Sommerloch 08: The Miracle Berry

Magic BerryNatürlich leidet auch offiziere.ch unter dem Sommerloch. Dieses Jahr ist es besonders verhext: als relativ viele Themen blogkompatibel zum Aufarbeiten bereit gewesen wären, hatte ich wegen überbordender Arbeit keine Zeit – jetzt wo ich Zeit hätte, sind gute Themen Mangelware (übrigens nehme ich auch Themenwünsche entgegen). Dadurch eröffnet sich jedoch die Gelegenheit dieses Sommerloch mit etwas “exotischeren” Themen zu stopfen und so vielleicht thematisch auch etwas als Vorbild für die Boulvardpresse zu dienen ;-) .

Über eines dieser “exotischeren” Themen bin ich heute gestolpert: The Miracle Berry (oder Miracle Fruit; auf deutsch: Wunderbeere). Keine Angst, es handelt sich dabei nicht um eine psychoaktive Substanz, sondern um eine “vergessene Frucht”. Diese Beere ist ca. 2-3 cm lang und stammt ursprünglich aus dem westlichen Afrika, wird aber beispielsweise auch in Florida in den USA angebaut. Nachdem man diese Beere im Mund zerkaut, schmeckt alles saure extrem süss. Zur besseren Verdeutlichung habe ich unten das Video von Democracy Now angehängt, wo Amy Goodman diese Beere (skeptisch) kaute und nachher genüsslich Zitronen verspeiste. Interessanterweise sind Miracle Berries nicht sehr bekannt, weil die Frucht selber schnell verdirbt und Produkte, die aus dieser Frucht gewonnen und als Nahrungsmittelzusatz verwendet werden könnten, auf dem amerikanischen Markt seit anfangs 1970er von der FDA verboten sind. Gemäss Adam Leith Gollner wurde die Beere und ihr wirksames Protein “Miraculin” deshalb verboten, weil es die amerikanisch Zuckerindustrie bedrohte (siehe auch Tom Mangold, “Sweet and sour tale of the miracle berry“, The First Post) – dabei wäre die Beere bzw. “Miraculin” auch für Diabetiker interessant.

Adam Leith Gollner ist Autor des Buches “The Fruit Hunters: A Story of Nature, Adventure, Commerce, and Obsession”. Er listet darin nicht nur “vergessene Früchte” auf, sondern auch “vergessene Geschichten von Früchten” beispielsweise der geopolitische Einfluss des Bananengeschäftes der United Fruit Company (heute Chiquita Brands International) in Lateinamerika oder wie Indien sich bereit erklärte US-amerikanische Nukleartechnologie zu nutzen, mit der Auflage, dass ihre Mangos auf dem amerikanischen Markt zugelassen wurden.

[The ban on Indian mangoes] should soon be lifted as part of a deal struck by President Bush on his March [2006] visit to the country, which will also give India easier access to nuclear technology. Quid pro quo, as far as many Indians are concerned. “The U.S. is looking forward to eating Indian mangoes,” he said at a press conference, cheering up a local press that he had earlier disappointed by not seeming too well-versed about cricket and Bollywood, two other Indian passions. — Jonathan Allen, “Mango Mania in India“, The New York Times, 10.05.2006.

Schlussendlich mündet alles wieder in der Sicherheitspolitik ;-) . Tönt also nach einer sommerlichen Lektüre und so habe ich das Buch von Adam Leith Gollner grad bestellt.

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This entry was posted in Gut zu wissen, Südamerika.

3 Responses to Sommerloch 08: The Miracle Berry

  1. Judas says:

    OJE!

