Nachschlag 17: Saboteure und Piraten

Da haben wir ja noch einmal Glück gehabt, dass Israel “nur” den Gaza-Streifen angegriffen hat und nicht den Iran. Gemäss der New York Times lehnte der noch-Präsident George W. Bush im letzten Jahr ein Ersuchen Israels zum Einsatz US-amerikanischer Bunker Buster zur Bombardierung der nuklearen Komplexe innerhalb Irans ab. Ebenfalls von Israel angefragt und von den USA abgelehnt wurden Betankungsausrüstungen (die New York Times gibt keine Auskunft, ob es sich dabei um Zusatztanks oder um Luftbetankungsvorrichtungen handelte) um die Reichweite der israelischen Kampfflugzeuge bis in den Iran hinein zu vergrössern und die Überflugrechte über den Irak. Im Gegenzug habe Bush jedoch seit anfangs 2008 verdeckte Aktionen zur Sabotierung der iranischen Nuklearanlagen autorisiert. Dieses verdeckte Programm werde Bush an seinen Nachfolger Barack Obama übergeben (wieso erinnert mich das bloss an die Invasion in der Schweinebucht? ;-) ). Wie Obamas Politik gegenüber dem Iran aussehen wird, ist derzeit noch ungewiss. Er sprach sich auf der einen Seite für direkte Gespräche mit dem Iran aus, gleichzeitig will er jedoch den militärischen Druck aufrecht erhalten. Am 4. Juni 2008 versicherte Obama der israelischen Lobby in den USA alles zu tun, um eine iranische Atombombe zu verhindern (siehe Video oben links).

Wechseln wir von den Saboteuren zu den Piraten! Das renommierte sicherheitspolitische Magazin “Foreign Policy” räumt in einem Artikel mit falschen Vorstellungen über die Hochseepiraterie auf. Beispielsweise sei die Auffassung, dass es ein “Come back” der Piraterie gäbe falsch, denn diese sei schon immer präsent gewesen. Was jedoch geändert habe, sei das geografische Gebiet, in dem die Hochseepiraterie auftreten würde. Bis Mitte der 1990er sei sie geografisch stärker verteilt gewesen und habe sich erst danach mit der Zuname eines regen Handels zwischen den asiatischen bzw. arabischen Ländern (insbesondere China und Naher Osten) und Europa stärker auf die Ost-West-Handelsrouten im Südchinesischen Meer, in der Strasse von Malakka und im Indischen Ozean konzentriert. In den letzten 5 Jahren habe sich die Pirateriegebiete an die Küsten Afrikas verschoben. Eine Gemeinsamkeit der durch die Piraterie gefährdeten Regionen falle jedoch auf: es handle sich dabei insbesondere um Küstenregionen zerrütteter Staaten ohne wirksamer staatlicher Küstenwache. Die Hochseepiraterie sei prinzipiell eine Form der organisierten Kriminalität zur See und habe derzeit noch nichts mit dem Terrorismus gemein. Hauptziel der Piraterie sei das illegale Erwirtschaften von Geld und nicht die Verbreitung von Angst oder die Durchsetzung irgendwelcher Ideologien. Mannschaft, Schiff und Ladung würden nach Erhalt des Lösegeldes unversehrt freigelassen – nur so können Piraten auch in Zukunft die Zahlung von Lösegeld erwarten.

Gemäss Derek S. Reveron, Professor of National Security Affairs am U.S. Naval War College werden Handelsschiffe mit bewaffneter Besatzung keine Angriffe verhindern können, sondern eher zu einer Eskalation führen. Eine negative Begleiterscheinung könnten höhere Versicherungsbeiträge sein, ausgerechnet auf Grund der bewaffneten Besatzung, weil hier eine gewalttätige Auseinandersetzung am ehesten zu erwarten sei. Die besten und günstigsten Massnahmen gegen einen Piraten-Angriff seien Stacheldraht, Frühwarnung durch moderne Radars, Erhöhen der Geschwindigkeit und nicht-letale Waffen, wie beispielsweise das Long Range Acoustic Device.

Bekanntlich konnten Piraten für den entführten “Sirius Star3 Millionen US-Dollar erpressen. Nach dem Verlassen der “Sirus Star” gingen die Piraten auf dem Weg zum Festland in einem Sturm mit samt der Beute unter. Interessant nur, dass das Photo der BBC (siehe rechts) mit der Lösegeldübergabe mittels Fallschirmabwurf gar nicht nach Sturmwetter aussieht. Naja, wen kümmert’s, Stürme treten nun mal überraschend auf ;-)

Letzte News

This entry was posted in Iran, Piraterie, Somalia.

6 Responses to Nachschlag 17: Saboteure und Piraten

  1. coimbra says:

    “Handelsschiffe mit bewaffneter Besatzung keine Angriffe verhindern können”

    Mich würde mal wunder nehmen wieso immer behauptet wird, warum bewaffnete Soldaten/Polizisten nichts bringen. Wenn auf einem Tanker 10 gut ausgebildete Soldaten mit ordentlicher Ausrüstung sind, dann ist doch so ein Boot schnell versenkt.

