Buchtipp: Little Bunch of Madmen

Abgesehen von einer kurzen Pause bei der International Herald Tribune zwischen 1979-1981 war Mort Rosenblum von 1965-2004 bei der Associated Press (AP) als Journalist tätig. Er berichtete aus 200 Staaten auf sieben Kontinenten, führte die Auslandsvertretung der AP in Afrika, Südostasien, Argentinien und Frankreich, schrieb über die Söldner, die 1967 im Kongo tätig waren, berichtete aus dem Biafra-Krieg in Nigeria, aus dem Vietnam-Krieg, dem Unabhängigkeitskrieg in Bangladesch und über die Unruhen in Zentralamerika, im Nahen Osten und auf dem Balkan. Zusammen mit Gary Knight und Simba Gill gründete er 2008 das Journal “Dispatches“, welches sich mit Internationaler Politik befasste. Er gewann 1989 den Overseas Press Club Award, drei Mal AP’s “Top Reporting Award” und wurde acht Mal für den Pulitzer Preis nominiert. 2010 veröffentlichte er das Buch “Little Bunch of Madmen: Elements of Global Reporting” welches eine Mischung von Anekdoten, Erfahrungsberichten und Kurzgeschichten aus Krisengebieten und darüber hinaus in einem beschränkten Rahmen auch eine Einsteigerhilfe für junge Auslandkorrespondenten darstellt.

Vorerst jedoch eine Warnung für alle Blogger: bei Rosenblum handelt es sich um einen Journalisten der alten Schule. Er steht den neuen Medien nicht nur skeptisch gegenüber, sondern er hat die Tendenz an den “Citizen-Journalisten” kein gutes Haar zu lassen. Besonders im Kapitel 4 und 17 scheint er den “Citizen-Journalisten” als Verantwortlicher für den Niedergang der Zeitungsindustrie ausgemacht zu haben, weil er seine Produkte gratis ins Netz stellt und so den Trend unterstützt, dass heute niemand mehr für Nachrichten zahlen will. Dieser Trend wird von einer Studie des Pew Research Centers aus dem Jahre 2009 bestätigt: nur 19% der Internetbenutzer sind bereit für Inhalte im Internet zu bezahlen. Die klassischen Strukturen der Nachrichtenindustrie (teilweise über 200 Jahre alt) sind dadurch unter Druck gekommen, denn das Netz von Auslandkorrespondenten, welche ihre Texte über Editoren in der Zentralen schliesslich in den Tageszeitungen veröffentlichen, kostet viel Geld, welches seit 2001 zunehmend fehlt. Für Rosenblum ist dieses System, bei dem Editoren als Filter dienen, hauptverantwortlich für die Qualität der Presseerzeugnisse und im Umkehrschluss räumt er den Gratispublikationen keine hohe Qualität ein. Profesionelle Journalisten seien eben nur diejenigen, welche davon ihren Lebensunterhalt bestreiten müssten und Ansätze wie “Crowdsourcing” würden mindestens so viel Rauschen wie Wissen generieren. Neben einer vereinfachten Betrachtungsweise mischen sich Vorurteile und Angst. Ein Leben lang in den alten Strukturen der grossen Nachrichtenfirmen eingebetet, kann er sich kaum mit der neuen Dynamik der Generation Internet abfinden, welche seit 2001 wie ein Tsunamie über die Nachrichtenindustrie eingebrochen ist. Bei Rosenblum ist eine gewisse Verbitterung zu spüren, die ihre Wurzeln im Erlebten am Schluss seiner Karriere bei der AP hat. 2003 wurde Louis S. Boccardi nach 18-jähriger Tätigkeit von Tom Curley als CEO bei der AP abgelöst. Curley hatte den Auftrag, AP’s Kosten zu senken. In der Folge pensionierte und feuerte er anfangs 2004 duzende Auslandskorrespondenten und Leiter von Auslandsvertretungen die teilweise jahrzehntelang der AP treu waren – Rosenblum verliess schliesslich die AP 2004.

