Digitale Tarnung – Update 01

Dieser Artikel wurde ursprünglich am 18. Januar 2007 erstellt. Er enthielt einige Unklarheiten, aber auch einige grundsätzliche Fehler, auf die ich in Kommentaren hingewiesen wurde. Dies machte eine korrigierte bzw. erweiterte Version des Artikels notwendig. Ich bedanke mich insbesondere für die Kommentare, Korrekturen und Anregungen von Manuel und Seb.

ACUPAT

Geschichtliches
Die digital (pixelig) aussehenden Tarnmuster, wie beispielsweise CADPAT (CAnadian Disruptive PATtern), MARPAT (MARin PATern) und die Universal Camouflage Pattern (UCP) der Army Combat Uniform (siehe Bild oben; auch unter ACUPAT bekannt) ist ein “Dual Texture” Tarnmuster. Der Begründer des “Dual Texture” Tarnmusters ist West Point Professor Lieutenant Colonel Timothy R. O’Neill (U.S. Army, Retired). Seine Studien zeigen, dass pixelig aussehende Tarnmuster, wenn richtig angewandt, die visible Erfassung um rund 50% reduzieren, verglichen mit dem dreifarbigen NATO-Tarnmuster.
Das “Dual Texture” Tarnmuster wurde jedoch erst in den späten 1990er mit der Entwicklung der CADPAT, der MARPAT 2001 (basierend auf den kanadischen Entwicklungen), der ACUPAT 2003 und der KA2-Pattern für die jordanischen Streitkräfte wieder in einem breiten Umfang verwendet. Eigens entwickelte Tarnmuster, die jedoch ebenfalls auf “Dual Texture” basieren, verwenden beispielsweise auch die finnischen und chinesischen Streitkräfte.
(Quelle: Guy Cramer, “Dual Texture – U.S. Army digital camouflage“, 2004. Nach eigenen Angaben besitzt Guy Cramer 2007 Patente über mehr als 7.000 digitale Tarnmuster.)

Funktionsweise
In einer Diskussion mit einem Kameraden, meinte dieser, dass die ACUPAT als Tarnung gegen das Ausspähen via Satelliten gedacht seien (Verpixelung bei der Vergrösserung von Satellitenbilder). Dies machte zwar anhand des Aussehens der Uniform irgendwie Sinn, entspricht jedoch nicht den Tatsachen. Anders als bei grossflächigen Tarnmustern, will das digitale, pixelige Tarnmuster in erster Linie nicht mit der Umgebung “verschmelzen”, sondern den fokussierten Blick ablenken und verwirren (Unruhe-Effekt). Benutzt man die richtige Mischfarbe des Tarnmusters in der dafür vorgesehenen Umgebung, neigen die Augen dazu, über das Muster hinwegzustreichen, weil sie sich nicht auf ein bestimmtes Muster oder eine bestimmte Silhouette fokussieren können. Das funktioniert natürlich nur, wenn die Mischfarbe der Uniform sich nicht vom Hintergrund abhebt. Das erkennt man gut auf dem Bild oben rechts (zum Vergrössern auf das Bild klicken): man achte auf den Effekt der Tarnhose des Soldaten in der Mitte auf dem Kiesuntergrund im Gegensatz zum Soldaten unten links. Übrigens wurde beim ACUPAT bewusst auf die schwarze Farbe verzichtet, weil Schwarz in der Natur selten vorkomme (was jedoch von Guy Cramer kritisiert wird).

Bilanz und Weiterentwicklung
Slovakian MiG-29 in Digital ThunderNachdem die ACUPAT 18 Monaten im Einsatz standen, zog Defensetech über die Universaltarnung der ACUs eine erste Bilanz und zitiert: “Yeah, the outfits do a good job of hiding people in the desert and in cities [...]. But There’s very little green in the ACU’s pattern [...]. So the things stick out like a sore thumb wherever there’s even a bit of vegetation.” Es gibt zwar Ansätze (beispielsweise MULTICAM) Tarnmuster zu entwerfen, die möglichst universell einsetzbar sind, man wird jedoch kaum alle mögliche Terrains mit einer einzigen Tarnmuster/Tarnfarben-Kombination abdecken können.
Digitale Tarnmuster könnten womöglich in Zukunft vermehrt bei grösserem militärischem Equipment eingesetzt werden. Jordanien verwendet seit 2006 digitale Tarnmuster in grossem Stiel für Panzer, Fahrzeuge und F16-Kampfflugzeuge. Ende März 2008 kündigte das slowakische Verteidigungsministerium an, dass sie alle ihre MiG-29 mit einem digitalen Tarnmuster einfärben werden (siehe Bild oben rechts).

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