Wikileaks – Cablegate

ATTENTION READERS FROM THE USA: in this article, some links refer directly to diplomatic cables released by Wikileaks. Reading the article below have no consequences to you, but clicking a link and reading the diplomatic cable itself could maybe endanger a current or future security clearance because these documents are still classified (according Rob Fishman, “State Department To Columbia University Students: DO NOT Discuss WikiLeaks On Facebook, Twitter“, The Huffington Post, 04.12.2010 the situation isn’t crystal clear). I know, it sounds stupid, but … hey… it’s not my government ;-) For more information, read Jason Fritz, “Wikileaks Files are Still Classified“, Ink Spots, 04.12.2010.

Julian AssangeMit Wikileaks habe ich mich bereits im Artikel “Wikileaks – Herausforderung für Geheimniskrämer” ausführlich befasst. Selber der Hackerthik verpflichtet, begrüsse ich natürlich die Wikileaks Veröffentlichungen, wobei jedoch individuelle Personen noch besser geschützt werden müssten (beispielsweise durch schwärzen der Namen). Trotzdem bleiben einige gewichtige Kritikpunkte an Wikileaks bestehen, welche insbesondere in Zusammenhang mit Wikileaks-Gründer und -Sprecher Julian Assange stehen. Der Rummel um Assange schadet dem Gesamtprojekt allgemein. Dazu kommt eine zunehmende Konzentration auf grosse Blockbuster-Themen wie “Collateral Murder“, “Afghan War Diary” und “Iraq War Logs” (die beiden Letzteren sind hier verfügbar), was auf Kosten kleinerer, regional wichtigen Veröffentlichungen geht. Auffallend ist, dass die letzten Veröffentlichungen immer zu Lasten der USA gingen, was kaum als neutrale Einstellung Assanges gewertet werden kann. Das Uploaden von neuem Material ist seit Monaten nicht mehr möglich, was entweder an bedeutenden technischen Schwierigkeiten oder an der fehlenden Zeit des Wikileaks-Teams liegt. Bis vor kurzem waren ausserdem alle Veröffentlichungen vor 2010 nicht mehr auffindbar. Diese 47’000 Dokumente sind glücklicherweise nun wieder als Archiv-Datei downloadbar oder auf einem Mirror des alten Wikileaks-Servers einsehbar. Fairerweise muss erwähnt werden, dass sich einige Punkte auch verbessert haben. Beispielsweise wurde nach der Kritik an der grösstenteils fehlenden redaktionellen Bearbeitung der “Afghan War Diary” die “Iraq War Logs” gründlicher nachbearbeitet. Trotz aller teilweise berechtigten Kritik an der “Afghan War Diary” musste ausgerechnet Admiral Mike Mullen verlautbaren, Assange habe “das Blut von jungen Soldaten und afghanischen Familien an den Händen”. Mullens fehlende Selbstreflektierung ist kaum zu übertreffen.

Mr. Assange can say whatever he likes about the greater good he thinks he and his source are doing, but the truth is they might already have on their hands the blood of some young soldier or that of an Afghan family. — Admiral Mike Mullen zitiert in Charlie Savage, “Gates Assails WikiLeaks Over Release of Reports“, The New York Times, 29.07.2010.

Die Betreiber von Wikileaks hacken sich nicht in Computersysteme ein, sondern stellen eine Plattform für Whistleblower zur Verfügung. Dies ist entscheidend für die Beurteilung der Rechtmässigkeit der Veröffentlichungen, denn prinzipiell macht Wikileaks damit nicht viel anderes als ein Zeitung, welche ihr zugespielte Informationen veröffentlicht. Deshalb müssten Wikileaks und seine Betreiber in demokratischen Staaten unter dem Schutz der freien Meinungsäusserung und der Pressefreiheit stehen. Ausgerechnet die USA, welche öfters gegenüber anderen Staaten die Wichtigkeit der grundlegenden Bürgerrechte unterstreicht, sucht momentan nach einem rechtlichen Weg, Assange der Spionage anzuklagen. Noch bedenklicher sind Aussagen von einigen US-Politikern und Medienschaffenden, die entweder Assange als Terrorist deklarieren oder ihn sogar tot sehen möchten. Darunter gehören beispielsweise Jeffrey T. Kuhner – Kolumnist bei der Washington Times, Newt Gingrich – ein ehemaliger Sprecher des US-Repräsentantenhauses, Kathleen Troia McFarland – eine Fox News National Security Analystin und eine Beraterin der Foundation for the Defense of Democracies, Abgeordneter Peter King – Vorsitzender des US Repräsentantenhaus im Homeland Security Committee und einige andere. Der US-Senator Joe Lieberman forderte ausserdem, dass zu untersuchen sei, ob sich auch die New York Times mit der Veröffentlichung der Botschaftsdepeschen schuldig gemacht habe. Die Organisation Reporters without Borders verurteilt diese Angriffe auf die Meinungs- und Pressefreiheit, auf Wikileaks und auf Assange deutlich. Dank dem Streisand-Effekt ist Zensur im Internet kaum möglich. So bestehen von der aktuellen Wikileaks-Website momentan 1885 Mirrors (hier besteht noch eine alternative Mirror-Liste, sollte die offizielle Liste nicht erreichbar sein).