“Blog teams are likely assembly lines, fine for bolting wheels on a Ford or milking cows in an automated dairy, not for real news that affacts human lives” — Mort Rosenblum, “Little Bunch of Madmen” (New York: de.MO,2010), 52.

Mit dem Beispiel der Proteste nach den iranischen Präsidentschaftswahlen 2009 versucht Rosenblum die Wichtigkeit von Editoren in der Qualitätssicherung der Presseerzeugnisse aufzuzeigen. Schon früh wurden die Visa ausländischer Journalisten von den iranischen Behörden für ungültig befunden, so dass sie das Land verlassen mussten. Als eine der einzigen Informationsquellen verblieben Twitter-Einträge, Amateur-Bilder und -Filme dessen Wahrheitsgehalt nicht eruierbar waren. Oft blieb verborgen, ob es sich bei den Twitter-Einträgen um ein Abbild der Realität, um Übertreibungen oder gar um Propaganda handelte. Da Fakten nicht verfügbar waren, basierte die internationale Berichterstattung hauptsächlich auf Emotionen. Auch wenn der Tod von Neda Agha-Soltan, die ein Symbol für das repressive, brutale Regime im Iran wurde, tragisch war, blieben gemäss Rosenblum viele Fragen dazu unbeantwortet. Womöglich sei Agha-Soltan schlicht zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen. Insbesondere in westlichen Medien sei teilweise das Bild verbreitet Proteste in Kairo, Ägypten (Foto: Khalil Hamra/Keystone/AP)worden, dass die Demonstranten im Iran gegen das islamische Regime eingestellt wären. Ein Editor mit entsprechendem Hintergrundwissen über den Iran würde die Verbreitung eines solchen Zerrbildes nicht zulassen, denn die Demonstranten seien nicht gegen das Regime, sondern gegen die Wahlfälschung auf die Strasse gegangen. Eine Revolution gegen das islamische Regime im Iran finde nicht statt. Die Entwicklungen in Tunesien und Ägypten nach dem “Arabischen Frühling” unterstreichen Rosenblums Ansicht. Die Wahl der islamischen Partei En-Nahda in Tunesien und der Erfolg der relativ moderaten Muslimbrüder bzw. der eher kompromisslosen Al Noor Salafi Bewegung zeigen, dass der “Arabische Frühling” in erster Linie einen politischen Umbruch initiiert hat, aber mittelfristig keine kulturelle, soziale oder gar religiöse Veränderungen nach sich ziehen wird. Im Gegenteil, durch die Unterdrückung islamischer Bewegungen in Tunesien und Ägypten vor dem “Arabischen Frühling” waren deren Wahlerfolg weitgehend vorprogrammiert und demzufolge ist ähnliches auch in Libyen zu erwarten (die libyschen Parlamentswahlen sind für den April 2012 vorgesehen).

Um die Realität richtig wiederzugeben, sei ein kulturelles Vorwissen der jeweiligen Region bei Reportern im Feld und deren Editoren unumgänglich. Dazu gehöre auch, dass Journalisten ihre eigene Weltauffassung, welche sich auf einen eigenen spezifischen kulturellen Hintergrund stützt, in Gespräch mit Kontakten, bei Interviews und im Schreiben eines Berichts ausklammern. Ein Reporter sei ähnlich wie ein polizeilicher Ermittler zur Neutralität verpflichtet. Da die komplette Objektivität nicht erreicht werden könne, sollen Berichte wenigsten fair und ausgewogen verfasst werden. Zum kulturellen Bewusstseins eines Reporters gehöre auch eine Grundkenntnis der jeweiligen Landessprache. Natürlich sei es nicht möglich alle wichtigen Sprachen zu beherrschen (gemäss eigenen Angaben beherrscht Rosenblum Englisch und Spanisch), doch bereits einige Wörter in der jeweiligen Landessprache würden Türen öffnen und zeige darüber hinaus das Interesse an der jeweiligen Kultur.

