z.B. jener von Haltiner und auch die Armee XXI liesse sich optimieren (und damit meine ich nicht 08/11). Ich selber lehne allerdings die Unterteilung der Wehrpflichtigen unter Durchdiener und WK-Soldaten ab. Sie ist unlogisch und wird immer zu Problemen führen. Wenn schon, dann würde ich die “Mitgliedschaft” in WK-Verbänden für freiwillig erklären. Die andere Frage ist der Nutzen einer Reserve, bei welcher weder eine genügende Ausbildung noch Ausrüstung sichergestellt ist.

    Das Hauptproblem jeder Diskussion ist aber meiner Meinung nach dies, dass die Politik nicht genau weiss was sie mit der Armee will. Wenn man nämlich das wüsste, dann könnte man auch eine entsprechende Armee schneidern. Heute wird ja eignetlich jede der möglichen Einsatzarten inklusive Verteidigung von irgendeiner Gruppe oder Partei abgelehnt oder alleine propagiert.

    Und zuletzt ist zu sagen:
    1. Keine Armee, weder Miliz, Berufsarmee noch Freiwilligenarmee oder Durchdiener erfüllen nicht spezifische Armeeaufgaben wie irgendwelche Hilfspolizei oder Hilfsarbeiterjobs besonders effizient d.h. kostengünstig, auch wenn einige etwas effizienter als andere.

    2. Eine Armee, die nicht über die Fähigkeit verfügt zum Gefecht, verliert ihre Glaubwürdigkeit und damit ihre Daseinsberechtigung. Meiner Meinung kann jedes der Modell mehr oder weniger glaubwürdig sein, mit der Ausnahme der Reserve, die ist sinnlos.

  10. Guisan says:

    Was für Wixer in dieser Zeitschrift

  11. Pingback: Offiziere.ch » Armee vs. Zivildienst: Wo ist das Problem?

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