    Während auskommt, dass der Chef der Armee Sexmails schrieb (Sonntagszeitung vom 20.07.08) schreibt dieses Blog über vergessene Früchte!
    Ich habe aber durchaus Verständnis für den Schreiber, denn was momentan in der Presse und im VBS abgeht, kann nicht in ein paar leicht verständlichen (und leicht verdaulichen) Sätzen beschrieben werden. In diesem Falle ist Schweigen momentan noch besser, man lässt sich damit auch nicht zu aussagen verleiten, welche man später bereuen könnte (Fluchwörter inklusive)!
    Ich hoffe, dass auch unsere Armeeführung bald ihre Wunderfrucht findet. Sonst droht sie eben so rasch zu verdorren, wie die beschriebene Miracle Berry.

  2. Hallo Judas,
    danke für den Kommentar. Wenn Du das Datum des Artikels hier auf dem Blog berücksichtigst, wirst Du feststellen, dass er VOR den neuen Erkenntnissen in der “Affäre Nef” geschrieben wurde. In der Nacht vom Donnerstag auf den Freitag Morgen sah es nach dem Statement von Nef eher nach einem Ende der “Affäre” aus.

    In einem anderen Punkt gebe ich Dir jedoch vollkommen recht: In der Tat ist es zur Zeit besser, wenn man sich einen Kommentar über die “Affäre Nef” verkneift, denn mehr als die spärlichen Informationen von Nef, seinem Anwalt und Schmid (der eigentlich nichts zu wissen scheint) sowie auf der anderen Seite die aufgebauschte “Sommerstory” vom Blick war bis zum Artikel der Sonntagszeitung nicht wirklich auszumachen. Auch jetzt noch erachte ich das Bilden einer objektive Meinung als schwierig. Letzte Woche waren es ein paar SMS, und die ganze Geschichte las sich noch eher harmlos – jetzt sind es bereits massive Vorwürfen: 18 monatige Belästigung der Ex-Freundin mittels E-Mails, SMS und anony­men Postkarten sowie schlussendlich die Verletzung ihrer Persönlichkeitsrechte.

    Wie der «SonntagsZeitung» vorliegende Dokumente aus der «Strafakte Nef» zeigen, warf die Ex-Partnerin dem damaligen Brigadier unter anderem vor, im September 2006 auf Sexinserate geantwortet zu haben. Männern, die auf schnellen Sex aus waren, verschickte Nef laut der Strafanzeige per E-Mail das Bild seiner ehemaligen Partnerin und gab auch ihre Natel- und Festnetznummer sowie die Wohnadresse an. In der Folge seien sie und ihre Tochter von Männern per Telefon und am Wohnort belästigt worden, gab die Frau zu Protokoll. — Quelle: Tagesanzeiger

    In den nächsten Tagen wird sich hoffentlich zeigen, was an diesen neuen Vorwürfen dran ist, denn die Stellungnahme von Nef zu diesen massiven Vorwürfen fehlt (noch). Die Untersuchung gegen Nef wurde nach Verstreichen der Rechtsmittelfrist im Herbst 2007 formell und rechtskräftig eingestellt d.h. hinsichtlich der Vorwürfe gilt Nef rechtlich als unschuldig. Gemäss der SonntagsZeitung hat Nef bei seiner Bewerbung zum Chef der Armee das Problem mit der Anzeige wegen Nötigung nicht verschwiegen – aber offensichtlich Bundesrat Schmid vor dem Gesamtbundesrat. Schliesslich wäre es auch interessant zu erfahren, wie die SonntagsZeitung an die Dokumente der “Strafakte Nef” gelangt ist.

    Nef hat sich bei der Bewerbung um das Amt des Chef der Armee und bei dessen Ausübung korrekt verhalten. Trotzdem ist es legitim zu hinterfragen, wie stark seine persönliche Glaubwürdigkeit durch diese “Affäre” angeschlagen wurde. Der Chef der Armee muss auch zukünftig persönliche Glaubwürdigkeit ausstrahlen können – wäre das nicht mehr der Fall, würde ein Rücktritt unausweichlich sein.

  3. Yhoani Valle says:

    I recommend making a limon grapfruit smoothy, the perfect miracle fruit drink

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