The fist and main principle is to throw yourself in over your head in another culture. I think that it is so important for a journalist to try to have a sense of other people’s humanity, not your own. — John Lee Anderson quoted in Rosenblum, “Little Bunch of Madmen”, 38.

Noch wichtiger als das Sprechen sei das Zuhören. Dies bringt Rosenblum im Kapitel “Talk Less, Listen More” sehr gut auf den Punkt. Nicht überraschend hat die Gewinnung von Informationen durch Journalisten viel mit der militärischen Gesprächsaufklärung gemein. Zentral dabei ist das aktive Zuhören, welches den Sprechenden zum Weitersprechen motivieren soll, Anknüpfpunkte identifiziert, die zu logisch richtigen Folgefragen führt. Eine meist erfolgreiche Strategie kann darin bestehen, in Gesprächen den Standpunkt eines “Schülers” einzunehmen, welcher vom Wissen seines “Lehrers” (durch den Gesprächspartner eingenommen) profitieren möchte. In der Oftmals sagt die Büroeinrichtung etwas über dessen Besitzer aus (hier Beispielsweise ein Blick in das Büro von Bundesrat Ueli Maurer)“Lehrer-Position” sind Gesprächspartner oft viel auskunftsfreudiger. Gespräche reduzieren sich jedoch nicht nur auf das Gesprochene: Pausen in denen nichts gesprochen wird, zwingen den Kontakt das Gespräch fortzuführen; nonverbale Kommunikation gibt Aufschluss auf die Aufrichtigkeit des Gesprächspartners. Die Umgebung des Gesprächspartners (die Büroeinrichtung, Bilder, Bücher usw.) gibt einen Eindruck über wichtiges im Leben des Kontakts und hilft ein Thema für eine Small-Talk Sequenz (oft am Anfang und/oder am Ende eines Gesprächs) zu finden. Auch wenn Gespräche sehr spontan anmuten, ist eine gründliche Vorbereitung unverzichtbar: wenn nicht schon in einer Datenbank vorhanden, muss ein Journalist sich über frühere Statements des Gesprächspartners informieren. Dies hilft nicht nur Fettnäpfchen zu vermeiden, sondern gezielte Fragen zu stellen, die vermitteln, dass die Hausaufgaben gemacht wurden. Ausserdem muss dem Fragenden auffallen, wenn sein Gegenüber etwas gezielt nicht erwähnt oder auslässt – dann heisst es “nachhaken”, aber so, dass der Interviewpartner nicht aufsteht und verärgert den Raum verlässt. Viele dieser Grundlagen werden von Rosenblum leider nur gestreift. Hier hätte er durch einen Ausbau dieses thematischen Teils und mehr konkreten Beispielen einen Mehrwert für junge Journalisten am Anfang ihrer Karriere schaffen können.

Silence is a wonderful interview technique. People are uncomfortable with it. I just sit there and look at them. Sometimes a minute or two will go by, and then they fill in the silence. That’s usually when the most revealing things come out, things they would not have said. The mistake many young reporters make is that they also feel uncomfortable, and they talk too much — Jacqueline Sharkey quoted in Rosenblum, “Little Bunch of Madmen”, 68.

