Erdöl: Rohstoff im Spannungsfeld machtpolitischer und ökologischer Interessen

Heute fand zwischen 0930 – 1300 das 13. Colloquium Sicherheitspolitik und Medien mit dem Titel Erdöl: Rohstoff im Spannungsfeld machtpolitischer und ökologischer Interessen an der ETHZ statt. Ich will meine Beurteilung vorwegnehmen: eine sehr interessante Veranstaltung mit hochkarätigen Vortragenden und Diskutierenden. Den Teilnehmern auf der Hörerseite wurde am Schluss des Podiumsgespräch die Möglichkeit zur Diskussionsteilnahme gegeben, was so rege genutzt wurde, dass die Organisatoren ungefähr 30 Minuten überzogen – in meinen Augen eine mutige und richtige Entscheidung.

Eröffnet wurde die Veranstaltung von Botschafter Thomas Feller. Anschliessend wurde von Dr. rer. nat. Werner Zittel eindrückliche Fakten zu der Ressource “Erdöl” vermittelt. Mit aktuellsten Forschungsdaten untermauert, zeigte er dem Publikum auf, dass es einen “Peak of Oil” gibt, dass wir ihn entweder zurzeit erreicht haben oder dass wir ihn in den nächsten Jahren erreichen werden. Er zeigt auch in einer positiven Art und Weise auf, dass die Energieprobleme zu meistern sind, dass jedoch der Übergang (die nächsten 30-50 Jahre) kritisch ist. Dr Zittel ist tätig bei der Ludwig-Bölkow-Stiftung, die auch die Website energiekrise.de führt, so dass man dort einige der Fakten wieder finden kann. Ein Interview mit Dr Zittel findet man hier. Weiterer interessanter Link zu diesem Thema: hier.

Lic. oec. HSG Kurt Streiff, Deligierter und Direktor beim Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung stimmt mit Dr. Zittel überein, dass es ein “Peak of Oil” geben wird. Er vertritt jedoch die Meinung, dass die Versorgung mit Öl die nächsten 40-50 Jahre problemlos möglich sei. Aus diesem Gesichtspunkt ist es logisch, dass sich die wirtschaftliche Landesversorgung ausschliesslich auf vorübergehende Störungen in der Ölversorgung vorbereitet und strategische Lager für 4.5 Monate unvermindertem Ölverbrauch (wenn kein einziger Tropfen mehr importiert wird) bereithält. Bei rationierenden Massnahmen, die ebenfals bereits in der Schublade des Bundesamtes lagern (autofreie Sonntage, alternierendes Fahrverbot für Personenwagen mit geraden bzw. ungeraden Nummernschildern u.a.) werden die strategischen Lager der Schweiz voraussichtlich für 6 Monate reichen. Kurt Streiff ist überzeugt, dass der Markt das Problem regulieren wird – mit anderen Worten: der Treibstoff wird mit der Zeit so teuer werden, dass die Nachfrage zwangsläufig zurückgehen wird und die Konsumenten aus Kostengründen andere Lösungen insbesondere im Individualverkehr vorziehen werden. Was mir persönlich zu denken gegeben hat, war seine Antwort auf die Frage, welche Grundlagen seine Prognose unterstützen, dass das Öl noch 40-50 Jahre die Nachfrage deckt: seine optimistische Prognose stützt sich darauf, dass historisch schon mehrmals das Ende des Erdölzeitalter prophezeit wurde, aber bis jetzt nie eingetreten sei. Das gibt mir persönlich keinen Eindruck von einer langfristigen und nachhaltigen Planung durch das Bundesamt für landwirtschaftliche Versorgung.

Weitere Teilnehmer an diesem Colloquium waren Dr. iur. Rolf Hartl, Geschäftführer Erdöl-Vereinigung Zürich und Dr. phil. Hans-Peter Fricker, Direktor WWF Schweiz. Das Publikum setzte sich grösstenteils aus Vertretern der Armee (darunter Korpskommandant Luc Fellay) und Interessierten der ETHZ zusammen.

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