  2. mig29movt says:

    In einer Kurzmeldung im deutschen Sender N-TV, las ich gestern die Nachricht über die geplante israelische Aktion (wäre ja nicht das erste Mal: http://de.wikipedia.org/wiki/Syrien#Verh.C3.A4ltnis_zu_Israel)
    Was mich überraschte war die Absage des Präsidenten Bush oder seiner Berater, wieso ziehen sich diese auf einmal zurück? Zu was wäre dieser Angriff kontraproduktiv?
    Wollte er nur ein ähnliches Disaster wie den Irakkrieg verhindern, da dieser auch schon auf Lügen basierte? (Iranisches Atomprogramm soll ja laut CIA&co eingestellt worden sein: http://de.wikipedia.org/wiki/Iranisches_Atomprogramm#Geheimdienstberichte.2C_Computersimulationen)

  3. Hallo Coimbra,
    ich denke die Antwort darauf findest Du hier.

  4. Hallo mig29movt,
    für die US-Absage gab es vermutlich verschiedene Gründe Israels Vorhaben eine Abfuhr zu erteilen. Ich denke einer der wichtigsten Gründe könnte gewesen sein, dass es sich die USA nicht leisten kann mit dem Iran Krieg zu führen. Seit die US-Armee im Irak und in Afghanistan gebunden ist, fehlen ihr rund 50’000 Mann – an einen dritten Kriegsschauplatz ist nicht zu denken. Zusätzlich grenzt der Iran sowohl an den Irak wie an Afghanistan – eine Eskalierung hätte für die US-Armee in beiden Kriegsschauplätzen entscheidenede negative Konsequenzen nach sich ziehen können. Denkbar wäre eine Zunahme der Sabotage und Terrorakte auf US-Stützpunkte in der ganzen Region und/oder die Unterstützung von Terrorgruppen (analog zur Unterstützung der Hisbollah im Libanon). Ausserdem könnten sich arabische Verbündete bei einer Eskalierung in der Region von den USA abwenden. Nicht zu vergessen ist, dass der Iran trotz allen Spannungen mit den USA sich so gut wie nicht in die US-amerikanischen Operationen im Irak und in Afghanistan einmischt.

    Ein anderer Grund könnte in den zweifelhaften Erfolgsaussichten eines nachhaltigen Luftschlages liegen. Um das iranische Atomprogramm vollständig zu zerstören, müsste man rund 30 zum Teil unter Fels gebaute Nuklearanlagen bombardieren. Gemäss einer US-amerikanischen Planung aus dem Jahre 2004 wären für eine erfolgreiche Operation jedoch rund 300-450 Ziele auszuschalten. Dazu kommt, dass die Anlagen dezentralisiert, womöglich nicht vollständig aufgeklärt sind und dass der Iran eine nicht zu vernachlässigende Fliegerabwehr besitzt. Es wird geschätzt, dass der Iran mit seinen Abwehrrakten (russischen SAM-, chinesischen SA- Raketen, einige alte US-Hawks und neuere russische TOR M-1) ihre Nuklearanlagen von maximal 48 herannahenden Flugzeugen oder Projektilen bis in eine Entfernung von sechs Kilometern schützen kann. Neben der Lieferung von verschiedenen Bodenraketen, wie die Feimeng 80, sollen chinesische Firmen das gesamte Radarsystem modernisiert haben, so dass Ziele bis in eine Tiefe von 300 Kilometer geortet werden könnten. (Quelle: Telepolis)

    Last but not least könnte der Iran die globale Ölversorgung empfindlich stören. Im Juli 2008, nach israelischen Flugmanöver über dem östlichen Mittelmeer und Teilen Griechenlands, drohte der Kommandant der Iranische Revolutionsgarde der Islamischen Republik, General Mohammad Ali Jafari, den Ölfluss durch die Strasse von Hormus zu unterbinden, sollten entweder die USA oder Israel den Iran attackieren. Durch die Meerenge am Persischen Golf transportieren Tanker täglich bis zu 17 Millionen Fass Öl – rund 40 Prozent des weltweit gehandelten Rohstoffs. (Quelle: Tagi)

    Natürlich nahm die Veröffentlichung des National Intelligence Estimate mit der Einschätzung, dass der Iran seit 2003 nicht mehr an einer Atomwaffe arbeite (der Bericht sagt jedoch nicht, dass das “zivile” Iranische Atomprogramm eingestellt wurde), der US-amerikanischen Regierung (und eigentlich auch der israelischen Regierung) die letzte Grundlage für eine militärische Lösung des Problems.

  5. Pingback: Offiziere.ch » Neulich beim AAD 10: Übung 1 - Piraten-Jagen

  6. Pingback: Offiziere.ch » Der Omidschock

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Comment Spam Protection by WP-SpamFree