Noch wichtiger als die Kenntnis fremder Landessprachen ist die Kenntnis der eigenen Muttersprache. Eine präzise, möglichst treffende Auswahl von Wörtern im Text müsse den Leser mitsehen, -hören und -fühlen lassen. Es sei nicht nur wichtig zu berichten, was auf einer Strasse im Tschad passiere, sondern auch zu beschreiben, wie die Strasse aussehe. Intelligente Wortspielereien welche Bilder im Kopf des Leser produzieren, würden darüber hinaus Vertrauen im Leser wecken. Rosenblum unterstreicht dies mit einem im Buch enthaltenen Artikel von William Howard Russel aus dem Kriemkrieg. Im April 1854 landeten die Alliierten bei Gelibolu, US Aussenminister Colin Powell beim Lügen. In seiner Präsentation vor dem UN Sicherheitsrat hält er eine Ampulle mit einem weissen Pulver in den Fingern. Er behauptet, dass es einer der Ampullen sein könnte, welche Anthrax enthalten könnten, mit dessen Einsatz der Irak die Sicherheit der Vereinigten Staaten gefährden könnte.um einen möglichen russischen Vorstoss nach Konstantinopel zu verhindern. Russel beschreibt in seinem Artikel die Situation in Gelibolu sehr detailliert und vermag auch noch nach über 150 Jahren beim Leser Bilder zu erzeugen.

Nicht überraschend besitzen Quellen, Quellenrecherche und deren Verlässlichkeit für Rosenblum einen hohen Stellenwert, so dass er dieser Thematik drei Kapitel einräumt. In der klassischen Berichterstattung mussten Informationen durch zwei unabhängige Quellen belegt werden. Dies ging teilweise so weit, dass die alleinige Präsenz eines Reporters bei einer toten Person nicht ausreichte, sondern der Tot dieser Person zusätzlich durch die Aussage eines Polizisten bestätigt werden musste. Heutzutage sind diese Vorgaben wegen der Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung und -verbreitung nicht mehr aufrecht zu erhalten. Ausserdem sind heute zwei vermeintlich unabhängige Quellen kein Garant für die Richtigkeit einer Information, denn beide Quellen könnten schlussendlich durch Umwegen doch auf der gleichen Primärquelle beruhen. Auch das Einbauen von Gegenargumenten wurde früher bis zum Exzess zelebriert und hat heute bei einer ausgewogenen Berichterstattung immer noch einen wichtigen Stellenwert. Für den Journalisten selber ist das Beobachten mit eigenen Augen immer noch der beste Weg verlässliche Informationen zu erhalten. Als Beispiel für eine gezielte Medienmanipulation nennt Rosenblum die Vorbereitung des früheren US-Präsidenten George W. Bush zur Invasion Iraks und empfiehlt allen jungen Journalisten Bill Moyers Dokumentation “Buying the war“. Kurz bevor der ehemalige US-Aussenminister Colin Powell im Februar 2003 die Staatengemeinschaft im UN Sicherheitsrat belog, reiste Charles Hanley, ein Korrespondent der AP und Pulitzer Preisträger, nach Baghdad und begleitete die UN Inspektoren. In einem Artikel unterstrich Hanley detailliert, dass in den von der US Regierung präsentierten Fakten Zweifel bestehn, doch die AP brachte die Story nicht.

“GroundTruth” comes down to seven key points: Be there. Stay safe. Listen. Be fair and accurate. Be honest. Stick to deadlines and stay in touch. Tell great stories. — Rosenblum, “Little Bunch of Madmen”, 99.