This is the first time we have seen an attempt at the international community level to censor a website dedicated to the principle of transparency. We are shocked to find countries such as France and the United States suddenly bringing their policies on freedom of expression into line with those of China. We point out that in France and the United States, it is up to the courts, not politicians, to decide whether or not a website should be closed. — “Wikileaks hounded?“, Reporters without Borders, 04.12.2010.

Am 28. November 2010 begann Wikileaks mit der Veröffentlichung der 250’000 Depeschen der US-amerikanischer Botschaften. Auch in dieser Hinsicht lernte Assange dazu: anstatt alle Dokumente auf einmal ins Internet zu stellen, werden täglich nur rund 120 Depeschen freigegeben. Sollte diese Anzahl der täglich veröffentlichten Depeschen konstant bleiben, wird uns dieses Thema voraussichtlich noch die nächsten 5 Jahre beschäftigen. Einige der bis jetzt zugänglichen Depeschen beinhalten zusätzliche Informationen zu Artikeln, welche hier auf offiziere.ch veröffentlicht wurden. Deshalb will ich nun die wichtigsten Depesche zusammenfassen.

Nordkorea / Iran
Kim Jong Il (in "Team America")Die internationale Isolation Nordkoreas erschwert die Informationsbeschaffung über die innenpolitische Situation sowie über Ziele und Strategie des Staatsoberhauptes bzw. der herrschenden Elite gewaltig. Um so interessanter ist ein sehr offen geführtes Gespräch zwischen dem chinesischen Botschafter in Kasachstan, Cheng Guoping und seinem US-Kollegen Richard E. Hoagland im Sommer 2009. Gemäss dem chinesischen Botschafter missfällt China die nordkoreanischen Atomwaffentests und bezeichnete sie als eine Gefahr für die ganze Welt. Die Nachfolge Kim Jong Un sei ausserdem mehr von Kim Jong Il’s verschlechternden Gesundheitszustand getrieben gewesen, als von einer gründlich geplanten Strategie. Kurzfristig werde die koreanische Halbinsel in zwei Hälften geteilt bleiben, langfristig hoffe jedoch auch China auf eine friedliche Wiedervereinigung (Quelle: Embassy Astana, “Kazakhstan: Chinese Ambassador comments on key foreign policy issues“, 08.06.2009). Etwas mehr als einen Monat später zeigte sich der südkoreanische Minister zur Wiedervereinigung der beiden Koreas, Hyun In-taek überzeugt, dass Kim Jong Il aufgrund seiner Gesundheitsprobleme noch maximal bis 2015 zu leben hätte (Quelle: Embassy Seoul, “A/S Campell’s meeting with ROK unification“, 24.07.2009). Ökonomisch befindet sich Nordkorea in einer kritischen Lage. Der stellvertretende chinesische Aussenminister (er ist mittlerweile Sicherheitsberater des Präsidenten) Chun Yung-woo bezweifelte in einem Gespräch Ende Februar 2010, dass China beim Tod von Kim Jong Il einen völligen wirtschaftlichen und politischen Kollaps Nordkoreas aufhalten könnte. Auch er stellte in diesem Fall eine Wiedervereinigung der beiden Koreas unter der Führung Südkoreas in Aussicht. Er hielt jedoch auch fest, dass bei einem wiedervereinigten Korea die US-Präsenz nördlich der demilitarisierten Zone nicht erwünscht sei (Quelle: Embassy Seoul, “VFM Chun Young-Woo on Sino-North Korean Relations“, 22.02.2010). Da Nordkorea ausser ballistischen Raketen und spaltbarem Material keine “Exportartikel” produziert, besteht ein sehr hohes Proliferationsrisiko. Hyun In-taek ist überzeugt, dass Nordkorea aufgrund seiner ökonomischen Lage Nukleartechnologie und sogar Plutonium an andere Staaten verkauft. Das ist jedoch noch nicht alles: Siegfried S. Hecker, ein ehemaliger Direktor der Los Alamos National Laboratory und ein Spezialist für Nuklearwaffen beschreibt in einem Artikel auf Foreign Affairs, wie er auf seiner Reise vom 12. November 2010 in Nordkorea eine beeindruckend grosse Urananreicherungsanlage mit rund 2’000 Zentrifugen besuchen konnte. Damit kommt Nordkorea auch als potentieller Exporteur von hochangereichertem Uran (HEU) und der zur Herstellung notwendigen Zentrifugentechnologie in Frage.

