Hält Pakistan für Saudi-Arabien zwei Atomwaffen bereit?

Seit über zwei Jahren suche ich vergeblich einen deutschsprachigen Autor, der offiziere.ch mit deutschsprachigen sicherheitspolitische Artikeln bereichern würde. Ich bin hoch erfreut, dass Dr. Peter Forster einen ersten Artikel beigesteuert hat und würde mich freuen, wenn noch weitere Artikel folgen würden. Dr. Forster war beruflich Nahost-Korrespondent der Neuen Zürcher Zeitung und 20 Jahre lang Chefredaktor der Thurgauer Zeitung. Seit 2005 ist Dr. Forster Chefredaktor des Schweizer Soldat, der führenden Militärzeitschrift der Schweiz. Daneben schrieb er sechs Bücher über den Informationskrieg und den Nahen Osten. Militärisch ist er ein Artilleur (Sion, Schwere Kanone 10,5 cm), führte acht Jahre als Oberst das Informationsregiment 1 und ist seit 2004 im Armeestabsteil 110 eingeteilt.

Pakistanische Ghauri-IIMit einer wahrhaft sensationellen Meldung warten israelische Offiziere auf, die dem Geheimdienst Mossad nahestehen: Pakistan soll neuerdings auf dem Luftwaffenstützpunkt Kamra permanent zwei Atomsprengköpfe für Saudi-Arabien bereithalten. Auch wenn in Geheimdienstkreisen seit 1998 über eine enge Nuklear-Kooperation zwischen Pakistan und Saudi-Arabien berichtet wird, sprengt die israelische Nachricht jeden Rahmen. Belegt sind seit den 1990er-Jahren folgende Tatsachen:

  • Saudi-Arabien trug zur Finanzierung der pakistanischen Atomrüstung grosse Summen bei. Ohne saudische Hilfe hätte Pakistan sein Nuklearprogramm nicht finanzieren können (vgl.: “Saudi Arabia Special Weapons“, globalsecurity.org).
  • Zwischen den pakistanischen Atomphysikern und ihren saudischen Kollegen bestehen seit den frühen 1990er-Jahren enge Verbindungen. Saudi-Arabien profitiert direkt von der pakistanischen Forschung.
  • Südlich der Hauptstadt Riad bauten die Saudis unter dem Boden die streng geheime Stadt al-Sulaiyil. Dort lagern pakistanische Ghauri-II-Raketen mit einer Reichweite von 2300 Kilometern (vgl.: Udo Ulfkotte, “Das atomare Königreich“, Cicero, April 2006).
  • Saudi-Arabien beherrscht geostrategisch die Arabische Halbinsel. Als einziger Staat grenzt das wahhabitische Königreich an das Rote Meer und an den Persischen Golf. Die Ghauri-II-Flugkörper erreichen von saudischem Territorium aus die ganze Region.

Doppelcode zum Auslösen?
Zur israelischen Meldung ist festzuhalten, dass sie von keiner zweiten Quelle bestätigt wird. Es fehlt ihr demnach die Qualität einer gültigen Nachricht. Sensationell ist indessen, was die Israeli berichten:

  • Die saudische Luftwaffe soll auf dem Kamra-Stützpunkt bei Islamabad permanent zwei Tranportmaschinen stationiert haben. Diese sollen zivil angestrichen sein und keine militärischen Kennzeichen tragen.
  • Die saudischen Besatzungen der beiden Transporter stünden in ständiger Bereitschaft.
  • Pakistan soll auf dem Stützpunkt dauern zwei Atomsprengköpfe bereithalten, und zwar streng von den pakistanischen Speichern getrennt in einem separaten Sonderlager.
  • Ein doppelter Code würde die Lieferung der Sprengköpfe nach al-Sulaiyil auslösen.
  • Der Code käme einerseits von König Abdullah und anderseits vom Chef des saudischen Geheimdienstes, vom Prinzen Muqrin bin Abdel Aziz. Das Auslösen per Doppelcode sei mehrfach geübt worden

Was bewegt Saudi-Arabien?
Offen lassen die israelischen Quellen, wie sich Pakistan bei einer Auslösung der Sprengköpfe verhalten würde. Nach einer Version müsste Saudi-Arabien die pakistanische Führung vorher unterrichten; nach der anderen würde der Doppelcode genügen, um die saudischen Transporter in Bewegung zu setzen. Im sandigen Dunst des Orients versinkt auch die Motivation, die Saudi-Arabien zum „Plan B“ bewogen haben soll. Schon die Finanzierung der pakistanischen Atomrüstung erfolgte nicht nur aus Liebe zum Islam-Staat Pakistan. Es ist denkbar, dass sich die saudischen Herrscher eine Teilhabe an nuklearer Macht sichern wollten. Von Wikileaks wissen wir, dass Saudi-Arabien Israel und die USA hart zum Luftschlag gegen Iran drängt: Von der potentiellen Atommacht Persien fühlen sich die wahhabitischen Herrscher bedroht (vgl.: Embassy Riyadh, “xxxxxxxxxxxx on Iranian threats“, 16.12.2006, Absatz 4 – Embassy Riyadh, “Saudi King Abdullah and senior princes on Saudi policy toward Iraq“, 20.04.2008, Absatz 10 – Embassy Riyadh, “Scenesetter for Secretary Clinton’s Feb 15-16 visit to Saudi Arabia“, 11.02.2010). Doch weder Israel noch die Vereinigten Staaten schlugen bisher zu. Das mag König Abdullah dazu bewogen haben, ein eigenes Nuklearpotential und Mechanismen der Umsetzung zu entwickeln. Aber wie gesagt: So einleuchtend die Israeli das darstellen, so schmerzhaft fehlt die neutrale Bestätigung.

Kamra Air Base (auch Minhas Air Base genannt)

Zusatzinfo zum Satellitenfoto
Die Kamra Air Base (auch Minhas Air Base genannt) liegt nördlich von Islamabad. Die Koordinaten lauten: 33 Grad 52’ 8“ N, 72 Grad 24’ 3“ E. Stationiert ist das 33. Fliegergeschwader mit der 14. und der 15. Staffel. Die Hauptpiste misst 3050 auf 50 Meter.

Autor: Dr. Peter Forster für offiziere.ch

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One Response to Hält Pakistan für Saudi-Arabien zwei Atomwaffen bereit?

  1. Saudi nuclear weapons ‘on order’ from Pakistan: Saudi Arabia has invested in Pakistani nuclear weapons projects, and believes it could obtain atomic bombs at will, a variety of sources have told BBC Newsnight.

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