Neues Leben auf offiziere.ch

Werte Leser,

ich erkläre die Mitte August ausgerufene Pause auf offiziere.ch für beendet. Die Eintrittsprüfung in den Generalstabslehrgang verlief zwar erfolgreich, der Lehrgang an und für sich raubte mir jedoch die letzten Nerven. Ein deutscher Gastteilnehmer (in Deutschland dauert eine vergleichbare Ausbildung 2 Jahre und nicht wie in der Schweiz 2×4 Wochen) fasste den Lehrgang mit den Worten zusammen, dass es sich dabei eher um eine 4-wöchige Selektionierung, denn um eine Ausbildung handelt. Extremer Zeitdruck (mein persönliches Empfinden) bei einem regulären Arbeitstag von 0700-2400 (meistens arbeitet man jedoch länger) verlangen den meisten Teilnehmern doch einiges ab. Ich mache kein Geheimnis daraus, dass es mir in diesem Kurs schlecht ging – leider musste ich jedoch auch feststellen, dass ich der Stabsarbeit unter diesen Bedingungen nichts abgewinnen kann. Ich werde deshalb also definitiv nicht zu den 3,5% der Schweizer Offiziere mit dem “i Gst” – Zusatz gehören.

Positiver Effekt dabei ist, dass ich wieder Zeit für dieses Blog habe. Wie die letzten 10 Jahre werde ich auch dieses Jahr wieder zwischen dem 27.12-30.12.08 am Chaos Communication Congress in Berlin teilnehmen und mich bemühen von dort Bericht zu erstatten. Der Fahrplan des Congress ist mit der Version 0.1 noch taufrisch, trotzdem lassen sich einige Highlights identifizieren. Anne Roth beispielsweise will in ihrem Vortrag aufzeigen, was alles unter dem Begriff “Terrorismus” verfolgt wird – was aber absolut nichts mit Terrorismus zu tun hat. Anne Roth’s Lebenspartner wurde dem Terrorismus bezichtigt und am 31. Juli 2007 festgenommen, weil er durch einen Artikel über Gentrifizierung und seinen politischen Aktivitäten den Terrorismusfander aufgefallen war (mehr dazu siehe hier).
Voraussichtlich zur gleichen Zeit wird Gadi Evron einen Vortrag mit dem Titel “Information Warfare: Strategic Case Studies from Estonia and Georgia” halten. Ich hoffe die Zeiten der beiden Vorträge werden sich noch ändern ;-).

Ausserdem möchte ich in der nächsten Zeit folgende Themenbereiche in Angriff nehmen:

  • Im internationalen Bereich: was wird der gewählte US-Präsident Barack Obama bewirken können? Welche Erkenntnisse aus dem Krieg zwischen Georgien und Russland können gezogen werden?
  • Schweizer Sicherheitspolitik: neuer Kopf im VBS – neue Impulse?
  • Militärtechnologie: ein Update zum Thema “Laserwaffen” ist geplant.
  • Buchtipps

Ebenfalls bin ich offen für eure Themenwünsche –> Mail.

This entry was posted in Editorial Announcements.

4 Responses to Neues Leben auf offiziere.ch

  1. Lieber Admin!

    Generalstabsoffizier zu sein ist zum Glück kein Rezept zum Erfolg. Ich bin auch nicht i Gst, ich respektiere trotzdem nur die echte, gute und sichere vorbereitete i Gst Offiziere. Aber es gibt auch andere nicht i Gst Offiziere die sehr würdig und unermüdlich arbeiten. “Yes, we can!”. Ja wir sind auch gut, oder sogar wir sind unerstätzlich! Ich wünsche dir viel Spass an diese Arbeit die zu Gunsten unser Land und unsere Sicherheit heute wie gestern sehr wichtig ist.

  2. Anscheinend ist auch der Politik aufgefallen, dass sich die Miliz länger desto mehr aus dem Generalstabslehrgang verabschieden. In einer Interpellation von Miesch Christian (SVP) vom 13.03.2008 ist folgendes zu lesen:

    Von den 27 Lehrgangsabsolventen [2008] sind gerade noch vier echte Milizoffiziere respektive keine Berufsoffiziere oder Angestellte des VBS. Im Jahre 2005 betrug der Anteil neu brevetierter Generalstabsoffiziere aus der Privatwirtschaft noch 52 Prozent, im Jahre 2006 waren es 42 Prozent, im Jahre 2007 37,5 Prozent und im laufenden Jahr [2008] also gerade noch 14,8 Prozent. […] Damit hat sich die Miliz in nur fünf Jahren aus dem Generalstab verabschiedet, was zur Folge hat, dass mittelfristig die Stäbe der grossen Verbände und die Kommandos auf Stufe Abteilung und Bataillon vermehrt aus Berufsoffizieren oder VBS-Angestellten bestehen werden.