Although I and other nonproliferation experts had long believed that North Korea possessed a parallel uranium-enrichment program — and there was ample evidence for such a belief — I was amazed by its scale and sophistication. Instead of finding a few dozen first-generation centrifuges, we saw rows of advanced centrifuges, apparently fully operational. — Siegfried S. Hecker, “What I Found in North Korea“, Foreign Affairs, 09.12.2010.

BM-25 - ja oder nein?Ein anderes Problem stellt der Verkauf von ballistischen Raketen und deren Technologie dar. So soll Nordkorea 2005 19 BM-25 Raketen, welche auf russische R-27 basieren und zwischen 3’000-4’000 km zurücklegen können, an den Iran geliefert haben. Russland widerspricht dieser US-amerikanischen Einschätzung und weisst darauf hin, dass weder in Nordkorea noch im Iran Raketentests mit einer BM-25 durchgeführt worden seien. Die USA untermauern ihre Feststellung damit, dass die BM-25 an einer nordkoreanischen Strassenparade gezeigt wurde (siehe Bild links). Russland ist jedoch der Auffassung, dass es sich dabei um eine andere Rakete handelte. Gemäss Einschätzung der USA sei die Technologie der BM-25 in das Design der zweiten Stufe der iranischen Safir Trägerrakete eingeflossen. Die Ansicht über das vorhandene Bedrohungspotential gehen bei Russland und den USA auch bezüglich des nordkoreanischen und iranischen Raketenprogramm auseinander. Aus russischer Sicht soll der Bau ballistischer Raketen dem Iran zur Abschreckung regionaler Bedrohungen dienen. Technologisch stütze sich der Iran bis und mit der Shahab-3 auf die Scud-Technologie Nordkoreas ab. Damit seien Reichweiten über 2’000 km nicht machbar. Die Überwindung der 2’000 km – Grenze sei vor 2015 nicht zu schaffen und werde im Falle einer neuen iranischenRaketentechnologie auf 3’000-5’000 km ausgedehnt werden können. Russland ist überzeugt, dass das nordkoreanische Potential aus einem grossen Arsenal veralteter Raketen besteht, welche nicht über 1’300 km kommen (Quelle: Secretary of State, “U.S.-Russia Joint Threat Assessment Talks“, 24.02.2010).

Neben dem Iran soll auch Myanmar von nordkoreanischer Nuklear- und Raketentechnologie profitiert haben. Seit 2002 gibt es Gerüchte, dass Myanmar den Bau eines Nuklearreaktor plane und seit 2003, dass mit Nordkorea eine militärische Zusammenarbeit bestehe. Im August 2004 erhielt die US-Botschaft in Rangun nicht prüfbare Hinweise, dass rund 300 nordkoreanische Arbeiter verdeckt an Boden-Luft-Raketen in Minbu arbeiten würden.

