Statistik: Geleistete Diensttage 2008

Vorbereitung WEF 08Das VBS veröffentlichte letzten Freitag die Statistik der geleisteten Diensttage 2008. Trotz der EURO 08 gingen die Dienstag um 200.000 Tage auf 6,36 Millionen zurück, was ungefähr dem Niveau von 2006 entspricht. Unter der Berücksichtigung, dass bei der Statistik 2007 auf Grund einer Umstellung des Rechnungssystems zusätzliche 3 Wochen mitgezählt wurden (was ca. 190.000 Diensttage ausmachte), blieben die geleisteten Diensttage die letzten 3 Jahre ziemlich konstant. Sie umfassen Ausbildung und Einsätze, wobei letztere mit total 548.317 Tagen zugelegt haben (+130.000 Tage). Der Grund für diese Zunahme lag grösstenteils an der EURO 08, die mit 123.935 Diensttage rund ein Viertel (22%) der Gesamteinsätze ausmachte. Werden die Einsätze der EURO 08 mit den übrigen subsidiären Einsätzen (WEF, AMBA CENTRO usw.) zusammengerechnet, so machten sie mit 429’988 Einsatztagen 78% aller Einsatzleistungen aus – das entspricht einer Zunahme von 46% gegenüber des Vorjahres. Im Gegenzug nahmen die Unterstützungseinsätzen für Zivile (Skiweltcuprennen, Eidgenössisches Jodlerfest, Tour de Suisse, Pfadi-Bundeslager usw.) um 18% ab. Bei den friedensfördernden Einsätzen gibt es kaum Veränderungen zur Vorjahresperiode und im Rahmen der Katastrophenhilfe mussten im 2008 glücklicherweise keine Einsätze geleistet werden.

Das Verhältnis zwischen an den Einsätzen beteiligten Miliztruppen (WK bzw. Durchdiener) und Berufsmilitär (in erster Linie Angehörige der Militärischen Sicherheit) veränderte sich leicht zu Gunsten der Miliztruppen (87% der Einsatztage). Der Anteil der WK-Truppen an den Einsätzen nahm zu, weil bei den Durchdiener durch die Erhöhung des Anforderungsprofils die Bestandeszahl abgenommen hatte (von 3357 AdA im Jahre 2007 auf 2382 AdA). Im Durchschnitt standen pro Tag 1.502 Soldaten im Einsatz, davon 274 im Ausland. Bei den Auslandoperationen beendete die Armee aus Sicherheitsgründen ihr militärisches Engagement in Afghanistan. Die Bilanz der Armee-Einsätze 2008 fällt positiv aus. Es konnten alle geforderten Leistungen erbracht werden. Insbesondere in den Einsätzen zu Gunsten des World Economic Forum (WEF) 2008 und der EURO 2008 durfte die Armee Lob und Anerkennung entgegennehmen. Auch der Einsatz zum Schutz internationaler Einrichtungen (AMBA CENTRO) wurde von der Polizei insgesamt als gut bis sehr gut beurteilt. Diese positive Gesamtbilanz der Einsätze 2008 wurde allerdings durch das tragische Bootsunglück auf der Kander getrübt. Bei diesem Unglück kamen vier Armeeangehörige ums Leben. Ein weiterer wird nach wie vor vermisst.

REMOVEDie Kosten für einen Diensttag pro AdA beliefen sich im Jahr 2008 auf 34,90 Franken, was einer Zunahme von 3,8% gegenüber dem Vorjahr entspricht. Dieser Betrag beinhaltet unter anderem den Sold, Unterkunft, Verpflegung, Transporte, entstandener Land- und Sachschaden, Dienstleistungen Dritter sowie allgemeine Ausgaben (Beförderung von Paketen und Briefen, Telefonkosten, Materialkredit an die Truppe und Sanitätsdienst). Bevor hier wieder eine Diskussion über die Kostenstruktur der Schweizer Armee ausbricht: die volkswirtschaftlichen Kosten sind nicht eingerechnet. Gesamthaft gesehen, kosteten die Schulen und Kurse der Armee im Jahr 2008 rund 222 Millionen Franken (+1%). Mit 56,5 bzw. 65,4 Millionen Franken stellten der Sold und die Verpflegung der AdA (13 Millionen Mahlzeiten!!) die grössten Posten in der Abrechnung dar. Für Unterkünfte wurden 27,4 Mio. Franken, für Transporte 41,3 Mio. sowie für Land- und Sachschaden 3,7 Mio. Franken bezahlt. Die Armee bezog für rund 42,1 Mio. Franken Nahrungsmittel über den zivilen Detailhandel, meist ortsansässigen Lieferanten. Was erstaunt ist der Anteil der Angehörigen der Armee, die öffentliche Verkehrsmittel benutzten: 64% in den WK-Verbänden und 83% in den Lehrverbänden.