Der Kriegsberichterstatter soll die Realität möglichst akkurat wiedergeben. Dies wirft jedoch womöglich ethische Fragen auf. Besonders bei der Veröffentlichung von Bildern und Videomittschnitten stellt sich die Frage, wieviel Blut gezeigt werden darf. Völkerrechtlich existiert kein Verbot bei der Veröffentlichung von toten Kombatanten oder Zivilisten, dienen sie jedoch nicht der Dokumentation von Ereignissen, medizinischer oder sicherheitsrelevanten Zwecken, sind sie ethisch fragwürdig und werden oft als “War Porn” bezeichnet (vgl. auch Eyder Peralta, “Is It Legal For The U.S. To Release Pictures Of Bin Laden’s Body?“, NPR, 03.05.2011). Doch die teilweise vorherrschende Selbstzensur kann kontraproduktive Züge annehmen. Beispielsweise zeigt Michael Yon in einem Artikel “Watch your steps” ein Video, in dem ein afghanischer Soldat auf eine Personenmine, einen Blindgänger tritt oder eine Sprengfalle auslöst und schwer verwundet wird. US-amerikanische Soldaten helfen ihrem afghanischen Kameraden vorbildlich und innerhalb 21 Minuten ist der Verwundete im Helikopter verladen. Wenn auch schockierend, widerspiegelt dieses Video die reale Situation in der sich Soldaten in Afghanistan und in vielen anderen Orten auf der Welt befinden, nicht wissend ob ein unvorsichtiger Schritt zu Verwundung und Tod führen könnte. Weiter zeigt dieses Video auch, wie gut US-Soldaten medizinisch ausgebildet und augerüstet sind. Youtube bannte dieses Video wegen Gewaltdarstellung. Rosenblum bringt es auf den Punkt: Krieg mit “sauberen Bildern” zu verhamlosen wäre falsch, es sei jedoch auch wichtig eine Linie zu ziehen, was nicht zu zeigen sei.

Armies are made up of individuals, many good, some bad, and a few downright evil. Officers study Clausewitz. Reporters would do better with “Lord of the Flies”; even decent young soldiers go rogue. With the best of intensions, things can get horribly strange. Commanders and grunts alike must be held to account. — Rosenblum, “Little Bunch of Madmen”, 169.

Traditionell sind Nachrichten-Organisationen so organisiert, dass sie Kriege und Konflikte aus drei verschiedenen Blickwinkel verfolgen können. Rosenblum nennt diese Blickwinkel “Big Picture”, “Soda Straw” und “Free Range”. Bei “Big Picture” besuchen Journalisten Pressekonferenzen, bei denen sie die “offizielle Story” vermittelt bekommen, die jedoch nicht zwangsläufig auch wahr sein muss. Solche Pressekonferenzen können einem Journalisten auch den notwendigen Zugang zu inoffiziellen Aussagen öffnen, in dem er mit entsprechendem Networking Zugang zu hochrangigen Kontaktpersonen herstellen kann. Die daraus entstehenden Artikel geben dem Leser einen meist offiziellen Überblick über ein eher weit gefasstes Thema. Ganz anders der “Soda Straw” welcher sich auf einen ganz spezifischen Teilaspekt konzentriert und somit “höhere Interessen” ausblendet. Mit dem einbetten von Journalisten nutzt die US Armee diesen Ansatz, um die eingebetteten Journalisten mit den richtigen Informationshappen zu füttern. Es ist die am weitesten verbreitete Art der Kriegsberichterstattung. Lässt sich ein Journalist nicht einbetten und bereist Konfliktzonen auf eigener Faust, dann fällt dies in die Kategorie “Free Range”. Es ist die aufwendigste und gefährlichste Art der Berichterstattung. Seit 1992 wurden gemäss dem Committee to Protect Journalists 893 Journalisten ermordet. Die gefährlichsten Länder für Journalisten sind Irak (151 tote Medienschaffende), die Philippinen (72 tote Medienschaffende) und Algerien (60 tote Medienschaffende).