Jemen
Saudische Soldaten in einer Stellung an der Grenze zu Jemen bei Khoba am 27.01.2010.Anfangs 2010 verfasste ich einen Artikel über die Lage in Jemen, wobei jedoch noch einige Fragen bezüglich des Ausmasses der US-amerikanischen Beteiligung an den innerjemenitischen Konflikten offen blieben. Der jemenitische Präsidenten Ali Abdullah Salih hat gleichzeitig an drei Fronten zu kämpfen: einerseits gegen die al-Qaida, welche versucht sich in Jemen festzusetzen, gegen eine südjemenitische Separatistenbewegung, welche teilweise durch die al-Qaida instrumentalisiert wird und gegen die Houthis, eine weitere Separatistenbewegung im Nordjemen ohne Verbindung zur al-Qaida. Saudi Arabien unterstützte die jemenitische Regierung gegen die Houthis, aus Angst der schiitische Einfluss könnte im Süden Saudi Arabiens zu Unruhen führen. Press TV, ein staatlicher Nachrichtensender im Iran verbreitet Mitte Dezember 2009, die USA hätten Luftangriffe gegen die Houthis durchgeführt. Sofort wurde die Story von US-Kritikern aufgeschnappt. In diesem Zusammenhang warnte ich in meinem Artikel ausdrücklich vor einer möglichen iranischen Propagandaaktion. Aufgrund der veröffentlichten Botschaftsdepeschen verdichtet sich nun das Bild, dass ausschliesslich die saudische Luftwaffe diese Luftangriffe durchgeführt und dabei auch zivile Ziele getroffen hatte. Im Februar 2010 konfrontierte der US-Botschafter in Saudi Arabien, James B. Smith den saudischen Staatssekretär für Verteidigung und Luftfahrt Prince Khalid bin Sultan mit US-amerikanischen Satellitenbilder, welche einen Luftangriff der saudischen Luftwaffe auf ein jemenitisches Spital zeigten. Weil die USA Saudi Arabien mit Satellittenbilder des Einsatzraumes versorgten, verlangte der US-Botschafter den Angriff auf zivile Ziele zu vermeiden. Das Gespräch mit Khalid bin Sultan zeigt zudem die Unberechenbarkeit des jemenitischen Präsidenten auf: Salih übermittelte den saudischen Piloten falsche Zielangaben – anstatt ein Ziel im Nordjemen gab er das Hauptquartier des nordejemenitischen Militärkommandant General Ali Mohsen Al-Ahma, einer seiner politischen Gegnern, an. Rechtzeitig erkannt, brachen die saudischen Piloten ihren Einsatz ab. Gemäss Khaled bin Sultan scheint dies jedoch kein Einzelfall gewesen zu sein (Quelle: Embassy Riyadh, “Saudi Arabia: Renewed Assurancees on Satellite Imagery“, 07.02.2010). Ausserdem zeigen die Botschaftsdepeschen, dass entgegen jemenitischen Anschuldigungen der Iran keinen grossen Einfluss auf die Seperatistenbewegungen in Jemen ausübt und sie auch nicht mit Waffenlieferungen unterstützt.

Since the start of the Sa’ada conflict in 2004, Yemen has looked to pin the Houthis’ strength and resilience in fighting the ROYG on the Iranians. Despite Yemen’s seemingly heartfelt concerns that Iran is backing the Houthi rebels and the ROYG’s desire to convince its powerful friends (the U.S. and Saudi Arabia) of Iran’s nefarious intentions in Yemen, it has to date been unable to produce any concrete evidence of what it says is wide-scale meddling. It is post’s firm belief that if Yemen had any concrete evidence that the Houthis had connections to either Hizballah or Iran, it would have produced it immediately; the lack of such evidence likely indicates that the ROYG lacks any real proof of such links. On the other hand, Iran has clear strategic interests in gaining a foothold in Yemen (Sa’ada) and developing a proxy ally in the Houthis similar to Hizballah in Lebanon. Post believes that, while it is worth keeping an eye on Iranian activities in Yemen, Tehran’s reach to date is limited. — Quelle: Embassy Sanaa, “Iran in Yemen: Theran’s shadow looms large, but footprint is small“, 12.09.2009.

Bis zum jetzigen Zeitpunkt wurden von Wikileaks keine Depeschen veröffentlicht, welche den Schluss nahe legen würden, dass sich die USA direkt oder indirekt durch die jemenitischen Streitkräfte in den Konflikt mit den Houthis eingemischt hätten. Anders sieht das beim Kampf gegen die al-Qaida aus: die USA unterstützten die jemenitischen Streitkräfte nachrichtendienstlich im jemenitischen Joint Operations Center, setzten Marschflugkörper und womöglich auch Bomber zu Gunsten der jemenitischen Streitkräften ein (Quelle: Embassy Sanaa, “General Petraeus’ meeting with Saleh on security assistance, AQAP strikes“, 04.01.2010). Zur Bekämpfung der al-Qaida versicherte Salih den US Streitkräften freien Zugang zu Wasser, zu Luft und zu Land und schob gleichzeitig die Verantwortung zur Bekämpfung der Terroristen in Jemen den USA in die Schuhe (Quelle: Embassy Sanaa, “Brennan-Saleh Meeting“, 15.09.2009).