Im Rahmen des Luftpolizeidienstes wurden von der Luftwaffe 23 “Hot Missions” (Interventionen) – davon 8 während des WEF 2008 und 5 während der EURO 2008 – auf Luftfahrzeuge ausgeführt (gleiche Anzahl wie 2007). Bei den Vergehen handelte es sich um Luftraumverletzungen oder Problemen mit Funkverbindungen. Zudem wurden rund 305 “Live Missions” (Kontrollen von Staatsluftfahrzeugen) durchgeführt. Bei den Leistungen der Luftwaffe nicht eingerechnet sind die Profileistungen in den Bereichen Luftverteidigung, Luftaufklärung und Lufttransportdienstleistungen zugunsten des Grenzwachtkorps (GWK), der Polizei, der Rega und des Lufttransportdienstes des Bundes.

Was die Rekrutierung betrifft, nahm die Zahl der Stellungspflichtigen von 39.686 (2007) auf 38.597 ab. Nach Abzug der um ein Jahr Zurückgestellten (1.519 Stellungspflichtige) waren 80,5% der Stellungspflichtigen diensttauglich (2007 waren es noch 82,3 %). Trotz dieser Verringerung gehört die Schweiz mit Griechenland und der Türkei zu denjenigen europäischen Staaten mit der höchsten Diensttauglichkeitsrate. Auf die Stellungspflichtigen bezogen, wurden 64,6% dem Militärdienst und 16% dem Schutzdienst zugeteilt; 19,5% galten als dienstuntauglich. In der anonymen Befragung am Ende der Rekrutierung gaben 95% der Stellungspflichtigen an, sie seien mit der zugeteilten Funktion zufrieden oder sehr zufrieden. Das oft gehörte Vorurteil, dass die heutigen Jugendlichen sich generell einer Dienstleistung entziehen wollten, konnte mit der Befragung von 25.000 Stellungspflichtigen wiederlegt werden: nur grad 3,9% der Befragten gab an, dass sie weder Militärdienst noch Schutzdienst leisten möchten. Im Vergleich der Kantone weist Nidwalden mit 77,69% die höchste Tauglichkeitsrate auf gefolgt von Luzern (77,12%) und Appenzell I.Rh. (76,34%). Die tiefsten Tauglichkeitsraten weisen die Kantone Genf (52,19%), Zürich (56.01%) und Wallis (56,40%) auf. Die Anzahl der Frauen blieb praktisch gleich: 2008 liessen sich 157 Frauen freiwillig rekrutieren (2007: 160), wovon 78,98% diensttauglich waren.

Hauptquellen

Bildverzeichnis
Oben links: Die Vorbereitungsarbeiten für das diesjährige WEF haben vor 1,5 Wochen begonnen. Auf dem Photo wird der Helikopterlandeplatz in der Still in Davos Dorf mit Stacheldraht umzäunt (08.01.2009). Das WEF 09 wird zwischen dem 28. Januar und dem 1. Februar stattfinden.
Mitte rechts: Auch das gehört zu den Armeeeinsätzen. Seit 2003 entfernen Angehörige der Armee flugsicherheitsrelevante Teile von nicht mehr benötigten Transportanlagen und Leitungen in den Schweizer Alpen.
Unten rechts: Das Inf Bat 70 übte im Juli 2008 auf dem Simulator ELTAM die Kampfführung gegen feindliche Kräfte.

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