    Der Bundesrat schiebt die Gründe der intensiven Vorbereitung, welche für die Generalstabsausbildung notwendig ist, zu. Die Tendenz zwischen 2001 und 2008 zeige, dass die Anzahl neupromovierter Generalstabsoffiziere von 49 auf 27 pro Jahr fiel (hier sollte man aber auch mal die HKA durchleuchten, was zu dieser Reduktion geführt haben könnte). Der Bundesrat hält fest, dass die Milizanteile in anderen Lehrgängen der HKA unverändert hoch sind und dort nur selten ein Berufsmilitär teilnimmt. Das mag sicherlich für den Offiziers-Lehrgang, einen Technischen Lehrgang oder einen Stabslehrgang der unteren Stufe zutreffen, denn Berufsoffiziere sind bereits über dieser Stufe angesiedelt, gilt jedoch nicht für die Führungslehrgänge und den Generalstabslehrgang. Meine Kritik über die geringen Beteiligung der Miliz im Führungslehrgang II ist nach wie vor gültig und im derzeitigen Generalstabslehrgang sind auch rund 80% der Teilnehmer beruflich als Berufsoffizier oder als Bundesangestellter tätig. Der Wunsch des Bundesrates, dass die Miliz in den Generalstabskursen rund 50% ausmachen sollten, ist angesichts der Fakten realitätsfremd. Wieso eine Generalstabsausbildung an der HTW Chur als halbes Master of Business Administration (MBA) angerechnet wird (Kostenersparnis etwa 12 000 Franken; Zeitersparnis etwa die Hälfte des Kurses), ist mir im Übrigen ein absolutes Rätsel – was hat denn das Eine mit dem Anderen zu tun?

  3. Tinu says:

    Hallo Administrator

    zuerst einmal möchte ich dir sagen, dass es keine Schande ist, nicht Generalstabsoffizier zu sein – auch nicht als Berufsoffizier. Ich kenne viele Berufskameraden, die nicht dem Generalstab angehören, und trotzdem eine hervorragende Arbeit leisten. Bei der Ausübung ihrer Arbeit sind sie auch motiviert und offen. Es gibt viele tolle Jobs für Berufsoffiziere auch ohne Generalstabsausbildung – man muss sie vielleicht ein bisschen suchen.

    Zur HTW Chur: die Ersparnisse für Generalstabsoffiziere sind sogar rund 20.000 Franken (http://www.fh-htwchur.ch/de/htw/management/weiterbildung-hka/). Man geht dabei davon aus, dass ein Generalstabsoffizier gewisse Fähigkeiten bereits beherrscht (z.B. Risk Management, Entscheidfinfung, Leadership, Konzeptareit, schnelle Auffassungsgabe) bzw. mit gewissen Elementen wie Stress, Druck und Zeitknappheit umgehen kann. Ob dies eine solche Reduktion rechtfertigt, kann ich nicht beurteilen. Da müsste man wohl solche fragen, die bereits diesen MAS-Lehrgang absolviert haben.

    Zum Thema Miliz und Generalstabsausbildung: Als ich 2005 / 2006 den GLG I und II absolvierte, wurden 12 echte Milizoffiziere, 11 Berufsoffiziere und 1 Offizier aus der Bundesverwaltung brevetiert. Dies hat leider total gedreht. Ich persönlich glaube nicht, dass die Vorbereitungszeit ein wahrer Grund ist. Denn auch als Einheitskommandant hat man beträchtliche Vorbereitungsarbeiten zu leisten. Ich denke, dass es der Armee infolge der dauernd schlechten Schlagzeilen nicht gelingt, den Nutzen einer Offiziersausbildung für die zivile Laufbahn langfristg aufzuzeigen. Dies drückt sich meiner Meinung nach am extremsten bei den Generalstabslehrgängen durch.

    Wie es auch ist – ich wünsche weiterhin viel Freude und Befriedigung bei der Arbeit – es werden Türen aufgehen, denn ich weiss, dass Du gute Arbeit leistest und dass Du zu vielem fähig bist.

  4. Pingback: Offiziere.ch » Willkommen David Axe

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