Pakistan
Natürlich sind die US-amerikanischen Spezialkräfte nicht nur im Jemen im Einsatz, sonder seit der zweiten Hälfte 2008 bilden sie auch Soldaten in Pakistan aus. Operationell kamen die US-Spezialkräfte das erste Mal im September 2009 zum Einsatz, als 4 Soldaten der US-Spezialkräfte im Frontier Corps embeded wurden, um den pakistanischen Kräften Aufklärungsvideos der amerikanischen Drohnen im Operationsgebiet bereitzustellen. Nach diesem erfolgreichen Einsatz wurde die Integrierung weiterer US-Spezialkräften in pakistanische Truppen in Waziristan bzw. in den Federally Administered Tribal Areas (FATA) bewilligt (Quelle: Embassy Islamabad, “Pakistan Army GHQ again approves embedding U.S. Special Forces personell to support military operations“, 09.10.2009). Ausserdem gab der pakistanische Premierminister Yousaf Raza Gillani in einem Gespräch mit der US Botschafterin in Pakistan, Anne W. Patterson am 23. August 2008 indirekt seine Zustimmung zu US-amerikanischen Drohneneinsätzen auf pakistanischem Territorium:

I don,t care if they do it [(Predator attacks)] as long as they get the right people. We,ll protest in the National Assembly and then ignore it. — Premierminister Yousaf Raza Gillani zitiert in Embassy Islamabad, “Immunity for Musharaf likely after Zardari’s elektion as president“, 23.08.2008.

Russland befürchtet, dass Islamisten in Pakistan versuchen spaltbares Material in ihre Hände zu bekommen. Sie sind sich im klaren, dass die USA für eine Erhöhung des Sicherheitsstandards in Pakistan gesorgt hatten, problematisch seien jedoch die 120’000-130’000 Personen, die direkt am pakistanischen Nuklear- und Raketenprogramm involviert seien (Quelle: Secretary of State, “U.S.-Russia Joint Threat Assessment Talks“, 24.02.2010). Die USA formulierten bereits früher solche bedenken:

Our major concern is not having an Islamic militant steal an entire weapon but rather the chance someone working in GOP facilities could gradually smuggle enough material out to eventually make a weapon. — Embassy Islamabad, “Scenesetter for Special Envoy Hoolbrooke“, 04.02.2009.

Somalia
Members of the hardline al Shabaab Islamist rebel group parade through the streets of Somalia's capital Mogadishu, January 1, 2010. Somalia's hardline Islamist rebel group al Shabaab said on Friday it was ready to send reinforcement to al Qaeda in Yemen should the U.S. carry out retaliatory strikes, and urged other Muslims to follow suit. REUTERS/Feisal Omar (SOMALIA - Tags: CIVIL UNREST SOCIETY)Bei einem Nachtessen am 21. Januar 2007 lobte der erste stellvertretende Kommandant der Streitkräfte der Vereinigten Arabischen Emirate, Sheikh Mohammed bin Zayed Al Nahyan den Kommandant CENTCOM General John Abizaid mit den Worten: “The Somalia job was fantastic“. Er bezog sich dabei auf die überraschende äthiopische Intervention in Somalia vom 24. Dezember 2006. Zu dieser Zeit hatte die Union islamischer Gerichte die Vorherrschaft in Somalia, welche gegen die Übergangsregierung, Äthiopien und die USA zum Dschihad aufrief. Im Krieg gegen den Terror war Äthiopien ein wichtiger regionaler Partner der USA, welcher finanziell und militärisch unterstützt wurde. Ob die USA Äthiopien auch zum Eingreifen in Somalia anstachelte oder gar selber verdeckt aktiv wurde ist unklar. David Axe stellt in einem Artikel fest, dass die äthiopischen Streitkräfte nicht über die für eine solche Operation notwendige nachrichtendienstliche und logistischen Fähigkeiten verfügte – die USA jedoch schon. Jedenfalls griff die US-amerikanische Luftwaffe – erstmalig seit 1994 – anfangs Januar 2007 in Südsomalia ein und beschoss Dörfer; gemäss eigenen Angaben gegen Verstecke der al-Qaida. Zuerst hiess es, dass dabei Fazul Abdullah Mohammed, welcher die Anschläge auf die amerikanischen Botschaften in Nairobi und Daressalam 1998 (200 Todesopfer) geplant hatte (vgl.: “US-Luftwaffe fliegt neue Angriffe auf Qaida-Stellungen“, Spiegel, 10.01.2007), doch dies wurde einige Tage später wieder dementiert (Quelle: “Somali raids miss terror suspects“, BBC, 11.01.2007). Gemäss Informationen vom August 2010 ist Fazul Abdullah Mohammed nun der militärische Führer der al-Shabaab, einer islamistischen Terrororganisation in Somalia, welche aus dem radikal militanten Flügel der Union islamischer Gerichte hervorging und mit der al-Qaida in Verbindung steht. Schliesslich zogen die äthiopischen Truppen im Januar 2009 wieder ab, ohne dass sie die Union islamischer Gerichte langfristig zerschlagen konnten, sondern im Gegenteil durch ihre Intervention die al-Shabaab radikalisierten.