Das Wichtigste für die eigene Sicherheit sei dem eigenen Instinkt zu folgen, so Rosenblum. Auffälliges Verhalten von Einheimischen auf Strassen oder sogar das komplette Fehlen von Personen an einem Ort könnten Anzeichen dafür sein, sich aus dem Staub zu machen. Ein hoher Stellenwert hat auch die eigene Integration – nicht nur kulturell, sondern auch visuell mit der Wahl der Kleider. Dies führt zwangsläufig bei der Benutzung von Schutzwesten, Helm oder der Einsatz von Sicherheitspersonal zu einem Dilema und kann darüber hinaus hinderlich für die Arbeit sein, denn wer will schon mit einem Journalisten sprechen, der sich hinter Kevlar versteckt. Die Anstellung von lokalem Sicherheitspersonal ist nicht unproblematisch, insbesondere wenn die betroffenen Sicherheitsleute plötzlich der Meinung sind, unterbezahlt zu Iraq is the most dangerous place for reporters. A wounded man is seen after a bombing in Najaf, 160 kilometers south of Baghdad (Jan. 14, 2010) after three explosions rocked the southern city of Najaf near a commercial area. (AP Photo/Alaa al-Marjani)sein. Trotz allem, die grösste Gefahr in allen Krisengebieten stellt immer noch der Strassenverkehr dar. Ein eigener lokaler Fahrer kann mit etwas Glück der beste Einstieg in eine fremde Kultur darstellen und dank seiner Einschätzung erübrigen sich Schutzweste, Helm und Sicherheitspersonal weitgehend.

Rosenblum durchbricht seine Einteilung des Buches in Kapitel mit zwei Fallbeispielen. Das erste handelt von seiner Berichterstattung 1994 in Goma (Demokratischen Republik Kongo) wo Hutus aus dem angrenzenden Ruanda Zuflucht in einem Flüchtlingslager fanden. Nicht nur waren die Zustände wegen den vielen Flüchtlingen unzumutbar, zusätzlich brach eine Cholera-Epedemie aus, welche tausende Tote forderte. Die Toten stappelten sich und verwesten unter der Sonne. Seine Erlebnisse sind faszinierend zu lesen, es ist jedoch kaum möglich die katastrophale Situation in Goma nachzuvollziehen. Das zweite Fallbeispiel handelt von seinen Erfahrungen in Haiti nach dem schweren Erdbeben im Januar 2010. Er stellt dabei die interessante Frage, wie stark ein Journalist sich in seine Reportage einbringen darf. Darf ein Journalist, der über die laufenden Rettungsaktionen berichtet, sich vor laufender Kamera in diese Rettungsaktionen einmischen oder muss er als aussenstehender Betrachter eine neutrale Stellung einnehmen? Leider bleibt die Frage unbeantwortet. Weshalb Rosenblum seine Kapiteleinteilung durch diese “Fallbeispiele” unterbricht und was er damit bezwecken will, bleibt unklar.

Fazit
Mit “Little Bunch of Madmen” wendet sich Rosenblum an junge Journalisten oder an solche die es werden wollen. Die Anekdoten, Erfahrungsberichten und Kurzgeschichten sind interessant zu lesen und sehr unterhaltsam. Sicherheitspolitisch relevante Ereignisse werden jedoch nur angeschnitten, so dass dieses Buch eher weniger für diejenigen Leser geeignet ist, welche sich schwergewichtig auf sicherheitspolitische Literatur stürzen und sich weniger für Journalismus interessieren. Trotz den interessanten Geschichten, generiert Rosenblum in der ersten Hälfte seines Buches bis zu den Fallbeispielen eher wenig handfeste Erkenntnisse, welche angehende Journalisten in ihr Repertoire aufnehmen könnten – ab und zu habe ich mich gefragt, was Rosenblum konkret mit seinen Ausführungen vermitteln will. Der zweite Teil des Buches nach den Fallbeispielen wartet dann doch noch mit einigen handfesten Tips auf. Die Einstreuung zweier Fallbeispiele in der Hälfte des Buches macht ohne eine klare inhaltliche Abgrenzung zu den anderen Kapiteln oder wenigstens einer Erklärung dazu wenig Sinn. Das Layout des Buches kommt eher spartanisch daher und könnte auf einer besseren Schreibmaschine geschrieben sein, was jedoch dem angenehmen Lesen nicht entgegen steht. Wer Bilder erwartet, wird enttäuscht – nur am Ende des Buches ist ein doppelseitiges Foto zu finden, welches Rosenblum im Gespräch mit einem lokal Ansässigen auf einem Markt in Kalkutta zeigt.

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