We’ve made a lot of mistakes and Ethiopia’s entry in 2006 was not a really good idea. — Donald Yamamoto, früherer US-Botschafter in Äthiopien zitiert in Sahra Mohamud, “Ethiopian Invasion of Somalia, a Debacle U.S. Official says“, Mshale News, 03.12.2010.

Russland
Wer braucht noch eine Kristallkugel, wenn er diese Depesche zur Verfügung hat? Die nächsten Präsidentschaftwahlen in Russland werden 2012 durchgeführt und die USA gehen davon aus, dass Premierminister Wladimir Putin die Gelegenheit packen wird, wieder das Präsidentenamt zu übernehmen. Sollte der russische Präsident Dmitriy Medvedev 2012 tatsächlich gegen Putin antreten, so sehen die USA für ihn wenig Chancen, weil er in Moskau zu wenig Unterstützer in einflussreichen Positionen hat:

To emphasize her view that Medvedev relies on Putin’s bureaucracy, Kryshtanovskaya said in her Ekho Moskvy interview that only 2 of the top 75 positions in government were held by Medvedev loyalists. — Embassy Moscow, “Putin still holding the reins for 2012 election“, 05.02.2010.

Natürlich könnte auch Medvedev wiedergewählt werden, doch dies ist nur dann wahrscheinlich, wenn Putin sich davon einen Vorteil erhofft (beispielsweise Stabilität). Es ist nicht davon auszugehen, dass sich Putin und Medvedev über die russische Präsidentschaft zerstreiten, dazu kennen sich die beiden schon zu lange. Sowohl politisch wie auch wirtschaftlich war Medvedev immer die rechte Hand Putins und wurde von ihm auch immer dementsprechend eingesetzt, sei es als stellvertretender Leiter der Präsidialverwaltung und Leiter des Stabes des Präsidentschaftswahlkampf Putins anfangs 2000, anschliessend als Leiter der Präsidialverwaltung bzw. erster stellvertretender Ministerpräsident und als Mitglied des Aufsichtsrats von Gazprom (von Putin ernannt). In seiner bisherigen Präsidentschaft traf Medvedev keine Entscheidungen, die zwischen ihm und Putin zu Auseinandersetzungen geführt hätten. Das sieht nach einem abgekarteten Spiel zwischen den beiden aus, weshalb mein Tip für 2012 lautet: Putin wird russischer Präsident, Medvedev Ministerpräsident oder er übernimmt einen anderen einflussreichen Posten.

While no one with whom we have spoken knows Putin and Medvedev’s future plans, Medvedev recently responded to a question on his possible career path. While not indicative of the future, KROS public relations President and former Presidential Administration deputy Sergey Zverev told us that he had heard that a journalist had asked Medvedev an off-the-record hypothetical question in late January about what position Medvedev would want if he were no longer President. After thinking it over for a moment, Medvedev responded Head of the Constitutional Court or Prime Minister. — Embassy Moscow, “Putin still holding the reins for 2012 election“, 05.02.2010.

 
Weitere Informationen

Outtakes
Ken Jebsen von KenFm bringt es auf den Punkt:

This entry was posted in Iran, Jemen, Nordkorea, Pakistan, Russland, Sicherheitspolitik, Somalia.

One Response to Wikileaks – Cablegate

  1. Pingback: Sessionsrückblick | Offiziere.ch

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Comment Spam Protection by WP-SpamFree